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Leselupe.de > Erz├Ąhlungen
Kurzgeschichten/3+4
Eingestellt am 19. 10. 2002 10:09


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Ankurei
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Oct 2002

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Fortsetzung "Der Hobbykiller"


3. Fr├╝her Vogel f├Ąngt den Wurm

Andrea hatte sich alles in allem zwei Wochen um uns zu k├╝mmern. Da sie sich wirklich bem├╝hte, es uns an nichts fehlen zu lassen, und weil keine meiner Bef├╝rchtungen eingetreten ist, entschied ich mich schon nach kurzer Zeit, Gnade walten zu lassen. Auch dem H├Ąschen wurde kein Haar gekr├╝mmt, zumal es sich die meiste Zeit auf dem Balkon aufhielt. Repressalien behielt ich mir bis zur R├╝ckkehr meiner Lieblinge vor.

Sie erschienen am sp├Ąten Abend, als wir l├Ąngst Siesta hielten. Wie die Diebe schlichen sie rein. Das schlechte Gewissen in Person. Kurz wurde Licht gemacht, kontrolliert, ob wir auf unseren Schlafpl├Ątzen hocken oder gar in einer Disco weilen, doch da wir taten, als w├╝rden wir tief und fest schlafen, verschwanden sie schleunigst in ihr eigenes Nest. Morgen ist ja auch noch ein Tag, wie Scarlet O’Hara in „Vom Winde verweht“ sagen w├╝rde.

Ganz genau habe ich mir ausgerechnet, zu welcher Zeit sie eingeschlafen sind - es war auf die Sekunde 2.04 Uhr. Mein innerer Wecker wurde auf 4.12 Uhr gestellt, zumal ich mich auf ihn verlassen kann. So wie er noch nie versagt hat, klingelte er mich auch heute exakt zu dieser herrlichen Morgenstund aus den Federn. Ein Blick aus dem Fenster verriet, dass nur ein paar unbedeutende Stra├čenv├Âgel unterwegs waren, die mich mit ihrem Gezwitscher zu Tode langweilten. Also, kurz durchstarten und br├╝llen, br├╝llen und nochmals br├╝llen, denn mein Geschrei hat seinen Zweck selten verfehlt. Was ist denn jetzt schon wieder los? Liegt die auf den Ohren? Gleich den zweiten Versuch, diesmal mit akustischer Begleitung meiner Frau Gemahlin. Jetzt kommt sie angewatschelt. Sie sieht aus, als h├Ątte sie die ganze Nacht durchgesumpft, dabei hat sie mehr als zwei Stunden geratzt. Ist das zu fassen? Ganz dicht kommt sie an die Voliere ran und fragt mit honigs├╝├čer Stimme, was denn bitte los sei, warum wir sie so ├Ąrgern, wo sie doch noch so m├╝de sei und noch ein paar St├╝ndchen schlafen m├╝sse. ├ťber die schlaflosen N├Ąchte, die wir damals ertragen mussten, als wir nicht wissen konnten, was das Schicksal mit uns vor hat, als ich schwei├č├╝berstr├Âmt aus Alptr├Ąumen erwacht bin, weil ich annehmen musste, sie w├╝rde uns aussetzen, an einen Autobahnpfeiler binden und ohne Skrupel dran krepieren lassen, das z├Ąhlt jetzt alles nicht mehr? Nee Fr├Ąulein, nicht mit mir. Du hast den Fehdehandschuh hingeschmissen, jetzt steh’ zu Deinen Taten und stell Dich mir im Kampf.

