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Leselupe.de > Erzählungen
Muttertag
Eingestellt am 13. 05. 2007 07:22


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Haremsdame
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Wie ich adoptiert wurde

Genug gelitten. Genug graue Haare bekommen. Genug Tränen vergossen. So dachte ich noch vor ein paar Tagen. Doch dann kam die Muttertagsfeier...

„Nicht vergessen: heute um vier in der Schule!“ ermahnte uns Patrizia morgens beim Verlassen des Hauses. Den Ärger über den vollen Kleiderschrank, in dem angeblich nichts zum Anziehen zu finden war, ließ sie dabei ebenso zu Hause, wie die Briefe, die sie in den Briefkasten werfen sollte...

Ich liebe solche Schulfeiern nicht. In den Jahren, da meine eigenen Kinder klein waren, überstand ich davon schon mehr als mir lieb war. Doch Patrizias Mühe, mit der sie ihr Flötenstück einstudiert hatte, mussten wir selbstverständlich durch unsere Anwesenheit honorieren.

In der tschechischen Schule dient eine mit Kinderstühlen bestückte Turnhalle als Aula. Das unterscheidet sich in nichts von meinem früheren Leben in Bayern. Trotz der vertrauten Umgebung fühlte ich mich zusammen mit meinem Lebensgefährten zwischen all den jungen Müttern und kleinen Kindern als Außenseiterin. Immerhin ist Georg schon Großvater und ich mache ihm mit meinen Falten deutlich Konkurrenz. Unser beider Gesichtszüge sind vom Leben mit Patrizias an Alzheimer erkrankten Mutter gezeichnet. Neben andersgearteten Themen erschwert auch die fremde Sprache unsere Integration.

***


Als ich Patrizia kennen lernte, war sie vier. Zum ersten Beschnuppern trafen wir uns in einem Freizeitpark. Ihr Vater und ich kannten uns aus dem Internet, wo wir regelmäßig in einer Selbsthilfegruppe für Angehörige von Alzheimerkranken verkehrten. Er schrieb von der Absicht, zusammen mit seiner Frau, die zwei Jahre zuvor die Diagnose Alzheimer bekommen hatte, zur Kur zu fahren. Dort wollte er lernen, mit der verwirrenden Krankheit umzugehen. Die spätgeborene Tochter dürfe er dorthin jedoch nicht mitbringen. Deshalb bot ich ihm an, sie für die Zeit der Kur in meiner Familie aufzunehmen. Der Besuch im Freizeitpark sollte zeigen, ob sie mich akzeptieren würde.

Schon nach einer halben Stunde schob sich eine kleine Hand vertrauensvoll in die meine. Benjamin, mein jüngster Sohn, war solchen Gesten schon lange entwachsen, deshalb genoss ich diese kindliche Annäherung. Patrizia zog mich begeistert mal in diese, dann in jene Richtung. Wir begegneten zwar keinem Lassowerfer, dafür aber einem nicht wesentlich jüngeren Feuerschlucker im glänzenden orientalischen Gewand. Als er eine Schlange zum Streicheln brachte, flüchtete die kleine Maus in Papas sichere Arme. Der hatte schon lange die Schutzfunktion übernommen, die seine Frau nicht mehr ausfüllen konnte.

***


Drei Wochen Sommerferien genügten Patrizia, um das Leben von acht Menschen grundlegend zu verändern. Sie gab mir wieder das Gefühl, nicht nur beruflich gebraucht zu werden, sondern auch menschlich. Meine Kinder gingen schon weitgehend ihre eigenen Wege. Maximilian absolvierte seinen zivilen Ersatzdienst in einem Behindertenheim, Viktoria arbeitete voller Begeisterung an ihrer Zukunft als Hotelfachfrau und Benjamin wollte nach den Sommerferien auf ein Internat wechseln. Mein Mann hatte seine Arbeit und seine Hobbys und erinnerte sich nur selten daran, dass sich irgendwo zwischen den Möbeln auch noch eine Frau befand.

Seit es mir gelungen war, mein Hobby, das Schreiben, zum Beruf zu machen, war ich nicht unzufrieden. Ganz im Gegenteil, ich genoss mein Leben als freie Lokaljournalistin. So kam ich wenigstens regelmäßig unter mehr oder weniger interessante Zeitgenossen.

Als Patrizia bei uns war, lehnte ich alle angebotenen Termine ab. Ich wollte ein letztes Mal ‚Ferien’ genießen und all die Plätze aufsuchen, an denen ich mit meinem Nachwuchs glücklich gewesen war. Damit Patrizias Kontakt zu ihren Eltern nicht zu lange unterbrochen war, fuhren wir regelmäßig zu ihnen.

