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Leselupe.de > Ungereimtes
Liebste!oder Brief an eine Unbekannte
Eingestellt am 12. 11. 2000 11:05


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Markus Veith
Routinierter Autor
Registriert: Nov 2000

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Liebste!
oder
Brief an eine Unbekannte

Es gab Frauen, die waren nichts f├╝r mich.
Es gibt Frauen, die werden f├╝r mich nie etwas sein.
Doch da├č es dich niemals gegeben hat,
das werde ich dir niemals verzeih'n.

Ich schreibe Dir, um dir zu sagen, was ich Dir nie sagen konnte.
Ich wei├č nicht, ob Du es verstehen wirst.
Ich wei├č nicht, ob ich es verstehen werde.
Ich wei├č aber auch nicht, ob ich die Welt noch verstehe.

Erst glaubte ich zu wissen, da├č ich allein war.
Dann glaubte ich zu meinen und merkte zu verstehen und zweifelte an der Vermutung und kam zu dem Schlu├č, wo kein Ende abzusehen war.
Ich h├Ątte mich die ganze Zeit ├╝ber nackt f├╝hlen m├╝ssen.

Gro├č denken. Klein lieben.
Aber ich will nicht von Liebe reden.
Doch ich mu├č.
Also schreibt man einen dieser Briefe, die man dann ein erstes Nochmal liest und daraufhin ein weiteres Mal schreibt und aus Unlust vor weiteren Nochmals ganz schnell verschickt und dies bereut, sobald das Kuvert die Finger durch den gelben Schlitz verlassen haben.
Aber an wen?!?!? An Dich? Wo bist Du?!?!
Wo bist du denn schon?
Ich ├╝berlasse die Breife ihren wirren, letzten Punkten und sperrre sie in den tiefsten Tiefen des Schreibtischkerkers ein.
Wer fragt bei Poesie schon nach Sinn? Poesie bringt man nur mit Glanzbildern und triefenden Weisheiten in Verbindung.

Manchmal renne ich durch die St├Ądte und verstecke mich in der Menge.
Ich suche Dich dort in den Ecken und Winkeln der gemeinen Menschheit, die in der Gegend herumsteht und starrt und mich bespucken m├Âchte.
Aber sie kann mich nicht treffen. Ich bin flink unter ihren Augen.
Ich suche Dich, um nicht gefunden zu werden. Frage die Leute, die mich st├Ąndig nie erreichen.
Als Verr├╝ckter halte ich mich recht gut.
Ich bin des K├Ânigs Narr und k├Ąmpfe um das Herz der K├Ânigin.

Du warst nie da, wenn ich Dich brauchte.
Und doch w├╝rde ich sofort alles f├╝r Dich tun.
Und dann noch einmal. Wieder und wieder.
Du w├╝rdest - vielleicht - sagen, da├č ich das jetzt einfach so sagen w├╝rde?
Ich kann gar nicht l├╝gen. Was glaubst Du, warum ich bei "M├Ąxchen"-Spielen immer verliere?
Teste deinen treuen Diener, der Dir endlich dienen will.
Es sehnt mich nach Deiner nie geh├Ârten, jedoch mit jeder Nuonce genau bestimmten Stimme. Nach ihrem wohligen Klang, der mir im Kopf herumschwingt.
Deine Stimme mit den gr├╝nen Augen, mit deiner kleinen Nase ohne Rouge. Deine Stimme mit den sch├Ânen Z├Ąhnen, den Lippen, die man so kraftvoll sp├╝rt.
Deine Stimme, mit den langen Wimpern und den empfindlichen Ohren.
Deine Stimme, mit der zarten Haut und mit den Gr├╝bchen, dort, wo ich sie haben m├Âchte.
Deine sch├Âne Stimme, aus der sich Dein Haar lang auf Deine Schultern herabwellt, so voll und so str├Ąhnig duftend nach Fr├╝hling und Freiheit, nach dem Himmel und ein bi├čchen auch nach Festiger.
So tief und so lang wallt es herab, kein Ende abzusehen, so da├č meine H├Ąnde es niemals ganz fassen k├Ânnen, bis hinab auf die entweder verdeckten oder hoffendlich auch nicht verdeckten Gr├╝bchen deiner Lendenwirbels├Ąule.
Und deine H├╝ften, die doch und gerade so breit sind, so beweglich, so verlockend lockend, da├č sie mir schier die Sinne rauben und ich sie kaum suchen gehe, da sie mir allgegenw├Ąrtig geworden sind.
Deine herrlich vollen Br├╝ste, die nicht unerw├Ąhnt bleiben d├╝rfen, da sie so perfekt in meinen H├Ąnden zu liegen kommen k├Ânnten, wenn sie gelegt werden w├╝rden, doch ... - Ach! -
Wenn wir uns doch jemals geliebt h├Ątten!!!!!
Wenn wir uns geliebt h├Ątten, unter den bl├╝henden Kirschb├Ąumen meiner Tr├Ąume und die Bl├╝ten regneten wie in den kitschigsten Romantikfilmen auf uns nieder und deckten uns zu.
Als wir uns heftig liebten, auf der schleudernden Waschmaschine in den benebelten Weinn├Ąchten meiner Wohnung.
Als wir es in den Hinterh├Âfen zwischen den siffigen M├╝lltonnen trieben, frei f├╝r die Blicke der Nachbarschaft, die es nicht geben konnte, da es auch nichts zu sehen gab.
Und w├Ąhrend der lustlosen Spazierg├Ąngen des Sommers, inmitten der hohen Weizenfeldernachmittage, wo wir unsere gewaltige Lust der Sonne ... h├Ątten entgegenschreien k├Ânnen!!!! Der Wald h├Ątte sich auf uns entlauben k├Ânnen, da er unsere ungez├╝gelte Nacktheit f├╝r unz├╝chtig gehalten h├Ątte!!!!
Gefesselt an den R├Ąndern des Alls!
Galaxien im Akt wundsto├čend!
Universen ├╝berflutend!
Welten zeugend!
Als wir das alles h├Ątten machen k├Ânnen,
... wenn es uns jemals gegeben h├Ątte ...
was w├Ąre dann mit uns geschehen.
Wir w├Ąren vergl├╝ht.

