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Leselupe.de > Erzählungen
Marie ( II )
Eingestellt am 22. 01. 2007 04:36


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Jörg
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Dec 2001

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Marie ( II )

‚ÄěBj√∂rn!‚Äú
‚ÄěBj√∂rn?‚Äú
‚ÄěWas ist denn, Schatzi?‚Äú
Gebannt sitzt sie vor dem Monitor, an ihren Fingernägeln kauend:
‚ÄěWie hei√üt noch mal der Ort, wohin wir morgen fahren? Sorry, Ich vergesse es immer wieder!‚Äú
‚ÄěAzay-le-Rideau‚Äú. Ganz einfach zu merken.
‚ÄěUnd das ist doch in diesem Loiretal? Du, ich lese da gerade etwas...da schreibt so ein Typ √ľber H√∂hlen, aus denen er bald nicht mehr herausgefunden h√§tte, komm` her, lies das!‚Äú

Aber dazu hatte Björn, mitten Packen seiner Reisetasche, nun absolut keinen Bock. Schließlich weiß er, wohin er fährt, er zählt zu denjenigen, die sich vorher intensiv mit Land und Leute beschäftigen. Von den Tuffsteinhöhlen bei Saumur kann er ihr morgen während der Fahrt erzählen, da will er ja auch hin.
‚ÄěBj√∂rn!‚Äú Dieses Mal klang es lauter ,fordernder.
‚ÄěOk., Ok., ich komm` ja schon.‚Äú Sie sollte lieber auch ihre Tasche packen statt im Netz zu surfen, sie mussten am n√§chsten Tag zeitig los. Leicht genervt trat er hinter sie, die ihm Platz machte, auf eine Webseite wies.
‚Äě Das, bitte sch√∂n, m√∂chte mir nicht passieren!‚Äú
Sein vorerst geheucheltes Interesse an dem was er jetzt las, wurde von Zeile zu Zeile fesselnder...ja, an tausend Dinge hatte er gedacht, auch seinen Palm mit einem Deutsch-Franz√∂sisch- √úbersetzungsprogramm geladen, aber eine starke Taschenlampe...? Der Tipp war was wert! Den Calvados k√∂nne man ja auch ohne die vorherige Aufregung bei dieser Marie trinken. Und ihr dann wissend zuzwinkern. Manchmal ist eben das Surfen im Netz echt n√ľtzlich und praktisch, sogar auf so einer Literaturplattform. Man sollte diesen Text ausdrucken und mitnehmen!
‚ÄěBis wann haben die L√§den heute auf? Bin gleich wieder da!‚Äú
Nur gut, dass die REWE ihre √Ėffnungszeiten bis 22 Uhr verl√§ngert hat. Aber hatten sie auch Taschenlampen in ihrem Angebot? Sie hatten. Jetzt war er wirklich auf alles vorbereitet!

Dachte er.

Selbstverst√§ndlich gab es Champignons zur zarten H√§hnchenbrust in der ‚ÄěAuberge de Azay-le-Rideau‚Äú. Birthe, wie wir Schatzi von nun an nennen wollen, stach sie auf die Gabel und hob sie hoch: ‚ÄěGanze Beete davon‚Äďund dieser Typ ist da hineingeplumpst!‚Äú Sie kicherte bei diesem Gedanken, trank noch einen gro√üen Schluck Cidre...
‚Äě Duuuu...Batterien sind doch in der Taschenlampe?‚Äú. Und kicherte weiter, diesmal leicht err√∂tend, bei Bj√∂rns Vorschlag, die Funktion der Taschenlampe doch gleich anschlie√üend unter ihrer Bettdecke zu testen. Eigentlich kein schlechter Gedanke...man bedenke nur die Haltbarkeitsdauer der schon erw√§hnten Batterien...die gro√üe, bauchige Flasche mit dem spritzigen Cidre k√∂nnte man ja auch...Birthe trank entschlossen ihr Glas leer. Das weitere Abendprogramm lag in ihrer Hand!

Dachte sie.
Und behielt recht. Sie kannte ihn gut und lange genug.
Seine Gedanken jedoch fanden später dann ihren Meister...ihre Meisterin: Er kannte Marie nicht!

