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Leselupe.de > Erz├Ąhlungen
Nachts ist es Dunkel (1)
Eingestellt am 11. 06. 2003 15:15


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Wendla
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Jun 2003

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Nachts ist es dunkel

Vorwort

Es war kalt drau├čen und regnete. Noch am morgen hatte es geschneit, doch nun war alles zu Matsch geworden. Es war grau am Himmel, nichts Besonderes. Die Stra├čen waren kalt und die wenigen Menschen hektisch. Sie alle wollten nach Hause, zu ihren Familien oder zu ihren Freunden. Es wurde langsam dunkel, der Marktplatz leerte sich und immer mehr Menschen verschwanden. Die alten Damen gingen nach Hause, die gestressten M├╝tter mit ihren schreienden Kindern kochten zu Hause das Abendessen.
Mit der Dunkelheit kamen andere Leute um den Marktplatz zu bev├Âlkern, j├╝ngere, ungl├╝cklichere Leute. Oder waren sie gl├╝cklicher?
Fast jeden Abend waren einige von ihnen dort anzutreffen, oder auch hinter dem alten Kirchplatz oder auf den Feldern, fast ├╝berall konnte man sie sehen, wenn man sie kannte. Wenige Au├čenstehende kamen hinzu, nur wenige Leute wussten von der Verbindung die bestand.
Tags├╝ber waren sie alleine, nachts├╝ber geh├Ârten sie zusammen.

Erstes Kapitel

Eine alte Dame ging, wacklig auf ihren Kr├╝cken, durch die Stadt. Vorsichtig schaute sie sich um, sie schien nerv├Âs zu sein. Normalerweise ging sie nie abends raus, doch ihrem Mann ging es schlecht und sie musste dringend zur Nachtapotheke. Noch nie war sie nach Sonnenuntergang drau├čen gewesen, es war ihr einfach zu gef├Ąhrlich, doch nun musste es sein. Sie ├╝berquerte langsam und klappernd den Marktplatz von dem sie gedacht hatte, dass dort niemand mehr sein w├╝rde. Anstatt dessen erblickte sie eine dunkle Gruppe Jugendlicher. Hektisch ging sie weiter, bis sie pl├Âtzlich eine bekannte Stimme vernahm. Sie blieb stehen und drehte sich zu der Gruppe um, die sie gar nicht wahrnahm. Sie wartete einige Zeit und h├Ârte zu, was die Jugendlichen besprachen. Sie verstand nicht, worum es ging, doch meinte, eine der Stimmen zu kennen. Vorsichtig rief sie mit ihrer etwas zittrigen, leisen Stimme den Namen ihres Enkels und einer der Jungen drehte sich mehr oder weniger erschrocken um. Er stand auf, ging ein paar Schritte auf die alte Dame zu um dann zu seinen Freunden zur├╝ck zu kehren. „Was sollte ’n dat jetzt, ├ärmel?“ h├Ârte sie einen anderen Jungen fragen. „Wei├č nich, dachte vielleicht, ich w├╝rde sie kennen….“ war die Antwort. Die alte Dame war emp├Ârt. „Aber wie sprichst du mit deiner Gro├čmutter?“ fragte sie, sichtlich entr├╝stet.
+
„Wo ist Michael denn heute?“ fragte der Lehrer und blickte in die unwissenden Gesichter seiner Sch├╝ler. Schlie├člich erhob sich ein sehr stiller und unbeliebter Junge mit einer dicken Brille und einem Pullunder ├╝ber dem Hemd. „Ich glaube seine Gro├čmutter ist gestorben und er ist jetzt bei seiner Familie.“ der Junge setzte sich wieder und starrte wieder auf den Bleistift den er in der Hand hielt. „Danke, Daniel.“ Der Lehrer trug etwas ins Kursbuch ein um dann mit dem Unterricht fort zu fahren. Noch bevor er damit fertig war, erhob sich ein M├Ądchen aus der mittleren Reihe, ging nach vorne, sprach kurz mit ihm und verlie├č den Raum. Nach der Stunde wurde er von der besten Freundin des M├Ądchens gefragt, wo Luisa denn hingegangen sei. „Ist sie krank?“ . „Nein. Luisa ist zu Michael gegangen, sie sagt, sie seien gut befreundet und sie w├╝rde ihm gerne beistehen.“ war die Antwort. Das M├Ądchen war verdattert. Luisa und Michael hatten rein gar nichts mit einander zu tun. Sie redeten nie und hatten auch nicht dieselben Freunde… Seltsam, denn Luisa war auch nicht der Typ M├Ądchen, der so einen Anlass zum Schule schw├Ąnzen nutzen w├╝rde. Sie beschloss Luisa sp├Ąter danach zu fragen.
+

