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Leselupe.de > ErzÀhlungen
Manfred und Dieter
Eingestellt am 26. 04. 2006 23:07


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tanita
Festzeitungsschreiber
Registriert: Apr 2006

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Manfred und Dieter


Als Manfred und Dieter in mein Leben traten, war ich neun .
Bis dahin hatte ich noch nie einen Freund gehabt. Und plötzlich gab es gleich zwei davon, Manfred und Dieter.
Sie schrieben mir Liebesbriefe, und die steckte ich zwischen meine Glanzbilder – zwischen Engel und Blumen.
Ich erzĂ€hlte nur wenigen von den Briefen. Das erste Mal, weil mir beim Glanzbildertauschen ganz ungewollt ein Brief von Manfred - oder war es einer von Dieter? – aus dem Steckheft gefallen war und gleich ein Glimmerbild – ein bunter Sommerstrauß mit Glockenblumen – hinterher. Monika war so neugierig, dass ich ihr den Brief einfach zeigen musste, und ich erzĂ€hlte ihr, wer den Brief geschrieben hatte und ließ sie ein paar Zeilen lesen. Monika war eins der MĂ€dchen auf dem Hof hinter dem Haus, in das wir gerade erst eingezogen waren.
Mal schrieb Manfred, dann wieder Dieter, mal kamen gleich zwei Briefe an..
Beide Jungs waren eifersĂŒchtig aufeinander. Sie bewunderten mich beide, und das schrieben sie mir auch. Jeder wollte, dass ich mich mit ihm treffe. Und ich konnte mich nicht entscheiden, denn ich mochte beide, obwohl sie sehr unterschiedlich waren.
Manfred war blond. Er hatte ein liebes verschmitztes LĂ€cheln, war etwas schĂŒchtern und traute sich nicht, mich zu kĂŒssen.
Dieter dagegen war dunkelhaarig und spitzbĂŒbisch, außerdem witzig, mutig – und ein bisschen vorlaut. Dieter fanden alle MĂ€dchen toll, aber er wollte ausgerechnet mich, weil ich nicht so dumm rumkicherte wie Ilse und die anderen aus meiner alten Klasse.
Dass ich eine Brille trug, störte beide nicht, auch nicht, dass ich nicht so schön war wie Sigrid oder dass ich etwas steif war beim Turnen und nicht so weit werfen konnte. Sie fanden mich einfach nett und wollten gern mit mir zusammen spielen, durch die wilden GÀrten streifen und Stachelbeeren und Johannisbeeren klauen und wilden Rhabarber knabbern.
Manfred hĂ€tte mit mir am liebsten stundenlang im GebĂŒsch am Bahndamm gesessen und eng aneinandergelehnt mit mir geredet und Dieter hat mich sogar nachts im seinen TrĂ€umen auf die Lippen gekĂŒsst.
Und beide waren traurig, dass ich jetzt so weit weg wohnte, gleich zwei Stadtteile weiter. Da war es schwer, sich zu treffen. Aber manchmal verabredeten wir uns und trafen uns an der Eisbude, wo es fĂŒr 10 Pfennig einen großen Esslöffel Eis gab. Doch so weit durfte ich selten, und deshalb schrieben mir die beiden viele Briefe, und manchmal schrieb ich auch einen zurĂŒck, aber selten.
Keinen der Briefe zeigte ich meinen Eltern. Die brauchten von Manfred und Dieter nichts zu wissen. Nur den Freundinnen auf dem Hof zeigte ich ab und zu Ausschnitte aus den Briefen, und ich merkte, wie sie ein bisschen neidisch wurden. Ich glaube, Monika war ein bisschen eifersĂŒchtig, aber sie wurde auch immer neugieriger und fand es plötzlich sehr unwahrscheinlich, dass gleich zwei Jungs mich so sehr mochten, dass sie mir stĂ€ndig Briefe schrieben. Da gab es aber gar keinen Zweifel. Monika sah die Briefe ja. Sie konnte sie selber lesen. Außerdem war die Schrift von beiden Jungs ja auch ganz unterschiedlich.
Manfred schrieb ordentlich und sauber, schön nach rechts geneigt, und Dieter schrieb lĂ€ssiger, mit grĂ¶ĂŸeren Buchstaben, mehr nach links geneigt, und einige Buchstaben waren auch ganz anders geschrieben als Manfreds. Und wenn Marianne sich wunderte, dass sie so wenig Fehler machten, wo sie doch beide Jungs waren, erzĂ€hlte ich voller Stolz, dass beide zu den Besten in der Klasse gehörten.

