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Leselupe.de > Ungereimtes
Mensch und mehr
Eingestellt am 09. 05. 2012 00:21


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ENachtigall
Foren-Redakteur
???

Registriert: Nov 2005

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Mensch und mehr

weiß der Atlas
weiß der Dra
wie lange sie mich anstarrte
die schwarze Schlange Straße
eh sie mich schluckte
verschleppte und dann doch ausspie
bei den Schößen der Wüste
steckte sie den Kopf in den Sand
und fand ein jähes Ende

gelb voll stolz
schien der Mond ein lichtes Lied
geschrieben in den Tintenhimmel

kann sein ich
habe es gesummt
wieder Mensch und mehr
als Haufen Teile meiner selbst
denn ich war blickdicht
bei den Sandteufeln
kann sein sie
zeigten mir den
heißesten der Tänze

am Ende der Straße
sind die Biester
immer deine Freunde


© elke nachtigall
Mai 2012

__________________
Wer Spuren sucht, wird Wege finden.

Version vom 09. 05. 2012 00:21
Version vom 12. 05. 2012 13:59
Version vom 25. 06. 2012 18:22

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Vera-Lena
Routinierter Autor
Registriert: Oct 2002

Werke: 613
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Ach, schön, irgendwann muss man doch wieder draußen sein können aus den ganzen Verwicklungen des Lebens, die es fertigbringen, dass wir uns selbst fremd werden können.

Schön hast Du diesen Kontrast beschrieben vom Mittendrin und dem Ende der schier endlosen Straße.

Hübsch der Einfall mit den Sandteufeln, der Deiner Geschichte noch einen winzigen märchenhaften Touch verleiht, obgleich sie doch todernst gemeint ist.(schrottreifer Haufen)

Liebe Elke, hier ist Dir wieder etwas sehr Originelles gelungen, das Du uns auf ganz einfache Weise erzählst.

Mir gefällt es sehr gut.

Liebe Grüße
Vera-Lena


__________________
Der Mensch ist sich selbst das größte Geheimnis, ein unverzichtbarer Blutstropfen im Universum, ein Spiegel allen Seins.

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AchterZwerg
Guest
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Liebwerte Elke,
ich habe ein völlig andere Lesart des Gedichts und werde deshalb bestimmt gleich wieder als Überinterpreteuse "beschimpft."
Ich sehe ein süchtiges Lyri, das seinen Dämon vorerst besiegt hat, seine Medusa.

quote:
weiß der Atlas
weiß der Dra
wie lange sie mich anstarrte
die schwarze Schlange Straße
eh sie mich schluckte
verschleppte und dann doch ausspie
bei den Schößen der Wüste
steckte sie den Kopf in den Sand
und fand ein jähes Ende
quote:
Heller ist nun sein Tag und klarer
gelb voll stolz / Tippfehlerli
schien der Mond ein lichtes Lied
geschrieben in den Tintenhimmel

kann sein ich
habe es gesummt
wieder Mensch und mehr
als nur schrottreifer Haufen
Teile meiner selbst
denn ich war blickdicht
bei den Sandteufeln
Blick-dicht, nach innen und außen war es.
quote:
kann sein sie
zeigten mir den
vielleicht heißesten aller Tänze
Hier gefällt mir, dass Sucht nicht als etwas von vornherein Negatives dargestellt wird. Denn wäre dies von Anfang an so, würde sich der Süchtling nicht hineinbegeben.
quote:
am Ende der Straße
sind die Biester
immer deine Freunde
Treffender kann man es kaum sagen.
Heidrun


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ENachtigall
Foren-Redakteur
???

Registriert: Nov 2005

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quote:
Hübsch der Einfall mit den Sandteufeln, der Deiner Geschichte noch einen winzigen märchenhaften Touch verleiht, obgleich sie doch todernst gemeint ist.(schrottreifer Haufen)

Danke, Vera-Lena, für Deine Reflektionen zu diesem Gedicht!
Vor allem die zitierte Passage gibt mir Aufschluss darüber, wo ich zu dick aufgetragen habe. Das "schrottreif" passt zwar ins Straßenbild, dominiert mir aber - weil zu krass - ungewollt die beschriebene Szene.
Ich sehe jetzt, dass ich es nicht brauche, denn es geht nur darum, zu zeigen, dass wieder ganz wurde, was im Zerfallsprozess war. Das braucht nicht solche Dramatik.

