Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5284
Themen:   87739
Momentan online:
130 Gäste und 2 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Erz├Ąhlungen
Mit den Augen eines Sohnes
Eingestellt am 09. 02. 2005 13:57


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
Axel B
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Jan 2005

Werke: 23
Kommentare: 55
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Axel B eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Mit den Augen eines Sohnes


Der Vater wurde 65 und sah zufrieden aus im Kreis seiner Familie und Freunde. Niemand war ausdr├╝cklich eingeladen worden, trotzdem waren fast alle gekommen. Sogar die Gro├čmutter mit ihren weit ├╝ber 90 Jahren hatte ihr Schneckenhaus verlassen. Die, die fehlten, hatten sich mit ehrlichem Bedauern entschuldigt. Der Sohn war auch da und betrachtete seinen Vater nachdenklich:

------------------------------------------

Als Sohn eines Kohlenh├Ąndlers wurde der Vater in einer gro├čen Stadt in Th├╝ringen geboren in einer Zeit, als es nicht viel Kohle zu handeln gab. Dessen Vater war im Krieg und wurde von der Familie schmerzlich vermisst. Auch sp├Ąter, nach dessen R├╝ckkehr, machte der Kohlenhandel die Familie nicht reich, aber es reichte zum Leben.

Als der Vater in die Schule kam, blieb ihm, dem Kapitalistenkind, der Zugang zur H├Âheren Schule und zum Studium trotz Eignung und Interesse verwehrt. So hatte er nur die Alternative einer Lehre. Die gew├Ąhlte kaufm├Ąnnische Ausbildung schloss er mit 17 Jahren ab. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Vater viele Freunde und war sportlich aktiv. Wenn er seine Situation und die seiner Familie betrachtete, war er nicht unzufrieden. Trotzdem beschlossen sie, vor Grenzschlie├čung und Mauerbau, ins Rheinland zu Verwandten und Freunden zu fliehen. Von dem wenigen, was die Familie besa├č, wurde Manches in ein Auto gepackt und Vieles zur├╝ckgelassen.

Im Rheinland angekommen arbeitete der Gro├čvater als Busfahrer und der Vater selbst trat als kaufm├Ąnnischer Angestellter in einen Betrieb ein, dessen eigentliches Gesch├Ąft er nicht erlernt hatte. Mit Mitte zwanzig wurde er der j├╝ngste Mitarbeiter, der bis dahin eine leitende Funktion ├╝bertragen bekommen hatte. Durch Talent und harte Arbeit nahm er auf seine pers├Ânliche Art und Weise am sp├Ąten Wirtschaftswunder teil, kaufte sogar eine Wohnung f├╝r sich und seine eigene Familie. Neue Freunde fand er schnell in unterschiedlichen Vereinen und in verschiedenen Ehren├Ąmtern. Seine Ehrlichkeit, sein Witz und sein offenes Wesen wurden von den Menschen um ihn herum gesch├Ątzt.

Mit 24 Jahren heiratete er und mit 26 wurde er Vater. Gut drei Jahre nach seinem Sohn kam seine Tochter auf die Welt. Sein Sohn zeigte sich fr├╝h sportlich interessiert und der Vater begleitete ihn gerne zum Training und zu Wettk├Ąmpfen an den Wochenenden. Beide genossen diese gemeinsame Zeit.

Als seine Tochter geboren wurde, trat er einem neuen Verein bei, der fortan sein Leben pr├Ągen sollte. Jedes Wochenende war belegt durch vereinsgebundene Aktivit├Ąten: Gemeinsamer Sport, Pflege der Sport- und Vereinsanlagen, Feste, Planungen, sp├Ąter auch Vorstands- und Verbandsarbeit. Die anderen Vereine und die damit verbundenen Freundschaften traten in den Hintergrund und schliefen schlie├člich ein. Aber das war dem Vater nicht unangenehm, denn er hatte in dem neuen Verein gute Freunde gefunden, wurde gesch├Ątzt und anerkannt. Allein die Sporttermine mit seinem Sohn fanden nach wie vor Platz in seinem Terminkalender. Oft litt seine Ehe ein wenig unter seinem Engagement, aber letztendlich f├╝hlte sich auch seine Frau, ja seine ganze Familie in dem neuen Verein wohl. Der Vater war zufrieden.

