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Leselupe.de > ErzÀhlungen
Leave without a Trace
Eingestellt am 03. 03. 2006 11:09


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Sumpfkuh
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Weißt Du noch, wie wir uns kennen gelernt haben? Du warst bei Sabine in der Klasse auf der Berufsschule. Ich konnte sie nie wirklich leiden, aber sie war nun mal mit Tina, meiner besten Freundin, bekannt und so waren wir an diesem Abend gemeinsam verabredet.
Du hast mir auf Anhieb gefallen, wie Du da vor Sabines Haus standest, die HĂ€nde in den Hosentaschen und ein verschmitztes LĂ€cheln in Deinem Gesicht.
Ohne es zu merken habe ich zurĂŒck gelacht, als ich aus dem Auto stieg.
Dabei sahst Du so anders aus, als die Jungs, denen ich hinterher schaute.
Deine kinnlangen, schwarzen Haare glĂ€nzten, obwohl es bereits dunkel war und Deine klaren, dunkelblauen Augen waren so außergewöhnlich, dass ich Dich wahrscheinlich angestarrt habe. An diesem Abend haben wir nicht viel geredet, ich war viel zu nervös um etwas anderes zu tun als Dich heimlich aus den Augenwinkeln zu beobachten.
SpĂ€ter, in der Kneipe, saß ich neben Dir am Tisch. Ich weiß gar nicht mehr, wer sonst noch mit uns da war, ich habe es vergessen. Irgendwann habe ich meine Hand auf Dein Bein gelegt. So lief das mit sechzehn, ganz ohne Worte. Ich hatte ganz schöne Angst, dass Du nun irgendwas blödes, Ablehnendes zu mir sagst. Aber Du hast geschwiegen und so getan als wenn nichts wĂ€re. Wahrscheinlich waren es nur zwei Minuten, aber es kam mir vor wie zwei Stunden, als Du mich dann endlich angelacht hast, und mich fragtest, ob wir nicht etwas spazieren gehen wollten.
Ich hatte bestimmt einen hochroten Kopf, als wir gemeinsam die Kneipe verließen. Gut, dass es so dunkel war, bei meinen blonden Haaren habe ich wahrscheinlich wie eine Ampel ausgesehen. Leider weiß ich nicht mehr genau, was wir auf diesem kurzen StĂŒck bis zu dem, etwas nach hinten versetzen, Hauseingang an der Ecke der Straße geredet haben, aber als wir dort waren, bliebst Du auf einmal stehen und hypnotisiertest mich mit Deinen strahlenden Augen. Du sagtest: „ Ich mag es eben nicht, wenn mir jeder dabei zuguckt!“, und dann hast Du mich gekĂŒsst. Ich trinke ĂŒbrigens bis heute keinen Alkohol, aber den Geschmack von Altbier auf Deiner Zunge habe ich immer gemocht. Ich hatte dieses GefĂŒhl im Magen und das, obwohl ich Dich gerade mal ein paar Stunden kannte. Ich hatte damals kein Problem in der Öffentlichkeit zu knutschen, aber so warst Du eben damals, hattest Deinen eigenen Kopf.
Von der Minute an waren wir ein Paar. Du warst nicht mein erster Freund, aber der Erste, mit dem ich lÀnger zusammen war.
„Du bist die meine erste Freundin, die wirklich blonde Haare hat“, hast Du zu mir gesagt, und dabei eine StrĂ€hne zwischen Deine Finger gleiten lassen. „Es ist viel schöner als gefĂ€rbtes.“
Mit dem Auto Deiner Mutter hast du mich nach Hause gebracht. Der rote Ford Fiesta, ich erinnere mich gut an ihn, mit dem kleinen Christus Aufkleber ĂŒber der Stoßstange.
Wir haben viel Zeit in ihm verbracht. Wahrscheinlich könnte man heute noch irgendwelche Spuren von mir darin finden, wenn er noch existieren wĂŒrde.
Im Handschuhfach lag immer die große Sonnenbrille deiner Mutter, erinnerst Du dich?
Ich habe sie oft aus Spaß aufgesetzt und dann haben wir gelacht, weil es so furchtbar unmodern aussah.
Wenn Du gelacht hast, dann haben sich immer diese kleinen FÀltchen um deine Augen gebildet. Deine Haut war immer leicht gebrÀunt, weil du die Sonnenbank besucht hast.
Eigentlich mag ich so was nicht, aber bei Dir wirkte es sehr sexy und Du rochst immer ein wenig nach Sonne, wenn ich Dich gekĂŒsst habe. Überhaupt warst Du immer sehr gepflegt.
Damit hast Du mich manchmal echt wahnsinnig gemacht, wenn wir verabredet waren und Du immer zu spÀt kamst, weil Du noch stundenlang im Bad gestanden hattest.
Dein Körper war muskulös und attraktiv, du warst Ă€ußerlich immer perfekt. Ich dachte immer Du wĂ€rst besonders eitel. Aber ich heute glaube ich, dass Du einfach etwas perfekt haben wolltest, wĂ€hrend in deinem Inneren ein Sturm getobt hat. War es so? Ich weiß es nicht.
Zu dieser Zeit war ich noch im Internat im Sauerland, wir haben uns nur an den Wochenenden gesehen. Aber wĂ€hrend der Woche haben wir fast tĂ€glich telefoniert. Es muss schwer gewesen sein, eine Freundin zu haben, die man so wenig gesehen hat. FĂŒr mich war es auch nicht einfach, aber ich hatte viel Ablenkung, da in der Schule immer irgendwas los war und man niemals Zeit fĂŒr sich alleine hatte. Wie habe ich das gehasst. WĂ€hrend der Hausaufgabenzeit, habe ich oft aus dem Fenster gestarrt und an Dich gedacht. Das war die einzige Zeit am Tag an der ich das konnte. Und wie sehr habe ich mich gefreut Dich freitags zu sehen, ich habe sogar immer an einem Kalender die Wochentage abgestrichen. Ich muss Dir in dieser Zeit unzĂ€hlige Briefe geschrieben haben, obwohl wir tĂ€glich telefoniert haben. Ich frage mich, was ich da wohl immer geschrieben haben mag.
Du hast mir in dieser ganzen Zeit nur einen Brief geschrieben, nachdem ich Dich ewig darum gebeten hatte. Du hast dann immer gesagt:“ Ich weiß nicht was ich schreiben soll.“
Wie wĂ€re es mit „Du fehlst mir!“ gewesen? Oder „Ich freue mich, dich bald wieder zu sehen“. Aber das konntest du nicht, oder? Mit GefĂŒhlen hast du dich schwer getan. Das weiß ich heute, aber damals dachte ich, das Du einfach keine Lust hattest, weil ich dir nicht genug bedeutet habe.
Wir hatten immer viele PlĂ€ne fĂŒr die Wochenenden, aber die meisten haben wir nicht umgesetzt, weil wir dann doch lieber allein waren, an unserem geheimen Ort in dem roten Fiesta.
Hinten, auf dem Feld wo ich frĂŒher mit meinem Pony geritten bin. Da haben wir so viele Stunden verbacht. Knutschend, lachend, trĂ€umend. Mehr als einmal waren da die Scheiben beschlagen. Und dann haben wir die Scheiben herunter gedreht und manchmal die Sterne gesehen. Das haben wir gerne gemacht und es war nicht schlimm, wenn auch mal fĂŒnf Minuten keiner etwas gesagt hat.