Ich habe hier "Erfahrenes" versucht, zusammenzufassen, in Einklang zu bringen; dass es mehr sei, als die Summe der Erinnerungen.

Das Erleben der Sandteufel, die es ja tatsächlich gibt, war ein "Geschenk der Erde" von wahrlich hypnotischer Intensität.
Unglaublich, was Sand, Sonne und Wind imstande sind, hervorzubringen.
Es sieht sehr nach geballter Kreativität aus.

Mit herzlichen Grüßen

Elke
__________________
Wer Spuren sucht, wird Wege finden.

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ENachtigall
Foren-Redakteur
???

Registriert: Nov 2005

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quote:
Ich sehe ein süchtiges Lyri, das seinen Dämon vorerst besiegt hat, seine Medusa.

Hallo Heidrun,

vielleicht nicht falsch formuliert, meine liebe Interpreteuse; gibt es doch der Süchte mehr, als gemeinhin angenommen wird.
Und sei es ein angenommener Verhaltenszug, exzessiv gelebt, der sich Zweck entfremdet.
Immer wieder verlangt das Leben, alte Häute abzuwerfen, Wege zu Ende zu gehen, Neubeginne.

Abenteuer ist, wenn es keinen Weg zurück gibt.

P.S. gelb voll stolz der Mond
Da ist "stolz" bewusst gewähltes Attribut; "voll" dennoch ebenso als Adjektiv zu lesen.

Blickdicht ist ein herrlich vielseitiger Begriff, der zu Unrecht im Strumpfhosenregal vorsich hindümpelt. Hier steht er für: sichtweit nah (dicht) an etwas dran sein, (auch wenn er die konträre Bedeutung auf der Schlagseite trägt).

Grüße von Elke
__________________
Wer Spuren sucht, wird Wege finden.

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serge gurkski
???
Registriert: Jun 2011

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Dass dies ein feines Gedicht ist, weiß die Welt inzwischen auch diesseits des Mittelmeers, nachdem aber der Inhalt bislang nicht gewürdigt wurde, will ich es tun. ;-)

quote:
weiß der Atlas
weiß der Dra

Marokko also

quote:
wie lange sie mich anstarrte
die schwarze Schlange Straße
eh sie mich schluckte
verschleppte und dann doch ausspie
bei den Schößen der Wüste
steckte sie den Kopf in den Sand
und fand ein jähes Ende

Das ist sehr schön formuliert und die Kunstfertigkeit der Scharnierzeile der Wüstenschöße eine, die selten geworden ist.
Die Poetin fährt also am Atlasgebirge entlang, womöglich auf den verwehten Spuren eremitierender französischer Berbermissionare, und nicht im Mond - sondern im sonnenerhitzten Kopf verwischen Auge und Objekt:die Schlangenstraße demarkiert den Absprungspunkt.


quote:
gelb voll stolz
schien der Mond ein lichtes Lied
geschrieben in den Tintenhimmel

kann sein ich
habe es gesummt
wieder Mensch und mehr
als Haufen Teile meiner selbst

Noctürne, lunatische Aussöhnung eines reparaturbedürftigen Ichs. Absichtlich fantastisch und gebrochen formuliert.

quote:
denn ich war blickdicht
bei den Sandteufeln

"blickdicht" hast Du selbst erklärt,
und Schleier - Sand - Wind klingt hier natürlich auch noch mit,


quote:
kann sein sie
zeigten mir den
vielleicht heißesten aller Tänze

Das irritierende "vielleicht" verweist für mich am Ehesten aufs Ende, das ich nicht kommentiere(n will).

quote:
am Ende der Straße
sind die Biester
immer deine Freunde

__________________
Parmi les rousseaux
Cueillir l'oiseau du paradis
(Gerry Boulet)

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