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Leselupe.de > Erz├Ąhlungen
Nachts ist es Dunkel (2)
Eingestellt am 12. 06. 2003 16:41


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Wendla
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Jun 2003

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Nachts ist es dunkel

Zweites Kapitel

Adrian sa├č in der letzten Stunde und sah vertr├Ąumt aus dem Fenster. Er hasste die letzten Stunden, so interessant die Themen auch sein mochten, er hasste es. Das einzige was ihm an diesem Kurs gefiel war, dass seine Freundin Sam vor ihm sa├č und er sie in Ruhe betrachten konnte. Die langen, dunklen Haare und das schmale Handgelenk, an der immer der silberne Armreif mit den t├╝rkisen Steinen baumelte, das er ihr einst geschenkt hatte und welches eigentlich noch immer seiner Mutter geh├Ârte... . Auch seine Freundin hasste diese letzten Stunden, sodass sie sich von Zeit zu Zeit umdrehte und Grimassen schnitt um Adrian aufzumuntern. Er war sehr stolz darauf behaupten zu k├Ânnen, dass er Sam liebte - und doch hatte er wegen ihr immer wieder Probleme.
Nach der ach so verhassten Stunde gingen sie gemeinsam zu Adrian nach Hause. Sie machten einen Umweg nach dem n├Ąchsten, da die Aussichten auf einen Nachmittag mit Adrians Mutter nicht berauschend waren. Schlie├člich kamen sie doch an der Villa an und als sie durch das Tor traten, hatten sie beide ein L├Ącheln auf dem Gesicht. Erst als sie den Weg schon halb hinter sich gelassen hatten, erblickte Adrian Luisa, die noch immer vor der T├╝r wartete. Sofort lie├č Adrian Sam los und eilte zu ihr, was Sam erstens verwirrte und zweitens ver├Ąrgerte. Sie kannte Luisa nicht und war verbl├╝fft, als Adrian sie umarmte. Sie fl├╝sterten kurz miteinander, dann ging Luisa und l├Ąchelte Sam an. „Wer war die denn?“ „Luisa? Die Freundin von einem Kumpel. Seine Gro├čmutter ist gerade gestorben, das hat sie mir erz├Ąhlt, mehr nicht. Lass uns reingehen…“ Er gab ihr einen Kuss und sie gingen gemeinsam hinein.
+
Es war wieder dunkel geworden ├╝ber der Stadt. Die Stra├čen wie ausgestorben, nur von Zeit zu Zeit eine dunkle Gestalt, die in einer Ecke kauerte. Auf einem Feld au├čerhalb der Stadt traf sich eine etwas gr├Â├čere Gruppe Jugendlicher. ├ärmel war als letzter dazu gekommen und Kronos war einer der ersten, der ihn begr├╝├čte. „Ist okay, lass’ mich bitte.“ sagte ├ärmel knapp und lie├č ihn los. Schlie├člich kam auch Myrre hinzu und sprach ihm Mut zu um dann Kronos zur Seite zu nehmen. „War es n├Âtig? War das wirklich n├Âtig? Eine alte Dame…“ „Wir k├Ânnen kein Risiko eingehen. Wei├čt du noch, wie wir angefangen haben, wir vier? Bei mir zu Hause im Zimmer mit dieser bl├Âden Kerze? Und siehst du was wir geschaffen haben? Sie dich um Myrre, die alle hier sind wegen uns da. Ohne uns g├Ąbe es dieses Leben nicht, ohne uns w├Ąre das hier eine Stadt wie jede andere, aber wir haben sie zu etwas besonderem gemacht.“ „Aber…“ warf Myrre ein, obwohl auch sie stolz darauf war, was sie geschaffen hatte, „es gibt einen Unterschied zwischen dem, was wir bis jetzt gemacht haben und dem, was letzte Nacht abgegangen ist!“ Nun kam auch ├ärmel hinzu. Auch er geh├Ârte zu den Gr├╝ndern und hatte erst jetzt gesehen, dass sich Kronos und Myrre unterhielten. Er hatte bis eben Mitleidsbekundungen entgegengenommen. Nun griff Kronos mit beiden H├Ąnden ├ärmels Kopf und lehnte seine Stirn an die eigene. „Es war nicht unsere Schuld, es ist passiert, wir hatten nichts damit zu tun. Vertraue uns, ├ärmel, wir haben es nicht gewollt.“ „Ich wei├č.“ antwortete ├ärmel mit erstaunlich fester Stimme. Kronos lie├č ihn los und trat auf einen kleinen H├╝gel in der Mitte des Feldes. „Sind wir vollst├Ąndig?“ schrie er mit seiner tiefen Stimme ├╝ber den Acker und alles verstummte. Die dunklen Gestalten traten n├Ąher zu ihm und blickten zu ihm hinauf. „Es wird einen Neuzugang geben in unseren Reihen. Kein Fremder, jemand, der im Herzen schon lange dazu geh├Ârt wird es sein. Bitte trete hervor.