Unser Kampf fing erst so an, dass sie sich auf das Sofa legte, das zwar in unserem Zimmer steht, wogegen ich jedoch schon immer etwas hatte, denn wie sieht denn das aus. Von dem Gesichtspunkt aus bin ich eigentlich ganz zufrieden, dass ich keine eigenen G├Ąste empfangen darf. Wie sollte ich denen auch erkl├Ąren, warum Muttern im Papageienzimmer n├Ąchtigt? Da lag sie also, unsere Verr├Ąterin und versuchte doch tats├Ąchlich, uns die Ohren voll zu schnarchen. Nach etwa drei Minuten schrie Pyka wie am Spie├č, so dass ich mich gar nicht gro├čartig abm├╝hen musste, bis Frau Oberin sich erneut an unsere T├╝r schleppte, diesmal jedoch etwas ungehaltener meinte, wir m├Âgen doch bitte an die armen Nachbarn denken. Ach, die wurden jetzt als Buhmann hingestellt. Was w├Ąre aus den armen Nachbarn geworden, h├Ątten wir w├Ąhrend ihrer Abwesenheit gebr├╝llt? Da hat sie’s nicht die Bohne interessiert, ob die armen Menschen unter unseren Konzerten leiden k├Ânnten. Alles an den Haaren herbeigezogen, denn in diesem Augenblick dachte sie an nichts anderes, als an ihren eigenen Seelenfrieden.

Inzwischen waren Unmuts├Ąu├čerungen aus dem Schlafzimmer zu vernehmen. Auch Herr Vater meldete sich zu Wort und verlangte augenblicklich nach Ruhe. Ha, ha, ha, ein Tr├Ąumer, der noch nicht kapiert hat, wo er sich befindet. Das ist Kriegsgebiet, mein Freund. Du hast den Krieg angefangen, also komm mir jetzt nicht mit R├╝cksicht oder Schonung Deiner Person. Ich steigerte mein Geschrei so sehr, bis ich einem startenden Starfighter Konkurrenz gemacht h├Ątte, was mir diesmal keinen eiskalten Strahl aus der Spritzflasche, sondern die Freiheit einbrachte. Wer h├Ątte das gedacht. Die Schiebet├╝r wurde ge├Âffnet, ich flog in Turbogeschwindigkeit in Richtung K├╝che und st├╝rzte mich auf den prall gef├╝llten Napf unseres Hausgenossen „Lakritze“, einem Kater, von dem ich eigentlich nicht viel wei├č, h├Âchstens, dass er schon zum Inventar geh├Ârte, als ich damals einzog. Der ist zwar ziemlich bl├Âde und einf├Ąltig, vom Charakter her jedoch ein friedlicher Hausgenosse. Er hat meist nichts dagegen, wenn ich aus seinem Geschirr speise, doch eine Menge Einw├Ąnde, sobald ich ihn als Fitnesspartner einteile. Ihm ist es von Hause aus schnurzpiepegal, dass er den idealen K├Ârperma├čen l├Ąngst nicht mehr entspricht, weniger egal jedoch, ab und zu mal durch die Bude gescheucht zu werden, wobei er dennoch abspeckt, wof├╝r ich eigentlich einen annehmbaren Preis verdient h├Ątte.

Pyka hatte sich inzwischen zu uns in die K├╝che gesellt. Auch ihr stand der Sinn nach undefinierbarem Katernapfinhalt und guter Laune. Wir am├╝sierten uns k├Âniglich und verga├čen sogar die Zeit, weil wir inzwischen hin├╝ber zur Vorratskammer gewechselt sind. Wusste gar nicht, dass rohe, also ungekochte Spaghetti, vorz├╝glich munden. Au├čerdem krachten die Dinger auch so lustig – sollte man eigentlich in sein Sprachrepertoire aufnehmen. Gr├╝ne, lebende Spaghetti, nicht schlecht die Nummer. Merke ich mir f├╝r meine n├Ąchste Show.

Jetzt hatten wir die Schlafm├╝tze nat├╝rlich vollkommen aus den Augen verloren. Pennte sie etwa friedlich auf dem Sofa? Oh, schon kurz nach 8.00 Uhr. Das h├Ątte nicht passieren d├╝rfen, dass wir sie bei unserem Spa├č in der K├╝che total vergessen. Tats├Ąchlich. Die sofortige Kontrolle best├Ątigte meinen Verdacht. Friedlich wie ein S├Ąugling lag sie da auf dem Pr├Ąsentierteller und tr├Ąumte wahrscheinlich gerade von der n├Ąchsten Reise. Auf sechs Schlafstunden hat sie sich inzwischen hochgeschaukelt. Meine unsanfte Landung auf ihrem m├╝den Haupt w├Ąre fast in die Hose gegangen, denn ich habe manchmal Schwierigkeiten, mich an ihren Haaren festzuklammern, doch der Zweck heiligt die Mittel. Sie war hellwach, ansprechbar und sofort bereit, mit uns in die K├╝che zu stiefeln, um Fr├╝hst├╝ck zu machen.

