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Leselupe.de > Erzählungen
Liebe Uta (ein ungelöstes Liebesrätsel)
Eingestellt am 24. 08. 2003 19:10


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uweboe
???
Registriert: Aug 2003

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Vorwort für LL:

In reger Zusammenarbeit mit Michael Schmidt und Marcus Richter wurden die Teilerzählungen unter dem Überbegriff "Genie und Wahnsinn" aus der Rubrik "Fantasy" heraus nach "Erzählungen" verschoben.

Genie und Wahnsinn sind
-Der Irre im Glashaus
-Die Verkennung genialster Veranlagungen des Komponisten Z.
-Liebe Uta (ein ungelöstes Liebesrätsel)

Danke für Eure Mitarbeit.

Uwe


Genie und Wahnsinn


Liebe Uta
(ein ungelöstes Liebesrätsel)


Liebe Uta,

ich habe beschlossen Dich näher kennenzulernen, nur geht das in einem gesitteten Staate, wie dem unseren, selbstverständlich nicht ohne die doppelt schriftlich verfaßte Einverständniserklärung deinerseits!

Als ich die hierfür vorgesehenen Vordrucke – die im Sozialamt ausliegen; frag’ mich bitte nicht warum dort – abholte, um Dir selbst jene Mühe zu ersparen, wies mich ein kleiner, dicker Beamter mit blaugetönten Brillengläsern darauf hin, daß es seit 1958 auch möglich sei, dies mündlich zu tun, nur habe man vergessen besagte ‚Verfassungsänderung’ gedruckterweise zu verewigen.

Leicht verstört – da sich u.a. das rechte Brillenglas jenes Beamten mittlerweile ins Rötliche verfärbte – legte ich die Unterlagen wieder in die für sie vorgesehene Ablage zurück und drückte dem freundlichen Beamten dankbar die Hand. „Keine Ursache“, murmelte er. „Beehren sie uns bald wieder!“ „Nun, ja“, stotterte ich, und meinte damit selbstverständlich: „Nein, eigentlich nicht unbedingt!“

Vielleicht ist Dir bekannt, wo in unserer Stadt das Sozialamt liegt und wie es beschaffen ist? Nun, nicht weit von da, wo wir beide wohnen liegt es recht unscheinbar in einem Hinterhof, der zudem als Zufahrt für eine Brillenmanufaktur dient. Das Ganze sieht ein wenig provisorisch aus – so mit angelehnten Holzleitern, statt der sonst üblichen Gebäudetreppen -, soll aber – so habe ich mir von einem dort wartenden Sozialgeldanwärter sagen lassen – von einem weltberühmten Architekten entworfen worden sein; und ein ‚Schweinegeld’ gekostet haben. Na, da sag’ mal noch einer, wir Deutschen wären langweilig, mutlos und spröde.

Ja, und dann interessierte mich doch irgendwie diese Brillenmanufaktur. Weißt Du, es war schon fast etwas unheimlich, da mir plötzlich auffiel, daß sämtliche Menschen, die wie Ameisen in den Lagerhallen dieser Firma ein- und ausgingen, nicht nur Brillen trugen, sondern diese Brillen auch allesamt blaue Gläser hatten und ganz, ganz bestimmt auch das gleiche Modell waren, wie jenes, was der zuvor beschriebene Beamte trug.

Ich hätte jetzt feige fliehen können und die Sache damit gut sein lassen, aber wie hätte ich Dir dann noch mit männerstolzem Blicke in Deine wunderschönen Augen schauen sollen, falls irgendwann in den nächsten 35 Jahren das Gespräch auf ‚Brillen’ gekommen wäre? Also bin ich – mit ehrlich gesagt sehr weichen Beinen – in Richtung der Lagereinfahrt geschlichen, um dort vielleicht einen detaillierteren Blick auf die Innereien des Ganzen werfen zu können. Kaum hatte ich das Eingangstor erreicht, drückte mir ein Lagerarbeiter auch schon eine Pappschachtel in die Hand und bemerkte etwas unfreundlich: „Mache du! In viertel Stunde muß gehe wieder!“ „Da rein“, frug ich noch erschrocken zurück, bekam aber keine Antwort mehr.

