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Leselupe.de > Erz├Ąhlungen
Luca
Eingestellt am 27. 07. 2002 10:06


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sophie
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Jul 2002

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[Suzanne Vega: Luka. "My name is luka, I live on the 2nd floor. I live upstairs from you, maybe you've seen me before. If you hear something late a night, some kind of trouble, some kind of fight. Just don't ask me what it was."]


Der Tag begr├╝├čte die Nacht und Sonne und Mond standen sich gegen├╝ber. "Heute ist ein guter Tag zu sterben!" murmelte Luca.
Er lag auf seinem Bett. Das Kopfkissen zu einem Ball zusammengekn├╝llt, die Bettdecke bis ├╝ber beide Ohren gezogen, der K├Ârper wohlig in das W├Ąrmetuch gewickelt, mit Jeans und Pulli. Tr├Ąnen kullerten ├╝ber seine Wangen und verschwanden in der Zudecke. Diese saugte eifrig die salzige Substanz auf und n├Ąhrte sich an ihr.
Leise herzergreifende Schluchzer drangen ged├Ąmpft durch das Federbett.
Er weinte und die Einsamkeit fra├č sich St├╝ckchen weise in sein kleines doch so erf├╝lltes Herz.
Langsam qu├Ąlte er sich aus seinem Bette und trocknete sich die Wangen mit einem zarten Taschentuch. Die traurigen Augen starrten hilflos auf und ab, sie durchsuchten jeden Zentimeter des Zimmers. Immer wieder sch├╝ttelte er seinen Kopf von links nach rechts, zog die Nase hoch und sp├╝rte all den w├Ąssrigen Schnupfen auf seiner Zunge. Er schluckte, verzog das Gesicht und versuchte sich vorzustellen, wie sein Magen ├╝ber dieses Geschenk reagieren w├╝rde. Freut er sich? ├ärgert er sich? Vielleicht bestraft er mich mit Bauchkr├Ąmpfen, Durchfall, Brechreiz.... als er sich ├╝ber seinen Magen und die Art der Bestrafung genug Gedanken durch alle Ecken seines Gehirns flie├čen lie├č, stelle er fest wie unsinnig sie doch seien.

Er wollte sterben, kein trostloses Leben auf diesem Planeten ernten, jung und sch├Ân sterben, verschwinden und nichts zur├╝cklassen, dem Alltag entfliehen. Er erinnerte sich an Geschichten seiner Oma, alle Menschen h├Ątten Fl├╝gel und das Leben nach dem Tod sei Erf├╝llung und h├Âchste Befriedigung. Zwar schenkte er ihren Worten kein Vertrauen, aber heimlich hoffte er auf ein F├╝nkchen Wahrheit.
In seinem Eifer hatte er vergessen einen heldenhaften Tod zu w├Ąhlen. Alles hatte er geplant, alles - nur seinen Tod nicht. Aufh├Ąngen kam nicht in Frage, die Angst doch an Durchfall zu leiden und stinkend von Wildfremden Menschen gefunden zu werden, erschien ihm schrecklich. Gar unangenehm.
Auch in den Kopf wollte und konnte er sich nicht schie├čen. Vor ein paar Tagen las er im Lokalteil, seiner Heimatzeitung von einer jungen Frau, die ihrem Leben per Kopfschu├č ein Ende bereiten wollte.
Sie hatte keine Erfahrung im Umgang mit Pistolen. Statt des erl├Âsenden Kopfschusses, traf die Kugel ihr rechts Ohr. Nun liegt sie geh├Ârlos, mit zerfetztem Ohr im Krankenhaus. Die Vorstellung geh├Ârlos und einem h├Ąsslichen, zerrissenem Ohr all das Leid der Welt ertragen zu m├╝ssen, veranlasste Luca den Kopfschu├č auszuschlie├čen.
Er k├Ânnte sich vor einen Zug werfen. In der N├Ąhe seines Hauses befand sich eine ICE-Schnellstrecke. Diese Art zu sterben wollte er auch ausschlie├čen, sie schien zu riskant. Die Mutter einer Bekannten hatte Pech. Beim Selbstmordversuch trennte der Zug ihr nur beide Beine ab. Ein Leben lang im Rollstuhl vegetieren schien noch trostloser zu sein, als auf dieser Welt gesund durchzuhalten. Die Angst vor einen Zug zu springen pochte zus├Ątzlich in seinem Kopf. Gedanken, er w├╝rde das Leben doch lieben ├╝berfielen ihn. Mit sch├╝ttelndem Haupt gr├╝belte er weiter.
Von einem Hochhaus, einer Br├╝cke, einer Treppe.. wollte er auch nicht springen. Luca w├╝nschte sich sch├Ân zu sterben, einfach einschlafen und nie wieder aufwachen, solch ein Tod w├Ąre wunderbar. Er wollte keine h├Ąssliche entstellte Leiche sein, sch├Ân wolle er sterben und im Sarg liegen. Seine Eitelkeit verfolgte ihn bis in den Tod. Mit Schlaftabletten k├Ânnte er einen Versuch wagen oder er w├╝rde sich die Pulsadern aufschneiden, vielleicht w├╝rde er sich auch vergiften. Doch die Angst vor Magenkr├Ąmpfen und mit Schmerz verzerrtem Gesicht in die Leichenstarre zu fallen, be├Ąngstigte ihn.
Da sich Luca mit einem elektrischen Rasierer das Gesichtshaar stutze, hatte er keine Rasierklingen.
Auch die Schlaftabletten fehlten ihm. Er k├Ânnte seinem Opa ein paar Pillen stehlen, dieser stopfte von Valium ├╝ber Morphium, st├Ąrkste Schlafmittel und s├Ąmtliche Putsch- wie Down-Mittelchen in sich. Eine gute Mischung dachte sich Luca. Ups und Downs und Sleepis. Ein guter Rausch f├╝r das Ende.