„Irgendwann bauen wir ein Haus und haben Kinder“, habe ich gesagt. Ich wusste schon damals, dass ich eine Familie wollte.
„Das wĂ€re schön“, hast Du gesagt und mich gekĂŒsst. Ich erinnere mich an Deinen warmen Bauch, wie er sich angefĂŒhlt hat, als ich ihn mit meinen Fingern gestreichelt habe. So weich, ich wĂ€re am liebsten darin versunken. Und dann habe ich meinen Kopf darauf gelegt und Deinen Herzschlag gehört. Es war schön, einfach bei Dir zu sein, Dich zu riechen, Dich zu fĂŒhlen. Mehr als einmal habe ich mir gewĂŒnscht, die Zeit wĂŒrde still stehen. Aber diesen Gefallen hat sie mir bis heute nicht getan und so hast du mich jedes Mal wieder mit Deinem Fiesta nach Hause gebracht.
Ich wollte damals unbedingt „Schindlers Liste“ im Kino sehen, aber Du hattest keine Lust.
„Ich komm nicht mit“, hast Du gesagt. Hast Du erwartet, dass ich dann auch nicht gehe?
Aber ich habe mich mit einer Freundin verabredet und als ich dann im Kino saß, standest Du plötzlich vor mir. Das habe ich nicht vergessen. Du bist ĂŒber deinen Schatten gesprungen und hast Deinen Stolz mal eine Minute vergessen, um bei mir zu sein. Wenn Du von irgendwas gesprochen hast, wirktest Du immer sehr selbstbewusst und auch ein wenig arrogant.
„In meiner Berufsschule sind nur Pfeifen, mehr als die HĂ€lfte werden da wohl durchfallen“,
„Sei froh, dass du mich hast, heute hat mich wieder die Nadine eingeladen.“ Das mochte ich ĂŒberhaupt nicht an Dir und ich wĂ€re nie auf die Idee gekommen, dass dies wohl nur eine Fassade war, die du Dir gebaut hattest. Ich war sechzehn. Ich habe Dich nicht gesehen, weil Du Dich so gut versteckt hast, aber ich wĂŒnschte, ich hĂ€tte es. Wirklich.
Wieso nur hast Du gedacht, ich könnte Dich nicht genauso mögen wie Du bist?
Ein natĂŒrliches Gesicht mit einer Narbe ist immer noch viel hĂŒbscher, als ein ĂŒberschminktes, unechtes Gesicht.
Warum hast Du mich nie mit zu Dir nach Hause genommen? Warum hast Du mir Deine Freunde nicht vorgestellt? Ich habe Dich so oft darum gebeten. War Dir denn nicht klar, dass ich da denken musste, ich wĂ€re Dir nicht wirklich wichtig gewesen? Dass Du dich wohl fĂŒr mich schĂ€mst, ich nur ein netter Zeitvertreib bin? Damals habe ich nicht weiter gedacht, es gab nur diese Möglichkeit fĂŒr mich. Warum hast Du mir nicht vertraut? Hattest Du Angst, dass meine GefĂŒhle fĂŒr Dich nicht echt wĂ€ren? Aber das waren sie!
Und wie konntest Du mich lieben, wenn Du mir nicht vertraut hast? Das verstehe ich nicht.
Meine Eltern haben ein Haus, Deine Mutter nur eine drei Zimmer Wohnung. Na und?
Meinst Du, es hat mir was ausgemacht, das Du keine perfekte Familie hattest? Nur weil man ein Haus hat und die Eltern nicht geschieden sind, heißt das noch lange nicht, dass es das vollkommene GlĂŒck ist, sonst wĂ€re ich kaum auf dem Internat gewesen, oder?
Und fĂŒr mich war auch nicht wichtig was Du zu bieten hast, sondern wer Du bist.
Durch deine ablehnende Haltung hast Du Dich doch nur von mir entfernt, ohne es wahrscheinlich zu wollen. Ich wĂŒnschte, Du hĂ€ttest mir vertraut. Ich wĂ€re sicher nicht schockiert gewesen, wahrscheinlich hĂ€tten wir sogar nĂ€her zueinander gefunden. Ich hĂ€tte Dein abwertendes Verhalten nicht so missverstanden.
So kam es aber, dass ich Dich eines Tages verlassen habe, weil mir die innere NĂ€he fehlte.
Ich habe Dich angerufen und gesagt, dass wir uns auseinander gelebt hĂ€tten. Die wahrscheinlich bescheuertste Art Schluss zu machen, es tut mir sehr leid, aber ich hatte nicht die geringste Ahnung was Du wirklich fĂŒr mich empfunden hast.
Einige Sekunden hast Du geschwiegen und dann gesagt: „ Aber meine Cd möchte ich gerne noch abholen“. Ich weiß noch genau welche das war. Meine Lieblingsmusik zu dieser Zeit. Soul Asylum. Wie oft hast Du sie gehört, nachdem Du sie abgeholt hattest?
„Kann ich noch reinkommen?“, hast Du gefragt, als Du dann da warst an diesem Abend.
„Sicher“, sagte ich ging mit dir hoch in mein Zimmer.
Das wĂ€re doch die Gelegenheit gewesen die Sache aufzuklĂ€ren. Stattdessen hast Du gesagt: “Ich hĂ€tte wohl auch bald Schluss gemacht“.
Mehr als ein „Aha“, fiel mir dazu nicht mehr ein.
Und dann bist Du gefahren, mit Deinem roten Fiesta und Deiner Soul Asylum Cd.
Hast Du geweint an diesem Abend, als Du spÀter alleine warst? Wahrscheinlich hast Du das, und nicht nur diese Nacht.
Ich habe nicht geweint, sondern mich geÀrgert meine Zeit an einen derart bescheuerten Typen verschwendet zu haben, denn das waren die Spuren, die Du hinterlassen hattest.
An einem Abend auf dem Feld, hast Du aus dem Fenster geschaut, den Kopf von mir weg gedreht und nach einigen Schweigeminuten gesagt „Ich glaub, ich liebe dich“, ohne mich dabei anzusehen. Ich weiß nicht mehr was ich darauf gesagt habe, aber ich erinnere, mich dass es das einzige Mal gewesen ist, wo Du was preisgegeben hast. Wahrscheinlich habe ich es Wochen spĂ€ter vergessen, das hĂ€tte ich nicht tun sollen, denn das war sehr ehrlich, oder?
Einige Wochen sind vergangen und ich habe nicht mehr oft an dich gedacht, aber Du an mich, stimmt es? Ich war oft mit Tina in der Stadt unterwegs und ich habe jemand anderen kennen gelernt. Ich war frisch verliebt, als eines Tages das Telefon klingelte und Du dran warst.
Ich habe mich gewundert, denn damit habe ich nicht gerechnet.
„Ich habe gehört du hast einen neuen Freund“, hast Du gesagt.
„Ja, das stimmt“, habe ich geantwortet.
„Er soll ja ziemlich blöd aussehen, habe ich mir sagen lassen“, sagtest Du mit spöttischem Tonfall und dann hast Du gelacht.
Was hast du erwartet? Dass ich Dir zustimme, ihn verlasse? Du hast noch gefragt wie er heißt und wo er wohnt, ich habe es Dir gesagt. Bist du mal da gewesen, an seinem Haus vorbei gefahren, so wie Du so oft bei mir vorbei gefahren bist?
