Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, müssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5284
Themen:   87730
Momentan online:
101 Gäste und 1 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Erzählungen
Küchendienst
Eingestellt am 19. 06. 2001 17:07


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Onitor
Hobbydichter
Registriert: Jun 2001

Werke: 6
Kommentare: 9
Die besten Werke
 
Email senden
Profil
Küchendienst

Küchendienst

Es war der erste Tag auf meinem Weg zum Altersheim. Irgendwie bin ich da reingestolpert, so wie man in die Schule kommt oder plötzlich in einer Schwulenbar landet. Ein kühler, ungemütlicher Morgen mit Regen, Wind und Angst lag vor mir.

Ich sollte um 6:00 Uhr anfangen und machte mich überpünktlich 5:00 Uhr auf den Weg zur zirka 30 Kilometer entfernten Hölle. Mein Auto funktionierte und zwang mich nach vorne, auf der Fahrt überlegte ich mir ständig Ereignisse, Zufälle die mir eine Ausrede möglich machten. Doch die Realität brachte mich, meinem verpflichteten Ziel unaufhaltsam näher. 5:32 Uhr erreichte ich diesen unsympathischen Flecken Erde. Natürlich war ich viel zu früh dran, was mich aber beruhigte und meinem pochenden Herzen eine kleine Verschnaufpause gönnte. Ich zündete mir eine Zigarette an und beobachtete die Regentropfen, die auf meiner Windschutzscheibe starben.
Ich dachte an meine Freundin, die jetzt wohlig warm in ihr Bett eingehüllt, schlief und ihre Schönheit und Energie so verschwendete. Ich wünschte mir, sie würde ständig in meiner Nähe schweben und ich könnte, immer wenn es nötig wäre, von ihrer Kraft ein Stück absaugen. Irgendwie tue ich das auch, glaube ich, unbewußt oder so.

Ein häßlicher Mann klopft an meine Scheibe und sagt mit behinderter Stimme: „Die kommen gleich, du bist zu früh." Ich nicke ihm bejahend zu und kurbel die Scheibe wieder hoch. Er zog siegessicher, nach erfolgreicher Mission die Bahn. Ich zünde mir die nächste Zigarette an, es ist kalt und ich will hier weg. 5:44 Uhr, zwei Scheinwerfer treffen auf meinen Rückspiegel und nähern sich bedrohlich, ein Frau steigt schnell aus dem Wagen und bewegt sich fast ängstlich, durch den Regen auf den Hintereingang der Küche zu. Ich schnappe meine weißen Arbeitsklamotten und steige mit einem Ruck, atemlos aus dem Auto, schließe langsam ab, der Regen ist angenehm und ich würde ihn, im Moment, am liebsten ewig genießen. Ein gequältes „Guten Morgen" trifft neben mir auf die Straße und ich betrete gedankenlos den Keller, in dem ich mich die nächsten 13 Monate unwohl fühlen werde.
Ich habe einen eigenen Raum, in dem ich mich umziehen kann. Ich bemühe mich, meine Kleider leise zu tauschen, und höre nebenan, ihre grobe, gewohnte, bäuerliche Art sich umzuziehen. Ich schaue in den vergilbten Spiegel, der neben mir hängt, ich bin müde, gestreßt und falsch. Ich zwinkere mir aufmunternd zu und mach mich auf den Weg nach oben ins grelle Licht.

