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Leselupe.de > Erz├Ąhlungen
Liebe
Eingestellt am 02. 06. 2007 20:03


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lisette
Hobbydichter
Registriert: May 2007

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Lisette

Der kalte Wind peitschte um ihre Ohren. Er zwirbelte ihr hei├č im Gesicht.
Brannten die Tr├Ąnen auf ihrer Wange in ihre Haut. Ein kleiner, mit jedem Windsto├č wiederkehrender Schmerz.
Ihr eigenes wimmern, fremd in ihren Ohren. Sie h├Ârt es nicht.
Ein unertr├Ągliches Rauschen in ihrem Kopf.
Best├Ąndig prasselte der Regen auf ihr langes verfilztes Haar.
Lose hing es ├╝ber ihre mageren Schultern.
Die H├Ąnde dr├╝ckten sie sch├╝tzend gegen ihren Bauch.
Ihre Beine waren taub. Das Herz schlug ihr bis zum Hals und erf├╝llte sie mit einem Rest an W├Ąrme.
Und dann geschah es. Ihr Herz zerbrach in tausend Teile.
Ein so furchtbarer Schmerz, das sie sich kr├╝mmte. Jammernd umschlang sie ihre Knie, ihr Gesicht auf ihren nassen Mantel gelehnt.
Und mit dem letzten Funken Kraft, erhob sie sich und stie├č sich ab.
Mit einem l├Ącheln auf den Lippen und ausgebreiteten Armen st├╝rzte sie hinab.
Und als die Wolken aufbrachen, fiel ein Sonnenstrahl auf ihr liebliches Gesicht. Ein Tropfen Blut rann ├╝ber ihre leicht ge├Âffneten Lippen. Und ihr letzter Atemzug verband sich mit dem s├╝├čen Duft des Herbstwindes, um ihn mit ihm davon zu tragen.

Das Dunkel der Nacht umgibt mich wie ein Schleier.
Die K├Ąlte schn├╝rt mich ein.
Erst wenn der Tag anbricht, l├Âst das Licht meine Fesseln.
Meine Seele schwebt aus meinem leblosen K├Ârper.
Die W├Ąrme schleicht in mein Herz und wenn ich dann die
Augen ├Âffne wird die Sonne dein Gesicht tragen,
F├╝r immer.

1 Jahr zuvor

\"Lisette! Beeil dich. Tom f├Ąhrt sonst ohne dich und du willst doch nicht zu sp├Ąt zur Schule kommen..\" Alisa klopfte zum dritten mal an diesem Morgen an die T├╝r ihrer Stieftochter.
\"Sage du deiner Tochter, das sie kommen soll!\" Fauchte sie ihren Mann Christopher an.
Seit geraumer Zeit versuchte er vor dem Spiegel im ersten Stock seine Krawatte zu binden. Er verzog das Gesicht und trat ein paar Schritte zur T├╝r seiner Tochter.
Dabei versuchte er den Finger wieder aus dem Knoten zu ziehen.
Er klopfte gegen die T├╝r und lauschte.
Leise tribbelten F├╝├če zur T├╝r, ein Schl├╝ssel drehte sich im Schloss und kurz darauf ├Âffnete sich die Zimmert├╝r.
Lisettes blonder Schopf und ihre gr├╝nen Augen lugten durch den schmalen Spalt.
Unschuldig fragte sie \"Was ist los Papa?\"
\"Es wird Zeit, das du zur Schule gehst! Und um Himmels Willen, schlie├če deine T├╝r nicht ab!\"
Sie nuschelte \"Komme schon \" und schloss die T├╝r.
Schultern zuckend verlie├č ihr Vater sie und stieg die schmalen Treppen des Hauses hinunter.
Alisa lies die Essensreste des Fr├╝hst├╝cks in den M├╝lleimer fallen.
\"Was ist jetzt mit dem M├Ądchen?\" Fragte sie.
\"Kommt schon!\" Sagte er missmutig und vergrub sich sogleich hinter seiner Zeitung um jedwedem Streit aus dem Wege zu gehen.
\"Ich m├Âchte wissen, warum sie das jeden Morgen macht!\"
Krachend stellte sie die Teller in die Sp├╝le.
\"Wo bleibt die Kr├Âte nun?\" Tom tippte mit den Fingerkuppen entnervt auf die Tischplatte. Den letzten Schluck Kaffee aus seiner Tasse schl├╝rfte er laut hinunter und erntete daf├╝r einen b├Âsen Blick seiner Mutter.