So viel W├Ąrme zu verschenken.
So viel Hitze zu vergeuden.
So viel W├Ąrme, die mit jedem ├╝bergezogenen Pullover,
mit jedem Fortwefen einer Decke einfach ins Kalte verpufft.
Wo geht sowas hin? Gibt es Nachtspeicher f├╝r Liebe?

F├╝r Dich w├Ąre ich jederzeit gestorben.
Immer wieder w├Ąre ich f├╝r dich neu geboren worden.
In der Welt vor meiner Geburt h├Ątte ich Dich vor mir an der Zitze der W├Âlfin saugen lassen.
Nach meinem Tod w├╝rde ich Dir den Weg weisen, wie auch immer er aussehen mag. Und sei es Styx oder andere rei├čende Fl├╝sse - Vergi├č alle F├Ąhrm├Ąnner! - Alles St├╝mper. Mein Boot w├Ąre sicherer als alle anderen.
Und lang, lange danach - was auch immer danach sein werden soll - da werde ich da sein.
Ich werde mir alle M├╝he geben, da zu sein, wo auch immer und wann auch immer.
Endlich k├Ânnte ich mich bem├╝hen, da zu sein.
W├╝rde ich wissen, da├č mein Tot dein Leben voraussetzt - Nichts w├╝rde mir so leicht von der Hand rutschten, wie mein Leben.
Mit dem Schleudersitz w├╝rde ich in die H├Âlle fliegen, um dich wieder dort herauszusprengen.
- Wenn es n├Âtig w├Ąre. - Wenn es n├Âtig werden ... k├Ânnte.
Allein deine Existenz w├╝rde es n├Âtig werden lassen.
Doch hier w├╝rde immer der Haken sein.
W├╝rde. W├╝rde. Zuviel der W├╝rde.

Ich habe die Leute nach Dir angeschrien, ob sie Dich kennen.
Nein, sagten sie.
Nein, haben sie immer gesagt.
Nein, das sei doch klar.
Solch eine gibt es nicht.
Was Sie sich da nur einbilden?
So eine kann es doch gar nicht geben.
Was machen sie sich da nur f├╝r Illusionen?
- Nein. - Das haben sie immer zu mir gesagt.
Was immer sie auch zu mir gesagt haben: Immer nur Nein.

Manchmal rannte ich durch die Stadt.
Manchmal segelte ich um die Sonne.
Manchmal taute ich die Pole mit meinem Leib.
Manchmal buddelte ich mich zum Mittelpunkt meiner Welt.
Wo, wenn nicht dort, h├Ąttest du sonst sein k├Ânnen?