Eigentlich hatte ich ├╝berhaupt keine Lust, sie dorthin zu begleiten, sondern eher, mich dem Hausherrn zu widmen. Bei dem ist es etwas schwieriger, ihn aus dem Reich der Tr├Ąume zu lotsen, aber einen Versuch immer wieder wert. W├Ąhrend ich noch ├╝berlegte, von welcher Seite ich mich am besten anschleiche, vernahm ich aus Richtung K├╝che undefinierbare Fl├╝che. Was ist denn jetzt schon wieder angebrannt. Meine franz├Âsischen Luxusnerven. Die Schimpftiraden wurden zwar etwas leiser, doch von Ruhe keine Spur. In der K├╝che wurde Bodenreinigung betrieben, Eimer mit Wasser bef├╝llt, mit Besen gegen die W├Ąnde geknallt – keine R├╝cksicht, immer druff. Jetzt schepperten Tassen und Teller, L├Âffel und Messer. Geht das nicht ein wenig leiser, Gn├Ądigste? Sie wollte soeben ein Tablett ins Wohnzimmer schleppen, bef├╝llt bis zum Gehtnichtmehr, aber meines Erachtens noch viel zu leicht. Also setzte ich mich oben drauf, lie├č mich am Esstisch absetzen und sparte mir somit eine Menge Flugenergie.

Am Tisch waren wir heute nur drei Personen, weshalb ich mich am Chefplatz nieder lie├č. Es gab den obligatorischen Hagebuttentee, ein paar lausige Brotscheiben, aber auch eine ├ťberraschung, die ich zu Anfang ├╝berhaupt nicht registriert habe: R├╝hrei, die Mahlzeit f├╝r Kaiser und K├Ânige. R├╝hrei, das ist die Nahrung, die mir der Arzt verschrieben hat. F├╝r R├╝hrei w├╝rde ich glatt zum M├Ânch werden, daf├╝r k├Ąme ich sogar auf die Idee, mal drei Tage nicht zu br├╝llen. Am liebsten h├Ątte ich meine Polaroid-Kamera gez├╝ckt, um einen Schnappschuss vom Teller zu schie├čen. Konnte mich gar nicht dran erinnern, wann man mir eine solche K├Âstlichkeit zuletzt servierte. H├Ątte ich nur nicht so viel von diesem Katerfra├č verschluckt, doch bem├╝hte ich mich, wenigstens die H├Ąlfte der Portion zu vertilgen, bevor Pyka gr├Â├čenwahnsinnig wird und sich ab sofort einbildet, ihr st├╝nde nunmehr auch in Zukunft die H├Ąlfte zu.

Ich gebe zu, dass ich mich habe bestechen lassen. Wie soll ich mich auch an Rabenm├╝ttern r├Ąchen, die sich reum├╝tig zeigen, ihre Fehler eingestehen und mit Eierspeisen locken?


4. Papi-Klatschen

Zugegebenerma├čen leide ich unter einer klitzekleinen Schw├Ąche, der ich vollkommen machtlos gegen├╝ber stehe. Leiden ist vielleicht ein wenig zu theatralisch ausgedr├╝ckt. Vielleicht sollte ich meine Angewohnheit, dann und wann pl├Âtzlich bei├čen zu m├╝ssen, eher als Laune der Natur akzeptieren, die Sache nehmen, wie sie ist. Ich will versuchen, mein Innerstes nach Au├čen zu st├╝lpen und davon erz├Ąhlen.