\"Wenn das so weiter geht, lasse ich sie mit dem Bus fahren.\" Drohte er \"Hab keine Lust st├Ąndig auf die G├Âre zu warten.\"
Seine Mutter zischte ihm zu \"Also Tom, ich bitte dich! Du willst das Kind doch nicht mit dm Bus fahren lassen. Wo doch der ganze Abschaum der A
Nachbarschaft drinnen sitzt.
\"Hey, ein Teil von denen sind mit mir befreundet \" beschwerte er sich.
\"Feine Freunde.\" Fl├╝sterte Alisa. Nur Saufen und Party im Kopf den ganzen lieben langen Tag.\"
Tom lachte frech \"Was sonst tun in diesem langweiligen Dorf!\"
Lisette schlenderte durch den langen kalten Flur der zur K├╝che f├╝hrte. Sie drehte an ihren Haaren. Das Licht fiel nur sp├Ąrlich durch die kleine Luke, der rest fetzten warmes Hell
Trat durch die K├╝chent├╝r. Einen Moment verharrte sie um dem Gespr├Ąch der Familie zu lauschen. Und um noch ein paar Minuten ins Land ziehen zu lassen, um ihren Bruder zu ├Ąrgern.
Dann schlenderte sie zur T├╝r hinein, als w├Ąre nichts gewesen und griff sich ihr Pausenbrot vom Tisch.
\"Na was ist jetzt?\" Schnippisch blickte sie zu Tom \"Kommst du nun, oder muss ich noch l├Ąnger warten!\"
Laut st├Âhnend vertrete er die Augen und erhob sich schwerf├Ąllig von seinem Stuhl.
Hinter ihr schloss er die T├╝r zum Hintergarten.
\"Geht das nicht mal schneller!\" Fauchte Tom und verpasste ihr einen Sto├č an die Schulter.
\"Hey, was soll das!\" Herrschte sie ihn an.
Frech lachte er ihr ins emp├Ârte Gesicht und kaute laut auf seinem Kaugummi.
\"Was denn?\" Fragte er unschuldig und stolperte an ihr vorbei, um die Wagent├╝re zu ├Âffnen.
Lisette schmunzelte. Er hatte wohl eine ganze Packung Haargel gebraucht. Was seinem dunklen Haar einen unnat├╝rlichen Glanz verlieh.
Sie sch├╝ttelte still den Kopf.
L├Ąssig setzte er sich hinters Steuer. Lisette setzte sich widerstrebend neben ihn. Das alte Auto seines Gro├čvaters zerfiel fast in seine Einzelteile und er chauffierte es, als w├Ąre es ein nagelneuer Mercedes.
\"Manchmal bist du mir echt peinlich, wei├čt du das?\" Sagte er und Starrtete das Auto.
\"Du mir erst!\" Gab sie emp├Ârt zur├╝ck. \"Schlimm genug, das wir zusammen leben m├╝ssen.\"
Tom streckte ihr die Zunge hinaus.
Seit ihrem f├╝nften Lebensjahr lebte Lisette bei ihrem Vater. Nach der Scheidung ging er die zweite Ehe mit Alisa ein.
Sie brachte den zwei Jahre ├Ąlteren Tom mit in die Ehe. Die Stra├če ihres Viertels zog an dem schmutzigen Fenster vorbei und bei jedem Schalten heulte der Motor laut auf. Es war Fr├╝hling. Lisette liebte ihn, trotz der manchmal noch kalten Tage.
Den Sommer verbrachte sie bei ihrer Mutter in Paris. Von Toms Vater hatte sie noch nie etwas geh├Ârt und nie danach gefragt.
Obwohl beide zusammen aufwuchsen, war ihr Verh├Ąltnis nicht gut zueinander. Tom war egoistisch und ├╝berheblich. Er lies keine Gelegenheit aus sie zu ├Ąrgern.
Noch heute versuchte er alles um seine Stiefschwester zu verletzten.
Er schaute sie kurz von der Seite an. Die kleine schmale Nase, fein geschwungene Gesichtsz├╝ge, ihr helles langes Haar.
Sie tanzte ihm als kleines M├Ądchen durch den Kopf. In ihren h├╝bschen R├╝schenkleidchen und den Schleifen im Haar. Ihre Puppe unter dem Arm. Selbst wenn er sie nur anfasste, begann sie lauthals zu schreien.