Dass Du eigentlich nur verletzt warst, hast Du Dir nicht anmerken lassen, denn Du hattest denselben abwertenden Tonfall drauf, den ich bereits von Dir kannte. Ich wĂŒnschte, ich hĂ€tte damals etwas mehr zwischen den Zeilen gelesen.
Drei Monate war ich das erste Mal mit ihm zusammen, irgendwie musst Du mitbekommen haben, dass wir uns getrennt hatten, denn eines Abends als ich mit Tina aus der Stadt kam klingelte plötzlich das Telefon.
Ich habe dabei ĂŒberhaupt nicht an Dich gedacht, es war schon recht spĂ€t, elf oder zwölf Uhr.
Ich habe es klingeln lassen, aber es klingelte wieder. Ich lief nach unten und habe abgenommen, aber es meldete sich niemand, also legte ich wieder auf. Abermals klingelte es und ich hatte schon Angst, dass meine Eltern aufwachen wĂŒrden. Dann warst Du dran.
Was bei diesem GesprĂ€ch geredet wurde, weiß ich nicht mehr, aber ich weiß noch, dass ich ziemlich sauer war ĂŒber diesen Telefonterror. Du hattest hinten an der Ecke gestanden, wo die Telefonzelle stand und dort mit Deinem Freund gewartet, bis ich nach Hause kam. Wie lange hast Du dort gestanden? Drei Stunden? Oder vielleicht vier? Wie oft hast Du dort gestanden und auf mich gewartet? Ich habe Dich nie gesehen.
Nachdem ich aufgelegt hatte, bist Du an meinem Haus vorbeigefahren, ich habe oben aus dem Dachfenster geschaut und Dich gesehen. Nachdem Du hinten an der Straße gewendet hattest, bliebst Du vor unserem Haus kurz stehen. Dein Freund hat irgendwas aus dem Auto gebrĂŒllt. Ich habe es nicht verstanden, aber ich bin mir sicher, dass es irgendetwas Gemeines war.
Dass mir dabei nicht einmal der Gedanke gekommen ist, dass Du mich vielleicht vermisst, verstehe ich heute nicht.
Einige Tage spĂ€ter hast Du wieder angerufen, auch am Abend, aber nicht so spĂ€t. Es waren acht oder neun Uhr. Ich war immer noch Ă€rgerlich und verstand nicht, was Du eigentlich von mir wolltest. Und dann warst zum ersten Mal etwas offener, wenn auch ĂŒber Umwege.
„Kennst du das neue Lied von Bon Jovi?“, hast Du gefragt. Ich kannte es, Du meintest „Always“.
„Irgendwie muss ich dabei immer an dich denken
es drĂŒckt irgendwie genau dass aus, was ich fĂŒr dich fĂŒhle“.
Das hat mich umgehauen. Und dieses GestĂ€ndnis war mir auch unangenehm, weil ich zu diesem Zeitpunkt ĂŒberhaupt nichts mehr fĂŒr dich empfunden habe, zu sehr lagen mir noch die vergangene Beziehung und deine Telefon Aktion im Magen.
„Was soll ich dazu sagen?“, habe ich wahrscheinlich geantwortet.
„Kann ich vorbei kommen?“, hast Du gefragt, „Ich bin ganz in deiner NĂ€he“.
Du hattest wieder von der Telefonzelle an der Ecke angerufen, dabei wohntest Du doch fĂŒnfzehn Kilometer entfernt von mir.
„Ich bin schon ausgezogen“, habe ich geantwortet, aber es war eigentlich mehr eine Ausrede.
„Das macht mir nichts aus“, hast Du gesagt und wahrscheinlich Hoffnung geschöpft, da ich nicht ehrlich war und Dir nicht gesagt habe, das ich kein Interesse mehr an Dir hatte.
„Das geht nicht, meine Eltern machen sonst Stress, das weißt du doch“, antwortete ich wohl schon leicht genervt.
„Können wir uns dann treffen, vielleicht Morgen, in der Galerie? Ich wĂŒrde gerne noch mal mit dir reden“. Du hast bestimmt traurig geklungen, aber ich erinnere mich leider nicht.
„Okay, hol mich um acht ab“, sagte ich um dich endlich los zu werden.
„Winkst du mir noch, wenn ich gleich vorbei fahre?“, hast du gefragt und ich habe es bejaht.
Kindisch, aber auch irgendwie sĂŒĂŸ.
Ich habe nicht gewunken. Ich saß auf meinem Bett und hörte deinen laufenden Motor. Irgendwann bist du dann gefahren. Das war gemein von mir. Ich war nicht ehrlich, es tut mir leid.
Am nĂ€chsten Tag kamst Du wie immer nicht pĂŒnktlich, ich weiß nicht, was passiert wĂ€re, wenn Du um acht da gewesen wĂ€rst, aber wahrscheinlich wĂ€re ich mit gefahren.
Aber um viertel nach acht kam mir eine Idee. Und als Du dann kamst, ich weiß nicht mehr genau wann, habe ich meinen Vater vor geschickt, um Dir zu sagen, dass ich, nachdem Du nicht gekommen bist, abgehauen bin. Das stimmte nicht. Ich saß die ganze Zeit auf der Treppe wĂ€hrend Du mit ihm gesprochen hast.
Ich war unfair und fies. Ich hab Dir das Herz gebrochen, weil ich nur an mich dachte, ich habe nicht daran gedacht, wie Du dich wohl fĂŒhlen magst. Aber heute denke ich daran und wenn ich die Chance hĂ€tte, dann wĂ€re die ganze Sache anders gelaufen.
Danach habe ich nichts mehr von Dir gehört. Ab und zu klingelte mal das Telefon und niemand war am anderen Ende. Man hörte nur jemanden atmen. Das warst Du, oder?
Ich habe nicht mehr oft an dich gedacht. Ich war wieder mit dem „bescheuert aussehenden“ zusammen, diesmal ein Jahr.
Diese Beziehung hat mich gereift, ich habe einiges gelernt ĂŒber das Geben und Nehmen.
Als sie zu Ende war und ich meinen Liebeskummer ĂŒberstanden hatte, habe ich komischer Weise an Dich gedacht. Ich dachte an unsere Zeit und mir wurde langsam klar, dass Du Dich nur hinter Deinen GefĂŒhlen versteckt hattest, und Du mich wirklich geliebt haben musstest.
Alles, was Du damals zu mir gesagt hast, jeder Blick von Dir, enthielten Botschaften, die ich aber nicht gesehen habe. Ich konnte ja nicht ahnen, dass Du so kompliziert bist.
Ich beschloss dich anzurufen, ich wollte mich mit Dir treffen und mit Dir reden.
Ich dachte, aus uns könnte vielleicht wieder ein Paar werden.
Aber bevor ich das umsetzten konnte, rief mich eine Freundin, an die Du nicht kennst und fragte mich, ob ich nicht Lust hĂ€tte mit nach Spanien zu fliegen, da eine andere Freundin abgesprungen war. Und ich sagte zu. Du kennst ja meine furchtbare SpontanitĂ€t. Der Flug ging bereits am nĂ€chsten Tag, deshalb habe ich beschlossen, Dich nach den zwei Wochen anzurufen, da ich noch allerhand vorher zu erledigen hatte. Am Abend klingelte das Telefon, ich weiß es noch genau. Ich hob ab und Niemand meldete sich. Aber ich machte mir darĂŒber keine Gedanken, da ich mitten beim Koffer packen war.
Der Urlaub war sehr schön. Viel Sonne, das Meer war warm wie eine Badewanne, fantastische SonnenuntergÀnge.