Bei einem dieser Besuche in der Kurklinik gelang es Georg, mir direkt ins Herz zu sehen. Mir wurde heiß und kalt und ich wusste nicht, wohin ich hätte fliehen können. Seine Augen verfolgten mich bis in den Traum. Um mich abzulenken, dachte ich an seinen äußerst liebevollen Umgang mit seiner - durch die Krankheit verunsicherten - Frau. Ich bewunderte ihn für seinen Langmut, für seine hingebungsvolle Aufmerksamkeit. Da ich selbst drei Jahre lang meine alzheimerkranke Schwiegermutter zu Hause betreut hatte, wusste ich, wie viel Kraft dieses für-den-anderen-da-sein kostete.

Plötzlich wünschte ich mir das Ende von Patrizias Aufenthalt bei uns herbei. Ich spürte eine versteckte Gefahr, ahnte aber noch nicht, worin die bestand. Damals glaubte ich ernsthaft, dass mein Leben von diesem emotionalen Aufruhr weitgehend unbeeinflusst weiter gehen könnte.

***


Patrizia und ich blieben in telefonischem Kontakt. Georg verwöhnte mich übers Internet mit lieben Worten. Er war hartnäckig und ich ausgehungert. Innerhalb weniger Wochen erschütterte ein inneres Erdbeben mein bisheriges Dasein. Die schon lange nicht mehr gepflegten Wände meines verborgenen Schutzraumes fielen in sich zusammen. Verzweifelt versuchten wir die entstandenen Scherben zu sortieren.

Schließlich ließ ich mich auf ein Experiment ein. Ich bot Georg an, bis zu seinem - bereits geplanten - Umzug nach Tschechien bei ihm als Haushaltshilfe zu fungieren. Patrizia war von dieser Idee begeistert, ihre Mutter und mein Mann weniger. Es begann eine schwere, aber durch das intensive Erleben auch schöne Zeit.

Die Entfernung zu meinen Kindern machte mich oft traurig. Sie fehlten mir bei unglaublichen vielen Gelegenheiten, obwohl Patrizia mir nicht viel Zeit zum Nachdenken ließ. Georg brachte mir Achtung entgegen und schenkte mir die Zärtlichkeit, die seine Frau aus Krankheitsgründen nicht mehr zu schätzen wusste. Sie schwankte täglich zwischen Selbstüberschätzung, Eifersucht und bester Freundin hin und her.

Einmal fragte sie mich aus heiterem Himmel: „Liebst du Georg?“
Peinlich berührt fragte ich zurück: „Wie kommst du da drauf?“
„Das sieht man“, war die lakonische Antwort, die sie mit „Du kannst ihn haben“ ergänzte. Tage später fragte sie Patrizia: „Sollen wir Hannah mit nach Tschechien nehmen?“

Sechseinhalb Jahre lebten wir – gemeinsam mit Georgs Schwester, die uns anfangs noch fleißig bei der Betreuung unserer Kranken half, dann aber das Weite suchte – in einem Haus. Ein Mann, drei Frauen und ein kleines Mädchen bilden eine Konstellation, die ein gutes Nervenkostüm erfordert. Vor allem, wenn die Mutter des Kindes nach und nach vergisst, wer dieses Kind ist und zur Konkurrentin der eigenen Tochter wird. Während sie anfangs noch darauf beharrte: „Patrizia ist meine Tochter“, ertrug sie später kein Kinderlachen mehr.

***


Bei Schulveranstaltungen tauchten wir immer als Großfamilie auf, bis sich die Angst unserer Kranken vor Menschenansammlungen ins Unerträgliche steigerte. Patrizias Enttäuschung nahm zu. Sie verstand zwar, dass immer jemand bei ihrer Mama bleiben musste, fühlte sich aber dennoch vernachlässigt.

Was in ihrer Seele vor sich ging, konnten wir nur ahnen. Solange ich mich erinnern kann, hat sie ihre leibliche Mutter nur ein einziges Mal „Mutti“ genannt und das geschah nach langem Betteln an einem Geburtstag. Sonst sprach sie sie hartnäckig mit dem Vornamen an - wie eine Schwester.

Seit unsere Kranke in einem dementengerechten Heim gut untergebracht ist und dort eine ebenfalls kranke „Ersatzmutti“ gefunden hat, blüht Patrizia sichtbar auf. Endlich findet sie in ihrem Vater und seiner Lebensgefährtin die so lange entbehrten Spielkameraden für Kniffel oder Monopoli.

Früher wusste sie bei Schulveranstaltungen oder sonstigen Festtagen nicht, wem sie die selbstgebastelten Geschenke überreichen sollte. Doch bei der diesjährigen Muttertagsfeier kam sie freudestrahlend auf mich zu und drückte mir neben dem selbstbemalten Blumentopf eine vom Taschengeld gekaufte Lilie in die Hand. Plötzlich, in aller Öffentlichkeit, von ihr die Karte mit der Aufschrift „Milá maminko“ in die Hand gedrückt zu bekommen, raubte mir die Fassung.