Heute eine der besten Sch├╝lerinnen ihres Jahrgangs. Wenngleich nicht wirklich beliebt. Tom l├Ąchelte. Er war es. Bekannt, beliebt, gesch├Ątzt.
Seinen gro├čen schlanken K├Ârper hielt er gebeugt. Innerlich war es ihm peinlich, das er seine Mitsch├╝ler schon lange ├╝berragte.
Lisette liebte Ballett. Sie besuchte schon viele Jahre eine Schule. Er hatte sie noch nie tanzen sehen. Warum auch? Es nervte ihn, wenn sie ihre klassische Musik auflegte und gutgelaunt dazu summte. Manchmal blieb er vor ihrer Zimmert├╝r stehen und lauschte leise mit geschlossenen Augen. Niemand durfte ihn sehen, bevor er zur├╝ck in sein Zimmer schlich um seine ├╝blichen Rock CDs anzumachen um damit Lisettes Musik zu ├╝bert├Ânen, was f├╝r gew├Âhnlich zu starkem Klopfen ihrerseits an seiner T├╝r verursachte.
W├Ąhrend Lisette ihre Freizeit eher zu Hause fristete, verbrachte Tom sie mit freunden. Bis sp├Ąt in die Nacht sah und h├Ârte man nicht von ihm.
Lisette fragte sich manchmal insgeheim, wie er so das Abitur, das diesen Sommer anstatt, bestehen sollte.
Tom strich sein dunkles Haar aus den Wasserblauen Augen und drehte am Radioknopf. Leise dudelte irgendein Rocksong aus den fiel zu kleinen Lautsprechern. Tom wirte mit seinem Kopf zu dem Takt und seine Fingerkuppen tribbelte an das alte Leder des gro├čen Lenkrades.
Lisette sprach nicht mit ihm. Sie hatten sich nichts zu sagen. Er lebte in einer vollkommen anderen Welt und auch wenn sie eine Familie waren, f├╝hlte sie nicht so.
\"Wie lange hast du Schule heute?\" Fragte er vollkommen ├╝berraschend und Lisette brauchte erst einen Moment um sich zu sammeln.
\"Bis drei.\" Sagte sie dann schlie├člich und kratzte sich am Hals.
\"Prima!\" Er verzog die Mundwinkel \"Muss ich dich auch noch mit zur├╝ck nehmen!\"
Das ├╝bliche Gest├Âhne. Lisette ├╝berh├Ârte es. Es gab nur diesen einen Trumpf den sie gegen ihn hatte. Er musste sie zur Schule bringen und auch mit zur├╝cknehme, sonst w├╝rde seine Mutter ihm die H├Âlle hei├č machen. Und schon jetzt beschloss sie extra zu Tr├Âdeln, um ihn zu ver├Ąrgern.
Der Parkplatz gleich vor dem Schulgeb├Ąude, wie immer ├╝berf├╝llt. Sie mussten ein ganzes St├╝ck weiter hinten parken und Lisette verpasste nicht Tom deswegen aufzuziehen.
┬┤Wenn auch widerspenstig gingen beide den Weg gemeinsam zum Schultor.
Die Glocke hatte zum erstenmal gel├Ąutet. Beim zweiten mal m├╝sste sie in der Klasse sein.
\"Tom altes Haus!\" Lisette schreckte zusammen. Sie drehte sich nach ihrem Bruder um.
Hinter ihr standen Tom und Andre in eine Umarmung vertieft. Lisette schnaufte. Sie kannte den Freund ihres Bruders zu gut.
Ein unverbesserlicher M├Âchtegern. Mit reichen Eltern und einem Ego, das gut zu Toms passte.
Die Erde h├Ątte sich falsch herum drehen m├╝ssen, w├Ąren diese beiden keine Freunde gewesen.
Die letzten sechs Monate hatte Andre in einer Besserungsanstalt f├╝r Jugendliche Straft├Ąter verbracht. Unm├Âglich f├╝r Lisette zu glauben, das er das Stehlen bei solch reichen Eltern n├Âtig hatte. Doch er schien es nur als Zeitvertreib zu betreiben.
Andre dr├╝ckte Tom fest an sich \"man, gut dich zu sehen!\"
\"Warum hast du mich nicht angerufen?\" Fragte Tom emp├Ârt.
Andre zuckte mit den Schultern \"wollte dein dummes Gesicht sehen!\"
Tom lachte herzhaft und zog Andre mit sich.
\"Hallo Lisette!\" Andre wandte seine blauen Augen auf Lisette, die etwas Abseits gestanden hatte und jetzt bereute nicht bereits voraus gegangen zu sein.