Bist Du mal dort gewesen? Ich weiß es gar nicht. Ich hatte sogar einen Urlaubsflirt, der ironischer Weise Mark hieß.
Tja, als ich wieder kam warst Du fort. Ich werde das nie vergessen, wie ich im Flur stand und Tina anrief, um ihr zu sagen wie es war und sie zu mir sagte: „Hey, rate mal wer tot ist!“.
Das hat sie gesagt, ich höre es noch in meinen Ohren. Wir sind ĂŒbrigens heute nicht mehr befreundet. Ich habe nicht geraten und nachdem sie es mir gesagt hatte, ging ich hinaus auf die Terrasse und aß meine Nudeln. Sonntags haben meine Eltern immer Essen bestellt, erinnerst Du Dich? Ich saß da und aß, danach ging ich in mein Zimmer und packte die Koffer aus. Ich war schockiert, aber ich habe es nicht geglaubt. Ich bin mir ja nicht mal sicher, ob ich es heute ĂŒberhaupt glaube.
Am nĂ€chsten Tag bin ich zum Friedhof gefahren, ich weiß gar nicht mehr woher ich wusste auf welchem das Grab sein sollte.
Ich musste auch zum WÀrter gehen, um zu fragen wo es ist. Er hat mir den Weg erklÀrt, aber ich habe es trotzdem nicht gefunden, also musste er mitgehen und es mir zeigen.
Es war noch ganz frisch, alle KrÀnze lagen noch darauf und ein Holzkreuz wollte mir weismachen, dass Du wirklich da liegst. Ein paar Minuten an diesem Tag habe ich nur dort gestanden. Unter diesem Haufen Erde soll der Mann liegen, den ich liebe? Das kann nicht sein. Alte Menschen sterben, aber zweiundzwanzig JÀhrige, Gutaussehende MÀnner doch nicht. Ich hatte Dir auch nichts mitgebracht, habe einfach nur geschaut und bin wieder gegangen. Zuhause habe ich dann angefangen zu weinen und ich habe sehr lange nicht mehr aufgehört. Dachtest Du ich hÀtte Dich vergessen?
Ich hatte niemanden, der mich tröstet oder mir ein paar liebe Worte gesagt hat.
Ich wollte alleine sein, aber ich wollte auch, dass mich jemand in meinem Schmerz findet und mich da raus holt.
„Du warst aber auch echt gemein zu ihm“, war der einzige Kommentar meiner Mutter.
Irgendwie hÀtte ich was anderes gebraucht.
Am nĂ€chsten Tag bin ich wieder gekommen. Da hatten sie die KrĂ€nze weg gerĂ€umt und das Grab war eben. Ich hab Dir ein paar Blumen mitgebracht, hast Du sie gesehen? Es waren gelbe Chrysanthemen, die fand ich so hĂŒbsch. Und den Brief, den Du mir damals geschickt hast, habe ich neben Dein Kreuz gestellt. Ich habe gewusst, dass Du tot bist, aber ich habe es nicht geglaubt, ich habe nicht zugelassen, dass ich es glaube. An dem Tag hat es geregnet. Ich weiß es noch genau, weil ich spĂ€ter Zuhause so einen riesen Ärger bekommen habe, weil meine Klamotten so versaut waren und ich die ganzen BezĂŒge vom Auto nass gemacht hatte.
Ich stand vor diesem Viereck aus Erde und nichts außer dem Kreuz erinnerte mich daran an Dich. Ich habe mich hingelegt und mein Ohr auf die Erde gehalten, so wie ich es damals bei deiner Brust gemacht hatte. Aber ich hörte keinen Herzschlag sondern nur das Trommeln des Regens.
Hast Du ihn auch gehört an diesem Tag?
Deine Mama hat den Brief gefunden und mich angerufen. Du hast so eine liebe Mama, warum hast Du sie mir nie vorgestellt? Zwei Tage spĂ€ter stand ich dann in Deinem Zimmer, zum ersten Mal. Ein kleiner Raum im Gegensatz zu meinem Dachzimmer, aber sehr hĂŒbsch.
Leider hatte Deine Mama schon den grĂ¶ĂŸten Teil deiner Sachen weg gegeben, so wirkte es irgendwie nicht mehr richtig bewohnt. Aber auf dem Schreibtisch lag ein Teddy. Ich habe ihn sofort erkannt. Ich wusste gar nicht mehr, dass ich ihn dir mal geschenkt hatte. Ich hab ihn an meine Brust gedrĂŒckt, aber ich habe nicht geweint. Ich weine niemals vor anderen, das ist mir irgendwie peinlich. Ich durfte ihn mit nach Hause nehmen. Genauso wie Deinen Bademantel und das einzige Foto, dass ich von Dir habe. Darauf sitzt du auf dem Sofa und hast Deine geliebten Katzen auf dem Schoß. Du lachst in die Kamera, so lebendig, so fröhlich. Ich kann nicht glauben, dass du nicht mehr hier bist. Wieso haben wir eigentlich damals nie Bilder von uns gemacht? Ich hĂ€tte so gerne mehr Erinnerungen, die ich anfassen kann, die existieren.
Aber alles, was geblieben ist, finde ich in meinem Kopf. Manche Dinge verblassen mit der Zeit, aber die wichtigsten werden immer da sein. Ich wĂŒnschte, ich könnte mich an jedes einzelne Wort, jeden Tag erinnern, aber ich kann es nicht.
Deine Mutter hat mir dann erzĂ€hlt was passiert ist. Das heißt, eigentlich nur dass, was sie selbst gehört hat, denn niemand weiß wirklich was passiert ist.
Wo wolltest du denn hin, an diesem Abend? Warum hattest Du deinen Anzug angezogen?
Du warst immer gut gekleidet, modern und sexy, aber AnzĂŒge hast du nur zu besonderen AnlĂ€ssen getragen. Du hast niemandem gesagt, wo du hinwolltest.
Du hast dich von deiner Mutter verabschiedet, ohne zu sagen wohin Du gehst.
Sie meinte, dass du schon damals im Internet gechattet hast. 1996 hatte ich noch keinen Anschluss, aber Du warst mit der Technik ja immer auf dem neuesten Stand.
Hast Du dich mit jemandem verabredet? Aber warum dann der Anzug?
Auf einer Landstraße in Krefeld ist es dann passiert. Acht Tonnen, achtzehn oder achtzig, ich weiß es nicht mehr genau. Der Fahrer hat ausgesagt, er hĂ€tte gesehen das bei Dir das Licht immer an und ausging, so als hĂ€ttest Du etwas gesucht.
Aber wenn einem ein LKW entgegen kommt, dann sieht man das doch. Es gab keinerlei Bremsspuren, kein Ausweichmanöver, Du bist einfach weiter gefahren.
WĂ€hrend ich wahrscheinlich gerade im Meer gebadet und gelacht habe.
Kein Blitz hat mich getroffen, kein plötzlicher Schreck. Du hast Dich einfach so aus dem Staub gemacht.
Was hast Du Dir dabei gedacht? Was waren Deine letzten Gedanken?
Ich wĂŒrde so gerne wissen, was wirklich an diesem Abend passiert ist. Diese Fragen quĂ€len mich die ganzen Jahre. Nicht tĂ€glich. Es gibt Monate an denen ich nicht mal daran denke, aber es kommt immer zurĂŒck und wird mich wahrscheinlich niemals verlassen. Fragen, die kein Mensch auf dieser Welt beantworten kann.
