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Leselupe.de > Erz├Ąhlungen
Mozart in Perg
Eingestellt am 07. 03. 2006 12:28


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huwawa
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Dieser Text hat einen starken Lokalbezug. Vielleicht mag sich trotzdem der eine oder andere Lupianer dazu ├Ąussern. Ein paar kurze Erl├Ąuterungen halte ich aber dennoch f├╝r notwendig:

Perg: Ein Bezirksst├Ądtchen im n├Ârdlichen Ober├Âsterreich
Meister Pilz (B├╝tz): Der dortige Kulturdoy├Ęn. Mehr als 30 Jahre waren lange Haare und Rauschebart sein Markenzeichen. Seit Herbst vorigen Jahres v├Âllig ├╝berraschend kurz geschoren.




Mozart in Perg
Ein Besuch mit Folgen

Eines Tages trat Mozart vor Gott hin und sprach: ÔÇ× Liebster Herr VaterÔÇť, denn diese Anrede war er noch von Lebzeiten her gewohnt. ÔÇ×Liebster Herr VaterÔÇť also, sprach er: ÔÇ×Nun bin ich schon bald zweihundert und f├╝nfzehn Jahre hier heroben. N├Ąchstes Jahr feiert die Welt meinen zweihundertf├╝nfzigsten Geburtstag. Lasst mich doch einmal noch die Erde besuchen, nur ein paar Tage. Ihr wisst ja, wie kurz mein irdisches Leben gewesen ist, daher hoffe ich, dass ihr meine Bitte nicht zu anma├čend findet und ihr entsprecht.ÔÇť Der Sch├Âpfer wiegte bed├Ąchtig den Kopf. Immer wieder wurden derartige W├╝nsche an ihn herangetragen, doch ganz selten nur gab er sein Einverst├Ąndnis. Solche Besuche aus dem Jenseits konnten auf der Erde betr├Ąchtliche Verwirrung stiften. Diesen Wolfgang Amadeus jedoch mochte er. Keiner spielte die Harfe so gut und seit er dem ehemaligen Wunderkind die Leitung des himmlischen Symphonieorchesters ├╝bertragen hatte, war dessen Qualit├Ąt betr├Ąchtlich gestiegen.

ÔÇ×Also gutÔÇť, sprach er, ÔÇ×einen Tag sollst du auf der Erde verweilen d├╝rfen, nicht l├Ąnger. Folge mir!ÔÇť Der Allm├Ąchtige trat durch eine T├╝r, auf der in gro├čen Lettern ÔÇ×TechnikÔÇť und: ÔÇ×Unbefugten ist der Zutritt strengstens verboten!ÔÇť stand. Staunend sah sich Mozart in dem Raum um. ├ťberall leuchteten und blinkten Lichter und die durchsichtige Decke gab den Blick in das Weltall frei. Als Gott einen Schalter dr├╝ckte, erschien auf der Wand eine riesige Landkarte, von Europa, wie Amadeus erkennen konnte. Der Herr dr├╝ckte ihm einen l├Ąnglichen, schwarzen Gegenstand mit mehreren Tasten in die Hand und erkl├Ąrte: ÔÇ×Mit der Mittleren kannst du dein Ziel ausw├Ąhlen, mit der Wippe darunter vergr├Â├čerst du die Ansicht, auf der Erde hei├čt das ├╝brigens <zoomen>. Wenn du die gr├╝ne Taste dr├╝ckst, bist du augenblicklich am ausgew├Ąhlten Ort, was <beamen> genannt wird. Mit der roten Taste kommst du schlie├člich wieder zur├╝ck, es ist ganz einfach. Du wirst auf der Erde unsichtbar sein, kannst aber das Denken und Handeln von Menschen beeinflussen, ohne dass es diesen bewusst wird. Gehe bitte sehr sorgsam mit dieser F├Ąhigkeit um, damit du kein Unheil anrichtest.ÔÇť

