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Leselupe.de > ErzÀhlungen
La femme fatal, oder die Kannibalin unter Schafen
Eingestellt am 28. 07. 2002 09:53


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ariane rodh
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Jul 2002

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Beim Verlassen der Wohnung, versetzt sie der TĂŒr mit dem Fuß einen Tritt, so dass diese mit einem dumpfen Schlag ins Schloss fĂ€llt. WĂ€hrend Sie erhobenen Hauptes, immer noch zu schwungvoll die Treppe heruntergeht, nehmen Ihre Gedanken Gestalt an und ihre GesichtszĂŒge verĂ€ndert sich ; sie bekommt diesen Mörderblick.
Diese Nacht wird entscheidend sein. Wenn Sie es nicht schafft ihre restliche Lebenskraft zu bĂŒndeln, steht ihr eine dunkle Zeit bevor. Sie hat mal wieder bis zum letzten Augenblick gewartet – worauf eigentlich?
Auf der Feier – die ĂŒblichen BegrĂŒĂŸungsrituale und Smalltalks. Das intellektuelle Gehabe der GĂ€ste lĂ€ĂŸt einige ehrliche GesprĂ€chsthemen wie Fußball – oder den Austausch von Kochrezepten nicht zu, ermöglicht es aber die Kommunikation treffsicher auf einem vergleichbar oberflĂ€chlichen Niveau zu halten.

Sie muss sich konzentrieren, schließlich hat sie nicht viel Zeit und das Opfer will schnell aber umsichtig gewĂ€hlt sein.

Wer könnte die KapazitÀt besitzen ihren Hunger zu stillen. Routiniert beobachtet sie, und seziert etwas in ihr die anwesenden GÀste, wÀhrend sie sich gleichzeitig freundlich und gelassen, stets lÀchelnd an den GesprÀchen beteiligt.
Plötzlich erinnert sie sich an eine Reportage, die sie mal vor Jahren gesehen hatte und die sie schwer beeindruckte- ĂŒber Menschenfresser in Papua Neuguinea. Auch sie wĂ€hlen ihre Opfer gut aus. Nur die Gehirne der KlĂŒgsten und Symphatischsten werden verspeist. Damals hatte sie das noch nicht verstanden...

AllmĂ€hlich hatte sich eine Traube MĂ€nner um sie gebildet, die alle auf den entscheidenden Wink warten. Sie kennt das schon. In dieser Stimmung wirkt sie unwiderstehlich. Sie muss jetzt nur noch einen Moment durchhalten. Sie weiß welches Mittel hilft, gegen die beklemmende Leere, gegen die schleichende Depression, die sich zum wiederholten Male wie eine zĂ€he, schleimige Masse in ihr auszubreiten versucht.
Sie blickt in die Runde, schaut jedem Einzelnen in die Augen, versucht ihre Seelen zu erkennen. SpĂŒren Sie nicht die Gefahr? Merken Sie ĂŒberhaupt nicht, das sie sich gerade bereitwillig als Beute offerieren?
Kannibalen begutachten auch die ZĂ€hne ihrer Opfer gute ZĂ€hne sind ein Zeichen von Gesundheit, ĂŒberlegt sie. Sie stellt sich vor, wie plötzlich alle Umstehenden ihre Lippen schĂŒrzen und mit bleckenden ZĂ€hnen vor ihr stehen. Bei dem Gedanken lacht sie unwillkĂŒrlich laut auf .
Der Mann neben ihr legt seine Hand auf ihre Schulter: „ Magst du noch ein Glas Wein? Ich bring Dir eins und dann erzĂ€hlst du mir worĂŒber du eben lachen musstest ? Mit diesem schleimig-gierig Blick in den Augen geht er auf die Suche nach Trinkbarem, siegesgewiss.
Nun der schied schon mal aus, aber Sie hatte ihr Opfer schon im Visier. Der Junge in der Ecke wird es sein. Rein sieht er aus, unverbraucht; hat ein offenes Lachen, schĂŒchtern und offen, noch sehr jung und weich. Es tut ihr jetzt schon ein Leid, sie sollte lieber den Typ mit dem Wein nehmen, der ist schon zerstört. Aber sie kennt die Weisheit der Kannibalen; es mĂŒssen die Besten sein, da haben moralische ErwĂ€gungen keinen Platz, und es geht schließlich um ihr Leben.

Sie sieht ihr Opfer unverwandt an, fixiert es, geht auf es zu. Eine halbe Stunde spÀter sind sie auf dem Weg in seine Wohnung.
Die Nacht wird phantastisch werden, das weiß sie. Ihr Körper wird mit seinem verschmelzen, eins sein. Die heißen Wellen, die ihren Körper durchfluten werden, verbrennen den Schmerz und fĂŒllen die Leere. Sie wird sich geliebt fĂŒhlen und verstanden. Er darf nur nicht reden, damit sich nicht diese unĂŒberwindbare Kluft auftut. Die Sprache, das hat sie gelernt, ist ein untaugliches Mittel gegen Einsamkeit. Sie gebiert Einsamkeit. Er darf nicht sprechen, aber das wird er nicht, sie hat den Richtigen gewĂ€hlt. Auch an Morgen darf sie nicht denken und daran, dass sie sich wie ein Hamster in einem Rad bewegt, denn sie weiß, dass ihr Handeln auswegslos ist.
Diese Nacht ist die einzige Nahrung der nĂ€chsten Wochen und sie muss sich daran satt essen. Das gewonnene GefĂŒhl des Einssein schwindet dann allmĂ€hlich, bis nur noch der Hauch einer Erinnerung von ihm ĂŒbrigbleibt. Aber ihr Lebenswille ist enorm und bevor sie sich in dem Sumpf der aufsteigenden Leere verliert, wird sie nochmals alle ihre KrĂ€fte sammeln, und dann wird sie sich verwandeln, wird mit einem Mörderblick in der Menge der Schafe ein Opfer wĂ€hlen, um die Nahrung zu erhalten

__________________
ariane rodh

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eufemiapursche
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femme fatale

Hallo Ariane,

da hast du uns ja ein spannendes Einstieggeschenk mitgebracht!

Herzlich willkommen in Lupianien!

Femi
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ariane rodh
Wird mal Schriftsteller
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Hi Femi
Ist das erste Mal, dass ich was schreib und da ich mit vernichtender Nichtbeachtung gerechnet habe, habe ich mich umso mehr ĂŒber Deine Reaktion gefreut.
Leider ist das Ende etwas verstĂŒmmelt.Sollte eigentlich enden mit:...um die Nahrung zu erhalten die sie zumindest am Leben erhĂ€lt. (Hatte wohl Probleme mit copy und paste)
Danke nochmal
Ariane
__________________
ariane rodh

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Inu
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Hallo Ariane

Mir hat Deine Geschichte eine GĂ€nsehaut ĂŒber den RĂŒcken gejagt. Man kann garnicht glauben, dass Du noch nie geschrieben hast, so sicher drĂŒckst Du Dich aus. Das ist eine gute und etwas ungewöhnliche Geschichte, die einem auf grausame Weise mitreißt.

Du sagst, der letzte Satz sei nicht richtig rĂŒbergekommen. Du kannst Deine Geschichten jederzeit verĂ€ndern oder Fehler verbessern,indem Du unter Deinem eingegebenen Text auf edit/delete klickst. Dann kommt eine FlĂ€che, auf der Du schreiben und korrigieren kannst.

Ich grĂŒĂŸe Dich und wĂŒnsche Dir noch einen schönen Sonntag
Inu

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