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Leselupe.de > Erzählungen
Noche de San Juan
Eingestellt am 17. 09. 2003 14:39


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Estrella
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Jul 2003

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Noche de San Juan
Heiss brennt die Sonne von einem wolkenlosen Himmel auf die Strassen und Häuser des spanischen Küstenortes. Es ist viel zu warm für einen Junitag, und ich merke, wie mir, kurz nachdem ich das kühle Innere meines Wagens verlassen habe, der Schweiss den Rücken hinunterläuft. Das Aussenthermometer der Apotheke, an der ich vorhin vorbeigefahren bin, hat achtunddreissig Grad im Schatten angezeigt und im Radio heute morgen hat der Moderator verkündet, dass dies der heisseste Juni seit 1947 wäre. Wie würde es nur erst im August sein, wenn mir die Hitze schon jetzt so zu schaffen machte. Nach zehn Jahren in Spanien, sollte ich mich endlich akklimatisiert haben. Ich liebe den spanischen Sommer, stöhne aber jedes Jahr erneut über das heisse Wetter.

Die Strasse ist menschenleer. Ein einsamer Hund liegt zwischen zwei parkenden Autos vor einem Hauseingang und versucht, sich hechelnd Kühlung zu verschaffen. Jeder vernünftige Mensch hält sich in den südlichen Ländern zur Mittagszeit drinnen, oder zumindenst im Schatten auf. Sogar am Strand kann man zwischen ein und vier Uhr nachmittags wieder in mitten all der bunten Sonnenschirme leere Stellen im Sand erkennen, denn die Einheimischen flüchten in ihre kühlen Häuser. Nur manche Touristen braten auch in der stärksten Hitze schutzlos in der Sonne.
Ich steure im Eiltempo eine Cafetería auf der Plaza an, wo ich mit Sonia und Marí Cruz verabredet bin. Die beiden sitzen schon an einem der Tische unter einem grossen Sonnenschirm und haben eine kühle „Clara“, eine Mischung aus Bier und Limonade vor sich stehen. Sonia ist eine alte Freundin aus Deutschland, die gerade zu Besuch ist und Marí Cruz meine Arbeitskollegin. Da die eine kein Wort spanisch spricht und die andere nur ein paar Brocken deutsch, werde ich schon sehnsüchtig erwartet.
Ich bestelle ebenfalls eine Clara und ordere noch ein paar Tapas, kleine spanische Appetithäppchen, die ich bei der grossen Hitze einem üppigen Mittagessen vorziehe.
„Ich habe gerade versucht, deiner Freundin zu erklären, was die ‚Noche de San Juan´ ist“, sagt Marí Cruz, während sie sich eine Olive in den Mund steckt und kurz darauf den Kern in den Aschenbecher spuckt.
„Die Nacht der Magie“, meine Augen beginnen zu glänzen, als ich Sonia von diesem besonderen Ereignis erzähle, das jedes Jahr am Abend des dreiundzwanzigsten Juni gefeiert wird.
„Es ist die Zeit des Sommeranfangs und die Sonne hat ihren höchsten Stand. Die Menschen begrüssten in alten Zeiten die langen Tage voller Sommerwärme mit einem besonderen Fest – dem Sommersonnenwendenfest“, erklärte ich.
„Später feierten die Christen dann die Geburt von Johannis dem Täufer.
Hier in Spanien gibt es viele uralte, zum Teil noch vorchristliche Bräuche, die dieser Nacht ihren ganz besonderen Zauber verleihen. Man trifft sich am Strand und macht dort Picknick, oder grillt Sardinen. Überall werden kleine Lagerfeuer, die sogenannten ‚Hogueras’ angezündet.
Und nicht zu vergessen das grosse Johannisfeuer und die Lifemusik“, übersetze ich Marí Cruz´ Einwurf.
„Das hört sich ja toll an, gehen wir da hin?“ Sonia schaut mich begeistert an. „Und kommt Salvador auch mit?“
„Klar“, nicke ich und muss für einen Augenblick an meine erste ‚Noche de San Juan’ denken. Meine Gedanken wandern zehn Jahre zurück, zu meinem ersten Sommerurlaub in dem kleinen, spanischen Küstenort. Damals hatte ich Marí Cruz in einer Kneipe kennen gelernt und war von ihr eingeladen worden, diesen speziellen Abend am Strand mit ihrer Clique zu verbringen.