Er strich ihr sachte ├╝ber die Schulter. Lisette stie├č seine Hand fort und schickte sich ans gehen.
Genau wie Tom kannte sie ihn von Kindesbeinen an. Hatte Tom einen b├Âsen Scherz mit ihr getrieben, konnte sie sicher sein das Andre ihn ausgeheckt hatte.
Das sie Tom nicht bei ihren krummen Machenschaften erwischt hatten war Lisette ein R├Ątsel.
Sie verabschiedete sich nicht und drehte sich auch nicht Nocheinmahl zu den Jungs um. Blindlings eilte sie auf den Schulflur zu.
\"Was ist denn mit Lisette passiert?\" Fragte Andre und rieb sich die Stirn.
\"Ist ja richtig niedlich geworden.\"
Tom verschluckte sich fast an seiner Spucke und hustete heftig.
\"Man, was haben die mit dir gemacht!\" Sagte er emp├Ârt und musterte Andre genau.
\"Lisette! Wenn du nicht p├╝nktlich bist fahre ich ohne dich!\" Schrie er ihr schlie├člich hinterher.
Lisette hob nur absch├Ątzend ihre Hand.
\"Ich nehme dich gerne mit!\" Br├╝llte auch Andre.
Blitzschnell drehte Lisette sich zu ihm um und rief \"Du kannst mich mal!\"

Die Schulglocke vibrierte ihr noch in den Ohren als sie schon l├Ąngst verstummt war.
Ihre Schritte hallten in dem hohen Korridor wieder. Der Ausgang war nah und schon passierte sie ihn.
Tief zog sie die frische, nach Flieder duftende Luft, ein und genoss f├╝r den Augenblick.
Langsam spazierte sie zu dem Auto ihres Bruders. Sie hoffte er w├╝rde bereits auf sie warten und seine ├╝bliche Show abziehen, doch sie hatte ihn nicht entdecken k├Ânnen. Innerlich ├Ąrgerte sie sich dar├╝ber und lehnte sich gedankenverloren an die Beifahrert├╝r.
Sicher w├╝rde er wieder irgendeinem Rock nachlaufen. Typisch f├╝r ihn. Lisette sch├╝rzte die Lippen.
\"Hallo Lisette.\" Andre sprang hinter dem Auto vor und erschreckte sie fast zu Tode. Sein langes blondes Haar hing ihm wild ins Gesicht. Er musste es mehrfach zur Seite schieben, um sie genau ansehen zu k├Ânnen.
Lisette versuchte sich zu sammeln und sich nicht vor ihm die Bl├Â├če zu geben.
\"Was Hey?\" Fragte sie gespielt cool.
\"Wie gehtÔÇÖs dir?\" Fragte er ├╝bertrieben freundlich und machte einen Knicks vor ihr.
\"Warum interessiert dich das? Und wo ist eigentlich Tom, der klebt doch sonst an dir wie ein Kaugummi!\"
\"Sagen wir es mal so \", er lehnt sich neben sie ans Auto \" Er hatte mehr Interesse and er letzten Stunde als ich.\"
Lisette drehte sich demonstrative von ihm weg.
\"Mein Angebot von heute Morgen steht noch.\" Er tippte ihr auf die Schulter.
\"Du denkst doch nicht ernsthaft...\" begann sie schnippisch, doch dann konnte sie Tom ausmachen und wendete sich pl├Âtzlich freundlich an Andre.
\"Obwohl, wenn ich es mir recht ├╝berlege, warum eigentlich nicht.\"
Andre l├Ąchelte sie siegerisch \"Na dann Madame. Ihr Porsche steht bereit.\" Lisette warf noch einen Blick in Toms Richtung, um sicher zu gehen, das er sie wirklich sah und folgte dann mit hoch erhobener Nase Andre.
Das mulmige Gef├╝hl, er w├╝rde ihr die H├Âlle hei├č machen, wenn sie erst zu Hause waren, unterdr├╝ckte sie und stieg zu Andre ins Auto.
Tom musterte das Schauspiel mit aufsteigendem Zorn und fluchte lauthals. Doch Lisette verstand es nicht. Andre hatte die Musik zu laut gestellt und winkte seinem Freund unversch├Ąmt zu.
Der Wagen setzte sich in Bewegung und lies ihren w├╝tenden Bruder zur├╝ck.
Lisette l├Ąchelte. Ein gutes Gef├╝hl, bis jetzt.