Aber irgendwann wurde das mit den Briefen dann doch lÀstig, und auch die Fragerei, warum denn keiner von beiden mal zu uns auf den Hof kam, oder ob ich Marianne nicht mal mitnehmen könnte, wenn ich einen der beiden zum Eisessen traf.
Und so blieb mir gar nichts anderes ĂŒbrig, als Manfred und Dieter aus meinem Leben zu verbannen und ihnen ganz deutlich zu sagen, dass das alles doch gar keinen Sinn hĂ€tte, dass ich mich fĂŒr keinen von beiden entscheiden könnte, und dass ich, obwohl ich ihnen nicht weh tun wollte, keinen ihrer Briefe mehr lesen wĂŒrde, und dass sie sich eine andere Freundin suchen sollten.
Der letzte Brief von Manfred war sehr traurig, das fand auch Monika. Manfred tat mir sehr leid. Dieter schrieb wĂŒtend, wenn ich mir nichts aus ihm machte, dann wĂ€re ich ab jetzt Luft fĂŒr ihn. Das passte zu ihm.
Jetzt konnte ich getrost alle Briefe zerreißen. Manfred und Dieter brauchte ich nicht mehr. Ich hatte inzwischen so viele Freunde und Freundinnen , mit denen ich auf dem Hof spielte. Da war immer jemand zum Glanzbilder tauschen oder Knicker spielen oder Seilchen springen oder Federball spielen. Was sollte ich da noch mit Manfred und Dieter?



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Gorgonski
Wird mal Schriftsteller
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Hallo Tanita

Kann es sein, daß es Manfred und Dieter gar nicht gab und das erzĂ€hlende MĂ€dchen eine "UrkundenfĂ€lscherin" war?
Oder hat sie sich von ihnen losgesagt?

MfG, Rocco
__________________
dEr Heftchenliterat und Poet aus dem Erzgebirge

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HFleiss
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Manchmal gelesener Autor

Registriert: Jan 2006

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Manfred und Dieter

Ich finde das reizende Erinnerung, wenn auch nichts Besonderes, aber nett niedergeschrieben. Aber wo ist die Story, die unbedingt zu einer ErzÀhlung gehört?

Gruß
Hanna

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Ralph Ronneberger
Foren-Redakteur
Autor mit eigener TV-Show

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Hallo tanita,

Hanna hat es bereits auf den Punkt gebracht. Es fehlt die Story. Ich vermute mal, dass es sich um eine wahre Begebenheit handelt. Wenn wahre Begebenheiten nichts Außergewöhnliches in sich bergen, woraus ein Interesse auch in denen wach wird, die nicht daran beteiligt waren (und das ist bei Lesern stets der Fall), dann wird das meist ein Flop.
Dabei steckt in deinem Text eine Menge Potential, dennes erscheint mir wohl ein wenig ungewöhnlich und interessant, wenn ein Text mit dem Satz beginnt: "Als Manfred und Dieter in mein Leben traten, war ich neun ."

Wow - das macht neugierig. Aber dann: "Bis dahin hatte ich noch nie einen Freund gehabt." Das ist nun wahrlich fĂŒr eine NeunjĂ€hrige nichts Ungewöhnliches.

"Und plötzlich gab es gleich zwei davon, Manfred und Dieter." Die Neugier ist wieder da.