Und jetzt hatte ich sie: Die Chance, einmal im Leben ‚James Bond’ zu sein und so ging ich in die Halle hinein. Hier innen gab es eigentlich nur zwei Arten von Wesen: die einen hockten an Tischen und grinsten blöde, die anderen trugen Schachteln! Jene, die an den Tischen hockten, hatten allerdings weder Arbeit, noch redeten sie untereinander und zu den anderen, die Schachteln trugen, gehörte nun auch ich. Um weiterhin nicht als Außenseiter aufzufallen, lief ich – niemanden nach dem ‚Wohin’ fragend – den anderen Schachtelträgern hinterher und lächelte hier und dort ein am Tische sitzendes Persönchen blöde an. Beim Gehen bemerkte ich erst, wie groß das Unternehmen sein mußte, da ich mittlerweile schon das siebte Lager – jeweils durch kleine Türen getrennte, einzelne Lagerhallen – durchschritt und ein Ende nicht absehbar war.

Ich bin kein Uhrenträger, aber nach etwa einer halben Stunde ‚Wanderschaft’ wagte ich es, mich aus der Reihe der Gehenden zu entfernen, um eines der mondsüchtig schmunzelnden Wesen anzusprechen. Wie mein Vorbild ‚007’ wandte ich eine List an und bemerkte: „Entschuldigen sie, ich bin hier Praktikant und heute zum erstenmal im Einsatz!“ Keine Regung meines Gegenübers! „Wie viele Lager muß ich denn noch durchschreiten, bis ich mein Päcklein ablegen darf?“ „Sie halten den Sinn ihres Lebens in ihren Händen! Sie sollten es nicht abstellen, sondern vielmehr hüten wie ihren Augapfel!“

Bei ‚Augapfel’ bekam ich ehrlich gesagt Schweißausbrüche: „So, sie meinen also tatsächlich, daß der Sinn des Lebens aus einer Kiste Brillen mit blauen Gläsern besteht?“ Hier lies die Antwort nicht auf sich warten: „Ja, neun blaue und eine, die ab und an die Farbe des rechten Glases ins Rötliche wechselt!“ Noch hielt ich das Ganze für einen guten Witz: „Und sie glauben demnach auch, daß alle Menschen im Leben die gleiche Sinnvorstellung haben?“ „Nein, jedes Brillengestell hat eine individuelle Nummer eingeprägt.“

Jetzt konnte ich mein prustendes Lachen nicht mehr zurückhalten: „Schon gut, schon gut, aber bevor ich mir in die Hose pinkle, sagen sie mir bitte doch, wie viele Lagerhallen noch kommen, bis ich das Schächtelchen los werde?“ Plötzlich erlahmte das dümmliche Grinsen meines Gegenübers und ein Schatten von Ernsthaftigkeit zog urplötzlich auf: „Lieber Herr, wir pflegen hier im Himmel keine Scherze zu machen!“

Mann-oh-mann, jetzt glaubte ich den Jehovas oder den Scientologen in die Fänge geraten zu sein. Ich stellte demonstrativ die Brillenschachtel auf den leeren Tisch des Grinsers und machte Anstalten den Schuppen zu verlassen. Jetzt war ich es allerdings, der blöde-verlegen grinste, als ich sah, wie dort hinter mir, wo ich Minuten zuvor ganz real eine Tür durchschritten hatte, nichts mehr zu erkennen war, das irgendwie an Türen erinnerte! Dort, wo ich mir sicher war durch eine Türe gegangen zu sein, war nichts, als eine dicke Nebelwand, aus der eine Schlange pappschachteltragender Wesen hervorquoll. Das Persönchen am Informationstisch erkannte meine Irritiertheit und setzte – ich denke zu meiner Beruhigung – ihr Lächeln wieder auf: „Würden sie bitte ihren Lebenssinn wieder an sich nehmen und ihre Wanderschaft fortsetzen?“

Jetzt platzte mir der Kragen: „Hören sie ‚mal! Mein Lebenssinn besteht vielleicht darin, meinen Kopf in Uta’s Schoß ruhen zu lassen oder wahlweise meinem Zauberstab das Forschungsfeld zu überlassen, um derweil mit meiner Zunge ...“ Verdammt, jetzt hatte ich total die Beherrschung verloren. Aber immerhin wurde das Gesagte sehr ernst genommen.