Die beschriebenen, kichernden Mademoiselles an der Kasse der Champignonh√∂hlen waren durch zwei junge bildh√ľbsche Messieurs ersetzt wurden, die bei der √úbergabe der Eintrittskarten Birthe charmant einen Kuss auf ihre Hand hauchten...Oh, das gefiel ihr!
Ob die Beiden nach dem ‚ÄěStromausfall‚Äú sie auch ‚Äěretten‚Äú kamen? Aufgel√∂st durch die gerade √ľberstandene Gefahr k√∂nnte man ihnen ja dann in die Arme fallen...allein das w√ľrde die erh√∂hten Eintrittspreise rechtfertigen!
Björn, von Birthes Gedanken nichts ahnend, schritt zielstrebig dem Eingang der Höhlen zu.
35 Km H√∂hleng√§nge durch den Tuffsteinberg, die Tafel hing, wie in dem Text beschrieben, immer noch an der schweren Holzt√ľr. Eine angenehme K√ľhle empfing sie. Die B√§nke mit den Champignons standen Reih in Glied an den wei√üen Tuffsteinw√§nden. Einige von ihnen gab es auch auf ihrem Wochenmarkt; die meisten Sorten jedoch, manche recht abenteuerlich aussehend, waren ihnen fremd. Ob sie schmeckten? Was die Leute nicht alles essen!

So gingen sie eine gute halbe Stunde von Höhle zu Höhle, die Taschenlampe fest in der Hand haltend, bis erwartungsgemäß plötzlich das Licht ausging.
Hah ‚Äď mit uns nicht, cher Marie!
Der kr√§ftige Lichtstrahl Bj√∂rns Taschenlampe traf das ‚ÄěExit-Sortie‚Äú- Richtungsschild √ľber dem Torbogen der H√∂hle, in der sie sich befanden. Er nahm Birthes Hand und ging ruhigen Herzens dem Ausgang zu...dem vermeintlichen. Marie w√ľrde Augen machen, wenn sie gleich lachend aus den H√∂hlen kamen!
Sie liefen, immer den Pfeilen folgend, nun fast schon eine Stunde von Höhle zu Höhle. Ein einziges Mal trafen sie auf andere Touristen. Ein älteres französisches Ehepaar. Er wie ein emeritierter Professor aussehend, der ihnen ein Feuerzeug vor das Gesicht hielt und lebhaft in einem unverständlichen Dialekt gestikulierte, dann ihr Nichtverstehen akzeptierte und entschlossen mit seiner Madame an der Hand in der entgegengesetzten Richtung im Dunklem verschwand.
Nach zehn weiteren Höhlen waren sie wieder in der ersten. Die Bänke mit den auffallend langstieligen Champignons waren unverwechselbar. Vor ihnen standen sie schon einmal. Vor einer Stunde! Der nun immer schwächer werdende Lichtstrahl ihrer Taschenlampe traf das Richtungsschild. Zeigte der Pfeil vorhin nicht nach rechts? Björn warf einen Champignon auf den Pfeil, der sich sofort wieder drehte. Wie Schuppen fiel es ihnen von den Augen : Die Richtungsschilder waren verdreht! Sie liefen wahrscheinlich seit einer Stunde immer im Kreis herum! Und waren nun in derselben Lage wie der Verfasser dieses Textes in dem besagten Schreibforum...merde!
Sie mussten warten.
Marie hatte gewonnen.
Björn schwor sich, einen gepfefferten Brief an die Oberste Tourismusbehörde des Departments, ja, an den Präsidenten der Französischen Republik zu schreiben! Ohne Briefmarke, Porto zahlt Empfänger!
Birthe beschloss, im gleichen Literaturforum nun ihrerseits vor den Champignonhöhlen bei Saumur zu warnen, zumal nicht einmal einer der beiden gut gebauten jungen Männer mit der Taschenlampe kam, sondern zu ihrer Enttäuschung wahrscheinlich einer ihrer Großväter..

Marie nahm ihre Calvadosbestellung still lächelnd entgegen.
Auch als Bj√∂rn von Erbsen sprach, die er neben einer Taschenlampe k√ľnftigen H√∂hlenbesucher empfehlen werde, l√§chelte sie weiter.
Was weiß ein Deutscher vom Einfallsreichtum, von der Fantasie einer französischen Frau?
Vive la France!


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