Vier Stunden haben sie gebracht, bis sie Dich aus Deinem roten Fiesta raus hatten. Oder waren es sechs? Mitten in der Nacht stand dann die Polizei vor Deiner TĂŒr. Deine arme Mutter, es muss furchtbar fĂŒr sie gewesen sein. Sie hat mir den Zeitungsausschnitt gezeigt, wo Dein zerstörtes Auto zu sehen war, ich kann mich an dieses Bild nicht mehr erinnern.
Du musstest identifiziert werden, aber man hat Deiner Mutter abgeraten es selbst zu tun.
Ich glaube Dein Onkel war dann bei Dir. Er hat Dich nur an Deinen schwarzen Haaren erkannt, hat er spĂ€ter Deiner Mutter erzĂ€hlt. Sie wollte Dich sehen, als sie Deinen anderen Anzug zum Bestattungsinstitut gebracht hat, aber man hat ihr nahe gelegt, Dich so in Erinnerung zu behalten, wie Du warst. HĂŒbsch, ganz und unglaublich attraktiv. Denn das warst Du immer, auch wenn Du es mir vielleicht nicht glaubst.
HĂ€ttest Du mir denn nicht etwas mehr als verblassende Erinnerungen zurĂŒck lassen können?
Etwas anderes, als unbeantwortete Fragen?
Wer macht auf dieser Welt hier eigentlich die Regeln? Wer bestimmt hier, dass im Herbst die BÀume ihre BlÀtter verlieren, dass es abends dunkel wird und es im Winter verdammt kalt wird? Wer bestimmt, dass die Sonne jeden Abend unter geht, Fische nur im Wasser leben können und das Tote verdammt noch mal nicht wieder kommen? Und wer sagt eigentlich, dass es immer so sein muss? Kann es nicht irgendwann eine Zeitmaschine geben, oder ein Mittel das einfach alles heilt was jemals unangenehm war? Wo sind denn die Wunder, die richtigen Wunder? Jetzt lachst Du sicher. Ja, ich war schon immer eine TrÀumerin.
Manchmal denke ich wirklich lange nicht an Dich. Und dann trĂ€ume ich plötzlich nachts von Dir und in diesen TrĂ€umen bist Du immer tot. Und dann wache ich irgendwann auf und habe das GefĂŒhl jemand hĂ€tte Tonnenweise Schmerz auf mir abgeladen, der so schwer ist, dass ich kaum atmen kann. Aber ich weiß nicht was schlimmer ist. Aufzuwachen nach einem Traum in dem Du tot bist, oder einem in dem Du lebst.
Weißt Du, welchen Satz ich nicht vergessen kann? „Sie konnten den Anzug nur auflegen“, hat Deine Mutter erzĂ€hlt. Diese Worte spuken in meinem Kopf herum, aber immer bevor sich ein Bild vor meinem Auge formt brechen meine Gedanken ab, ich bekomme das einfach nicht hin. Wahrscheinlich ist es eine Art Selbstschutz... Aber dieser Satz, er ist so furchtbar, ich werde ihn nie vergessen. Ich höre ihn jedes Mal, wenn ich Dich besuche.
Hey, Du hast es mir heimgezahlt! Ich hab mindestens so viel um Dich geweint, wie Du damals um mich. Und ich weine immer noch, manchmal, wenn es wieder kommt. Und es wird immer wieder kommen. Dann schaue ich dein Bild an, diese wundervollen Augen, die nun nie mehr strahlen sollen und dann ziehe ich Deinen Bademantel an und bilde mir ein, dass er immer noch ein wenig nach Dir riecht.
All diese NĂ€chte, in denen ich dachte ich wĂŒrde es nicht schaffen, es nicht ertragen.
Ich wĂŒnschte mir so sehr einzuschlafen und erst wieder aufzuwachen wenn es vorĂŒber ist.
Aber so lÀuft das nicht. Im Schlaf kann man vergessen, aber die Sonne geht am nÀchsten Morgen wieder auf. Erbarmungslos.
Und dann stelle ich mir immer diese Fragen. Ich habe versucht mir das abzugewöhnen, denn es fĂŒhrt ja zu nichts. Aber dann erwische ich mich wieder dabei, wie ich den Himmel anstarre und denke: „Was wĂ€re wenn
“. HĂ€tte ich Dich vor dem Urlaub angerufen, wĂ€re diese blöde Freundin nicht abgesprungen und ich gar nicht erst gefahren, wĂ€rst du damals pĂŒnktlich gewesen
 und dann spinne ich diese Gedanken immer weiter und wir sind immer glĂŒcklich.
Dabei ist gar nicht gesagt, dass wir heute glĂŒcklich wĂ€ren.
„Wer weiß wozu es gut ist“, hat Tina zu mir gesagt, damals. Aber kann denn der Tod eines Menschen fĂŒr irgendetwas gut sein? Selbst wenn ich vielleicht gelitten hĂ€tte und wir eine totale Scheiß Beziehung gefĂŒhrt hĂ€tten, ich wĂŒrde es in Kauf nehmen, wenn Du dafĂŒr noch leben wĂŒrdest.
Hat Dir denn keiner gesagt, dass es schön ist zu leben? Oder hast Du einfach nur nicht aufgepasst?
In den Todesanzeigen steht immer:“ 
ist vorausgegangen!“.
Wohin bist Du denn gegangen? Ist es dort dunkel? Frierst Du?
Irgendwie bekomme ich bei „Tod“ automatisch die Assoziation zu „Grab“. Verzeih mir bitte, aber die Vorstellungskraft des Menschen ist nun mal beschrĂ€nkt. Und wenn es fĂŒr etwas keine handfeste ErklĂ€rung gibt, dann macht es Angst. Und es macht mir Angst.
Ich habe viele BĂŒcher gelesen ĂŒber den Tod und das Leben danach. Was ja an sich schon ein Widerspruch ist. Denn wenn man Tod ist, dann lebt man ja nicht mehr. Oder vielleicht doch?
Aber irgendwie kann ich mich mit keinem der Vermutungen so richtig anfreunden.
Aber die Vorstellung, dass einfach nichts mehr sein soll, macht mich traurig.
Zumindest haben alle „Wieder belebten“ gesagt, dass sie einen geliebten Menschen gesehen haben, der auf sie gewartet hat.
Nun, wenn ich irgendwann sterbe und es tatsĂ€chlich so sein sollte, das mein Hirn mir in seiner letzten AktivitĂ€t noch eine Halluzination beschert, dann bin ich glĂŒcklich wenn ich Dich dann noch einmal sehen darf. Lebendig.
Manchmal sitze ich am Computer und gebe Deinen Namen bei Google ein. Einfach nur so.
Und dann kommt: Nichts.
Es ist, als wenn Du nie existiert hĂ€ttest, Du bist wie weg geblasen. Das macht mich traurig und wĂŒtend. Ich weiß nicht, was ich erwarte, aber wahrscheinlich glaube ich tief in meinem Inneren immer noch nicht daran. Es klingt verrĂŒckt, aber manchmal denke ich, Du hĂ€ttest dir bloß einen ziemlich makaberen Scherz erlaubt. Wirklich.
Wie lange bezahlt man fĂŒr ein Grab? Zehn Jahre, oder fĂŒnfzehn? Ich weiß, dass Du nicht dort bist, aber wohin soll ich denn dann gehen?
Ich war nicht auf Deiner Beerdigung, ich weiß nicht, ob du wirklich da unten liegst, ich konnte nie richtig Abschied von Dir nehmen. Und ich weiß auch nicht ob ich es kann.
Aber ich weiß, dass ich Dich oft vermisse. Du fehlst. Mir.
Ich bitte Dich um Verzeihung fĂŒr das, was ich getan habe. Und ich wĂŒnschte, du wĂ€rest an diesem Abend nicht an diesem Ort gewesen.