\"War mir eine Freunde dich mitzunehmen!\" Sagte Andre und stellte den Motor ab.
Ruhig lag der Vorgarten ihrs Hauses da. Ein paar Blumen schm├╝ckten den Weg und bl├╝hten in den verschiedensten Farben. Die Luft war warm und legte sich leicht um ihre haut. Sie schloss f├╝r einen Moment die Augen und ├╝berblickte dann ihre Stra├če.
Ein wundervolles kleines Viertel, Abgelegen von der eh sehr kleinen Stadtmitte. Die Vorg├Ąrten hier waren gepflegt, die Autos stets geputzt und nat├╝rlich gr├╝├čte man jeden Nachbarn
Freundlich.
\"Ja Klar.\" Sagte sie beil├Ąufig und lies Nocheinmahl ihren Blick ├╝ber die Stra├če gleiten.
\"Vielleicht gibtÔÇÖs du mir deine Handynummer?\" Fragte er freundlich und das ehrliche L├Ącheln auf seinem Gesicht verbl├╝ffte Lisette.
\"Und vielleicht tue ich das ni...\" begann sie abzuwehren. Dann sah sie den Wagen ihres Bruder mit quietschenden Reifen um die Kurve rauschen. Sie setzte sich ein gespieltes L├Ącheln auf und z├╝ckte einen Stift. \"Vielleicht tue ich das sofort!\" Sie kritzelte ihre Nummer auf ein St├╝ck Kaugummipapier und reichte es mit gro├čer Gestik Andre.
Sie wusste das w├╝rde Tom noch einen weiteren Stich versetzen und gerade erst kam sie in Stimmung.
Noch bevor Tom wutentbrannt aus seinem Auto gestolpert war, hatte sie die T├╝r von Andres geschlossen und rannte auf die Eingangst├╝r zu. Nur den Knopf erreichen, ehe er sie einhatte.
Und beten, das Alisa zu Hause war. Sonst w├╝rde sie ein Donnerwetter erleben und das w├╝rde ihr derzeitiges Triumphgef├╝hl rapide zerst├Âren.
Tom fauchte Andre noch etwas zu, ehe er auf Lisette zustampfte.
Er schaffte es erst sie im Korridor abzufangen. Polternd sprang die T├╝r hinter ihm ins Schloss.
\"Sag mal spinnst du!\" Herrschte er sie an.
\"Nein! Du?\" Sie stieg die ersten paar Stufen hinauf.
Tom zog sie an ihrer Tasche wieder ein paar Stufen hinunter, und sie musste kr├Ąftig mit den Armen rudern, um nicht zu st├╝rzen. Dann wirbelte sie herum und schlug auf Tom ein.
\"GehtÔÇÖs dir noch gut oder was!\" Br├╝llte sie ihn an und traf ihn schmerzhaft an Schulter und Armen.
\"Du solltest auf mich warten!\" Br├╝llte er zur├╝ck.
\"Ist doch nicht meine Schuld, wenn du nicht p├╝nktlich bist!\" Sie riss sich los. Schneller als ihr lieb war, hatte er sie erneut and en Schultern gepackt. Sein Griff war hart und schmerzte.
\"Wenn ich nicht gesehen h├Ątte, das du in Andres Auto gestiegen bist, h├Ątte ich dich wom├Âglich suchen m├╝ssen.\"
Lisette versuchte sich loszurei├čen \"Das ist mir egal!\"
Als es ihr gelang st├╝rzte sie die schmale Treppe hinauf und lies die T├╝r ihres Zimmers lautstark ins Schloss fallen.

Stillschweigend stocherten Tom und Lisette in ihrem Abendessen.
Christopher und Alisa schauten sich fragend an.
Lisettes Vater schob sich seine Gabel in den Mund und hob ratlos die Schultern.
\"Was ist eigentlich los mit euch?\" Fragte sie schlie├člich.
\"Nichts!\" Antwortete Tom finster und sah nicht vom Teller auf.
\"Lisette?\" Alisa blickte das M├Ądchen mit hochgezogenen Augenbrauen, eindringlich an.
\"Nichts!\" ┬┤Gab auch sie zur Antwort und musste ein tiefes Schnaufen ihrer Stiefmutter in Kauf nehmen.
\"Irgendetwas muss doch gewesen sein, sonst seit ihr nicht so still!\"
Sie zwickte ihre Augen zusammen, um irgendetwas in den Gesichtern ihrer Kinder zu lesen, doch es gelang ihr nicht.