„Ach ja, ach ja“, murmelte das Grinsgesicht, „das hatten wir ja noch nie. Sie wollen damit sagen, daß ihnen diese Körperlichkeiten einen Lebenssinn geben?“ „Oh Gott“, gab ich zur Antwort, wobei ich sofort davon in Kenntnis gesetzt wurde, daß Gott derzeit nicht zu sprechen wäre! „Oh Informationsdienststelle“, verbesserte ich mich daraufhin, „ja, das ist bei mir so! ... bei ihnen etwa nicht?“ „Gott behüte“, war die Antwort, „nein“, daran hätte man bisher nicht geglaubt. „Hören sie“, nahm ich das Gespräch wieder auf: „Ich habe vor, Uta anzudeuten, daß sie mich sehr, sehr interessiert! Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie ich das lyrischer ausdrücken könnte, aber ich bin mir ziemlich sicher, daß, wenn ich jetzt nicht bald hier wegkomme, ich keine Möglichkeit haben werde, ihr überhaupt etwas zu sagen!“

„Das erscheint logisch“, blubberte die Informationsdienststelle und drückte auf ein kleines Knöpflein, das dezent in den Arbeitstisch eingelassen war und das ich bisher überhaupt nicht wahrgenommen hatte. „Herr Geier“, säuselte die Informationsdienststelle in ein Mikrofon, das nach dem Knopfdruck aus der Tischplatte hervorschnellte: „Herr Geier bitte, wir haben einen Notfall ...“


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Michael Schmidt
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Hallo Uwe,

erstmal willkommen auf der Lupe. Sehr nach fantasy sieht mir deine Geschichte nicht aus, oder täusche ich mich?

Bis bald,
Michael

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uweboe
???
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Hallo Michael,

... hab' das falsche "Knöpflein" gedrückt und Dir ganz klammheimlich, an aller Öffentlichkeit vorbei, meine Antwort zukommen lassen ... deshalb hier die Wiederholung zur Wiedergutmachung:

"Fantasy" kam dem von mir gewünschten Begriff "Surreales" noch am nächsten. Oder? Was hättest Du denn genommen?

(Allerdings gehört die Geschichte "Liebe Uta" in einen dreiteiligen Zyklus, der die Gesamtüberschrift "Genie und Wahnsinn" trägt ... und aus den anderen beiden Geschichten geht - zugegebenermaßen - das "Surreale" besser hervor!)

Grüße, Uwe

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Hallo Uwe,

ja, die Zuordnung ist im Zweifelsfall nicht einfach. Ich habe im Moment auch noch keinen richtigen Vorschlag, wo es am Besten hinkönnte, vielleicht klärt sich das nach den nachfolgenden Geschichten.

Also lasse es erstmal hier stehen.

Bis bald,
Michael

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Michael Schmidt
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Hallo Uwe,

was ist denn jetzt mit Uta. Ich bin enttäucht, sie ist zwar Teil der Erzählung, aber am Ende geht sie unter.

Habe mich ansonsten köstlich unterhalten, der obere Satz soll auch keinerlei Kritik sein, sondern einfach meinen spontanen Eindruck wiedergeben.

Bis bald,
Michael

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uweboe
???
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Hallo Michael,

ja, ja, diese "open ends"! Vielleicht erzähle ich erst einmal gar nicht, was mit Uta ist, sondern schreibe einfach ein paar erklärende Worte über die Entstehung von "Genie und Wahnsinn":

Die Idee für "G&W" war es, reale Geschichten zu nehmen und so zu tun, als wäre das alles ja überhaupt nicht möglich. Selbstverständlich habe ich es mir als "legitim" zugestanden hier und da Sätze einzubauen, die den Bezug zur Realität nochmals einschränken; aber immer im Hinterkopf: "99% davon war tatsächlich geschehen".

Die zweite Geschichte unter "G&W" (die in der LL veröffentlicht ist) hat als Kern immer noch einen guten Freund, der nicht nur professioneller Komponist ist, sondern zudem auch noch verdammt gut programmiert ...

Geschichte Nr. 3 entstand aus der Tatsache, daß ich an "einem Biertisch" mitbekam, wie ein leicht angetrunkener "Prolet" ziemlich übel über seine "neue Flamme" herzog (sie selbst war zu diesem Zeitpunkt auf der Toilette) und stolz berichtete, daß er fest davon überzeugt ist, sie diese Nacht noch ins Bett zu bekommen ... ich schrieb dazu den "fehlenden romantischen Part"; nennen wir es "einen imaginären Liebesbrief"!

Ciao, Uwe

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