Drau├čen rieselte sanft der Schnee, alle D├Ącher waren inzwischen dick gepudert, denn ├╝ber Nacht hatte es wieder geschneit. Es schneite viele, kleine Schneeflocken, die trocken zu Boden fielen. Luisa hatte die Schule durch das gro├če, eichene Tor verlassen und die hastig zusammengekramten Schulsachen unter ihren Arm geklemmt. Kaum dass sie das Geb├Ąude verlassen hatte lie├č sie alle Sachen fallen. Sie nahm ihren Mantel und zog ihn an, fuhr sich mit der Hand ├╝ber das streng zur├╝ckgebundene Haar und r├╝ckte die Brille mit dem feinen, silbernen Rahmen zurecht, die sie entgegen jeder Mode trug, zurecht. Sie hob ihren Rucksack auf und nahm ein Buch heraus, w├Ąhrend sie das Schulgel├Ąnde im Eilschritt verlie├č. An der Busstation stand sie und wartete unruhig auf den n├Ąchsten Bus. Sie starrte auf ihre Schuhe, sah sich nerv├Âs um , bl├Ątterte in dem abgewetzten Buch mit dem ledernen Einband und den gelblichen Seiten, um nach Minuten in den n├Ąchsten Bus der kam zu steigen. F├╝nf Stationen sp├Ąter stieg sie wieder aus und ging eine lange Stra├če entlang. Vor einem der Neubauten blieb sie stehen und klingelte an der Glast├╝r. Die T├╝r ├Âffnete sich und sie betrat den versifften Flur. Ein ├Ąlterer Mann im dreckigen, ehemals wei├čen Feinrippunterhemd stand in der T├╝r zu Michaels Wohnung und sah Luisa an. „Was willst du hier?“ fragte er m├╝de und traurig, jedoch nicht feindselig oder w├╝tend. „Ich bin eine Schulfreundin von Michael und wollte ihn besuchen, jetzt wo…“ Luisa wollte nicht weiter sprechen. Sie hatte versucht so lieb zu klingen, wie sie es nur selten tat, dabei den Kopf schief gelegt und Michaels Vater dabei so nett und mitleidig wie m├Âglich angesehen. „Komm herein, mein Kind, aber sei vorsichtig, er ist sehr durcheinander…“ erwiderte Herr Seyfert und geleitete Luisa in die enge, zugekramte Wohnung. Er klopfte vorsichtig an Michaels T├╝r, doch keine Reaktion erfolgte. „Michael, mach auf, Luisa ist hier, sie will dich tr├Âsten.“ rief der Vater vorsichtig und ein deutliches Klicken lie├č sich vernehmen, eine Antwort blieb jedoch aus. „Geh’ ruhig hinein Kind!“ sagte Herr Seyfert und so betrat Luisa das Zimmer. Michael sa├č zusammengesunken auf seinem Bett und starrte vor sich auf den Boden. Selbst als Luisa die T├╝r hinter sich schloss sah er nicht auf. „Was willst du hier, l├Ąsst du mich eigentlich ├╝berhaupt noch mal in Ruhe?“ fragte er w├Ąhrend sie ihre Haare ├Âffnete und sich die Brille von der Nase riss. Michael schien ersch├Âpft und traurig. „Wie ist das passiert mit deiner Gro├čmutter?“ wollte Luisa ohne jegliche Regung in ihrer Stimme wissen.„Sie war gestern Nacht in der Stadt unterwegs und irgendwo da muss sie einen Herzinfarkt bekommen haben oder so, man hat sie heute morgen tot und halb erfroren auf der Stra├če gefunden, aber der Arzt sagt, dass es nicht daran gelegen hat. Wer wei├č, was passiert ist…“, er schwieg betreten und wiegte leicht hin und her, ohne es zu merken, „mir tut nur mein Opa so leid, ich glaube er kann nicht ohne meine Gro├čmutter leben. Wei├čt du, sie haben schon als Kleinkinder miteinander gespielt… und mein Opa sagt, er h├Ątte den Krieg nie ├╝berlebt, wenn er nicht gewusst h├Ątte, dass meine Oma auf ihn wartet und ihn liebt, er sagt, er h├Ątte ohne sie wahrscheinlich nicht diese ganzen Angriffe ├╝berlebt…“ Michael schluchzte auf und verbarg sein Gesicht hinter den H├Ąnden. Luisa sah ihn an. „Wenn du jemanden zum reden brauchst, ruf’ mich einfach an okay? Ich wei├č wie es sich anf├╝hlt, wenn jemand stirbt, den man liebt.“ Damit verabschiedete sich Luisa und lie├č Michael wieder alleine. Dieser stand auf, als wollte er sie aufhalten, trat jedoch nur zum Fenster und schob die dunklen Vorh├Ąnge einen spaltbreit zur Seite. Luisa dr├╝ckte den Eltern noch kurz ihr Mitgef├╝hl aus, um dann wieder zu verschwinden. Sie ging die Stra├če entlang, als ihr Michael etwas hinterher rief: „Heute Abend wie immer?“ Sie nickte ihm zu und wandte sich wieder dem Weg zu, den sie eben gekommen war und hielt ihr Gesicht in den noch immer leicht fallenden Schnee. Sie schluckte heftig und wischte sich ├╝ber die Augen. Sie bestieg den n├Ąchsten Bus und fuhr noch eine Station weiter und stieg im Villenviertel der Stadt aus und ging eine lange, begr├╝nte Stra├če entlang. Hinter all den pr├Ąchtigen Z├Ąunen, die die Stra├če s├Ąumten, lagen gro├če, herrschaftliche Prachtbauten, die durch den Schnee viel kleiner wirkten als sie eigentlich waren. Sie stie├č ein gro├čes, eisernes Gartentor zu ihrer rechten auf und ging den wei├čen Weg, der zum Haus f├╝hrte entlang. Sie klingelte an der dunkelgr├╝n lackierten T├╝r. Sie kannte dieses Haus so gut, sie liebte es. So viel hatte sie hier erlebt, ihr Leben hatte sich hier ver├Ąndert. Als niemand ├Âffnete, sah sie auf die Uhr und setzte sich etwas genervt vor die T├╝r auf eine kleine Bank. Es hatte zwar aufgeh├Ârt zu schneien, doch schien es Luisa immer k├Ąlter zu werden. Trotzdem entschied sie sich zu warten bis jemand k├Ąme ihr die T├╝r zu ├Âffnen.

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Im Land der begrenzten Unmoeglichkeiten gibt es ein Leben vor dem Tod.

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