Luca g├Ąhnte, erhob sich von seinem Stuhl und ging ins Bad, dort putze er sich die Z├Ąhne und zupfte sein Haar in Form. Schl├╝ssel, Zigaretten und Feuerzeug lie├č er in seine Jackentasche gleiten und verlie├č das Haus. Ein kalter Wind zerzauste sein Haar. Die Stra├čen wirkten verloren, leer und ausgebrannt. Er liebte diese Leere, atmete einmal tief ein und aus, sein Blick schweifte von links nach rechts. Der Opa hauste nicht l├Ąnger als 10 Minuten entfernt. Der Einsame z├╝ndete sich eine Zigarette an, zog gen├╝├člich den Rauch in seine Lungen und lie├č ihn durch die Nase entweichen.
Im Vorgarten des Opas lag die rot getigerte Katze des Nachbars. Luca sah sich um und beobachtete drei kleine Kinder die in der N├Ąhe Krieg spielten. Sie rannten mit Bundeswehrklamotten und Wasserpistolen hintereinander her und schrieen um die Wetter: "Du bist tot, ich habe Dich mit 3 Sch├╝ssen erledigt!" Traurig w├╝nschte sich Luca reale Waffen und die Kinder w├╝rden ihn in ihrem Krieg erschie├čen. Vielleicht w├╝rden sie ihn auch hinrichten. Stilvoll und mit W├╝rde.
Als er so die Kinder beobachtete und hin und wieder zum Haus des Opas schielte, sah er die heruntergelassenen Rolladen und den von Werbung ├╝berf├╝llten Zeitungskasten. Es ratterte wie wild in seinem Kopf, die Gedanken tanzten um die Wette. Als ob tausend kleine Wimpern von seinen Augen flatterten, erinnerte er sich an die letzten Worte seine Opas: "Ich bin f├╝r ├╝ber 3 Monate in Italien, bei Silvia - Du brauchst nichts machen, der Nachbar gie├čt meine Blumen und hat einen Briefkastenschl├╝ssel......" vor vier Tagen reiste er ab.
W├╝tend ├╝ber sich selbst und der leeren Taschen, die so sch├Ân mit Tabletten gef├╝llt seien k├Ânnten, schlug er mit fester Faust in die Luft. Er lie├č sich auf die Kante des Gehweges gleiten und seufzte bitterlich. Wie konnte er nur den Urlaub vergessen. Den Kopf zwischen beiden Armen vergraben, bi├č er sich vor Wut auf die Zunge. Es sp├╝rte das warme Blut in seinem Mund und dachte daran sich Rasierklingen zu kaufen. Mit beiden Augen schielte er kurz auf die Uhr. 16:12 Uhr. Die Gesch├Ąfte schlie├čen Samstags um 16 Uhr.

Er k├Ânnte J├Ârg besuchen und ihn um ein bis zwei Rasierklingen bitten. Doch m├╝sste er sich erkl├Ąren, J├Ârg war nicht dumm und wu├čte, dass Luca nur einen elektrischen Rasierer ben├╝tzte.
Er k├Ânnte seinen Freund bel├╝gen und sagen, er h├Ątte sich einen neuen, speziell f├╝r Rasierklingen gekauft. Er habe einen Umweltliebestick entwickelt und wolle Strom sparen. J├Ârg w├╝rde ihn sicherlich fragen um welche Marke, welches Ger├Ąt es sich handle.
Es war aussichtslos. Er kannte sich weder mit Marken noch mit irgendwelchen Ger├Ąten aus. Somit war das Thema J├Ârg gestorben.
Luca verfiel in einen nicht zu stoppenden Lachanfall. Er kugelte sich ├╝ber den Gehweg, bis sein Bauch schmerzte. Welches Pech bzw. Gl├╝ck verfolgte ihn nur heute.
War es nicht ein guter Tag zu Sterben?
Als er sich beruhigt hatte, gab er sich einen Ruck, stand auf und trottete Nachhause. Er hatte noch zwei Flaschen Rotwein und im K├╝hlschrank warteten vier Flaschen k├╝hles Bier auf ihn. "Es ist kein guter Tag zu sterben, doch ein guter Tag zu saufen allemal." dachte er gleichg├╝ltig und zuckte mit den Achseln.

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margot
???
Registriert: Mar 2002

Werke: 298
Kommentare: 3340
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ich liebe suzanne vega.
danke.

ralph
__________________
schlagt mich bitte nicht tot. ich bin kitzlig.

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