Nach weit mehr als 20 Jahren - sein Sohn nahm schon lange nicht mehr aktiv am Vereinsleben teil und war weggezogen - wollte der Vater seinen Einsatz etwas reduzieren und mehr Zeit alleine mit seiner Frau verbringen. Er hatte noch ein Ziel, das er f├╝r den Verein erreichen wollte und w├Ąre danach zufrieden abgetreten. In dem Verein waren aber neue Mitglieder, die ihn nicht so gut kannten, und f├╝r die alte Verdienste nicht z├Ąhlten. Sie hatten ambitionierte Ziele, wollten finanzielle Risiken eingehen und begannen ihre unsauberen Machtspiele. Er war der dr├Ąngenden neuen Garde im Weg. Durch Halb- und Unwahrheiten versuchte die Bande ihn zu diskreditieren. Er war in diesem Spiel nicht gut und verlor. Bald hatten sich seine vermeintlichen Freunde von ihm abgewandt.

Der Sohn betrachtete all dies aus der Ferne, still, rasend in hilflosem Zorn.

Nach ├╝ber 20 Jahren wurde der Vater wie ein Hund aus dem Verein gejagt. Nun sa├č er zu Hause, entt├Ąuscht, verletzt und ohne Freunde. Er wurde nach kurzer Zeit pensioniert und bekam starke gesundheitliche Probleme. Nach einigen schweren Operationen und verschiedenen leichteren Behandlungen ging es ihm besser. Neue Freundschaften wurden geschlossen. Teilweise waren die neuen Freunde ebenfalls aus dem Verein verjagt worden, teilweise wurden alte Freundschaften aus einer fr├╝heren Zeit durch einen Zufall erneuert.

------------------------------------------

Der Vater wurde 65 und sah zufrieden aus im Kreis seiner Freunde. Der Sohn war auch da. Er sah den Vater an. Er bewunderte ihn und liebte ihn jeden Tag mehr. Er wusste jedoch nicht, wie er es ihm sagen sollte.



Axel Baumgart, 17.02.2005




_/_/_/_/_/_/_/_/_/_/_/_/_/_/_/_/_/_/_/_/_/_/_/_/_/_/_/_/_/

Urspr├╝ngliche Version:

Der Sohn

Der alte Mann war immer zufrieden gewesen. Er war zufrieden gewesen, als er die ersten 17 Jahre - davon die ersten Jahre ohne seinen Vater, der im Krieg war - seines Lebens in einer gro├čen Stadt in Th├╝ringen als Sohn eines Kohlenh├Ąndlers aufwuchs. Er war zufrieden gewesen, als er vor dem Mauerbau von Th├╝ringen ins Rheinland fl├╝chtete. Er hatte eine nette Frau gefunden und war trotz des schwierigen Verh├Ąltnisses zu seinem Schwiegervater zufrieden gewesen. Weder er noch seine Frau hatten Geschwister, trotzdem war er kein verw├Âhntes Einzelkind. Im Gegenteil: Er war ein Virtuose auf dem Instrument des Ausgleichs. Ohne gro├če M├╝he konnte er Unstimmigkeiten jeglicher Art zwischen den Menschen schlichten. Seine Ehrlichkeit und sein offenes Wesen wurden von allen Menschen um ihn herum sehr gesch├Ątzt.

Seine Frau und er hatten viele Freunde. Er war sportlich, in vielen Vereinen. Dar├╝ber hinaus begleitete er seinen Sohn regelm├Ą├čig zu dessen sportlichen Terminen. Beide liebten diese gemeinsamen Unternehmungen. Viel zu fr├╝h aber war der Sohn weggezogen.

Als die Tochter des alten Mannes geboren wurde, trat er einem neuen Verein bei, der fortan sein Leben bestimmen sollte. Jedes Wochenende war belegt durch vereinsgebundene Aktivit├Ąten: gemeinsamer Sport, Pflege der Sport- und Vereinsanlagen, Feste, Planungen, sp├Ąter auch Vorstands- und Verbandsarbeit. Die anderen Vereine und die damit verbundenen Freundschaften traten in den Hintergrund und schliefen schlie├člich ganz ein. Aber das war dem alten Mann nicht unangenehm, denn er hatte in dem neuen Verein sehr viele neue und gute Freunde gefunden, wurde gesch├Ątzt und anerkannt. Oft litt seine Ehe ein wenig unter seinem Engagement, aber letztendlich f├╝hlte sich auch seine Frau, ja seine ganze Familie in dem neuen Verein sehr wohl. Der alte Mann war zufrieden.