„Gib doch dem Papa auch was davon“, flüsterte ich ihr ins Ohr. In meinen Augen ist er eindeutig die bessere Mutter. Als Antwort bekam ich nur ein Kopfschütteln, eine liebevolle Umarmung und einen herzhaften Kuss. Die Freude, endlich ebenso wie andere Kinder eine Mutter zu haben, strahlte unverhohlen aus der inzwischen Elfjährigen. Ich dagegen kämpfte vor lauter Rührung (und, wie mir erst später bewusst wurde, auch aus Angst vor weiterer Verantwortung) so sehr mit den Tränen, dass Georg mich nachsichtig aus seinem nie enden wollenden Tempotaschentüchervorrat versorgte.

***


Nun habe ich also vier Kinder. So viele, wie ich mir schon als junge Frau gewünscht habe. Manchmal dauert es eben etwas länger, bis Träume in Erfüllung gehen. Der Lehrer, der mir vor über vierzig Jahren ins Poesiealbum schrieb: „Man muss im Leben alles erwarten können“, hat wieder einmal Recht behalten.


13.5.2007 © gst

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namaqool
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hallo haremsdame,

du hast eine faszinierende art zu schreiben. deine texte sind voller gefĂĽhle und wirken sehr ausgereift. fĂĽr mich bist du ein grosser gewinn fĂĽr die leselupe.

grĂĽsse, namaqool.
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Phönix ist ein anderer.

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no-name
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Oh ja, Haremsdame... die schönsten und vor allem die gefühlvollsten und berührendsten Geschichten schreibt wohl wirklich das Leben - so wie deins zum Beispiel...?

Ich habe deinen Text wirklich gern gelesen und dabei die Stärke und Herzenswärme deiner Protagonistin bewundert. Das muss wirklich eine starke und tolle Frau sein! ;-)

Mit der von mir rot markierten Formulierung in dem Satz:

quote:
Er schrieb von seiner Absicht, mit seiner zwei Jahre zuvor diagnostizierten Frau zur Kur zu fahren, um zu lernen, mit der verwirrenden Krankheit umzugehen.
hatte ich so meine Probleme. Das finde ich ungklücklich formuliert. Was hälst du von der folgenden Variante:
quote:
Er schrieb von der Absicht zusammen mit seiner Frau, bei der bereits zwei Jahre zuvor Alzheimer diagnostiziert worden war, zur Kur zu fahren.

Liebe Haremsdame, dir ist hier wirklich ein Text gelungen, der nicht nur sehr lebensnah und authentisch auf mich wirkt, sondern auch meine Seele berĂĽhrt hat. FĂĽr mich hast du in deinen Zeilen eine faszinierende Frau beschrieben, die an ihren Aufgaben gewachsen ist, viel ertragen hat und zum GlĂĽck letztendlich vom Leben belohnt dafĂĽr wird.

Liebe GrĂĽĂźe von no-name.

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Haremsdame
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Hallo namaqool,

die Einschätzung meiner Texte tut mir unglaublich gut! Danke dafür, Du machst mir viel Mut.

Liebe no-name,

auch Dir vielen Dank für den Kommentar. Deinen Änderungsvorschlag habe ich gleich eingearbeitet. So liest sich diese umständliche Erklärung wirklich etwas flüssiger.

Liebe GrĂĽĂźe an Euch beide

Haremsdame
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Ralph Ronneberger
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Hallo Haremsdame,

