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Leselupe.de > Erz├Ąhlungen
Leonore
Eingestellt am 17. 01. 2011 22:29


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Kira Berg
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Jan 2011

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Leonore

Ein kleines Cafe┬┤ an einer kaum befahrenen Stra├če. Die Hitze des Tages lie├č die Luft vibrieren und h├╝llte alles in ein viel zu enges Gewand. Der kleine B├╝rgersteig vor dem Cafe┬┤ reichte gerade aus, um zwei Tischen mit schmalen, unbequemen St├╝hlen Platz zu lassen. Menschenleer war die Stra├če. Die Fensterl├Ąden der umliegenden H├Ąuser verschlossen. Kein Auto, kein Motorenger├Ąusch, nichts war zu h├Âren. Der Ort machte den Eindruck einer Kulisse. Er schien verlassen zu sein. Es roch nach Provinz, nach Vergangenheit, eine Luft, die einem die Kraft zum Atmen nahm.
Das Cafe┬┤ hatte wie ├╝berall hier um die Mittagszeit keine G├Ąste. Claudette, die Besitzerin sa├č hinter der Theke, ├╝ber ein Magazin gebeugt. Ein Radio spielte ...ÔÇť c┬┤est une chanson...ÔÇťPierre hatte seine Apotheke abgeschlossen und lief heute nicht wie sonst immer um die Mittagszeit in Richtung des kleinen Parks am Gemeindehaus, um sich auf eine Bank, immer dieselbe unter dieselbe Pinie zu setzen, sein frisches Baguette mit K├Ąse zu bestreichen und sich in sich selbst zur├╝ckzuziehen. Nein, heute Morgen hatte er eine Nachricht von Leonore erhalten.
Leonore, bei diesem Gedanken ├Âffnete sich sein Herz. Leonore, dunkelhaarig von zarter Statur und dieser Blick mit den strahlend blauen Augen, puppengleich. In diesen Blick war er vor drei Jahren in Paris versunken.
Pierre, der den Blick eher angstvoll senkte, wenn eine Frau ihre Augen auf ihn richtete, nahm Menschen kaum wahr. Es sei denn, sie kamen in seine Apotheke. Wenn der Tresen f├╝r ihn zum Schutzschild wurde, dann schaute er die Menschen an, analysierte ihre Blicke und versuchte, noch ehe sie ihren Kaufwunsch an ihn richteten, zu ergr├╝nden, welches Mittel sie verlangen k├Ânnten. Ein allt├Ągliches Spiel, das er im Laufe der Jahre bis zur Perfektion beherrschte.

Au├čerhalb der Apotheke machten ihm die Menschen eher Angst. Er ging ihnen aus dem Weg. Die Angst, dass seine Seele verwundet werden k├Ânnte, war zu gro├č. Seine innere Stimme warnte und er h├Ârte auf sie. Sich selbst vertraute er. In sich selbst war er sicher, einsam und zufrieden.
Vor drei Jahren in Paris hatte Leonore seine Seele im Sturm erobert. Als er sie nach dem Pharmaziekongress das erste Mal sah, konnte er nicht wegsehen. Sein Blick lag wie gebannt auf der zarten Frauengestalt. Wie ein magischer Sog zog es ihn an, als er seine Augen auf sie richtete und schon am selben Abend nahm er sie mit zu sich nach Hause und er sp├╝rte, wie sich ihre Seelen vereinten und ineinander ├╝berflossen.
Seitdem trafen sie sich jeden Donnerstag in seinem Haus. F├╝r diese N├Ąchte lebte er. Sie waren zu seinem Mittelpunkt und Lebenssinn geworden. An diesen Tagen wurde aus ihm ein anderer Mensch. Wenn er Donnerstags die Apotheke abschloss, ging er in den kleinen Supermarkt, kaufte frischen Fisch und Baguette, holte Wein aus dem Keller und deckte festlich den Tisch.
├ťberall brannten Kerzen, als sie dann kam. Meist trug sie ein wei├čes Kleid aus flie├čendem Satin, das bei jedem Schritt um ihren K├Ârper wehte. Ihr langes schwarzes Haar fiel in vielen kleinen L├Âckchen um ihre Schultern. Sie kam und nahm den gesamten Raum ein. Er war ihr verfallen, ihrem Duft, ihrem Wesen.
Nach dem Essen lagen sie viele Stunden stumm nebeneinander auf seinem Bett, sich nur an den H├Ąnden haltend.
Er war viel zu sehr von ihr gefangen, als dass er h├Ątte reden k├Ânnen. Es brauchte keiner Worte. Ihre K├Ârper und ihre Seelen wurden eins.
Sp├Ąt in der Nacht verschwand sie, um eine Woche sp├Ąter wiederzukehren.
Keiner wusste von dieser Liebe. Keiner hatte sie je bemerkt. F├╝r alle blieb er der eher seltsame, verschrobene Apotheker.
Doch Pierre lebte in seinem Gl├╝ck und genoss es, beide Leben nebeneinander zu leben. In der Woche der immer ernste Apotheker, donnerstags der Geliebte und Begehrte. Das Leben hatte einen Sinn bekommen und f├╝r diesen lebte er.