Meine erste Aufgabe war es, Brote für Station 3 zu schmieren. Was nicht sonderlich schwer war, da man eine Liste hatte, auf der jeder Einzelne mit seinem persönlichen Frühstückswunsch vertreten war. Diese Wünsche beschränkten sich auf Toast, Graubrot oder Brötchen mit Marmelade, Schmierwurst und, was ich später noch herausfinden sollte, mit dem sich immer wiederholendem Aufschnitt der aus Bierschinken, Leberkäse, Rotwurst, Presskopf und Salami bestand. Ich wunderte mich, dass die Brötchen auf dem letzten Platz der Wunschliste rangierten, ach ja eins noch, mit Wünschen erfüllen, tat man sich ziemlich schwer, jeder Zauberlehrling hätte nur mit den Kopf geschüttelt.
Ich stand mit dem Rücken zur Küchenchefin Frau Rot. Sie machte einen verflucht munteren Eindruck, war zirka 1,55m groß und sah viel jünger aus, als man es von einer 59jährigen erwartet. Ihre kurzen, dauergewellten Haare waren rot gefärbt und vermittelten in Verbindung mit ihrem weichen und doch bestimmten Blick, dass Bild einer dynamischen, charakterfesten, mitten im Leben stehenden Frau. Ich sah zum Fenster hinaus, es wurde langsam hell und der Regen hatte an Kraft verloren. Mein größter Gedanke war, dass ich in 2 Wochen erstmal ein paar Tage krank mache, was mir ein wenig Mut in die Seele zauberte.
Nach dem Brote schmieren ging es zum Malzkaffee abgießen, dann füllte ich die Teekannen auf und stellte alles auf den dazu gehörenden Stationswagen. 7:00 Uhr waren wir fertig und machten eine interne Pause die mit einem kleinen Imbiß einher ging. Ich nahm mir einen Teller, ein Brötchen, 1 Scheibe Wurst und ein kleines Stück Butter. Nachdem ich gegessen hatte, ging ich erstmal aufs Klo, um ein wenig Ruhe zu finden. Die Toilette war in einem dreckigem gelb gehalten und paßte ausgesprochen gut in den Keller eines alten Altersheims. Doch das störte in keinster Weise, im Gegenteil sie spiegelte meine Stimmung ziemlich genau wieder, aber es wäre übertrieben von einer Seelenverwandtschaft mit diesem Raum zu sprechen. Ich setzte mich auf die Toilette, schloß meine Augen und legte den Kopf in meine, um diese Zeit überraschend warmen Hände und hielt mich an meinen Träumen fest. Nach ungefähr sieben Minuten stürzte ich eilig die Treppe hinauf, um nicht aufzufallen und aus Angst sie könnten denken, ich würde auf dem Klo sitzen und das genießen.

Bis zum Frühstück um acht war noch eine halbe Stunde Zeit und ich stellte mich an die Spülmaschine und trocknete unser Pausengeschirr ab.
Von der Spülmaschine konnte man direkt in den Speisesaal sehen. Ich trocknete sehr langsam ab und keiner störte mich dabei, schließlich war es mein erster Tag und sie verstanden blind, dass ich meine Ruhe haben wollte oder ich hatte einfach nur Glück. Mit sie, meine ich die Chefin Frau Rot und ihre blonde, frisurlose Stellvertreterin Frau Eckert, die erst Sieben Uhr hier eintraf und mich mit einem typischen, ein wenig unsicheren und ein aus altersbedingter Überheblichkeit entstandenen Na, bla, bla begrüßte.

Auf zwanzig Minuten konnte ich das Abtrocknen von 5 Tellern, 5 Tassen, Untertassen, Löffeln und Messern strecken und hatte in wichtigen Augenblicken, wenn sie ins Büro gingen, welches der einzigste Raum in der Nähe der Spülmaschine war oder noch ist, immer genug zu tun, um diesen Betrug für beide Seiten tragbar zu machen. Das es 5 Tassen und Teller waren lag daran, dass die beiden Hausmeister sich jeden Tag 7 Uhr in der Küche einfanden, um dieser internen Pause beizuwohnen. „Interne Pause" heißt, eigentlich weis niemand davon und trotzdem wußte es jeder, selbst die Heimleiterin, die aber ständig mit Leckereien verwöhnt oder bestochen wurde.
Naja, lange Rede kurzer Sinn, zum Frühstück kippte ein 82jähriger Opa vom Stuhl, lief blau an und verreckte elendig.
Schwestern kamen, heulten während ich den anderen hungrigen Leuten das Frühstück hinstellen mußte.

