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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Montagszahnarzt
Eingestellt am 29. 03. 2012 20:15


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DocSchneider
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Montage sind furchtbar. Ich hasse Montage. Ich werde heute den ganzen Montag in der Praxis zubringen. Das Telefon klingelt, klingelt und klingelt. Hinz und Kunz hatte am Freitag, Samstag und Sonntag Beschwerden. Hinz und Kunz haben immer am Wochenende Beschwerden. Manche Patienten gehen sowieso nur immer zum Notarzt, weil sie dann auf jeden Fall schnell drankommen und erscheinen dann widerwillig zur Weiterbehandlung am Montag.

Ich erkl├Ąre Hinz und Kunz, dass sie gerne kommen k├Ânnen, aber warten m├╝ssen. Behandelt werden m├╝ssen sie. Hippokratischer Eid und so. Der Chef h├Ąlt sich streng an diesen. Er ist nett, der Chef. Dabei hat er noch nicht mal einen Doktortitel, trotzdem redet ihn jeder mit Doktor an. Er weist immer darauf hin, dass er keinen hat. Es n├╝tzt nie etwas. Au├čerdem rackert er sich ab. Er kl├Ąrt alle Patienten ├╝ber die richtige Zahnpflege auf. Ich ├Ąrgere ihn immer damit, dass er gar keine Patienten mehr hat, wenn er so weitermacht. Da hat er aber keine Sorge. Die Menschen pflegen nach wie vor ihre Autos besser als ihre Z├Ąhne.

Erste Patientin Frau G. Ich bereite sie vor. Sie erscheint regelm├Ą├čig, um ihren ├╝berm├Ą├čigen Zahnstein entfernen zu lassen. Nein, sie erscheint, um mit dem Doktor ohne Doktor zu flirten. Aus den Augenwinkeln sehe ich, dass sie den Zipper ihrer Bluse ein St├╝ckchen weiter herunterzieht. Na warte. Ich suche ein besonders gro├čes St├╝ck Papier heraus und binde es ihr mit Hilfe der Klammer um. Nun ist ihr Ausschnitt verdeckt. Au├čerdem frage ich sie nach ihrem Geburtsdatum, obwohl ich es klar auf dem Bildschirm sehe. Sie soll nicht vergessen, dass sie 10 Jahre ├Ąlter als der Chef ist.

Danach sitzt Herr P. im Behandlungsstuhl. Bitte nicht Herr P. am Montag. Doch, er ist Freiberufler und kann auch am Montagmorgen. Wie immer versucht er, mich anzubaggern. "Na, was machen Sie denn so in Ihrer Freizeit?", fragt er und l├Ąsst die Kronen blitzen. "Ich? Z├Ąhne ziehen", erwidere ich, binde ihm den Schlabberlatz um und ├╝bersehe geflissentlich sein enges T-Shirt. "Ach, Sie haben aber einen Clown gefr├╝hst├╝ckt, oder? Bin immer froh, wenn Sie hier Dienst haben!", s├Ąuselt er weiter. Ha, mich kann er nicht beeindrucken. Ich wei├č, welch ├╝bert├╝nchte Ruine er im Mund hat. Ich ja! Trotzdem ist es mir unangenehm, ihm sp├Ąter w├Ąhrend der Behandlung so nah zu sein. Sein Rasierwasser ist so aufdringlich wie er.

Anschlie├čend Herr R. Er ist lieb und macht nichts daher, aber er hat gestern Zwiebeln und Knoblauch gegessen. Ich m├Âchte eine Gefahrenzulage. Sofort. Der Chef verzieht keine Miene, zieht nur demonstrativ den Mundschutz etwas mehr ├╝ber die Nase. Ich tue es ihm gleich.

Dann die Kr├Ânung: Herr W. Herr W. ist ein Spezialfall. Er kommt nur, wenn er etwas hat. Nach Abklingen der Schmerzen erscheint er nicht mehr zur Folgebehandlung. Also treten irgendwann wieder Beschwerden auf und er sitzt erneut im Stuhl. Der Chef mustert ihn. "Haben Sie Beschwerden?", erkundigt er sich. "Nein!", erkl├Ąrt Herr W. strahlend, "heute nicht. Heute komme ich, um endlich weiterzumachen mit dem, was Sie mir geraten haben." Der Chef sagt kalt: "Ich behandle Sie nicht mehr. Ich muss Sie fragen, ob Sie Schmerzen haben, aber alles andere muss ich nicht mehr machen. Suchen Sie sich einen anderen Arzt!" Herr W. bleibt die Spucke weg. Na endlich. Er geht kleinlaut.

Dann kommt Herr F. Ich mag ihn. Ein r├╝stiger, freundlicher Senior. Wir scherzen, bis der Chef kommt. "Ist doch alles in Ordnung bei Ihnen", sagt er. "Das neue Gebiss sitzt hervorragend und Druckstellen haben Sie doch nicht?", erkundigt er sich. "Nein", entgegnet Herr F., "aber bitte, bitte, sagen Sie niemals meiner Frau, dass meine Z├Ąhne nicht mehr echt sind. Sie wei├č das nicht!" Der Chef unterdr├╝ckt ein Lachen. "Sie schaffen es, Ihre Dritten zu verbergen? Alle Achtung! Ich verrate Sie schon nicht!", beruhigt er ihn. Herr F. ist erleichtert. Welche Probleme manche Leute haben.

Am Nachmittag erscheint Frau S. mit Tochter, 12 Jahre alt. Tochter hat eine Routinekontrolle. Der Chef stellt Karies fest. "Karies? Sie putzt nach jedem Essen ihre Z├Ąhne!", ruft Frau S. entr├╝stet. "DAS kann nicht sein", entgegnet der Chef. Tochter nickt. "Ich habe nicht immer geputzt", bekennt sie. Die Mutter versteht keinen Spa├č. "Sie bohren ohne Spritze", befiehlt sie dem Chef. "Meine Tochter soll sp├╝ren, dass es besser ist, immer zu putzen. " Der Chef hat keine Chance. Elternwille geht vor. Er macht alles so behutsam und schnell wie es geht. Das Kind leidet. Ich werde die Mutter mit dem Bohrer foltern, wenn ich sie alleine erwische. Oder ich bringe sie gleich um.

Dann ruft Frau M. an und will ihren Mann abholen. Das Problem: Herr M. war heute gar nicht da. Ich versuche eine diplomatische Antwort: "Vielleicht ist das ein Missverst├Ąndnis?" Frau M. ist nicht begeistert. Ach, sollen die doch machen, was sie wollen. Ich habe die Nase voll von Patienten. Endlich habe auch ich Feierabend. Zu Hause lasse ich mich ersch├Âpft auf das Sofa fallen. Ich schalte den Fernseher ein. Es erscheint Dr. Best.

Er bleibt einem aber auch nichts erspart.



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