Nach weit mehr als 20 Jahren - sein Sohn nahm schon lange nicht mehr aktiv am Vereinsleben teil - wollte der alte Mann seinen Einsatz etwas reduzieren und mehr Zeit alleine mit seiner Frau verbringen. Aber in dem Verein waren neue Mitglieder, die den alten Mann nicht so gut kannten, und f├╝r die alte Verdienste nicht z├Ąhlten. Sie hatten ambitionierte Ziele, wollten finanzielle Risiken eingehen und begannen ihre unsauberen Machtspiele. Der alte Mann hatte noch ein Ziel, was er f├╝r den Verein erreichen wollte und w├Ąre danach still abgetreten und w├Ąre zufrieden gewesen. Aber er war der dr├Ąngenden neuen Garde im Weg. Durch Halb- und Unwahrheiten versuchte die neue Garde den alten Mann zu diskreditieren. Der alte Mann - aufrecht, ehrlich und direkt - war in diesem Spiel nicht gut und verlor. Bald hatten sich alle Freunde von ihm abgewendet. Sein Sohn war still rasend vor mittellosem Zorn.

Nach ├╝ber 20 Jahren wurde er wie ein Hund davon gejagt. Nun sa├č er zuhause, entt├Ąuscht, verletzt und ohne Freunde. Er wurde bald pensioniert und bekam starke gesundheitliche Probleme. Nach einigen schweren Operationen und verschiedenen anderen leichteren Behandlungen waren die gesundheitlichen Probleme bald verringert. Auch kamen einige neue Freunde hinzu. Teilweise waren diese ebenfalls aus dem Verein verjagt worden, teilweise wurden sehr alte Freundschaften aus der fr├╝heren Zeit durch einen Zufall erneuert.

Der alte Mann wurde 65 und sah zufrieden aus im kleinen Kreis seiner neuen Freunde. Der Sohn sah ihn an. Er liebte den alten Mann jeden Tag mehr. Aber er wusste nicht, wie er es ihm sagen sollte.


__________________
Alle Kindergeschichten von mir kostenlos: www.axel-baumgart.de

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Stern
H├Ąufig gelesener Autor
Registriert: Jul 2002

Werke: 21
Kommentare: 207
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Stern eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Lieber Axel,

es gelingt mir nicht, durch deinen Text einen Zugang zu diesem alten Mann zu finden. Du berichtest ├╝ber ihn, l├Ą├čt ihn mich aber nicht sp├╝ren. Mir fehlen lebendige Szenen und Dialoge. Um deine Worte f├╝r wahr zu nehmen, brauche ich pers├Ânlich mehr als nur zB die Feststellung, dass er "aufrecht, ehrlich und direkt" ist. Das sind wohl Eigenschaften, vor denen ich den Hut ziehe, aber allein dadurch, dass da steht, dass dieser alte Mann so ist, kann ich es noch lange nicht empfinden. Es wird so nicht lebendig vor meinem inneren Auge.

Stellen wie diese finde ich schwierig:

...und hatte viele Freunde gehabt. Auch ohne dass er oder seine Frau Geschwister gehabt h├Ątten.

Ja, ich kann mir den Zusammenhang schon zusammenreimen, aber sehr offensichtlich ist er nicht. Meinst du, dass Menschen ohne Geschwister oft mehr f├╝r Kontakte tun m├╝ssen, weil es diese gewachsenen Kontakte nicht gibt?

Es gibt immer wieder Spr├╝nge im Text, wo (mir) der Zusammenhang nicht klar ist, wo ich verwirrt denke: Wer? Wieso? Wann?

Dem Titel wirst du nicht ganz gerecht, weil der Sohn kaum vorkommt, die "Vereinsmeierei" im Vordergrund steht. Mir wird nicht klar: hat der Vater sich gut um den Sohn gek├╝mmert(Er begleitete seinen Sohn regelm├Ąssig zu dessen sportlichen Terminen. - ...letztendlich f├╝hlt sich auch seine Frau, ja seine ganze Familie in dem neuen Verein sehr wohl.) oder war er vielleicht doch ein wenig zu sehr ausserhalb der Familie besch├Ąftigt, um eine lebendige Beziehung zu seinem Sohn aufzubauen? Warum findet der Sohn keine Worte f├╝r seine Gef├╝hle, obwohl er doch gern mehr tun w├╝rde, als ihn "nur" liebevoll anzusehen? - oder nicht?