\"Wenn du es unbedingt wissen m├Âchtest, Mutter!\" Sagte Tom finster. \"Lisette ist heute nach der Schule nicht mit mir, sondern mit einem Anderen nach Hause gefahren. Und \"f├╝gte er hinzu \"Sie hat mir nicht Bescheid gesagt!\"
Lisette schaute b├Âse zu ihm hin├╝ber. \"Der Andere ist ein Kumpel von dir gewesen!\" Verteidigte sie sich.
\"Aber Lisette!\" Alisa blickte sie emp├Ârt an \" DU wei├čt doch, das du nicht mit Fremden mitfahren sollst!\"
\"Es war doch kein Fremder!\" Verteidigte sie sich erneut.
\"Trotzdem Lisette!\" Ihr Vater lies das Besteck neben dem Teller fallen und blickte sie an.
\"ES ist zu gef├Ąhrlich mit Fremden zu fahren, darum m├Âchten wir, das Tom dich mitnimmt!\"
\"Es war kein Fremder, wie oft denn noch!\" Schrie sie ihn an und als sie vom Tisch aufsprang, sp├╝rte sie eine Woge von Wut, die langsam ihren Nacken hinauf kroch. Sie hasste Tom mehr als zuvor und h├Ątte ihm am liebsten ihr Essen ins Gesicht geworfen.
\"Deswegen musst du nicht laut werden. \"Ermahnte sie Christopher.
\"Das ist Wiedermahl typisch, das du zu Tom h├Ąltst!\" Br├╝llte sie.
\"Vielleicht hast du vergessen, das ich deine Tochter bin!\"
Christopher erhob sich langsam vom Tisch. \"Du solltest nicht vergessen, das ich dein Vater bin und du deinen Tonfall m├Ą├čigen solltest!\"
Tom l├Ąchelte lautlos vor sich hin und stocherte auf seinem Teller herum ohne aufzublicken.
Lisette sp├╝rte wie ihr kalt die Tr├Ąnen in die Augen stiegen.
\"Bitte, ihr beiden, lasst und vern├╝nftig reden\", bat Alisa und griff nach der Hand ihres Mannes.
Doch Lisette sprang hinter dem Tisch vor und br├╝llte ihren Vater weiter unverholten an.
\"Mir reicht es hier! Ich ziehe zu Mama!\"
Damit rannte sie polternd aus der K├╝che.
Sie zerrte ihre Jacke von der Flurgarderobe und schwang sie sich ├╝ber.
Vor dem Haus stand ihr Fahrrad. Schwungvoll schwang sie sich auf den Sattel und trat in die Pedale.
Wie wild radelte sie die dunkel Stra├če hinunter.
Die Tr├Ąnen vernebelten ihren Blick, so das sie sich regelm├Ą├čig die Augen mit ihrem ├ärmel abwischen musste.
In der letzten Kurve st├╝rzte sie fast zu Boden.
Der dunkle unbeleuchtete Feldweg lag vor ihr. Nach einem St├╝ck Feldeinwerts stieg sie von ihrem Gef├Ąhrt und lies es sachte ins Gras fallen.
Der kleine See vor ihr, erhob sich im Schein des Mondes majest├Ątisch und zeigte sich t├Ąuschend gr├Â├čer als er bei Tageslicht war.
Die stille Wasseroberfl├Ąche wallte sich nur leise zu kleinen Wellen, die fast lautlos ans Ufer rollten.
Langsam ging sie zum schlammigen Ufer.Die frierender H├Ąnde tief in ihre Jackentaschen vergraben, blieb sie stehen und schaute zum Himmel hianuf.
Er war ├╝bers├Ąt mit funkelten Sternen. Instinktiv begann sie zu z├Ąhlen und verga├č es wieder.
Die Tr├Ąnen liefen ihr ├╝ber die hei├čen Wangen. Nocheinmal zog sie ihren ├ärmel ├╝ber die Augen.
Sie glaubte fest daran, das genau in diesem Moment irgendwo auf der Erde, ein anderer Mensch in die Sterne blickte, der ihr vollkommen ├Ąhnlich war und der sie verstehen k├Ânnte.
Der so f├╝hlte und lachte wie sie.
Unverstanden von der Welt, wie sie es war.
Das bekannte Gef├╝hl der Einsamkeit beschlich sie.
Und als die Vernunft wieder zu ihr zur├╝ck kehrte, stieg sie auf ihr Rad und machte sich auf dem Heim weg.