nach so viel Lob fällt es mir nicht leicht, meine (und nur meine) Meinung hier zu äußern, denn ich bin von deiner Erzählung ein wenig enttäuscht.
Was für ein Stoff! Und dazu noch das notwendige, aus eigenem Erleben resultierende Wissen, das dich fast vollständig der Pflicht des Recherchierens enthebt.
Und dann dieses Resultat! Von einigen wirklich bewegenden Sequenzen einmal abgesehen, liest sich dieser Text wie ein nĂĽchterner Tagebucheintrag. Da hilft auch nicht die gelegentliche Flucht in die Klischees.
Und dabei besitzt du eine handwerkliche Sicherheit, die dich meiner Meinung nach durchaus befähigt, etwas ganz Großartiges aus dem Thema heraus zu holen.
No-name schrieb: „… dir ist hier wirklich ein Text gelungen, der nicht nur sehr lebensnah und authentisch auf mich wirkt, sondern auch meine Seele berührt hat. Für mich hast du in deinen Zeilen eine faszinierende Frau beschrieben, die an ihren Aufgaben gewachsen ist, viel ertragen hat und zum Glück letztendlich vom Leben belohnt dafür wird.“
Ich wage zu behaupten: Weil no-name weiß, dass der Text authentisch ist, kommt sie dazu Hannah so und nicht anders einzuschätzen. Wenn ich jetzt sagen würde: Für mich stellt sich da eine Frau dar, die vom Leben ziemlich gebeutelt, sich nach einem erfüllten Leben sehnt und deshalb eiskalt ihre Chance nutzt – liege ich da falsch? Natürlich liege ich falsch, weil der Text ja authentisch ist und der sich hier so nett präsentierenden Haremsdame solch niederen Beweggründe nun wahrlich nicht unterstellt werden können. Aber wie würden wir uns verhalten, wenn wir wüssten, dass die Geschichte komplett ausgedacht ist?
Die Beurteilung eines authentischen Textes hat auch mit der Sympathie zu tun, die wir dem Erzählenden entgegen bringen. Das trübt aber das Urteilsvermögen. In einem erfundenen Text reicht die mögliche Einstufung der Protagonistin von „falscher Schlange“ bis „aufopfernder Engel“. Weil die Geschichte selbst erlebt ist, glaubt man, bestimmte charakterliche Stärken und Schwächen mitunter weglassen zu dürfen. Es hat sich so abgespielt und basta. Und das gipfelt noch im Zitat der alten Weisheit: Die schönsten Geschichten schreibt halt immer noch das Leben
Ich weiß nicht, wer den Spruch kreiert hat, aber es wird kein Dummer gewesen sein. Ich wage aber, zu widersprechen. Die schönsten Geschichten schreiben immer noch die guten Autoren. Das Leben wiederum liefert die besten Stoffe. Das sollte man nicht verwechseln. Und dieser Stoff hier – der ist wahnsinnig spannend. Er ist es wert, zu einem Roman verarbeitet zu werden!

Nachfolgend noch ein paar Bemerkungen zum Text selbst. Vieles ist für dich vielleicht nur kleinlich oder auch gar nicht nachvollziehbar. Mach damit, was du willst. Wenn ich dich das eine oder andere etwas nachdenklich macht – in Ordnung. Wenn nicht – dann auch in Ordnung. Es ist dein Text und es ist dein Stoff (um den ich dich beneide) Jetzt kommt vielleicht die Frage: Wenn es ihm wurscht ist, wie ich über die Anmerkungen denke, warum schreibt er dann soviel. Meine Antwort: Reiner Eigennutz Ich behaupte nämlich, dass man bei dem Schreiben und der Überarbeitung der eigenen Texte nicht halb soviel lernt wie in der Auseinandersetzung mit fremden Texten. Einer gewinnt beim Kommentieren immer – der Kommentator!
********

Genug gelitten. Genug graue Haare bekommen. Genug Tränen vergossen. So dachte ich noch vor ein paar Tagen. Doch dann kam die Muttertagsfeier...

„Nicht vergessen: heute um vier in der Schule!“ ermahnte uns Patrizia morgens beim Verlassen des Hauses. Den Ärger über den vollen Kleiderschrank, in dem angeblich nichts zum Anziehen zu finden war, ließ sie dabei ebenso zu Hause, wie die Briefe, die sie in den Briefkasten werfen sollte...
(Diese vergessenen Briefe mögen vielleicht authentisch sein – aber was haben sie mit der Geschichte zu tun? Vielleicht soll es darauf hindeuten, dass das Mädchen aufgeregt ist? Ist sie das? Und was interessiert daran? Wiederum kein Einfluss auf die Handlung.)

Ich liebe solche Schulfeiern nicht. In den Jahren, da meine eigenen Kinder klein waren, überstand ich davon schon mehr als mir lieb war. Doch Patrizias Mühe, mit der sie ihr Flötenstück einstudiert hatte, mussten wir selbstverständlich durch unsere Anwesenheit honorieren.

In der tschechischen Schule dient eine mit KinderstĂĽhlen bestĂĽckte Turnhalle als Aula.
(In der tschechischen Schule… Was willst du damit ausdrücken? Dass alle tschechischen Schulen keine Aula besitzen, dass nur diese Schule keine Aula besitzt? Dass die Schule in Tschechien liegt und keine Aula besitzt?)
Das unterscheidet sich in nichts von meinem frĂĽheren Leben in Bayern.
(Der Satz ist völlig überzogen. „Darin unterscheidet sie sich nicht von den Schulen, die ich früher in Bayern besuchte….“ Oder so ähnlich – hätte es auch getan)
Trotz der vertrauten Umgebung fühlte ich mich zusammen mit meinem Lebensgefährten zwischen all den jungen Müttern und kleinen Kindern als Außenseiterin.
Diese Turnhalle ist Frau Prot also vertraut. Na gut. Aber wieso trotz ? Ich gehe ganz einfach davon aus, dass sie sich in unvertrauter Umgebung nicht noch mehr als Außenseiter gefühlt hätte. Denn: Was hat die Umgebung mit dem Publikum zu tun. Ob vertraut oder nicht – die Alten hätten so oder so zwischen den Jungen gesessen)

