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Leselupe.de > Erzählungen
Noch ein kleiner Mann...
Eingestellt am 04. 05. 2003 20:57


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Silberstreif
???
Registriert: Jun 2001

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Der kleine, dicke Mann war wirklich nicht sehr vorteilhaft gekleidet. Das tat seinem Wohlbefinden und seiner ewigen Seligkeit jedoch keinen Abbruch und ein jeder wurde uneingeschr√§nkt mit einem L√§cheln bedacht. Er trug einen gelben Pulli, der seinen immensen Bauch allzu deutlich betonte, √ľber einer gr√ľnen Hose, die merkw√ľrdigerweise nie irgendwelche Flecken aufwies. Die rote M√ľtze war Ausdruck seiner Individualit√§t und Trotz gegen jeden Modetrend.

Seine Erscheinung hatte freilig schon zu heftigen, kontroversen Diskussionen zwischen den Leuten gef√ľhrt, doch belastete das sein sonniges Gem√ľt in keinster Weise. Sein einziges Streben galt seinem Garten - deshalb wurde er auch immer bewehrt mit Gartenger√§t gesichtet. Schubkarren l√∂sten Harken ab, Schaufeln und Spaten wurden gegen Heckenscheren ausgetauscht - nie machte er auch nur im Entferntesten den Eindruck von Mu√üe, oder gar Faulheit.

Sein seliges L√§cheln galt vielleicht auch der Bl√ľtenpracht ringsum und gar nicht so sehr den Leuten, die ihn mal freundlich oder auch befremdet anstarrten. Von vielen wurde er jedoch √ľbersehen. Man hatte sich schliesslich an ihn gew√∂hnt. Er war einfach ein verschrobener kleiner, dicker Mann, dem sein Garten zum Lebensinhalt geworden war.

Gelegentlich wurde er in Begleitung von anderen, ähnlich arbeitsam anmutenden Männern angetroffen und ziemlich selten, gar in unmittelbarer Nähe einer Frau. Es musste seine Ehefrau sein, denn die langen Jahre der Gemeinsamkeit hatten sie einander stark angeglichen. Und sie hatten einander nichts zu sagen - es sah sie jedenfalls nie jemand miteinander reden - was ebenfalls darauf hindeuten liess.

Die Nachbarn, sowohl rechts, als auch links, konnten dem kleinen, dicken Mann seine Selbstgef√§lligkeit nicht g√∂nnen. Sie waren erbost und ziemlich beleidigt, allein durch seine best√§ndige Gegenwart im Garten. Wenn Besuch zugegen war und man sich einen netten Grillabend g√∂nnen wollte, bestach der kleine, dicke Mann best√§ndig mit seiner Anwesenheit im Nachbarsgarten. Freundlich, doch durch seine d√ľmmlich-grinsende Art wurde er sehr schnell zur Zumutung. Niemandem w√§re jemals eingefallen, ihn einzuladen. Man versuchte ihn nicht zu beachten und fand sich schliesslich mit seiner Gegenwart ab.

Zumindest die meiste Zeit. Die Nachbarn wechselten manchmal. Feindliche √úbergriffe waren auch schon auf ihn ausge√ľbt worden. Selbstverst√§ndlich konnte er sich keinen Reim darauf machen, wieso man mit allen m√∂glichen Gegenst√§nden nach ihm warf, seinen Garten verunzierte und einmal sogar auf ihn mit einem Luftgewehr schoss. Und das in einer deutschen Vorstadt-Reihenhaus-Siedlung! Er wurde nicht ernsthaft verletzt, konnte auch keine Strategie entwickeln um sich zu wehren, also sa√ü er den Unmut seiner Nachbarn einfach aus und ohne Gegenwehr hatten die ihr Pulver rasch verschossen. Jemand der nicht zu √§rgern ist, bereitet keine Befriedigung.

Die Ignoranz der Leute bescherte ihm seine Zufriedenheit. Er wollte niemanden √§rgern, und auch von niemandem behelligt werden. Die Jahre vergingen, der kleine, dicke Mann stand in seinem Garten und l√§chelte selig. Wer k√∂nnte je an dem Gl√ľck eines Gartenzwergs zweifeln?

__________________
will man, was man muss?

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