Beispiel I:

Meine Frau und ich sitzen bereits am Fr├╝hst├╝ckstisch, sind gerade dabei, anstelle von Schampus, Kr├Ąutertee zu schl├╝rfen, alle Sensoren auf Empfang gestellt, zumal Big Daddy die Macke hat, sich regelm├Ą├čig zu versp├Ąten. Doch meine gro├če Chance naht – er ist im Anmarsch. Ich fliege lautlos wie eine Nachtigall ins Durchgangszimmer, denn durch diese hohle Gasse muss er kommen, erklimme das B├╝cherregal in der Schrankwand, reihe mich zwischen „Kamasutra“ und „Word f├╝r Windows“ ein und warte auf die Sekunde X. Er kommt, beladen wie ein Muli, h├Ąlt sich trotzdem wacker – Jetzt: Ich st├╝rze mich wie ein Kamikaze in olympiaverd├Ąchtiger Rekordzeit auf ihn herab, lande voll im Nacken meines Opfers und bei├če kraftvoll zu. Er kr├╝mmt sich wie ein Haken, sch├╝ttelt sich wie ein nasser Dackel, in der Hoffnung, ich w├╝rde von ihm ablassen, was ihm manchmal sogar schon gelang. Nun wird es h├Âchste Zeit, die Retirade anzutreten. Was in den n├Ąchsten drei Minuten angesagt ist, kenne ich in- und auswendig. Madam ist l├Ąngst mit einer der vielen Blumenspritzflaschen bewaffnet, fuchtelt mit einem Sofakissen rum und hat nur das eine Ziel, mich zu erwischen. Ich habe nicht die kleinste Chance, meiner Inhaftierung zu entkommen, f├╝ge mich ins Schicksal und fliege in die Voliere, wo Pyka mich l├Ąngst erwartet.

Beispiel II:

Senora sitzt am Computer, ballert auf unschuldige Moorh├╝hner oder schreibt Drohbriefe an namhafte Telefongesellschaften. Wieder ├╝berkommt es mich - das Bei├čverlangen. Erst sp├╝re ich es nur ganz leicht, irgendwo tief in den Geheimnissen meines K├Ârpers verborgen, dann kr├Ąftiger, immer kr├Ąftiger, bis es einfach aus mir raus bricht. Ich kann nicht anders, ich muss es einfach tun. Eben noch sa├č ich auf der Stuhllehne, direkt hinter ihr, jetzt in ihrem Schwanenhals. Voll getroffen. Sie flucht undamenhaft und erhebt sogar eine Hand gegen mich, doch vertraue ich auf ihren Wahlspruch: „Kinder schl├Ągt man nicht“. Mir wird zwar heute genau so wenig passieren, wie an anderen Tagen, aber ich sp├╝re, wann es Zeit wird, mich f├╝r ein Weilchen zu verabschieden.

Beide Beispiele sollen so ungef├Ąhr erkl├Ąren, wo zu ich f├Ąhig bin. Vielleicht sollte ich einen Spezialisten aufsuchen, zumal die Chefin gelegentlich meint: „Du geh├Ârst auf die Couch“. Andererseits sage ich mir, was soll ich beim Arzt, wenn ich mich kerngesund f├╝hle. Ein Jeder hat seine Schwachpunkte, dies zu ├Ąndern hie├če, aus allen Lebewesen Roboter zu machen. Au├čerdem muss sie es auch so sehen: Sie teilt ihr Dasein mit zwei gefiederten Sch├Ątzchen, eines davon ist gut, das andere b├Âse. H├Ątte auch anders kommen k├Ânnen, dass Pyka meine Spezialnummer n├Ąmlich ebenfalls cool findet und mich nach├Ąfft.

So in etwa wei├č ich vorher, wann es mich ├╝berkommt. Dabei erstaunt es mich immer wieder, noch nie einen Anfall erlitten zu haben, wenn das Essen in Arbeit ist. Steht sie am Herd oder galoppiert in der K├╝che herum, kann sie sich von mir aus hundert Mal vor mir b├╝cken, wenn sie Dinge aufhebt, die ich ihr vor die Stelzen geschmissen habe, niemals k├Ąme ich auf die Idee, ihr ins pr├Ąsentierte Genick zu bei├čen.

Sobald ich satt und gekr├Ąftigt bin, ist Schluss mit lustig. Es kann mich jederzeit ├╝berkommen. Bis auf ein wenige Ausnahmen betrifft mein Webfehler ausschlie├člich Mom und Dad. Alles, was nicht zum Schwarm geh├Ârt, wird (so gut wie) nie angefallen.

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