Immerhin ist Georg schon GroĂźvater und ich mache ihm mit meinen Falten deutlich Konkurrenz.
In Konkurrenz treten heißt „Rivalisieren“. Will Frau Prot. Großvater werden?
Unser beider Gesichtszüge („Unsere Gesichter“ hätten es auch getan – warum so pathetisch?) sind vom Leben mit Patrizias an Alzheimer erkrankten Mutter gezeichnet. Neben andersgearteten Themen erschwert auch die fremde Sprache unsere Integration.
(Das ist nachvollziehbar, stellt aber einen deutlichen Sprung dar. Eben waren wir noch bei „unser beider Gesichtszüge“. Den Bogen zur Schwierigkeit der Integration hättest du ruhig etwas eleganter schlagen können. Auch die „andersgearteten Themen“ gefallen mir nicht. Das kann alles Mögliche sein.)


Als ich Patrizia kennen lernte, war sie vier (Jahre alt – nehme ich an). Zum ersten Beschnuppern trafen wir uns in einem Freizeitpark. Ihr Vater und ich kannten uns aus dem Internet, wo wir regelmäßig in einer Selbsthilfegruppe für Angehörige von Alzheimerkranken verkehrten. Er schrieb von der Absicht, zusammen mit seiner Frau, die zwei Jahre zuvor die Diagnose Alzheimer bekommen hatte, („die zwei Jahre zuvor die Diagnose Alzheimer bekommen hatte“ – das klingt so gestelzt. Warum nicht einfach: „die zwei Jahre zuvor an Alzheimer erkrankt war),zur Kur zu fahren. Dort wollte er lernen, mit der verwirrenden Krankheit umzugehen. Die spätgeborene Tochter dürfe er dorthin jedoch nicht mitbringen. Deshalb bot ich ihm an, sie für die Zeit der Kur in meiner Familie aufzunehmen. Der Besuch im Freizeitpark sollte zeigen, ob sie mich akzeptieren würde. In diesem fett markierten Absatz steckt ein unter Umständen mehrseitiger Beginn für einen großartigen Roman – schreib ihn! Und noch etwas: Der Entschluss, die kleine Patrizia bei sich aufzunehmen, wird hier erzählt, als sei das die selbstverständlichste Sache der Welt. Ich halte das für alles andere als selbstverständlich, zumal es sich um die Tochter einer Person handelt mit der man bislag nur internettig verkehrt ist. Sollte der Entschluss wirklich nur aus einfach vorhandenem Edelmut (und basta!) und ohne eventuelle Abwägungen getroffen worden sein? Oder schwingt hier schon ne Menge Sympathie für den Vater mit? Ich denke, bereits an dieser Stelle ist ne Menge Potential für eine spannende Erzählung enthalten)

Schon nach einer halben Stunde schob sich eine kleine Hand vertrauensvoll in die meine. (Ein schlichter Satz, in dem sehr viel mehr ausgedrückt wird, als man tatsächlich liest. Das gefällt mir)
Benjamin, mein jüngster Sohn, war solchen Gesten schon lange entwachsen, deshalb genoss ich diese kindliche Annäherung. Patrizia zog mich begeistert mal in diese, dann in jene Richtung.

Wir begegneten zwar keinem Lassowerfer, dafür aber einem nicht wesentlich jüngeren Feuerschlucker im glänzenden orientalischen Gewand.

Der Feuerschlucker war also nicht wesentlich jünger als der nicht vorhandene Lassowerfer. Letzterer eine Figur, die hier nichts zu suchen hat, weil bereits der Sinn der Erwähnung im Dunkeln liegt. Hatte sich Patrizia die Begegnung mit einem Lassowerfer gewünscht? Gut. Dann muss das aber auch hingeschrieben werden. Das kommt davon, wenn man zu authentisch ist oder sein will und dabei vergisst, dass der Leser ja nicht wissen kann, was man selbst weiß. Und – ich sagte es schon – kein Leser verlangt, dass eine Geschichte bis in alle Einzelheiten sich so und nicht anders abgespielt hat. Ihm reicht es, wenn er gefesselt wird. Und wer, wie du, die Materie kennt, dem sollte es doch viel leichter fallen, eine spannende und glaubhafte Handlung zu präsentieren.)

Als er eine Schlange zum Streicheln brachte, flĂĽchtete die kleine Maus in Papas sichere Arme. Der hatte schon lange die Schutzfunktion ĂĽbernommen, die seine Frau nicht mehr ausfĂĽllen konnte.

