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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Kurator
Eingestellt am 31. 03. 2005 19:09


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Solgin
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Mar 2005

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Keine Frage der Turm steht da, wo er ist. Er ist nicht auf W√ľstensand gebaut, und allzeit begehbar. Ist ein st√§hlernes Fachwerk einmal verschraubt und vernietet, bleibt es stehen und erwartet die KuratorenInnen. Die Damen und Herren besteigen es Sommers wie Winters in Stiefelletten aus Kalbsleder , Stretchjupes und kalten H√§nden.

Obwohl ihn seit einiger Zeit Palmen und W√ľstenf√ľchse umgeben, steht der Turm nicht in der W√ľste. Vor gar nicht langer Zeit haben die hiesigen W√ľrdentr√§ger, Kuratoren und Kuratorinnen, auf der Suche nach der verlorenen Moderne, in seiner unmittelbaren N√§he, eine Klanglandschaft, ein Wasserspiel, ein Brunnen, eine Oase der Ruhe auf Sand in Auftrag gegeben. Ruhe ja Ruhe, wenn da nicht ein M√ľnzschacht w√§re, ein g√ľldener Schlitz f√ľr die menschliche Hand, der die Figuren zum tanzen und die Stadtkasse zum klingen bringt. Das Licht leuchtet, rot, gelb, blau, die Musik bl√§st den Badenweilermarsch, die Wasserfont√§nen zischen himmelhoch.

Auch ich bin dem Turm in der W√ľste, der Kunst des Bauens, schon des √∂ftern begegnet. Erstmals im Jahre 68 lag ich auf den Pflastersteinen und hatte dort diesen und jenen Auf-und Abgang.

Es ist gang und g√§be eine grosse Reise zu tun, sich zu ver√§ndern, T√ľrme zu besteigen. Wieder einmal bin ich kurz davor das Rote Kreuz auf weissem Grund zu verlassen. Doch , fl√ľchtig ist der W√ľstensand, selbst Brot und Fisch sind nicht am rechten Ort. Die Tagesstunden sind hitzig, die N√§chte kalt. Wegen Abreise bleibt alles im unklaren.
Wegen Abreise verschiebt sich nichts:
der Kern in der Zelle, die Hirnmasss unter der Schädeldecke, der Kopf am Rumpf.

Schon leicht unterk√ľhlt, liege ich nun am Strand, das Ohr voller Sand und Schmalz, der Regen unaufhaltsam, die Stimme ein Lispeln, der Kehlkopf dabei sich zu paaren mit einer ausgebildeten Samariterin vom Roten Kreuz.

Sommers und Winters kommt es vor, dass die Flammen hoch in den Himmel schlagen. W√§hrend die Hufe des Schimmels munter durch die Luft fliegen, trifft die K√ľndigung ein. Der Kontor leert sich, ein rehbraunes Reh steht in der Lichtung und beschnuppert den Morgen. Das Anbrechen des Tages geht mitten durch den Wald.
Ich vergleiche den Bestand der B√§ume mit der W√ľste, das Reh mit dem Spiegel, den Menschen mit einem Einbaum, der ganz zuf√§llig aufrecht steht.

Dem Kurator seine Geliebte macht schon den vierten Fernkurs zum Thema Sucht und Krise im Spiegel der bildenden Kunst. Ein Stockwerk tiefer, l√∂scht sie das Licht. Schlag Zw√∂lfuhr verf√ľhrt sie den Lispelnden zum Koitus Interuptus.

Das Herz des Menschen liegt in einer Aushöhlung. Im Kehlkopf liegt der Krebs - noch undeutlich, doch in der Computertomografie schon erkennbar woher das Lispeln kommt.

Der Lispelnde hält sich fest am Handlauf und geht mit sich selbst. Ein Sprachfehler sagt man. Von Etage zu Etage klettert er jetzt hoch, legt das Gesicht in Falten und schaut dabei kein einziges Mal in den Spiegel.

Im Dreiecksland hat die Kuratorin ein pied a terre, eine grosse Wanne mit Ein-und Ausstieg. Sie nennt es das maurische Bad mit dem maurischen Wasser. W√§hrend er am liebsten ins Volle f√§llt, legt sie sich gerne ins Leere und wartet ab. Sie l√§sst das Wasser gerne steigen, √ľber das kraushaarige Graue zwischen den Beinen. Manchmal fliegen dann ein paar bunt gefiederte V√∂gel √ľber das maurischen Bad.

Obwohl schon l√§ngst abge√§ndert f√ľrchtet sie noch immer, das Sperma des Kurators k√∂nnte sich millionenfach bewegen, und ihr lispelnd ein himmlisch-maurisches Geschenk bereiten.

Ich besitze heute ein Lama und ein paar Ziegen in den Bergen. Das Lama und ich verbringen Nacht f√ľr Nacht gemeinsam . Ich mache Feuer im Zelt und schaue wie der Rauch durch die kleine Oeffnung zieht. Das Lama geht im Kreis und reibt sich an der Zeltwand die Flanke. Irgendwann werde ich einschlafen, denke ich. Das Lispeln wird aufh√∂ren, vergessen die direktorale W√ľrde, das Amtieren im Hinblick auf das dritte Jahrtausend und, die Verfestigung von Wissen in Buchform verstummen.

Das Lispeln ist mir geblieben. Das Lama geht noch immer im Kreis, derweil im Ziegenstall die Ziegen auf den Melker warten. Es wird von hinten zwischen den Beinen durchgemolken, bis die Striche schlaff sind. Mit beiden Händen geht es an den Strich, wo ausgemolken wird.


Paul Solgin







__________________
P.S

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