Seltsam unbeeindruckt verhielten sich meine „Arbeitskollegen" die sich einheitlich vorlogen (jedenfalls erschien es mir in meiner Unerfahrenheit so), dass es das Beste für den alten Mann war und dessen Name, Herr Wagner, ich wohl niemals vergessen werde. Der Tag nahm seinen normalen Lauf, wie das Leben halt so ist, jemand stirbt, jemand wird geboren, der eine haßt, der andere ist frisch verliebt. So läuft das nun mal, die grundlegende Ordnung bringt kein Einzelner durcheinander, egal wie schlecht oder gut das Schicksal, wenn es eins gibt, es mit ihm meint.
Bis zum Mittag machte ich einfache Aufgaben, wie es sich für einen Neuling gehört, Töpfe abwaschen, Brot für den nächsten Tag schneiden...
Das Brot vorbereiten, gefiel mir auf Anhieb, da ich dafür in den Keller mußte und dort unbeobachtet meiner Arbeit nachgehen konnte. Dabei streckte ich die Zeit auf eine gute Stunde was rein rechnerisch eine halbe Stunde Pause für mich bedeutete.
In dieser Zeit erkundete ich den Keller, immer vorsichtig und auf der Hut, dass eine von ihnen hinunter kommen würde, angeblich auf Toilette müßte, doch eigentlich nur meine Arbeitsweise überprüfen wollte. Ich entdeckte eine versteckte Uhr im Elektrokasten, die mir bei meinem Zeitraum eine große Hilfe war, da ich mich nicht auf mein Zeitgefühl verlassen mußte, wäre das der Fall gewesen, wäre ich sicher nach 40 Minuten, voller Hummeln im Arsch, hinaufgestürmt und sie hätten auch nur 40 Minuten für mich da unten eingeplant.
So konnte ich meine Stunde nutzen und ihnen den Glauben vermitteln, dass ich halt nicht der Schnellste bin und sie 1 Stunde für mein Broteschneiden, erstmal, als gegeben hinnahmen.
Zum Mittag war eine gedämpfte Stimmung, jedenfalls erschien mir es so, ich hatte ja noch keine Vergleichsmöglichkeit. Frau Neumann, die mich am stärksten beeindrucken sollte, sagte zum Tod des alten Herrn, der neben ihr sein Zimmer hatte: „Ist besser so, der hat doch eh nur noch geröchelt und ich konnte nicht schlafen." Wobei sie das „ich konnte nicht schlafen" dreimal wiederholte. Wahrscheinlich um Mitleid und Verständnis, die beiden wertvollsten Dinge hier im Heim, von mir zu bekommen. Die gab ich ihr auch, indem ich respektlos ja, ja heuchelte und ihr das von ihr bemeckerte Essen hinstellte. Sie ist die häßlichste Frau, die ich bis jetzt gesehen habe. Sie ist so häßlich, dass selbst ein besoffener, lebenslänglich verurteilter Häftling sie nicht mit Sex in Verbindung gebracht hätte. Kurze Beine, quackliger Gang, wie ein schlechter Charlie Chaplin Imitator, Hängetitten, Hackennase, schmale Lippen, Warzen am Hals und im Gesicht, keine Frisur, krumme, schrumplige Hände und die Stimme einer hysterischen Bäuerin. Sie hatte eine aufdringliche sackgängerische Art, die sie bei allen anderen unbeliebt machte, aber interessanter als diese Standartomis, Danke das hat aber gut geschmeckt, dass hat aber wieder gut gescheckt, danke... . Sie war ehrlich und hatte noch Sinn für die Schönheit der Natur.

Irgendwelche Leute entschieden das 4 Mann ihr Mittagessen im Speisesaal einzunehmen hatten. Frau Neuman, Herr Römmel, der fraß wie ein Scheunendrescher und man hatte den Eindruck, jedesmal wenn er kaute, das er bei einem Bissen mindestens zwanzigmal tat, er seinen Unterkiefer aus der natürlichen Verankerung löste, so das sein ganzer Kopf vibrierte. Dabei wackelte er mit seinem Oberkörper, im selben Takt wie er kaute, immer vor und zurück. Ein fröhliches mmhmmhmhmmh, wie ein gutgelauntes singen, rundete das Bild eines völlig Bekloppten ab.
Dann war da noch Erwin, ein 55jähriger Alkoholiker und Kettenraucher, dessen schwarzgelbe Finger verrieten, dass er in Aschenbechern wühlte und sich den stinkenden, alten Kippentabak in selbstgedrehten, sogenannten Hugozigaretten, zu Gemüte führte. Er sagte nichts, als wär ihm alles egal, schlurfte sein Essen und ging schnurstracks als kleine, dicke, graue Gestalt zum Raucherraum.
Neben seinem Platz saß Frau Münzer, die sich ständig wie ein tolpatschiger, ferngesteuerter Roboter bewegte und diesen leeren, irren, dämlichen Blick hatte, es war nicht möglich, dass so ein Blick auf natürliche Weise entstand, sie war vollgepumpt mit Drogen härtester Art.

