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Leselupe.de > ErzÀhlungen
Martinstag
Eingestellt am 13. 10. 2001 12:23


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anemone
Schriftsteller-Lehrling
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Die Lehrerin lĂ€uft durch die Reihen. Sie verteilt das schwarze Tonpapier an die Kinder, die daraus ihre Fackeln fĂŒr dieses Jahr basteln sollen.

Jede Grundschulklasse hat ihre eigenen Fackeln und jede Lehrerin ihre eigene Vorstellung, wie diese aussehen sollen. Diesmal muss eine Martinsgans aus dem Papier entstehen, die mit buntem Transparentpapier hinterklebt wird.

Und am 10.11. ist es dann so weit. Der Umzug kann beginnen. St. Martin, der in diesem Jahr als Bischof durch den Ort reiten will, steht bereits im Kindergarten vor den Kindern und zieht sein Gewand ĂŒber, damit keines der Kinder Angst bekommt, wenn es spĂ€ter dem St. Martin die Hand reicht zum Gruß. Jedes Kind soll erkennen: Dieser Mann kommt nicht vom Himmel, er ist nur verkleidet.


Victor erlebt zum ersten mal dieses Martinsfest. Victor hat die gleiche Fackel, wie die anderen Kinder aus seiner Klasse. MĂŒhsam fand er die Bastelei in der Grundschule und ĂŒberhaupt gefĂ€llt die Schule ihm nicht sonderlich. In Russland war alles viel schöner.

Er hasst diese deutsche Sauberkeit. Er versteht die Sprache nicht und reagiert bockig, wenn die Lehrerin etwas von ihm will. Zum Beispiel, dass er das Heft aus seine Schultasche holt.

Gerade stellt sich der Zug auf. Er muss mit seiner Klasse ĂŒberlaufen. Victor sieht hinĂŒber zu seiner Mutter. Viel lieber wĂ€re er mit ihr und den Kindergartenkindern ĂŒber gelaufen. Doch Mutter zeigte unerbittlich auf die Kinder seiner Schulklasse. Ihm gefĂ€llt der Tag ĂŒberhaupt nicht und er ist froh, wenn alles endlich vorbei ist.

Mit vorgeschobener Lippe trottet er den MitschĂŒlern hinterher. Sie singen irgendein Lied, dass er nicht kennt, das heißt eigentlich doch, sie haben es ja in der Schule geĂŒbt. Doch Victor bewegte dort nur die Lippen und keiner merkte so, dass er den Text nicht kannte, weil es ihm zu mĂŒhsam war ihn zu lernen.

Die Strecke ist eigentlich gut zu schaffen, aber Ramona ist nicht gut zu Fuß und schon bald sehnt sie sich danach, dass sie wieder auf dem wunderschönen mit Tonpapier beleuchteten Schulhof ankommen. Gerade kommt die Lehrerin in ihre NĂ€he und singt demonstrativ laut den Text, denn sie erwartet, dass die Kinder mitsingen. Doch Ramona denkt nicht daran. Sie hat genug damit zu tun, die Fackel hoch zu halten und nicht zu stolpern.

Die MĂ€nner von der Feuerwehr laufen am Rand und beleuchten den Weg mit ihren Pechfackeln.

Die wenigen Kinder aus der Hauptschule tragen an einer ĂŒberdimensional großen Fackel, die sie auf 4 Schultern abstĂŒtzen. Sie stellt eine Kirche dar.

2. Teil folgt

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flammarion
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hm,

den 2.teil kann man mit spannung erwarten, der anfang ist recht gelungen. vielen dank, daß du mich aufmerksam gemacht hast. aber ick doofer ossie hab schon wieder ne frage: was is n tonpapier? ganz lieb grĂŒĂŸt
__________________
Old Icke

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anemone
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Tonpapier

eine schwarze dĂŒnne Pappe, die man gut mit dem Ritzmesser bearbeiten kann

liebe GrĂŒĂŸe

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anemone
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2. Teil

Am Ende des Umzuges auf dem Schulhof zerteilt St. Martin mit einem Schwert seinen warmen Mantel, dessen zweite HĂ€lfte er einem Bettler ĂŒbergibt, der am Rande kauert und schrecklich friert.

Dies alles findet vor den Augen der Zuschauer statt, die danach der Rede des St. Martin folgen: Er spricht vom Teilen, von Toleranz und bittet die Kinder, auf einen Teil der guten Gaben aus der MartinstĂŒte zu verzichten und sie in die bereitstehenden Körbe fĂŒr die armen Menschen in Polen zu spenden.

Danach stiebt das Publikum auseinander: Die Schulkinder in die Klassen, die Kindergartenkinder mit ihren Eltern zum St. Martin, der in der Eingangshalle der Schule darauf wartet, den Kindern die Hand zu reichen. Die Erwachsenen zum Stand mit dem GlĂŒhwein und den MartinspĂŒfferchen.

Victor hĂ€lt seine TĂŒte schon in dem Arm. Er möchte schleunigst nach Hause, doch seine Mutter und die kleine Schwester warten noch auf die BegrĂŒĂŸung des St. Martin.


Ramona hockt sich in die Ecke und schaut sich den Inhalt ihrer TĂŒte an: „Spekulatius, die bekommt Mama, Lakritz kann sie auch haben, mag ich nicht!“ beschließt sie. Die Kaubonbons schiebt sie schnell in den Mund. „Die Schokolade mag ich auch!“ denkt sie und ehe man sich versieht sind die leckeren SĂŒĂŸigkeiten schon in ihrem Bauch verschwunden. Das Brausepulver wird in ihre Hand geschĂŒttet und aufgeleckt.

Nun kommen noch einige Kinder dazu und der Tauschhandel geht los. „Gibst du mir dies, bekommst du von mir das!“

Nun muss sie aber nach Hause. In ihrer TĂŒte steckt nur noch der Weckmann, sowie die Spekulatius und die Lakritz. Die Spende fĂŒr den WĂ€schekorb steht noch aus. Im Moment ist sie etwas ratlos. „Was kann ich da hineingeben?“

Victor kommt an ihr vorbei. Seine TĂŒte ist noch bis obenhin voll. „Ach was,“ denkt sie „Polen!“ Sie drĂŒckt ihm die Lakritz in die Hand und begibt sich auf den Nachhauseweg.

Unterwegs beginnt es dann in ihrem Magen zu rumoren. Gerade, als sich ihr Magen wieder verkrampft, ĂŒberholt sie Victor mit seiner Familie. Er redet mit seiner Mutter und steht kurze Zeit spĂ€ter mit einem Taschentuch vor ihr. Sobald sie es in ihrer Hand hĂ€lt, schießt ihr Mageninhalt heraus und sie ĂŒbergibt sich in den StrĂ€uchern.

Als ihr wenige Tage spĂ€ter Victor auf der Straße begegnet sagt sie zu ihm: „Danke, Stankt Martin!“ Seitdem geht Victor gerne zur Schule.

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flammarion
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aha,

danke fĂŒr die aufklĂ€rung. nebenbei - der zweite teil scheint mir etwas schwĂ€cher zu sein als der erste. aber es freut mich sehr, daß der junge nun lieber zur schule geht als vorher. ganz lieb grĂŒĂŸt
__________________
Old Icke

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