***


Drei Wochen Sommerferien genügten Patrizia, um das Leben von acht Menschen grundlegend zu verändern. Sie gab mir wieder das Gefühl, nicht nur beruflich gebraucht zu werden, sondern auch menschlich. Meine Kinder gingen weitgehend („weitgehend gehen“ klingt nicht so toll. Das kannst u dir eh sparen, weil im Nachgang ja ausführlich erzählt wird (warum eigentlich?) wer von den Kindern gerade was macht) schon ihre eigenen Wege. Maximilian absolvierte seinen zivilen Ersatzdienst in einem Behindertenheim, Viktoria arbeitete voller Begeisterung an ihrer Zukunft als Hotelfachfrau und Benjamin wollte nach den Sommerferien auf ein Internat wechseln. Mein Mann hatte seine Arbeit und seine Hobbys und erinnerte sich nur selten daran, dass sich irgendwo zwischen den Möbeln auch noch eine Frau befand. (Das drückt zwar Einiges aus, ist mir aber zu klischeehaft. Diese Einschätzung hört man an allen Ecken. Und – was hier fehlt – ist die Frage nach dem „Warum?“ Dies kann aber, wie schon angedeutet ein solch hastiger Erzählstil nicht leisten)

Seit es mir gelungen war, mein Hobby, das Schreiben, zum Beruf zu machen, war ich nicht unzufrieden. Ganz im Gegenteil, (war ich nicht unzufrieden … Ganz im Gegenteil… also doch unzufrieden?)ich genoss mein Leben als freie Lokaljournalistin. So kam ich wenigstens regelmäßig unter mehr oder weniger interessante Zeitgenossen. (Das lässt in mir den Verdacht aufkommen, dass sich Mann und Frau zumindest in Ansätzen gar nicht so unähnlich sind. Jetzt wirst du protestieren. Wahrscheinlich sogar mit Recht, aber wo ist der komplette Charakter des Mannes, der meine Zweifel ausräumen kann? Klischees genügen da nicht)
Als Patrizia bei uns war, lehnte ich alle angebotenen Termine ab. Ich wollte ein letztes Mal ‚Ferien’ genießen und all die Plätze aufsuchen, an denen ich mit meinem Nachwuchs glücklich gewesen war. Damit Patrizias Kontakt zu ihren Eltern nicht zu lange unterbrochen war (wurde), fuhren wir regelmäßig zu ihnen.

Bei einem dieser Besuche in der Kurklinik gelang es Georg, mir direkt ins Herz zu sehen. Mir wurde heiß und kalt und ich wusste nicht, wohin ich hätte fliehen können. Seine Augen verfolgten mich bis in den Traum. (Klischee pur! Aber es muss ja schnell gehen, mit dem Erzählen, nicht wahr?) Um mich abzulenken, dachte ich an seinen äußerst liebevollen Umgang mit seiner - durch die Krankheit verunsicherten - Frau. Ich bewunderte ihn für seinen Langmut, für seine hingebungsvolle Aufmerksamkeit. Da ich selbst drei Jahre lang meine alzheimerkranke Schwiegermutter zu Hause betreut hatte, wusste ich, wie viel Kraft dieses für-den-anderen-da-sein kostete.

Plötzlich wünschte ich mir das Ende von Patrizias Aufenthalt bei uns herbei. Ich spürte eine versteckte Gefahr, ahnte aber noch nicht, worin die bestand. (da das nicht näher erläutert wird, halte ich es nach all den verfolgenden Augen, die es Frau Prot. heiß und kalt werden lassen für eine glatte Lüge) Damals glaubte („hoffte“ halte ich als simpler Leser für nachvollziebar) ich ernsthaft, dass mein Leben von diesem emotionalen Aufruhr weitgehend unbeeinflusst weiter gehen könnte.
***


Patrizia und ich blieben in telefonischem Kontakt. Georg verwöhnte mich übers Internet mit lieben Worten. Er war hartnäckig und ich ausgehungert. Innerhalb weniger Wochen erschütterte ein inneres Erdbeben mein bisheriges Dasein. Die schon lange nicht mehr gepflegten Wände meines verborgenen Schutzraumes fielen in sich zusammen. Verzweifelt versuchten wir die entstandenen Scherben zu sortieren.
Als Resümee der immer stärker werdenden Hinwendung zu diesem Mann ist das in Ordnung. Verzeih meine Neugier, aber der Weg dorthin würde viel mehr interessieren. Oder vollzog sich das Ganze ohne schlaflose Nächte, ohne immer größere Zerwürfnisse mit dem Ehemann und… und … oder…)
Schließlich ließ ich mich auf ein Experiment ein. Ich bot Georg an, bis zu seinem - bereits geplanten - Umzug nach Tschechien bei ihm als Haushaltshilfe zu fungieren. Patrizia war von dieser Idee begeistert, ihre Mutter und mein Mann weniger. (So, so – ein Experiment also. Schwer zu glauben, nach all den Erdbeben Für mich ist das kein Experiment, sondern der erste Schritt in eine längst ersehnte Richtung. Oder irre ich da? Dann erkläre es dem Leser! Und dann der Mann! Er war wenig begeistert! Zu mehr Emotionen nicht mehr fähig? Hat er denn gar nichts vom „Erdbeben“ bemerkt?) Es begann eine schwere, aber durch das intensive Erleben auch schöne Zeit.