Da stand ich nun als frischgebackener Zivi, nur so, ohne über irgendwas nachzudenken oder an mich ranzulassen, eigentlich stand ich gar nicht hier, jedenfalls nicht so wie sie mich hier stehen, sahen.
Ich hatte mich an die Leere die hier überall in der Luft lag, schon gut angepaßt.

Die auf das Mittagessen folgende Mittagspause verbrachte ich mit essen und einer Zigarette im relativ lieblosen Grünen vor dem Haupteingang. Ich hatte noch nicht den Mut mich ins Raucherzimmer zu setzen. ihr könnt das sicher verstehen, außerdem war mittlerweile die Sonne hervorgetreten, was ich mit der wohltuenden Einsamkeit, als eindeutig angenehmer empfand. Es war still und die Vorstellung des Mittagsschlafs der meisten Leute hier, verstärkte meine chronische Müdigkeit, die unermüdlich meine Augenlider niederdrückte. Doch die Zeit holte mich mit lautem Getöse ein und empfing mich mit dem Mittagsabwasch von 85 Leuten! Die berge von Teller, Tassen, Töpfen, Bestecken..., schockten mich, aber ich war überraschender Weise nicht lustlos, da die helfenden Frauen und die Spülmaschine mir die Hoffnung auf ein Ende gaben. Nach einer drei viertel Stunde hatten wir alles erledigt und es schienen alle zufrieden zu sein. Wir bereiteten den Nachmittagstisch vor und sie zeigten mir noch einige Kleinigkeiten die zu meinen Aufgaben gehörten. Dann machten wir noch eine Pause in der ich, ohne viel zu reden , dem Gespräch der beiden lauschte.

Halb drei war Kaffeezeit und in 15 Minuten hatte ich Feierabend. Frau Münzer lief ungeduldig im, jetzt zur Nachmittagszeit besonders wirkenden Speisesaal umher. Der braune Fußbodenbelag, die unpassenden, lieblosen Vorhänge, die pissgelben Wände und der traurige Versuch mit ein paar häßlichen, halbtoten Pflanzen ein bißchen Leben in die Gruft zu zaubern.
Der widerliche Malzkaffeegeruch, der trockene Kuchen, ließen mich an meine Kindergarten und frühen Schulzeiten denken und die alte Angst begleitete mich ein paar Sekunden. Ich gab Frau Münster, die als einzigste gekommen war, ihren Malzkaffee und ein Stück Diabetikerkuchen.
Pünktlich 14:45 Uhr sagte ich, nach 5 Minuten innerlicher Vorbereitung: "Ich geh jetzt." und ich ging, begleitet von einem Ja gut, Tschüß.
Ich ging in den Keller, zog mich um, und wunderte mich ein wenig, dass mir meine Klamotten noch paßten. Ich stieg in mein Auto, das durch die Sonne angenehm aufgeheitzt war und fuhr davon. Ich ließ die meisten, meiner heute gesammelten Erfahrungen dort, als würde ich nie wieder zurückkommen.
Den restlichen Tag verbrachte ich mit meiner Freundin, den ich nur noch als glückliches Lächeln in meiner Erinnerung habe.