“ sprach Kronos und hob eine Hand. Aus der Menge l├Âste sich eine Gestalt, die langsam und sichtlich nerv├Âs auf Kronos sowie ├ärmel und Myrre, die sich neben Kronos eingefunden hatten, zuschritt. Die Person trug einen bodenlangen Mantel, hatte die Kapuze ├╝ber den Kopf gezogen und schien sich erstaunt umzugucken. Kronos schlug die Kapuze zur├╝ck und strich der Person ├╝ber den Kopf als diese vor ihm zu stehen gekommen war. Die Menge blickte auf ein blasses M├Ądchen mit langen, schwarzen Haaren herunter. Sie war stark geschminkt und schien sichtlich nerv├Âs zu sein. Bald jedoch wurde auch dem Letzten bewusst, um wen es sich handelte, denn Kronos k├╝sste sie. „Beginnen wir mit dem Aufnahmeritual. F├╝hren wir es so durch, wie die Gr├╝nder am Abend der Sch├Âpfung unserer Gemeinde.“ Er lie├č sich von ├ärmel ein Messer und von Myrre einen winzig kleinen Glaskolben geben. Sam reichte Kronos die Hand und er setzte das Messer an ihrer Fingerkuppe an. Vorsichtig stach er durch die zarte Haut bis das Blut aus Sams Finger tropfte. Die Tropfen fing er mit dem Glaskolben auf, den er, halb gef├╝llt mit wenigen Tropfen mit dem Wachs einer wei├čen Kerze, die Myrre entz├╝ndet hatte versiegelte. In das Wachs hatte er einen Draht gesteckt. Als das Wachs trocken war gab er es Sam und verk├╝ndete offiziell die Aufnahme von „Lilie“, so wie Sam von nun an im Gruppenverband hie├č.
+
Wenige wussten, wer sich noch in der Gruppe befand. Die meisten sahen sich nur bei Nacht, gingen auf verschiedene Schulen oder erkannten sich einfach nur nicht. „Lilie wird eine besondere Stellung in dieser Gruppe einnehmen,“ verk├╝ndete Kronos vor versammelter Mannschaft, „denn sie ist mein. Niemand kr├╝mmt ihr ein Haar oder bringt einen dieser Anf├Ąnger-Sp├Ą├čchen, ist das klar?“ Er sah sich scharf in der Rund an. Einige potentielle Kandidaten schien er dabei besonders zu ber├╝cksichtigen. Die Menge verlor sich nach und nach, nur wenige blieben bei den Gr├╝ndern, die Lilie ihr Zeug ├╝berreichten: das kleine, mit ihrem Blut gef├╝llte R├Âhrchen, die Kerze, die zum Versiegeln benutzt wurde, sowie das Messer, mit dem sie gestochen wurde sowie ein altes Buch. All das wickelte sie vorsichtig in ein St├╝ck Leder und lie├č es in ihrem Beutel verschwinden. Kronos legte einen Arm um sie und die beiden verschwanden Richtung Stadtwald.
Myrre und ├ärmel blieben mit wenigen anderen zur├╝ck und ├╝berlegten, was sie tun k├Ânnten. Sie entschieden sich, zum Marktplatz zu gehen, dort wo in der Nacht zuvor die alte Frau verungl├╝ckte. ├ärmel war erstaunlich gefasst, als er den Sterbeort seiner Gro├čmutter betrat. Myrre wunderte sich. Er schien so sehr verletzt zu sein, heute Nachmittag, und nun war er gefasst als sei es nicht seine Gro├čmutter, die verstorben war. Sie trat neben ├ärmel und blickte ihn an. Er sah kalt und gef├╝hllos drein ohne mitzubekommen, was um ihn herum geschah. Sie setzten sich auf das Kriegsdenkmal, dass den Rand des Marktplatzes schm├╝ckte. Lange sa├čen sie da und ├╝berlegten, was nun geschehen war. Bei einem Herzinfarkt auf offener, ruhiger Stra├če w├╝rde man es nicht bewenden lassen. Sicher w├╝rden Nachforschungen angestellt werden, ├╝ber das, was an diesem Abend auf dem Marktplatz vor sich gegangen sein musste. Genug Leute wussten, dass sich dort nachts Jugendliche trafen, die ansonsten nicht in Erscheinung traten. Sicherlich w├╝rden Anstalten gemacht werden herauszufinden, wer sich an diesem Abend auf dem Markplatz aufgehalten hatte… Myrre ├╝berlegte angestrengt, wie man vermeiden k├Ânnte, dass man sie entdecken w├╝rde. Es w├╝rde das Ende der Gruppe bedeuten, also, was tun. Den Marktplatz nicht mehr betreten? Zu auff├Ąllig, sie geh├Ârten quasi zum Inventar - w├╝rden sie pl├Âtzlich wegbleiben, w├╝rde es fr├╝her oder sp├Ąter auffallen. Andererseits - was wenn man sie beobachtete? W├╝rde man davon ausgehen, das eine Gruppe kleiner „Spinner“ wie sie mal ein Passant genannt hatte, der auch damit gedroht hatte, sie anzuzeigen, falls sie nicht verschwinden w├╝rden, in der Lage dazu w├Ąre, ein derartiges Verbrechen zu begehen, auch wenn es gar keins war? Und wie w├╝rde sich diese eventuelle Beobachtung auf die Gesch├Ąfte auswirken?

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Im Land der begrenzten Unmoeglichkeiten gibt es ein Leben vor dem Tod.

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