Aber hin und wieder habe ich doch tats├Ąchlich geglaubt, Dich zu entdecken.
Ich habe so deutlich Dein Gesicht gesehen, wie man es in den Formen der dahinziehenden Wolken nur erkennen kann.
Ich sah Dich in den Spuren an diversen Str├Ąnden. Als Ballerina in meinen Tiefschlaftr├Ąumen.
Du reserviertest Tickets extra f├╝r mich in der ersten Reihe. Noch vor dem Fernsehen.
Ich erahnte Dein mir so ├╝berhaupt nicht und doch vollkommen vertrautes Antlitz hinter den z├Ąrtlich verdeckenden weiblichen Schals des Winters.
Du nageltest meinen Blick an die schlechten Fotographien von Urlaubskatalogen.
An die falschen Momentaufnahmen der Foto-Love-Storys von Jugend-Zeitschriften.
An die optischen T├Ąuschungen von Landschaftsaufnahmen.
Dein Gesicht segelte durch mein Leben wie eine Taube auf der Suche nach Land.
Ich sah Dich. Wenn ich lange vertr├Ąumt in eine Kerzenflamme geschaut habe.
Wenn ich meinen Becher leerte schautest du mich aus der Neige an.
Wenn ich betrunken in der Zukunft w├╝hlte.
Oder aber ich entdeckte Dich mitten im Irgendwo.
Ob w├Ąchsern, in den Visagen der Modedummies an den verruchten, verrenkten, materialistisch anheimelnden Fensterfronten im Sperrfeuer des hechlenden, nasenplattgedr├╝ckten P├Âbels.
Ob arrogant oder heroisch, l├╝stern oder erotisch, weinerlich oder stark, gierig oder ├Ąrmlich, melancholisch oder majest├Ątisch, so doch immer auch ├╝ber allem Zweifel erhaben, auf s├Ąmtlichen Filmplakaten des Cinekosmos.
Und ich bemerkte. Oh, Liebste, so viele Gesichter hast du.
Ich erhoffte Dich an jeder Haltestelle und an jeder Lebensstation.
Ich glaubte, deine von mir so unbekannt geliebte Gestalt unter den vielen sanft dahinwehenden Sommerkleidern.
Wie oft meinte ich im Gedr├Ąnge Deinen Gang zu sehen, deine Schritte zu h├Âren?
Wie oft wollte ich den just ersp├Ąhten und erkannt geglaubten R├╝cken anhalten?
Aber du warst es nie. Immer mu├čte ich mich f├╝r eine Verwechslung entschuldigen. Ich h├Ątte es wissen m├╝ssen.
Du bist die S├╝├čigkeitenbombe, an die man nicht drankommt.
Ich habe Dich an viel zu vielen Orten gefunden. ├ťberall dort konntest Du gar nicht sein.
So viele H├Ąfen gibt es nicht.

Ich h├Ątte gewu├čt, wie Kater schnurren.
Ich h├Ątte gewu├čt, warum Espenlaub zittert.
Deinem Atem wollte ich erblindet folgen. - H├Ąttest Du doch je geatmet.
Ich wollte Dich tr├Âsten, wenn Du traurig gewesen w├Ąrst. Aber Du warst ja nie traurig.
Nicht, da├č ich ich das je gewollt h├Ątte. Ich wollte nur, da├č Du mich tr├Âstest, weil Du nie traurig warst.
Ich nehme meine Liebe auf Lunge, um nicht daran zu ersticken.

Die l├Ąngste Single nimmt ein Ende. Aber diese liegt in einem Ger├Ąt mit Titelwiederholung.
Warum tut dieses Lied mir so weh? Ich kann mich nicht satth├Âren. So oft kann es nicht gespielt werden.
Ich bin durch die Stra├čen der Stadt gerannt
Ich habe Dich in den Fenstern gesucht.
In den Spritzwasserpf├╝tzen habe ich Dein schmuddeliges Gesichtchen entdeckt.
In den Armen mir fremder und verabscheuungsw├╝rdiger Trottel, die gar nicht wu├čten, was sie an dir haben. Was sie an dir haben, was ich niemals haben werden w├╝rde ...
"Seht doch nur, was ihr da in Euren Armen tragt!!" wollte ich ihnen zuschreien,
"Seht Euch doch nur diese Sch├Ânheit an, die ihr abschlecken und hinunter schlucken werdet, als sei sie eine S├╝├čigkeit, wie es sie an jeder Stra├čenecke zu kaufen gibt. Und ihr glaubt auch doch, Pfand heraus zu bekommen!!"
Doch habe ich jemals wirklich um dich gek├Ąmpft?
Inmitten des Kampfes w├Ąre ich erblindet.
Wer wagt zu k├Ąmpfen, wenn der eigene K├Ânig dem Feinde dient?
Und ein kleiner Engel fliegt vorbei und zieht seinen Pfeil wieder aus mir heraus.