Die nächste Zeit verging im Flug, am Dienstag fing ich an und ruck-zuck war es Freitag früh 5:10 Uhr und der Wecker klingelte. Ich kam sehr schwer aus dem Bett, was bei mir der Normalzustand ist. Ich fuhr mittlerweile schon ziemlich spät los, so daß ich, nach meiner Berechnung, 5:58 Uhr ankam, heute klappte es auch genau. Ich zog mich in Windeseile um, hastete die Treppe hinauf und betrat dann scheinbar ruhig und gelangweilt die Küche. Morgen! Ich feuerte mein „Morgen" auf die Fliesen und es schoß wie ein Tischtennisball durch die Küche und landete nach vielen Umwegen im Ohr von Frau Eckhardt, die ihren Ball leicht in meine Richtung hauchte. Sie hatte schon die Hälfte ihrer Station geschmiert, was den einzigsten Schluß ließ, dass sie schon mindestens 20 Minuten hier sein mußte, obwohl erst 6:00 Uhr Arbeitsbeginn war. Das war mir ein wenig unsympathisch, aber ich dachte nicht weiter darüber nach. Frau Rot belehrte mich am Dienstag, dass ich jeden Morgen die Hände waschen soll und nach jeder Tätigkeit, nach jede Türklinke, eigentlich ständig. Also folgte ich ihrer Belehrung wenigstens am morgen und ging dann zu meinem Stahltisch mit seiner völlig zerkratzten Aluarbeitsfläche, auf der sich die ganze Nacht Bakterien versammelt hatten, wo meine zu schmierende Station auf mich wartete.
Ich dachte an meine Freundin und war mit den Gedanken längst im Wochenende, dabei unterlief mir der Fehler, dass ich einfach vergessen hatte, den Diabetikern , Diabetikermarmelade aufs Brot zu schmieren. Ich kratzte die normale Marmelade von den Toastbroten und schmierte die Richtige darauf, wobei ich, eine, für mich typische Schweinerei machte, die aber den Augen von Frau Eckert verborgen blieb.
6:45 Uhr (auch 15 Minuten zu früh) betrat Frau Mausolf, die nur 6 Stunden arbeitete, die Küche. Eine runde, kleine Person mit graumelierten Igelschnitt und ihre ganze Erscheinung war auf den ersten Blick ein Abbild ihres Namens, außen Maus, innen Wolf. Sie begrüßte mich mit einem scheißfreundlichen „Guten Morgen", sie schaute mir dabei direkt in die Augen und ihr ganzes Gesicht strahlte eine Freundlichkeit aus, die um diese Zeit mir unmöglich erschien, aber auch so überzeugend war, dass sie auf mich so ehrlich wirkte, dass sie nur falsch sein konnte.
Punkt 8 verteilte ich das Frühstück und lachte mit dem Hausmeisterzivi, der auch im Speisesaal frühstückte und den ich um seinen Job ein wenig beneidete, da er mir leichter und schöner erschien. Er war ein freundlicher, kräftiger, junger Mann und er konnte Frau Münzer und Herr Römmel äußerst detailgetreu parodieren. Ich lachte aus vollem Halse über seine Vorstellung und merkte nicht, das wir wie arrogante, boshafte Nazis auf sie wirken mußten. Das merkt man nicht in solchen Momenten, weil man vielleicht wirklich einer ist. Was wußten sie schon, wahrscheinlich nicht viel mehr als ich, aber sie wußten manches das ich wohl nie wissen werde.
Heute glaube ich allerdings, sie dachten sich gar nichts dabei, warum auch, sie hatten das denken verlernt, es hatte keinen Zweck für sie, wieso sollten sie denken, warum reden wenn alles um einen herum taub ist.
Ich trug ihr Geschirr zur Spülmaschine, ordnete es ein und startete sie, indem ich den Hebel, mit einem spielerischem Ruck, betätigte. So vergingen die Tage, abwaschen, abtrocknen, Brot schmieren und schneiden, wischen, Mittag, Frühstück... .
Ich war nun einen Monat hier und verbrachte meine Pausen meistens draußen, der Keller hatte 2 Ausgänge, ein großes braunes Tor und einen Hinterausgang zum Garten der aus einer großen Wiese mit ein paar Bäumen bestand, eine ganz andere Welt, sie war jedesmal wie ein Streicheln meiner Seele.
Mein mich anscheinend immer verfolgender Fluch, bei Zigaretten nicht nein sagen zu können, war, wie in Schulzeiten, mein ständiger Begleiter geworden. Jeden früh kam Alfred, ein kleines Kind von 50 Jahren und bettelte um eine Zigarette, die im Heim durch Zuteilung und Geldmangel sehr begehrt waren, und die ihm mein Fluch auch immer gab. Das machte mir eigentlich nichts aus und ich bereue keine einzige, auch keine für Erwin, Frau Neumann, Herr Römmel, der sie mir immer genau zurück gab und noch viele mehr.
Dadurch hatte ich einen Stein bei ihnen im Brett und sie redeten mit mir fast mehr, als mit sich selbst, was bei ihnen wirklich, relativ viel war. So erfuhr ich einige verrückte Geschichten von Flugzeugen am Himmel, der Fahrradspeichenherstellung, Sex und geheime Alkeholexzesse.