Seit einigen Wochen aber hatte sich etwas ver├Ąndert. Er sp├╝rte es. Er sp├╝rte die Angst in sich, dieses Aufgeregt-sein, diese Spannung, die ihn einengte. Dieser Zustand, der sich in seiner Brust an jenen letzten Donnerstagen ausbreitete. Sie wirkte k├╝hler, entr├╝ckt von ihm. Wenn er nach ihrer Hand griff, sp├╝rte er die K├Ąlte, die von ihr auszugehen schien.
Er lag neben ihr, doch er konnte sie kaum noch wahrnehmen. Ihre Umrisse verschwanden. Die Konturen schienen eins zu werden mit der Enge, die ihn zu erdr├╝cken drohte.

Und dann heute morgen, ein kleiner Zettel unter der T├╝r, die Visitenkarte des Cafes im Ort. Ihm war sofort bewusst, dass es das Ende bedeutete. Seine Gedanken kreisten um Paris, um die vielen Abende des Gl├╝cks. Sie kreisten schneller und schneller, wurden zu einem Sog, zu einem Tunnel, an dessen Ende die nackte Wut lauerte, sich als Stimme in ihm erhob, die ihn anschrie. Alles um ihn herum l├Ąrmte.
In diesen L├Ąrm drang eine Stimme c┬┤est une chanson, qui nous ressemble. F├╝r einen kurzen Moment schien es ihm die Orientierung zu nehmen. Er schaute sich angstvoll um und erblickte vor sich den Eingang des Cafes. Er ging an zwei Tischen auf dem Gehweg vorbei und trat ein.
Er setzte sich an die Theke, ihr gegen├╝ber und schaute sie mit unb├Ąndiger Wut an. Sie schien ihn etwas zu fragen, doch ihre Worte klangen wie breitgezogen und verzerrt, auf einer falschen Tonspur abgespielt, an sein Ohr. Ihr l├Ąchelnder Mund schien sich zu einer f├╝rchterlichen Grimasse zu entstellen. Sie sang, lachte, gestikulierte. Es war ein unheimliches Stimmengewirr, das an sein Ohr drang. Er hielt sich die Ohren zu und schrie ihr seinen Hass ins Gesicht. Sie lachte. Sie lachte ihn aus.

Erst als seine H├Ąnde ├╝ber die Theke hinweg ihren Hals umfassten und sich immer enger zusammendr├╝ckten, entschwand diese Lachen aus ihrem Gesicht und nichts als das blanke Entsetzen blickte aus ihren Augen.
Es sollte ihr so gehen, wie ihm. Sie sollte seinen Schmerz erleben.
Sie sp├╝rte ihn, dessen war er sich sicher und er lie├č erst los, als ihr lebloser Kopf nach hinten fiel und ihre Arme schlaff am K├Ârper herabhingen.
Jetzt hatte er sie verlassen. Die entspannende Stille und Ruhe legten sich wie ein Tuch auf seine Wut. Mais la vie separe ceux quisaiment tout....
Entspannt und ruhig verlie├č Pierre das Cafe. Nichts hatte sich ver├Ąndert. Die dr├╝ckende W├Ąrme vibrierte noch immer in der Luft. Es roch nach Vergangenheit. Er ging zur├╝ck und schloss die Apotheke auf. Es kamen kaum Leute an diesem Nachmittag, hatte sich doch im Ort ein grauenvolles Verbrechen ereignet. Erst einige Tage sp├Ąter erschien die Polizei in der T├╝r. Pierre wusste nicht, was man von ihm wollte.
Er kannte keine Claudette.


__________________
KBg

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