Mozart war beeindruckt und zugleich etwas verwirrt. Sollte er Salzburg, seine Heimatstadt, oder Wien, die Metropole wo er so gro├če Erfolge gefeiert hatte, w├Ąhlen? Unschl├╝ssig legte er den Finger auf die Taste, dr├╝ckte sie jedoch unversehens, als er sich gerade etwa in der Mitte zwischen den beiden St├Ądten befand. Er erschrak, aber die Eingabe war nicht mehr r├╝ckg├Ąngig zu machen. Wolfgang zoomte also tiefer in die Karte hinein. Der Name einer Stadt leuchtete auf: Perg! Er kannte sie nicht, vergr├Â├čerte noch mehr und pl├Âtzlich erschien: Mozartstra├če! Man hatte ihm, Wolfgang Amadeus Mozart, den Namen einer Stra├če gewidmet! Sicher ist es eine der gr├Â├čten und sch├Ânsten des Ortes, dachte der Genius und dr├╝ckte die gr├╝ne Taste.

Erstaunt blickte er sich um. Er befand sich offensichtlich in einer Vorstadtstra├če von Perg mit eingez├Ąunten kleinen G├Ąrten und Einfamilienh├Ąusern dahinter. Aus einer Seitenstra├če ert├Ânte Kinderl├Ąrm, was Mozart auf eine Schule schlie├čen lie├č. ├ťber die H├Ąuser sah er unweit einen Kirchturm ragen, in dessen Richtung er seine Schritte lenkte. Im Himmel hatte er schon von den Wagen geh├Ârt, die ganz von allein, ohne Pferde, fuhren. Dennoch war er ├╝berrascht, wie viele davon herumflitzten und an den Fahrbahnr├Ąndern standen. Vorsichtig ├╝berquerte er die n├Ąchste Stra├če und erblickte dann halbrechts ein gelb- rotes Geb├Ąude mit gro├čen Glasfl├Ąchen und Lebensmitteln dahinter. Es war offensichtlich ein Obst- und Gem├╝segesch├Ąft, eine B├Ąckerei, ein Bierdepot und eine Fleischhauerei in einem. Ein paar Schritte weiter ├Âffnete sich ein kleines Pl├Ątzchen, das von einem Geb├Ąude mit drei riesengro├čen Toren begrenzt wurde. Seitlich ragte ein kleines T├╝rmchen auf, das Wolfgangs Interesse weckte. Als er n├Ąher trat, vernahm er pl├Âtzlich, ja, er t├Ąuschte sich nicht - ein Klavier. Schnell trat er durch die geschlossene Glast├╝r ein, was ihm, als Geist gewisserma├čen, ohne weiteres m├Âglich war. Er lauschte, woher die T├Âne kamen und gewahrte in einer Ecke des Raumes einen ganz in schwarz gekleideten Mann, vielleicht gut sechzig Jahre alt, mit langen, wei├čen Haaren und einem ebensolchen Rauschebart. Die T├Âne, die der Spieler seinem Klavier im Schein einer Lampe entlockte, kamen Mozart sehr bekannt, ja, vertraut vor. Das war doch, ganz ohne Zweifel sein ÔÇ×T├╝rkischer MarschÔÇť! Sehr eigenwillig interpretiert zwar, in einem Stil, wie er ihn noch nie geh├Ârt hatte, aber dennoch unverkennbar! (Jazz war zu seinen Lebzeiten ja noch unbekannt). Der Mann war ein ganz leidlicher Spieler, stellte er fest, aber durfte er das, SEINE Komposition so ver├Ąndern? Einen kleinen Denkzettel, dachte er schelmisch, werde ich dem Alten verpassen!

Unsichtbar f├╝r das Auge und vom Geist nicht wahrgenommen, ├╝bernahm Mozart die Kontrolle ├╝ber das Spiel des Meisters. Kurz wunderte der sich noch, wie innig, ja entr├╝ckt er sich an diesem Tag seinen ├ťbungen hingzugeben vermochte, er verga├č alles um sich herum, war in einer anderen Welt. Amadeus hatte zuvor eine Schere auf einem Tisch liegen gesehen. Schnell entschlossen griff er nun nach ihr und schnitt, dabei vergn├╝gt einige Melodien aus ÔÇ×Le nozze di FigaroÔÇť summend, das wei├če Haar des Mannes bis auf etwa einen Viertel Zoll L├Ąnge ab, den langen Rauschebart ebenso. Zufrieden betrachtete er sein Werk. Der radikale Haarschnitt stand dem Alten gar nicht schlecht, er wirkte jetzt j├╝nger und irgendwie seri├Âser, fand er. Rasch sammelte Wolfgang Amadeus noch die wei├čen Haare vom Boden auf und steckte sie ein. Vielleicht konnte er sie noch brauchen.