Ich sah Dich schmusend und liebkosend.
Ich sah Dich Liebe verteilen, mit weit ge├Âffnetem Herzen.
Mit Armen, so weit gebreitet, wie eine Brot verteilende Elisabeth.
Ich habe Dich K├╝sse verteilen sehen, an den H├Ąlsen, die ich am liebsten umdrehen wollte.
Ich sah Dich lieben, ohne da├č Du mich jemals gesehen hast.
Ich liebte Dich und hoffte in jeder dieser Minutenstunden:
"Hoffentlich bemerkt sie mich nicht." Kein Schmerz und kein Leiden.
Und du bist kurz da und gehst vorbei. Da ist keine Zeit f├╝r mehr.
M├Âglich, da├č ich mir all das nur einbildete. Da├č dies alles nicht Du warst.
Ich wei├č bis heute nicht, wer, wie, wo Du bist.
Ich f├╝hlte nie Deine Haut. Ich sprach mit Dir nie ein Wort.
Nie habe ich meine N├Ąhe an Deiner gerieben.
Nie habe ich Dir den Schlafsand aus den Augen gestreichelt.
Nie habe ich Dein Herz an meiner Hand schlagen gesp├╝rt.
Ich schmeckte nie deinen sicherlich zuckers├╝├čen Mund.
Aber,
und das ist so sicher wie meine Liebe zu Dir, die es Dich vielleicht nie geben wird:
Ich w├╝rde Deinen Geschmack sofort erkennen, sobald seine weiche Zunge mich umspielte.
Das wei├č ich genau. Rechtbehalten ist schlimm.

Manchmal denke ich: Warum mache ich das hier?
Es ist Zeit. - Zeit zu schlafen.
Manchmal denke ich: Gute Nacht, alter Freund.
Schlaf gut in deinen traumhaft sch├Ânen Tr├Ąumen.
Morgen ist ein neuer Tag. Freue dich auf ihn.
Denke nicht mehr an das, was heute war.
H├Âr nicht auf die heulenden W├Âlfe.
- Was man halt so denkt. Kurz vorm Einschlafen.

Manchmal denke ich:
Warum erz├Ąhlst du diesen Witz?
Niemand wird ihn verstehen.
Das ist ein Riff, auf das du ohne Scheuklappen rennst.
Als Verr├╝ckter halte ich mich recht gut.
Ich bin des K├Ânigs Narr und k├Ąmpfe um das Herz der K├Ânigin.
Ich habe das As im Ärmel.
Das As, da├č mich die Dinge sehen l├Ą├čt, die eigentlich nicht sind.
Doch bist du nicht wirklich meine Herzdame. Diese Krone hast du niemals getragen.
Dieses K├Ânigreich hast du - leider - nie regiert.
Meine Barden haben dir am Fenster gesungen. In jedem Lied entdeckt man eine vertraute Zeile.All diese Zeilen, die f├╝r mich - f├╝r uns - und nur f├╝r uns geschrieben worden zu sein scheinen. Doch du hast sie nie geh├Ârt.
Meine geliebte Lady Joker. Man sieht dich nicht, doch bist du in jedem neuen Spiel mit dabei.
Und sollte ich dich den niemals in dem Stapel finden?
Damit ich es niemals bin, der die Wolken erreicht?
Ich frage stetig die Raben und beobachte, wie mein Bart dreimal um das Lokal w├Ąchst.
Ich stelle mich schlafend in brennenden Betten und habe feuchte Tr├Ąume.
Soll der Horizont denn brennen? So trotz ich euch, Ihr Sterne!!!
Der Narr ist tot! - Lang lebe der Narr!!!

Ich finde, hoffentlich sollte besser mit d geschrieben werden. Hoffe endlich.
Klingt nur logisch. Oder?
Liebste! Ich werde Wurzeln z├╝chten.


Mir gef├Ąllt die Leselupe, deshalb unterst├╝tze ich sie... ... indem ich bereits regelm├Ą├čig die Leselupen-Shop-Links nutze.
... indem ich die Leselupen-Shop-Links in Zukunft nutzen werde.

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