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petrasmiles
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Registriert: Aug 2005

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Bis zum 'Schluss machen' bin ich noch dabei geblieben, aber dann bin ich ausgestiegen.
Ich glaube, es hat damit zu tun, dass bis dahin eine Jugendromanze geschildert wird, eine Geschichte, die mir erlaubt hat, mir mein eigenes Bild zu machen. Es ist eine Geschichte, die von den schönen Momenten erzĂ€hlt. Und dann wird auf einmal reflektiert und die GrĂŒnde fĂŒr das Ende, die da aufgezĂ€hlt werden, sie sind nicht aus der Geschichte selbst gekommen, wirken wie dran geklebt. Und dann wechselt es zwischen Schilderung und Reflexion und Wertung, und es ist keine Geschichte mehr, weil der Faden, der Rhythmus zerhackt wird.
Auch fĂ€nd ich es wichtig, wenn die Adjektive genauer betrachtet wĂŒrden. In der Schilderung seiner Person wurde er als 'muskulös und attraktiv' charakterisiert. Das eine Adjektiv ist beschreibend, das andere wertend; beschreibend wĂ€re besser: Die Beschreibung durch die Adjektive löst bei mir die Wertung 'attraktiv' aus; ich denke, so sollte es sein.
Dann diese widersprĂŒchliche Stelle mit der Narbe, die unvermutet auftauchende 'ablehnende Haltung' von ihm, ihm werden Motive fĂŒr sein Handeln unterstellt, das ich nicht erzĂ€hlt bekomme. Das alles wird 'behauptet', ohne dass ich weiß, wodurch der Eindruck entstanden sein könnte. Und dann nur noch anklagende Selbstverteidigung, es wird einfach uninteressant. TagebĂŒcher von SechzehnjĂ€hrigen (auch 20jĂ€hrigen) SIND uninteressant, dass weiß ich aus eigener Erfahrung. Entschuldige, wenn ich nicht weitergelesen habe.
Vielleicht kann man ja mit etwas Abstand noch einmal darangehen und daraus eine Geschichte machen.
Gruß
Petra
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Sumpfkuh
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Vielleicht solltest du dir doch mal die MĂŒhe machen, die Geschichte zu Ende zu lesen und dann deinen Kommentar noch mal ĂŒberdenken...

