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Leselupe.de > ErzÀhlungen
Lehr(n)moral
Eingestellt am 28. 05. 2002 17:39


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Cora Horn
HĂ€ufig gelesener Autor
Registriert: Mar 2002

Werke: 20
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Schlaf - ein komatöses Wachen inmitten von schweigend redenden Stimmen. Was sagt diese eine dort? Aha, wie wenig interessant. ZurĂŒck zum Wachkoma, da lĂ€sst sichÂŽs aushalten. Wenn das Gerede wenigstens leise wĂ€re, so dass man richtig schlafen könnte. Dieser dĂ€mmerige Zustand zwischen Schlaf und Meditation macht so mĂŒde, dass er weit ĂŒber ĂŒbliche Langeweile-Stimmung hinausgeht. Die Nerven sind zugleich gespannt und unsagbar erschöpft, als wĂŒrde man tatsĂ€chlich zuhören, oder - noch schrecklicher - mitdenken, als wĂŒrde man tatsĂ€chlich etwas tun. Nicht die Augen schließen, munter wirken - das ist wichtig. Aber eine lang antrainierte Disziplin macht das leicht möglich, ohne Anstrengungen. Draußen vor dem Fenster - ein paar Vögel. Hmh, ganz schön langsam fliegen sie. In Zeitlupe? Was sagt die Stimme? Was will sie? Ach nein, einfach nicht hinhören, einfach beschĂ€ftigt gucken. Die Vögel sind vorbei, weit außer Sichtweise. Sind wohl doch schneller geflogen. Was jetzt? Mhm, der Himmel ist recht grau heute. ObÂŽs regnen wird? Und wenn schon. Ein bisschen lesen? Nein, es bleibt ja doch nichts haften. Etwas schreiben? Sehr witzig, wie soll man denn hier denken? Mal den Kopf heben, die Augenlider weiter aufmachen? Nein, lieber nicht; zu anstrengend, zu mĂŒde. Was ist jetzt? Aha, eine neue Stimme hat sich kurz erhoben, um den monotonen Klang der anderen zu verstĂ€rken. Was hat sie gesagt? Ach, so ist das. Aha, so ist das also - eine Offenbarung, die den Geist offenbar zum Nachdenken ĂŒberhaupt nicht anregt. Aber gut, Hauptsache, sie wurde gegeben. Langsam wird es richtig anstrengend, das mit den Augen. Und auch sonst - irgendwelche Ideen, Motivationen, fĂŒr danach? Nein, wieso denn, woher soll denn so was kommen? War ja nur ne Frage. Was kommt ĂŒberhaupt danach? Gute Frage. ist das wichtig? nein, eigentlich nicht. Nichts anderes als hier und jetzt geschieht danach im Bald und dort. Wo ist das Hier? Ach so, richtig, wir sind ja hier. Hier sind wir also. Mhm. Könnten wir auch woanders sein? NatĂŒrlich. Sicher? Nein, eigentlich nicht. Langsam werden sie langweilig diese abgehackten Gedanken, die sich einmal jede Stunde wiederholen. Man mĂŒsste wohl mal wach werden - ein bisschen denken, oder so. nana, nicht ĂŒbertreiben, wo sind wir den hier? Ja, wieder eine gute Frage. das nimmt langsam ĂŒberhand - unheimlich. Kurz mal blinzeln und die Ohren spitzen - ganz schön schwer bei diesem monotonen Rauschen. Mhm, die Stimmen sind also noch da. Sagen sie irgendetwas? Nein, ich glaube nicht. Ach doch. Das ĂŒberhört man aber ganz schön leicht. Komisch, obwohl sie gar nicht leise reden. Was wird da gesagt? Die eine Stimme klingt aber ganz schön wichtigtuerisch. Etwa etwas interessantes? Nein, zu frĂŒh gefreut. ZurĂŒck zum Wachkoma, das kostet nicht so viel Nervenenergie wie zum AnkĂ€mpfen gegen die monoten Gedanken, die die Stimmen kungeben. Ist das eigentlich noch wach oder schon richtiges TrĂ€umen? Nein, beim TrĂ€umen passiert immer irgendetwas. Hier aber passiert eigentlich gar nichts. Na ja, bis auf die Stimmen, die vereinzelt ein paar Brocken Gelerntes in die Stille werfen, die sogleich danach wieder von dieser einen Stimme durchbrochen und zugleich verfeinert wird, denn irgendwie verstĂ€rkt sie den Zustand der wachenden Komatösen um sie herum noch weiter. Die schwersten Gewichte von Resignation, GleichgĂŒltigkeit und Langeweile schweben ĂŒber ihren Köpfen, sie bewirken dieses Wachkoma. Gewohnter Trott, und trotzdem tĂ€glich unertrĂ€glich. Doch was ist das? Ein lautes Klingeln in den Ohren klĂ€rt den Kopf und lĂ€sst die Augenlider langsam hochklappen, bis die Pupillen wieder Bilder fassen. Ringsherum tauchen Gesichter auf und Körper, die sich lebhaft bewegen. Allgemeines Erwachen aus dem Koma, eigenes Erwachen folgt sofort. Na dann. Das war es jetzt. Der Unterricht ist aus.

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Monfou
???
Registriert: Feb 2002

Werke: 0
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Skizze

Hallo Mrs. Horn,

eine kleine, schöne Studie, finde ich. Sensibel angelegt, die innere Stimme ist leicht und assoziativ gefĂŒhrt. Vielleicht sollte man noch etwas straffen, d.h. nicht unbedingt in der LĂ€nge, aber vielleicht hier und da nicht in der PrĂ€zision nachgeben!

Den Titel empfinde ich als zu bedeutungsvoll und einengend zugleich, ja, als irrefĂŒhrend, denn es geht - zum GlĂŒck - nicht um (Lehrn) Moral. Ich zumindest gestatte mir, etwas Allgemeineres darin zu lesen.

Auch ist das Ganze keine ErzĂ€hlung, eher typische Kurzprosa oder KĂŒrzestprosa, eine Skizze, die sicher bei BerĂŒcksichtigung der o.g. Punkte eine noch grĂ¶ĂŸere SubtilitĂ€t erreichen kann.

Viel Spaß beim Schreiben weiterhin

Monfou

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Magic Magor
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Oct 2001

Werke: 5
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Der Text gefÀllt mir.

Ich denke er trifft auf (zu) viele Menschen gerade jĂŒngeren Alters zu.

Mehr kann und sollte man auch dazu nicht sagen.

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hoover
Guest
Registriert: Not Yet

Schlaf - ein komatöses Wachen inmitten von schweigend redenden Stimmen.

das ist echt stark gesagt, hat mir schwer gefallen. was heißt gefallen, ja, irgendwie schon, es hat mich zum nachdenken gebracht. doch, es hat mir gefallen, weil ich es verstehen konnte ... diese gedankengĂ€nge ... wirklich interessant ... und so wie magic magor gesagt hat.
mehr kann auch ich nicht sagen. aber du bist echt begabt. doch, das bist du.

liebe grĂŒĂŸe
hoover

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Cora Horn
HĂ€ufig gelesener Autor
Registriert: Mar 2002

Werke: 20
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Hi Hoover

Tschuldige die VerspÀtung, hatte gar nicht gemerkt, dass du hierzu was gesagt hast.

DANKE!!!

KĂŒsschen,
Cora

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