"Sie schrieben mir Liebesbriefe, und die steckte ich zwischen meine Glanzbilder – zwischen Engel und Blumen."Liebesbriefe fĂŒr eine NeunjĂ€hrige! Jetzt hĂ€tte ich gern gewusst, was denn da zumindest ansatzweise drin stand. Schließlich werden die Dinger ja als "Liebesbriefe" bezeichnet. Aber ich, der Leser, werde enttĂ€uscht. Viel wichtiger als die Briefinhalte sind der Autorin die vielen NebensĂ€chlichkeiten, die absolut keine Spannung aufkommen lassen. Da wird berichtet, wo die Briefe aufbewahrt werden und dass zufĂ€llig eine Freundin, die mit der Protagonistin auf dem Hof spielt, in die HĂ€nde fĂ€llt. Ja, man hat fĂŒr Momente den Eindruck, dass die Glanzbilder wichtiger sind, als die Briefe. Vielleicht war es auch wirklich so. Aber es wird nichts darĂŒber gesagt. Überhaupt - es fehlt jegliche Wertung des Erlebten durch die Protagonistin.
Die beiden rivalisierenden Jungs werden zwar ein wenig beschrieben, bleiben aber irgendwie am Rande des ohnehin dĂŒnnen Geschehens.
Da erfĂ€hrt man: "Beide Jungs waren eifersĂŒchtig aufeinander. Sie bewunderten mich beide, und das schrieben sie mir auch. Jeder wollte, dass ich mich mit ihm treffe. Und ich konnte mich nicht entscheiden, denn ich mochte beide, obwohl sie sehr unterschiedlich waren."Tja - was gab denn Anlass fĂŒr die Bewunderung, die sogar Eifersucht auslöste.Wie Ă€ußerte sich diese Eifersucht, und warum mochte sich das MĂ€dchen mit keinem von beiden treffen? Dann aber kommt die Information: "Manfred war blond. Er hatte ein liebes verschmitztes LĂ€cheln, war etwas schĂŒchtern und traute sich nicht, mich zu kĂŒssen."
Also gab es doch ein oder mehrere Treffen? Es wird beschrieben, was die Bengels an dem MĂ€dchen nicht störte, aber wir erfahren so gut wie nichts darĂŒber, was sie denn so begehrenswert machte.
"Sie fanden mich einfach nett und wollten gern mit mir zusammen spielen, durch die wilden GĂ€rten streifen und Stachelbeeren und Johannisbeeren klauen und wilden Rhabarber knabbern", reicht mir nicht, denn dazu braucht es weder Liebesbriefe noch entsteht da Eifersucht.
Das MĂ€dchen schreibt nur selten zurĂŒck - warum? Statt einer Antwort erhĂ€lt man die Auskunft, dass Freundin Monika neidisch war und erhĂ€lt Informationen ĂŒber das abgelieferte Schriftbild der Schreiberlinge.

Hm - bis jetzt enttĂ€uschend diese Geschichte. Aber vielleicht kommt noch was? Pustekuchen. "Aber irgendwann wurde das mit den Briefen dann doch lĂ€stig", sagte das MĂ€dchen, versucht sich fĂŒr ihren Kontaktabbruch noch ein wenig vor sich selbst zu entschuldigen, und das war es dann auch schon im Großen und Ganzen.

Stilistisch hĂ€tte ich an deinem Text nur wenig auszusetzen. Deshalb wĂŒrde ich mir wĂŒnschen, dass Du sie so schreibst, dass der Leser wirklich in die Geschichte (die ja so noch gar keine ist) hinein gezogen wird. Wenn man eine Geschichte schreibt, muss die nicht authentisch sein. Niemand kann oder will das kontrollieren. Erfinde etwas dazu, lass Unwichtiges weg, lĂŒge uns wegen mir die Hucke voll und vor allem: Hauche deinen Figuren Leben ein. Ich bin sicher - das bekommst Du hin.

Gruß Ralph

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tanita
Festzeitungsschreiber
Registriert: Apr 2006

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Hallo,
vielen Dank fĂŒr eure Anmerkungen zu meinem ersten Beitrag. Leider hat nur Gorgonski die "story" in der ErzĂ€hlung erkannt. Das gibt mir natĂŒrlich zu denken. Wahrscheinlich muss ich doch noch viel deutlicher machen , dass diese "erdachten Freunde" fĂŒr das MĂ€dchen Mittel zum Zweck waren, sich in ihrer neuen Umgebung wichtig zu machen.Ich werde versuchen, die Geschichte, die ich erzĂ€hlen wollte, durchschaubarer zu machen.
Gruß
tanita

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Larissa
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Registriert: Not Yet

Hallo tanita,

auch ich habe die Story sehr wohl erkannt und finde die Geschichte ganz bezaubernd.

Einen lieben Abendgruß
Larissa

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