Die Entfernung zu meinen Kindern machte mich oft traurig. Sie fehlten mir bei unglaublichen vielen Gelegenheiten, obwohl Patrizia mir nicht viel Zeit zum Nachdenken ließ. (Das ist zwar durchaus glaubhaft, scheint aber in einem gewissen Widerspruch mit der weiter oben bereits angeführten und hier noch ein mal wiederholten Aussage zu stehen. Sie gab mir wieder das Gefühl, nicht nur beruflich gebraucht zu werden, sondern auch menschlich. Meine Kinder gingen weitgehend schon ihre eigenen Wege Und wieder wirst du protestieren! Denn du weißt ja, wie es gewesen ist. Was mischt sich dieser Fremdling eigentlich hier ein? Nun, ich mache das nur, weil ich glaube, das der von dir beschriebene Prozess sehr viel dramatischer aber vor allem auch vielschichtiger abgelaufen sein könnte. ) Georg brachte mir Achtung entgegen und schenkte mir die Zärtlichkeit, die seine Frau aus Krankheitsgründen nicht mehr zu schätzen wusste. (Zärtlichkeit aus Achtung! Auch da wird es Unmengen von Nuancen gegeben haben. )
Sie schwankte täglich zwischen Selbstüberschätzung, Eifersucht und bester Freundin hin und her. (Das ist einfach inhaltlich so nicht exakt. Zwischen Selbstüberschätzung und Eifersucht muss man nicht schwanken – beides ist auch parallel möglich. Und wie schwankt man zwischen Selbstüberschätzung und Freundin – das ist doch gar nicht vergleichbar. Ich nehme einmal an, dass es bei ihr Zeiten gab, wo sie aus Selbstüberschätzung keine Angst um Georg zu haben schien, dass sie dann doch immer wieder von Eifersucht übermannt wurde und trotz allem Argwohn auch Phasen freundschaftlicher Gefühle in sich verspürte oder diese zumindest vorgaukelte. Diese innere – und durchaus nachvollziehbare - Zerrissenheit sollte man meines Erachtens nicht in einen einzigen und obendrein nicht ganz sauberen Satz pressen wollen)

Einmal fragte sie mich aus heiterem Himmel: „Liebst du Georg?“
Peinlich berührt fragte ich zurück: „Wie kommst du da drauf?“
„Das sieht man“, war die lakonische Antwort, die sie mit „Du kannst ihn haben“ ergänzte. Tage später fragte sie Patrizia: „Sollen wir Hannah mit nach Tschechien nehmen?“
Sechseinhalb Jahre lebten wir – gemeinsam mit Georgs Schwester, die uns anfangs noch fleißig bei der Betreuung unserer Kranken half, dann aber das Weite suchte – in einem Haus. Ein Mann, drei Frauen und ein kleines Mädchen bilden eine Konstellation, die ein gutes Nervenkostüm erfordert.
(Welchen offiziellen Status hat Frau Prot. In dieser Zeit? Ist sie noch die „nur“ Haushälterin und Geliebte oder schon die Lebensgefährtin? Lebt man schon in Tschechien. Es vollziehen sich enorme Wandlungen – wie geht das vonstatten? Ich sag’s ja – ein Roman muss her)

Vor allem, wenn die Mutter des Kindes nach und nach vergisst, wer dieses Kind ist und zur Konkurrentin der eigenen Tochter wird. Während sie anfangs noch darauf beharrte: „Patrizia ist meine Tochter“, ertrug sie später kein Kinderlachen mehr.
***


Bei Schulveranstaltungen tauchten wir immer als Großfamilie auf, bis sich die Angst unserer Kranken vor Menschenansammlungen ins Unerträgliche steigerte. Patrizias Enttäuschung nahm zu. Sie verstand zwar, dass immer jemand bei ihrer Mama bleiben musste, fühlte sich aber dennoch vernachlässigt.

Was in ihrer Seele vor sich ging, konnten wir nur ahnen. Solange ich mich erinnern kann, hat sie ihre leibliche Mutter nur ein einziges Mal „Mutti“ genannt und das geschah nach langem Betteln an einem Geburtstag. Sonst sprach sie sie hartnäckig mit dem Vornamen an - wie eine Schwester.

Seit unsere Kranke in einem dementengerechten Heim gut untergebracht ist und dort eine ebenfalls kranke „Ersatzmutti“ gefunden hat, blüht Patrizia sichtbar auf. Endlich findet sie in ihrem Vater und seiner Lebensgefährtin die so lange entbehrten Spielkameraden für Kniffel oder Monopoli.

Früher wusste sie bei Schulveranstaltungen oder sonstigen Festtagen nicht, wem sie die selbstgebastelten Geschenke überreichen sollte. Doch bei der diesjährigen Muttertagsfeier kam sie freudestrahlend auf mich zu und drückte mir neben dem selbstbemalten Blumentopf eine vom Taschengeld gekaufte Lilie in die Hand. Plötzlich, in aller Öffentlichkeit, von ihr die Karte mit der Aufschrift „Milá maminko“ in die Hand gedrückt zu bekommen, raubte mir die Fassung.