Die Tage vergingen, wie Tage eben vergehn. Ich funktionierte und erledigte die mir aufgetragen Arbeiten, auf meine Art, die an mich gestellten Erwartungen, erfüllte ich nicht zu gut und nicht zu schlecht, so das ich keine Lob erntete, aber auch nicht mit Dreck beworfen wurde.
Die Tage erscheinen mir in meiner Erinnerung sehr angenehm, die erste Vorstellung, war eine Wiese mit gelben Punkten (Löwenzahn so groß wie Gänseblümchen) und eine alte Frau in einem weißen Nachthemd, springt, verschwommen in Zeitlupe, darüber. Das ist wahrscheinlich dadurch zu erklären das ich fast jede Pause im Freien verbrachte und mir die Pausen am angenehmsten waren und deshalb die erste Vorstellung, bei einer unterbewußten Angenehmüberschrift, diese Wiese war. Die springende Frau hat sicher irgendwas mit Frau Neumann zu tun, keine Ahnung, naja. Nach etwa einen halben Jahr bekamen wir, durch die Renovierung eines anderen Heims, 400% Zuwachs im Speisesaal. Das bedeutete mehr Arbeit, weniger Pausen, das Ende der ertragbaren Zeit.

Frau Neumann kam an diesem Morgen völlig zerzaust zum Frühstück. Was heißt zerzaust, besonders zerzaust, sie kam nie als anmutende Prinzessin zum Essen, ich glaube Spiegel mochte sie nicht. Sie hatte einen roten, ausgewaschenen Pullover und eine besche Kordhose an, ihr Hosenstall war offen und ihre Schambeharrung war zu sehen, es war ein äußerst unangenehmer Anblick. Ich erfaßte es schon von weitem und reagierte, wie man eben in solchen Situationen reagiert, man tut so, als ob man es nicht bemerkt hat. Sie setzte sich schlecht gelaunt, also normal wie immer und fragte mich aus dem nichts: "Wollen wir noch oben gehen und ficken!", wobei sie, ficken, extra betonte, als wolle sie mich auslachen oder die Ernsthaftigkeit ihrer Absicht unterstreichen. Ich war geschockt und stammelte mit einem instinktiven, erstaunten Lächeln im Gesicht: "Aber doch nicht so früh am Morgen.", worauf sie nochmals ihre Frage energisch wiederholte und, da ich mich mittlerweile gesammelt hatte, reagierte ich, wie man eben in solchen Situationen reagiert, man tut so, als ob man es nicht gehört hat. Das wirkte auch, da sie zwei Minuten später, ihr Brötchen schnappte und scheinbar beleidigt davon trabte. Sie war komplett verrückt, jedenfalls heute.

Die anderen schienen nicht bemerkt zu haben, was passierte, sie hörten beim Essen nie etwas, außer, wenn es was mit mehr Essen zu tun hatte und vielleicht, hatten sie es auch bemerkt und waren diese kleinen Anfälle schon gewöhnt oder hatten weise entschieden, kein Wort zu sagen und ein paar von ihnen spürten sicher, dass ich nicht darüber reden wollte... . Der restliche Tag verlief ganz ruhig und ich vergaß den kleinen Vorfall und Frau Neumann wohl auch.
Es waren jetzt 24 Personen im Speisesaal, dann 23, 22, 21, 20, 19,18,17,16,15,14,13,12,11,10.

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


loona
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Oct 2000

Werke: 0
Kommentare: 402
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Hallo Onitor...

um es vorweg zu sagen, ich hab den Text nicht durchgehalten. Erst verwirrten mich Sätze wie "so als ob man in die Schule geht und in einer Schwulenbar landet", die so gar nicht zu der Einleitung und der Ankunft am Tag1 passen möchten (denn es war schon klar, daß es nicht schön werden würde, also wurden doch auch keine Enttäuschungen erlebt - und außerdem... was für ein sonderbarer Vergleich)... Dann ging es irgendwie so krumm weiter. "behinderte Stimme" - was hab ich mir darunter vorzustellen? Willst Du Deinem Ich-Erzähler eine bestimmte Charakterisierung mit auf den Weg geben?