So wie er hereingekommen war, verlie├č er das Geb├Ąude dann wieder. Er wandte sich nun nach links und erreichte nach wenigen Schritten die Hauptstra├če des St├Ądtchens. Dem Himmelsurlauber wurde fast schwindlig. In den gl├Ąnzenden Fassaden aus Metall und Glas spiegelte sich glei├čend das Sonnenlicht und die unheimlichen, fantastisch geformten Motorwagen rasten ohne Unterbrechung hin und her. Er dr├╝ckte sich in eine Tornische und beobachtete eine Weile das hektische Geschehen. Nein, das war nicht mehr die Welt, wie er sie gekannt hatte, hier wollte er keine Minute l├Ąnger bleiben. Mit bebenden Fingern holte er das schwarze K├Ąstchen aus seiner Westentasche und dr├╝ckte die rote Taste.

Als Meister B├╝tz an diesem Abend nach Hause kam, war er der festen ├ťberzeugung, beim Fris├Âr gewesen zu sein und dass die drastische K├╝rzung der Kopfbehaarung seinem freien Willen und Entschlu├č entsprang. Er wirke nun j├╝nger und irgendwie seri├Âser, fand er. Wolfgang Amadeus Mozart erfreut sich im Jenseits an einer pr├Ąchtigen neuen, wei├č gelockten Echthaarper├╝cke.




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HFleiss
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Mozart in Perg

Erst dachte ich, es handle sich um einen Tippfehler und m├╝sste richtig Prag hei├čen. Aber nein, noch einmal hingesehen, dein Mozart hat sich tats├Ąchlich nach Perg verirrt, wei├č der Teufel, wo das in ├ľsterreich liegt und wieviel Leute dort wohnen. Die Idee ist ganz nett: Mozart sieht auf der Erde nach, was mit seiner Musik inzwischen passiert ist. Und dass der l├Âbliche derzeitige H├Ąuptling dabei auch noch eins abbekommt, nicht ├╝bel. Trotzdem, verarge mir das bitte nicht, ich h├Ątt mir die Episode eine Spur charmanter, witziger gew├╝nscht. Dir als ├ľsterreicher kann doch eine kleine Charmeoffensive nicht schwerfallen, oder?
Die Pointe ist vielleicht tats├Ąchlich nur lokal verst├Ąndlich,
zumindest kam sie nicht ├╝berraschend, zumal du im Vortext angek├╝ndigt hattest, dass der Herr jetzt seine langen Loden los ist. Ich bring auch nicht richtig zusammen, was das mit Mozart letztendlich zu tun hat. Die Marcha alla turca? Der Wei├čhaarige h├Ątte genausogut Chopin spielen k├Ânnen, nicht wahr?

Lieben Gru├č
Hanna

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huwawa
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Hallo Hanna

Danke f├╝r deinen Kommentar

Die Handlung hat f├╝r die LL-Leser sicher zu starken lokalen Einschlag. Ich kann den Text auch nur in Perg verwenden, dort wei├č jeder, worum es geht und dort findet man ihn sicher lustig. Mehr Pepp oder meinetwegen "Aktschn" w├╝rde er aber gerade deshalb, denke ich, nicht vertragen. dass der Herr seine langen Haare los ist, musste ich hier zum besseren Verst├Ąndnis der Geschichte wohl vorausschicken, in Perg brauche ich das nat├╝rlich nicht
Es ist nat├╝rlich ein Text zum Mozartjahr, deshalb nicht Chopin oder Haydn oder Liszt...

liebe Gr├╝├če
huwawa


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HFleiss
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Mozart in Perg

Nee, nicht Pepp oder Aktschen - mehr Charme, Leichtigkeit.

Gru├č
Hanna

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huwawa
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Tja, ich f├╝rchte, daran fehlts bei mir halt ein bisschen.
Vielleicht kommts noch.

Danke Hanna
huwawa
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HFleiss
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Mozart in Perg

Hm, aber wann?

Gru├č
Hanna

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