„Gib doch dem Papa auch was davon“, flüsterte ich ihr ins Ohr. In meinen Augen ist er eindeutig die bessere Mutter. Als Antwort bekam ich nur ein Kopfschütteln, eine liebevolle Umarmung und einen herzhaften Kuss. Die Freude, endlich ebenso wie andere Kinder eine Mutter zu haben, strahlte unverhohlen aus der inzwischen Elfjährigen. Ich dagegen kämpfte vor lauter Rührung (und, wie mir erst später bewusst wurde, auch aus Angst vor weiterer Verantwortung) so sehr mit den Tränen, dass Georg mich nachsichtig aus seinem nie enden wollenden Tempotaschentüchervorrat versorgte.
***


Nun habe ich also vier Kinder. So viele, wie ich mir schon als junge Frau gewünscht habe. Manchmal dauert es eben etwas länger, bis Träume in Erfüllung gehen. Der Lehrer, der mir vor über vierzig Jahren ins Poesiealbum schrieb: „Man muss im Leben alles erwarten können“, hat wieder einmal Recht behalten.

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Auch in dem letzten Absatz geht alles ein wenig holterdiepolter. Auch wenn ich dir jetzt bestimmt Unrecht angedeihen lasse. Gerade der Schluss hinterlässt bei mir einen faden Beigeschmack. Auf einmal ist da nicht mehr die sich selbstlos aufopfernde Frau, sondern eine Figur, die mir fast unsympathisch wird. Zu deutlich tritt hier der Triumph in den Vordergrund, den Kampf um Mann und Tochter gewonnen zu haben. Vielleicht ist das auch nur dann richtig zu verstehen, wenn man erfährt, durch welche Hölle die Prot. mitunter gegangen sein muss. Aber der Leser erfährt es nicht. Aber er hätte es verdient. Wenn jetzt der sattsam bekannte und in meinen Augen lediglich erzählerisches Unvermögen ausdrückende Satz käme: „Man muss doch der Phantasie des Lesers entsprechenden Spielraum lassen“, dann habe ich mir die Pfoten völlig umsonst wund getippt.


GruĂź Ralph


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Haremsdame
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Hallo Ralph,

danke für die viele Mühe, die Du dir mit meinem Text gemacht hast. Zugegeben, ich musste Deinen Beitrag erst mehrmals lesen, um ihn an mich ran zu lassen. Obwohl er mich von Anfang an an meinen ersten Kontakt zu meiner späteren Lieblingsredakteurin erinnerte: zuerst verriss sie meinen Vorstellungsartikel so, dass nichts mehr davon übrig blieb und dann schickte sie mich auf meinen ersten Termin...

Diese Erfahrung hat mich gelehrt, nicht sofort in der ersten Aufregung zu reagieren, sondern erst mal zu versuchen, zu verstehen, was Dich an meiner Erzählung enttäuscht hat. Mit stolz geschwellter Brust nehme ich zur Kenntnis, dass Du glaubst, ich besäße die nötige handwerkliche Sicherheit für einen Roman. Dass nach mehreren Jahren Schreibabstinenz noch so viel vorhanden ist, macht mir Mut. Aber ob Mut alleine reicht, aus einer Sprinterin einen Marathonläuferin zu machen?

Sicher, es kommt auf einen Versuch an. Erst dann kann ich feststellen, ob ich das notwenige Durchhaltevermögen für einen umfangreiche Arbeit aufbringe...

Es stellt sich mir noch eine zweite Frage: wie bekomme ich den notwendigen Abstand zu meiner Protagonistin? Denn erst der befähigt mich, sie mit Deinen Augen zu sehen, ihre schlechten Eigenschaften, die ihr selbst nicht bewusst sind, mit einzubauen. Eiskalte Berechnung? Läßt mich frieren... Aber Du hast Recht, in einem Roman möchte ich auch davon lesen.

Gerne wäre ich eine gute Autorin, die Geschichten aus dem Leben in lesenswerte Form bringt. Also gut: weg vom Tagebuch - hin zur Literatur... So brauche ich mich die nächsten Jahre also nicht vor Langeweile zu fürchten .

Allerdings werde ich bis zum Ziel noch viel trainieren mĂĽssen. Und dabei sicherlich noch manches mal viel zu schnell vorpreschen. Hoffentlich habe ich dann das GlĂĽck, wieder auf "Bremser" zu stoĂźen. Vor allem auf Bremser, die mir so ausfĂĽhrlich aufzeigen, wo ich mal wieder zu schnell gefahren bin...

Ich weiß Dein Engagement zu schätzen. Danke!

Haremsdame


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