Ich habe letzteres angenommen und in den nächsten Absätzen festgestellt, daß mich seine Gedankengänge befremden und immer weniger interessieren. Also, daß die Geschichte für mich an Lesefluß und Reiz verlor...

Vielleicht kannst Du mich ja mal aufklären? ;-)

Es grüßt

loona

Bearbeiten/Löschen    


Onitor
Hobbydichter
Registriert: Jun 2001

Werke: 6
Kommentare: 9
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Erstmal herzlichen Dank für Deine Antwort. Der Text ist schon zwei Jahre alt und ich habe ihn leichtsinniger Weise nicht nochmal überarbeitet. Der Vergleich mit der Schwulenbar usw., sowie der behinderten Stimme erscheinen mir jetzt auch ziemlich konfus. Ich wollte auch nur mal sehen, wie der Text so ankommt. Für nähere Auskünfte müßte ich wissen, wie weit Du gelesen hast. Lieber würde es mir gefallen, wenn Du Dir doch die Zeit nimmst weiter zu lesen. Ich weiß das der Anfang ziemlich schwer zu überwinden ist, aber es wird noch interessant!

Herzliche Grüße
Onitor

Bearbeiten/Löschen    


loona
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Oct 2000

Werke: 0
Kommentare: 402
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

;-) Na dann werd ich mich doch mal überreden lassen (irgendwo hinter den verschmähten Brötchen begann ich, zu scrollen)

Werde mir also den Text auf den Handheld ziehen und im Laufe der nächsten Tage, auf meiner Reise einen weiteren Versuch wagen...

Bis dahin...

loona

Bearbeiten/Löschen    


Onitor
Hobbydichter
Registriert: Jun 2001

Werke: 6
Kommentare: 9
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Vielen Dank für Dein Vertrauen! Es ist übrigens eine wahre Geschichte.

Eine gute Reise!
Onitor

Bearbeiten/Löschen    


loona
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Oct 2000

Werke: 0
Kommentare: 402
Die besten Werke
 
Email senden
Profil
sodele... bitte anschnallen.

Hallo Onitor...

Also, ich hab mich jetzt durchgequält. Leider im Sinne des Wortes. Der Protagonist ist kein bißchen sympathischer geworden, das Vokabular manchmal billig-respektlos, verachtend und hin und eine Ansammlung von Fehlgriffen (ich meine nicht einmal die Rechtschreibfehler). Ich sehe mich über den gesamten Text mit einem Kerl konfrontiert, der sich möglicherweise für clever hält und seine Umgebung mit mißlungener Harald-Schmidt-Komik zu betrachten sucht. Natürlich mag das daher kommen, daß es rückblickend (im Übrigen auch einige Zeitsprünge im Text) mit dem aufgestauten Frust im Magen geschrieben wurde (Du nennst es etwas, daß wirklich passiert sei...). Dem Leser erschließt sich die Entwicklung vom unbedarften (war er's denn wirklich jemals???) Zivi zum abgestumpften Stammtisch-Sprücheklopfer nicht. Das passende Modewort, daß mir zu dem Text einfällt ist: kraß. Allerdings weder bewundernd noch anerkennend. Ich weiß, Du hast mir versprochen, daß die Geschichte besser würde. Vielleicht kannst Du mich mit einer Überarbeitung überzeugen? Allein der Hinweis auf den "realen" Hintergrund ändert an der (Un-)Qualität des Textes nichts, denn Du als Autor filterst die Realität mit der gewählten Sprache und dem Aufbau für die Lesenden. Reich-Ranicki lispelte irgendwann mal. "Was interessiert mich die wahre Geschichte eines Bäckerssohns aus Südengland?" Und ich schließe mich hier an: interessant war's für mich nicht. Selbst als Gesellschaftsspiegel kann die Geschichte aufgrund der Mängel (sprachlich / Aufbau) nicht herhalten.

In diesem Sinne. Keep on going. Entwickle Deine eigene Sichtweise, aber eine funktionierende Schreibe.

Mit Gruß

loona

Bearbeiten/Löschen    


Zurück zu:  Erzählungen Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.



Leselupe-Bücher





Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!