Das Sternenlicht spiegelte sich in den gro├čen Fensterscheiben. Tom lag auf seinem Bett und hatte die Arme hinter dem Kopf verschr├Ąnkt.
Zum hundertstenmal begann er die Sterne zu z├Ąhlen, die so friedlich auf sein Gesicht schienen.
Die Wut ├╝ber seine Schwester brodelte noch in ihm und gleichzeitig erf├╝llte ihn Genugtuung, das er sie blo├čgestellt hatte.
Wom├Âglich h├Ątte er nach der Schule ewig auf sie gewartet.
Warum gerade Andre!
Das er Interesse an Lisette zu haben schien st├Ârte ihn. Er verstand es nicht.
Sie war einfach nur eine kleine Nervens├Ąge, wie immer.
Tom h├Ârte leise die Haust├╝r in schloss fallen. Lisette musste zur├╝ck sein. Ein L├Ącheln trat auf seine Lippen. Sie w├╝rde bestraft werden, dessen war er sich sicher.
Erneut h├Ârte er Schritte auf der Treppen und die Stimme seines Stiefvaters.

\"Lisette ! ├ľffne die T├╝r !\" Christopher klopfte gegen die T├╝r seiner Tochter.
Erst nach einer Weile ├Âffnete sie sich langsam \"Was ist ?\" Lisette kaute auf ihren Fingern├Ągeln und blickte ihren Vater nicht ins Gesicht. \"Du kannst nicht einfach so mir nichts dir nichts aus dem haus st├╝rmen !\"
Sie lehnte sich an den T├╝rrahmen und lies ihre gekauten Fingern├Ągel in der Hosentasche verschwinden.
\"Tut mir leid,\" sagte sie, ohne es wirklich ehrlich zu meinen.
Er schaute seine Tochter misstrauisch an \"Wenn du wirklich zu deiner Mutter ziehen willst, dann spreche am besten in den Ferien mit ihr dar├╝ber.\"
Lisette schaute ihren Vater ├╝berrascht an \"Vielleicht.\"
\"Trotzdem muss ich dir Hausarrest geben. Eine Woche d├╝rfte wohl gen├╝gen.\" Er drehte sich um, ohne noch etwas zu sagen und verlies den Korridor.
Tom ├Âffnete leise seine Zimmert├╝r und l├Ąchelte sie provokative an.
Nicht ohne ihm einen b├Âsen Blick zuzuwerfen ,schlug sie ihre T├╝r hinter sich zu.
W├╝tend lies sie sich auf ihr Bett fallen und starrte zur Decke.
Seit der neuen Hochzeit vor 10 Jahren hatte sich alles ver├Ąndert.
Ihre Mutter war einfach nach Paris gegangen und hatte sie im Stich gelassen. Aus heiterem Himmel. Sie hatte ihren Vater verlassen und ihrer Vergangenheit den R├╝cken zu gewandt. Doch auch Lisette geh├Ârte zu dieser Vergangenheit. Lisette wollte nicht wirklich zu ihrer Mutter ziehen, doch sie wusste ihren Vater damit zu verletzten.
Alisa hatte sich bem├╝ht ihr eine Freundin zu sein. Doch sie blieb die fremde zweite Frau.
Nur Lisette und ihr Vater waren Familie f├╝r sie, Tom nur ein notwendiges ├ťbel und mal ehrlich wer wenn nicht Alisa w├╝rde die W├Ąsche Machen ?
Ihre Gedanken schwangen um ihren Vater. Er war bereits mitte f├╝nfzig. Dicke Falten hatten sich unter seine braunen Augen gegraben. Sein dunkles Haar wurde lichter und sein Bauch umfasste von Jahr zu Jahr gr├Â├čere Umf├Ąnge. Aber er war lieb und einf├╝hlsam. Er liebte Lisette von ganzem Herzen und zeigte es ihr. Pl├Âtzlich ├╝berkam sie ein schlechtes Gewissen. Er hatte es schwer in seiner Firma. Jeden Tag ging er fr├╝h zur Arbeit und kam erst am Abend nach Hause. Nach seiner Zeit als Berufssoldat war er ins Versicherungsgesch├Ąft eingestiegen. \"Solide Lisette !\" Pflegte er zu sagen \"Die Leute Versichern sich gegen alles !\" Sie schmunzelte, er hatte recht.
Als ihr Handy leise vibrierte, erschrak sie. Niemand rief sie je an.