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petrasmiles
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Ich wollte erst schreiben, vielleicht solltest Du Dir erst einmal die MĂŒhe machen, meinen Kommentar zu ĂŒberdenken, denn ganz egal, wie die 'Geschichte' weitergeht, er bliebe bestehen, aber ich wollte nicht 'zickig' sein.
Nun gut, habe ich sie also zu Ende gelesen.
Dieser Text steht in der Rubrik 'ErzĂ€hlungen', nicht 'Tagebuch'. Bei letzterer hĂ€tte ich gedacht, ok, da hat sich jemand etwas von der Seele geschrieben und gut ist. Kein Kommentar. Aber bei einer ErzĂ€hlung fĂŒhle ich mich zunĂ€chst angesprochen als Leser. Und als solcher sehe ich:
Eine ziemlich egozentrische Person (Deine Protagonistin) hat einen Freund. Aus nicht nachvollziehbaren GrĂŒnden trennt sie sich, hat zweimal eine Beziehung mit einem anderen Mann, reift dadurch, lĂ€sst den alten Freund mehrmals abblitzen, empfindet zwei aufeinander folgende Anrufe, wobei er sich bei dem ersten nicht meldet, als Telefonterror, beschliesst - wohlgemerkt aus nicht nachvollziehbaren GrĂŒnden! -, dann doch eine Beziehung mit jenem einzugehen, wird aber dann von einem Urlaub von diesem Entschluss abgebracht und in ihrer Abwesenheit kommt er um.

