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Leselupe.de > ErzÀhlungen
Lama Chime Rinpoche
Eingestellt am 09. 04. 2001 03:54


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Kir
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Mar 2001

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Lama Chime Rinpoche


Heute war ein besonderer Tag. Das Licht war schön, die Knospen kommen.
Ein echter tibetischer Lama, die soundsovielte Inkarnation von demunddem, hielt in der NĂ€he einen Vortrag. Ich und ein Freund gingen natĂŒrlich hin, wohlwissend, dass wir eine halbe Stunde frĂŒher erscheinen mussten, um ĂŒberhaupt einen Sitzplatz zu bekommen. Am Tag vorher gab es einen Ă€hnlichen Vortrag von ihm und da hatte sich unser Unwissen zu unserem Schaden ausgewirkt, weil wir kurz vor Veranstaltungsbeginn auf einen komplett ĂŒberfĂŒllten Saal stießen.

Als er lieblich lĂ€chelnd hereinkam, standen alle andĂ€chtig auf, wie man es von den amerikanischen Gerichtsfilmen kennt. Er ist klein und dĂŒnn, so wie man sich Tibeter vorstellt, und in einen hĂŒbschen, roten Umhang eingekleidet. Beim Durchgehen durch eine, eigens fĂŒr ihn im ĂŒberfĂŒllten Raum gebildete, Gasse, gab er vielen Menschen die Hand und lĂ€chelte sie an. Es waren viele seiner SchĂŒler darunter; sie bewegten ihre gefalteten HĂ€nde zum Gruß auf die Stirn, das Gesicht etc.

Er sprach nuschelig, bis zur Unkenntlichkeit undeutlich,
und wahrscheinlich habe ich heute abend schon die HĂ€lfte vergessen von dem, was er gesagt hat. Doch einige Geschichten finde ich erwĂ€hnenswert im Zusammenhang, in wie weit es fĂŒr einen "Westler" möglich ist, die "Erleuchtung" zu erlangen.

Die erste handelte von einem SchafsschlÀchter, der, Tag ein, Tag aus, dutzende Schafe auf einer Wiese umbrachte, wÀhrend ein Eremit und Mönch auf einem Berg in der NÀhe mehrere Jahre meditierte.
Zum Mittag eines Tages, der SchlÀchter hatte gerade wohl hundert Schafe erledigt, wollte er eine Teepause machen.
Da bemerkte er, wie ein Schaf verzweifelt versuchte, sein Schlachtmesser vor ihm zu verstecken. Als er diese selbstlose Tat sah, regte sich sein Herz vor Barmherzigkeit und in einem Anfall von Schuld rannte er im Wahn den Berg hoch, der vor seiner Weide lag, und stĂŒrzte sich von einer hohen Klippe hinunter, um sich das Leben zu nehmen. Doch er flog durch die Luft wie ein Vogel.
Dies wiederum sah der Mönch aus seiner Höhle und da dachte er sich: "Mensch, dem SchlĂ€chter da kommt die Gabe des Fliegens zuteil und ich meditiere hier jahrelang, um die Erleuchtung zu erlangen. Dann werde ich mich auch von der Klippe stĂŒrzen."
Sogleich rannte er aus seiner Höhle und stĂŒrzte sich vom Berg, wobei er nicht nur seine Mönchskutte an einen Ast verlor, sondern sich auch den Hals brach.

"Die Kutte hÀngt heute noch da."
(Witz von Lama Chime Rinpoche)

"Daran sehen wir, dass es wirklich von der Einstellung abhĂ€ngt, wie wir voran kommen. Der Mönch stĂŒrzte sich im Neid auf den SchlĂ€chter vom Berg."
(Ernst von Chime)

Die zweite Lektion, ja eigentlich eine der ersteren des Vortrags, war die ĂŒber die stĂ€ndige Nabelschau des Westens auf die Umweltverschmutzung, Nahrungsmittelverseuchung, Luftverschmutzung usw.
Und was ist mit der Verschmutzung des Geistes, fragte Lama Chime Rinpoche, sollten wir unser Augenmerk nicht auch darauf richten?


Zur Frage der Ursache von Leid oder der Suche nach ihr:

Wenn ein Reh, sagen wir ein Kitz, bei der TrĂ€nke von einem JĂ€ger mit seinem Bogen beschossen wird, und wir gerade daher kĂ€men und sĂ€hen es von einem Pfeil durchbohrt da liegen, was wĂŒrden wir tun, um weiteren Schaden zu vermeiden? Wahrscheinlich voller Wut den JĂ€ger suchen, um ihn zu stellen, meinte Lama Chime. Dabei wĂ€re es doch so viel klĂŒger und dem Leid des Rehs angemessener, wenn wir erst den Pfeil aus der Wunde ziehen wĂŒrden! FrĂŒhestens dann können wir den JĂ€ger jagen und ihn von seinem Tun abhalten.

"Dann erst können wir ihn (den JÀger) packen!" (Chime zu dem Suchen nach dem JÀger)


Ich glaube, die Frau des Lamas und auch seine Schwester liessen ihr Leben im GefÀngnis. Sein Vater verbrachte 20 Jahre dort. Lama Chime selber ist, als einer der letzten Lamas, in Tibet, in der "alten Welt" - dem Osten, geboren, er musste Ende der 50er sein wunderschönes Land verlassen.
Seitdem zieht er, so wie heute fĂŒr den Vortrag, um die Welt, um uns an den Lehren Buddhas teilhaben zu lassen.

Wie er da saß und selig lĂ€chelte bei seinen lebendigen Reden: seine Augenbrauen gingen auffallend nach oben, wenn er die Augen weit aufriß - es strahlte ungemeine GĂŒte aus. Die Übersetzerin kam kaum nach mit Schreiben; wenn sie sprach, schloss er die Augen, die warmen HĂ€nde zĂ€rtlich um eine Gebetskette gelegt.
Was fĂŒr ein großer Mann!

Er möchte nicht an der Vergangenheit rĂŒhren, sagte Lama Chime zu den Vorkommnissen, die ihm, seiner Familie, und seinem Land zugestoßen sind.
Nur, sagte er hinzufĂŒgend, mutete es ihn schon etwas befremdlich an, als eines Tages ein großer Lama zu ihm kam, um ihn in einer Sache um Rat zu bitten.
-"Wie?", sagte Lama Chime, "Weshalb wendest du dich dabei an mich? Wie kann ich helfen?"
-"Du bist eine der letzten, die aus Tibet stammen, du bist ein alter Lama.", entgegnete der andere.
Da begriff Lama Chime, dass er, ohne es zu merken, von einem jungen zu einem alten Lama geworden war.


Ich werde diesen Tag nie vergessen, dieses GefĂŒhl, aus dem Saal heraus zu treten und zu atmen, das Licht strahlte.

- Kir


Mein Name ist Kir, geboren im Osten, gelebt im Westen, im Herzen die Mitte.
Sie haben mich auserkoren, fĂŒr Tibet zu kĂ€mpfen.
FĂŒr Milarepa, "Milla, der Baumwollkleider trĂ€gt".
Sein VermÀchtnis habe ich bekommen.
Deshalb bin ich hier.


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