Ich weiss einfach nicht recht, worum es hier geht: um den Vater(von ihm wird am meisten berichtet), den Sohn(er steht im Titel) oder die Beziehung zwischen den beiden(dar├╝ber wird kaum erz├Ąhlt).

Meine Phantasie ist eine wesentlich l├Ąngere Erz├Ąhlung, evtl. aus der Perspektive des Sohnes, jedenfalls mit konkreten Szenen, die lebendige Schlaglichter auf dieses Leben oder/und diese Beziehung werfen. Ob das in deinem Sinne sein k├Ânnte, wei├č ich nicht.

Liebe Gr├╝├če,

Stern*

Bearbeiten/Löschen    


Axel B
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Jan 2005

Werke: 23
Kommentare: 55
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Axel B eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Liebe Stern,

die Erz├Ąhlung ist die Reflektion eines Gef├╝hls, dass der Sohn seinem Vater gegen├╝ber hat. Im Vordergrund dieses Gef├╝hls stehen Stolz auf seinen Vater, mit-leiden angesichts der Ungerechtigkeit und die Hoffnung auf eine vers├Âhnliche Gegenwart.

Das einzelne Passagen mehr Schlaglicht als grosser Zusammenhang sind, ist durchaus beabsichtigt. Ich hatte gehofft, dass die Intention der Wiedergabe eines Gef├╝hl des Sohnes durch den Titel und die letzten S├Ątze deutlich geworden seien.

Vielleicht muss ich die Beurteilung des Sohnes hinsichtlich des Geschehnisse im Verein deutlicher herausstellen. Die Vater-Sohn Beziehung w├╝rde dadurch und durch die letzten S├Ątze bestimmt deutlicher.

Danke auf jeden Fall f├╝r Deine kritischen Worte.

Axel
__________________
Alle Kindergeschichten von mir kostenlos: www.axel-baumgart.de

Bearbeiten/Löschen    


Axel B
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Jan 2005

Werke: 23
Kommentare: 55
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Axel B eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Ich habe jetzt einige wenige Ver├Ąnderungen vorgenommen. Ich hoffe, meine Intention wird etwas deutlicher jetzt.

Axel
__________________
Alle Kindergeschichten von mir kostenlos: www.axel-baumgart.de

Bearbeiten/Löschen    


Stern
H├Ąufig gelesener Autor
Registriert: Jul 2002

Werke: 21
Kommentare: 207
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Stern eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Lieber Axel,

ja, die Intention ist so klarer. Aber es geht doch nicht nur um die Klarheit der Intention. Dass hier ein liebevoller Sohn dahintersteht, war zu ahnen, jetzt ist es deutlich. Worum es mir aber auch geht, ist die literarische Darstellung. Ich meine: wen willst du erreichen? Soll das eine Erz├Ąhlung sein, die den Leser anspricht und mitnimmt, ihm diese Menschen plastisch vor Augen stellt?

Vielleicht ist es sinnvoll, auf andere Kommentare zu warten, denn dies ist ja "nur" meine Meinung. Mir pers├Ânlich ist es zu trocken, auch wenn der Inhalt durchaus ansprechend ist.

Liebe Gr├╝├če,

Stern *

Bearbeiten/Löschen    


Axel B
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Jan 2005

Werke: 23
Kommentare: 55
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Axel B eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Liebe Stern,

ich habe meinen Text noch einmal ├╝berarbeitet, weil ich einsehe, das ein Text hier nicht nur f├╝r den Sohn und den alten Mann stehen darf.

Ich hoffe, ich konnte Dir den Alten Mann etwas n├Ąher bringen, bin mir jetzt aber nicht mehr sicher, ob der Titel jetzt tats├Ąchlich noch passt.

Die "Vereinsmeierei" habe ich mir auch noch einmal durch den Kopf gehen lassen, aber trotz des ├ťbergewichtes dieses Teiles m├Âchte ich es so lassen, weil dieser Abschnitt den alten Mann auch in der Realit├Ąt fast zerbrochen h├Ątte.

Nochmals Danke f├╝r Deine kritische Auseinandersetzung mit meinen Gedanken.

Axel
__________________
Alle Kindergeschichten von mir kostenlos: www.axel-baumgart.de

Bearbeiten/Löschen    


Zur├╝ck zu:  Erz├Ąhlungen Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.



Leselupe-Bücher





Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!