Da kreist jemand um sich selbst und NUR um sich selbst.
Und was wÀre gewesen, wenn er nicht umgekommen wÀre?

Das ist weder die Geschichte einer 'Katharsis' einer ichbezogenen und unreifen Person, noch eine nachtrĂ€gliche WĂŒrdigung eines besonderen Menschen. Es ist auch keine Liebesgeschichte. Es gibt keinen Handlungsfaden, keinen Spannungsbogen, keine ĂŒberzeugenden Figuren, keine ĂŒberzeugenden Motive, keine ĂŒberzeugenden GefĂŒhle - außer: Selbstmitleid.

Das ist meine Meinung. Diese Gedanken entstehen aus meinem Kontext. DafĂŒr stellen wir hier Texte ein, um unsere Gedanken gespiegelt zu bekommen, und manchmal kann man damit etwas anfangen und manchmal nicht.
Deine Geschichte hat mich nicht erreicht, und sehr wahrscheinlich erreicht Dich mein Kommentar nicht. Dann ist das so. Nix fĂŒr ungut.
Gruß
Petra

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Sumpfkuh
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Liebe Petra,

natĂŒrlich erreicht mich dein Kommentar, aber es fĂ€llt mir schwer darauf einzugehen, wenn der Kritiker nicht mal die ganze Geschichte gelesen hat.

quote:
Aus nicht nachvollziehbaren GrĂŒnden trennt sie sich, hat zweimal eine Beziehung mit einem anderen Mann, reift dadurch, lĂ€sst den alten Freund mehrmals abblitzen, empfindet zwei aufeinander folgende Anrufe, wobei er sich bei dem ersten nicht meldet, als Telefonterror, beschliesst - wohlgemerkt aus nicht nachvollziehbaren GrĂŒnden! -, dann doch eine Beziehung mit jenem einzugehen, wird aber dann von einem Urlaub von diesem Entschluss abgebracht und in ihrer Abwesenheit kommt er um.


Warum sie sich trennt, steht im Text. Ich weiß nicht, was daran nicht nachvollziehbar ist?
Die "Anrufe" waren mitten in der Nacht- auch das steht im Text.
Und warum sie beschließt (was sie ĂŒbrigens nicht tut- sie will ihn lediglich anrufen um dann zu sehen ob vielleicht aus ihnen noch mal ein Paar wird...) ihn dann doch wieder anzurufen, steht auch im Text.
Ich verstehe das nicht!?
Ich möchte aber auch nicht die ganze Geschichte zerpflĂŒcken, alles wichtige steht im Text und ich persönlich finde, dass ich auch die GefĂŒhle ganz gut rĂŒber gebracht habe.
Und ich möchte aus dieser Geschichte aber auch gar keine Stil und Spannungsbogen perfekte Sache machen.

quote:
Da kreist jemand um sich selbst und NUR um sich selbst.
Und was wÀre gewesen, wenn er nicht umgekommen wÀre?


Das stimmt aber nicht. Eigentlich kreist doch alles um ihn.
Klar sagt sie, dass es ihr schlecht geht, aber eigentlich versucht sie die ganze Zeit ihn zu verstehen und hinter seine Fassade zu blicken.
Wenn er nicht umgekommen wĂ€re? Abgesehen davon, dass diese Frage auch im Text steht- ich weiß es nicht.
Sie hĂ€tte ihn angerufen, ĂŒber alles weitere möchte ich nicht nachdenken.
Schade, dass du keine WĂŒrdigung siehst, denn das sollte sie eigentlich sein.

Wie dem auch sei, ich danke dir natĂŒrlich fĂŒr deine Kritik, hilft mir die Sache aus einem anderen Blickwinkel zu sehen.

Liebe GrĂŒĂŸe,
die Sumpfkuh

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HFleiss
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Liebes MĂ€dchen, ich kann dich doch unmöglich als Sumpfkuh anreden. Also liebes MĂ€dchen, mir hat gefallen, wie lebendig und in der Sprache eines jungen MĂ€dchens du die Geschichte aufgeschrieben hast, die Sprache (sicher an einigen Stellen wegen der correctness reparaturbedĂŒrftig) sprach mich an, und ich bin bis zum Schluss drangeblieben und akzeptiere auch das "AngehĂ€ngte", das Petra eben angehĂ€ngt vorkommt, es gehört zum Schluss der Beziehung der beiden. Aber ob es auch zur Geschichte gehört, das ist eben die Frage. Eine Geschichte ist eben was anderes als nur mal so erzĂ€hlen, so und so war das eben, alles, alles, nur nichts auslassen, vom schönen Anfang bis zum bitteren Ende. Dein Text ist meiner Ansicht nach nicht wirklich gestaltet, und insofern hat Petra auch recht, er gehört wohl eher in die Spalte Tagebuch, und dann mĂŒsste man eben auch das SchwĂ€nzchen akzeptieren. Die Idee, mit dem Toten zu reden, gefĂ€llt mir. Aber es gab einen Punkt, wo es mir wegen der unzusammenhĂ€ngenden HĂ€ufung an Episoden zu viel wurde. Besser beraten wĂ€rst du, wenn du dich auf eine typische Episode beschrĂ€nkt hĂ€ttest, die bleibt einem Leser in Erinnerung, so aber hat man das GefĂŒhl eines bunten Bonbonglases, und um ein bestimmtes Bonbon zu erhaschen, muss man gleich eine ganze Handvoll nehmen. Deine Geschichte leidet an der ÜberfĂŒlle. Dadurch ist es keine geformte ErzĂ€hlung geworden. Was mir nicht so recht gefĂ€llt, ist der Titel auf Englisch, wie eine Maske hĂ€ltst du ihm dem deutsch geschriebenen Text vor. Was bringt das? Und das ĂŒbrige, was mir ins Auge fiel, das ist der Duden-Redaktion anzulasten, die in ihrer Verwirrung unser schönes Deutsch so durcheinandergebracht hat, dass jetzt kein Mensch zum Beispiel mehr weiß, schreibt man den "Du" jetzt neuerdings groß oder klein, koppelt man Wörter noch oder nicht usw. Und einen wirklich aktuellen Duden gibt es nach der neuesten Änderung ja nun auch nicht mehr. O Graus. Aber damit will ich nicht rausgehen, ich schlag dir ernsthaft vor, deine Geschichte zu raffen und sie nach der Überarbeitung einfach noch mal in die Leselupe zu stellen. Und dafĂŒr wĂŒnsche ich dir viel Erfolg.

Lieben Gruß
Hanna

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