Z├Âgernd ging sie ran \"Hallo ?\"
\"Hallo Lisette. Hier spricht Andre!\"
Mit einem Schwung setzte sie sich auf. Sie hatte ganz vergessen, das sie ihm ihre Handynummer gegeben hatte und bereute es. Ein Unwohles Gef├╝hl machte sich in ihrer Magengegend breit.
\"Wie gehts ┬┤dir ?\" Fragte er.
Besser wenn ich die Zeit zur├╝ck drehen k├Ânnte ,und nicht in deinen Wagen gestiegen w├Ąre.... .
Dachte sie, doch verschwieg es. Es lag pelzig auf ihrer Zunge und lies sich nur schwer herunter schlucken,.
\"Was willst du ?\"
Andre lachte \"Ich liebe es ,wenn du zickig bist !\"
Lisette st├Âhnte \"Komm zur Sache, ich bin m├╝de und du tr├Ągst einen geh├Ârigen Teil dazu bei !\"
\"Schon gut \" Beruhigte er sie \"Bei mir steigt am Samstag eine Party und ich wollte dich einladen.\"
├ťberrascht erhob sie sich von ihrem Bett und wanderte ├şn ihrem Zimmer umher.
\"Ist das ein Scherz ,oder was ?\"
\"Ganz und gar nicht !\" Verteidigte er sich glaubhaft.
Eine wunderbare Gelegenheit Tom zu ├Ąrgern und Lisette trat augenblicklich ein L├Ącheln auf die Lippen.\" OK ! Wann soll ich da sein ?\" Sagte sie schlie├člich.
\"Komm mit Tom, ich sage ihm bescheid.\"
\"Klingt gut, bis dann !\" Sie legte auf und pl├Âtzlich schlug ihr Herz in den h├Âchsten T├Ânen und das flaue Gef├╝hl im Magen war verschwunden. Jetzt konnte sie Tom treffen, wo es ihm am meisten wehtat- in seinem Privatleben !

\"Bist du eigentlich total bescheuert !\" Lautstark fegte Tom hinter Lisette die Treppe hinunter.
\"Wie oft denn noch. Ich bin nicht DU !\" Konterte sie sofort und erwartete daf├╝r ein Donnerwetter.
\"Was ist denn hier schon wieder los ?\" versuchte Christopher die beiden zu ├╝bert├Ânen. Er kaute gen├╝sslich an einem Keks und betrachtete seinen Bauch im gro├čen Korridorspiegel.
\"Lisette denkt, das sie am Samstag mit mir auf eine Party gehen kann !\"
\"Oh\", erstaunt musterte Christopher seine Tochter.
\"Ich wurde eingeladen ! Von Toms Schulfreund Andre.\" Lisette hob die Augenbrauen.
\"Er hat dich eingeladen ?\" Fragte ihr Vater nach .Lisette nickte. \"Das ist ja wunderbar. Deine erste Feier !\"
Sie strich ihm liebevoll ├╝ber die Schulter \"Richtig, aber daf├╝r m├╝sstest du mein Hausverbot aufheben !\" Sie rollte mit ihren gr├╝nen Augen \"Bitte Papa.\"
\"Das glaube ich ja nicht ! Ihr glaubt doch wohl nicht im ernst, das ich die mitnehme !\" Wetterte Tom und h├Ątte ihr am liebsten den Hals umgedreht.
\"Aber warum denn nicht, so kannst du ein bisschen auf das M├Ądchen aufpassen.\"
Er trat etwas n├Ąher an Tom heran \"Um ehrlich zu sein, haben wir uns schon Sorgen um Lisettes Soziale Kontakte gemacht. Das w├Ąre doch eine Gelegenheit f├╝r sie Anschluss zu finden.\"
\"Aber nicht in meiner Clique !\" Br├╝llte er und funkelte Lisette an.
\"Hab dich nicht so, das wird dich schon nicht umbringen !\" Herrschte Lisettes Vater und wandte sich seiner Tochter zu \"Abgemacht, du darfst gehen ,daf├╝r musst du mir aber am Sonntag beim Auto waschen helfen.\"
Lisette strahlte ├╝ber beide Wangen und nickte erfreut.
Christopher legte noch einmal die Hand auf Toms Schulter \"Wirklich toll von dir. Hast was gut bei mir.\"
\"Wir zwei sind noch nicht fertig !\",fauchte er Lisette zu als ihr Vater in der K├╝che verschwunden war und poltere aus dem Haus.

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