In Gedanken sehe ich noch mal alles vor mir, wie wir so gegen halb elf dort ankamen, und wie begeistert ich von dem Anblick des Strandes war. Dieses Bild und die Stimmung sind bis heute in meinem Gedächtnis haften geblieben.
Familien inklusive Opa, Oma, Kleinkind und Hund, sowie Freundesgruppen sassen über den gesamten Strand verteilt auf ihren mitgebrachten Klappstühlen oder Decken und unterhielten sich leise. Überall brannten Fackeln und unzählige kleine Lagerfeuer, die Hogueras. Ein besonderer Zauber schwebte in der Luft, welcher durch die leuchtenden Sterne und den runden Vollmond über dem Meer noch verstärkt wurde. Der Lichtschein des Mondes liess die sanften Wellen wie flüssiges Silber glänzen. In der Mitte des Strandes war ein riesiger Holzhaufen aufgeschichtet, der, wie mir meine spanischen Freunde erklärten, später zu einem grossen Feuer entfacht werden sollte. Wir suchten uns einen freien Platz unter einer Palme und breiteten unsere Decken und Handtücher aus. Während die Jungs das Holz für unsere kleine Hoguera besorgten, holten wir Mädchen die belegten Brötchen, Salami, Schinken, Oliven und Chips hervor und verteilten Pappbecher für die Getränke, die wir in einer grossen Kühlbox mitgebracht hatten. Ich konnte damals noch kein Wort spanisch, und so verständigten wir uns, mehr schlecht als recht, auf englisch.
Nachdem unser Feuer brannte und wir gegessen hatten, packte Salvador, einer der Jungs seine Gitarre aus und begann zu spielen.
Ich beobachtete ihn dabei und fing so manchen Blick aus seinen dunklen Augen auf. Im Schein des Feuers schimmerten seine braunen Locken beinahe rötlich. Ein Gefühl, als ob Hunderte von Schmetterlingen aus ihren Larven ausschlüpfen und in meinem Bauch hin und her flattern würden, machte sich in mir breit. Ich lehnte mich mit dem Rücken gegen die Palme, genoss jeden Augenblick dieser magischen Nacht und liess ihren leisen Zauber auf mich einwirken. Immer wieder beobachtete ich, wie Menschen sich an den Händen fassten und um die Feuer herumtanzten oder darüber sprangen.
„Das soll Geist und Seele reinigen“, flüsterte mir Marí Cruz zu, als ich sie nach dem Grund fragte.
Sie beschrieb mir noch andere alte Bräuche, die über die Jahrhunderte hinweg bewahrt worden waren. Einer gefiel mir besonders gut. Man musste um zwölf Uhr nachts seine Füsse im Meer nassmachen und über sieben Wellen springen. Dann konnte man sich, nachdem man dem Meer den Rücken zugedreht hatte, etwas wünschen, was dann im Laufe des Jahres in Erfüllung gehen sollte.
In manchen Gegenden warfen die Menschen auch Blumen, Früchte und Münzen hinter sich ins Wasser, erzählte Marí Cruz. Die Blumen waren ein Talisman für die Liebe, das Obst sorgte dafür, dass man gesund blieb und die Geldstücke, dass man materiell immer aufs Beste versorgt war.

Eine Viertelstunde vor Mitternacht begann das Feuerwerk. Unzählige bunte Lichter gesellten sich für einen kurzen Augenblick zu den Sternen, bevor sie wieder für immer erloschen. Wir waren alle aufgestanden, um das Schauspiel besser verfolgen zu können. Ich spürte, wie mich zwei Arme von hinten umfassten und blickte, als ich mich umdrehte, in Salvadors Gesicht. Ein Kribbeln überzog meinen Körper und ich bekam, obwohl mir furchtbar warm war, eine Gänsehaut. Das Feuerwerk hatte inzwischen seinen Höhepunkt erreicht. Eine Rakete nach der anderen explodierte mit lauten Knallgeräuschen und zeichnete in den schönsten Farben die unterschiedlichsten Formen an den nächtlichen Himmel. Es war ein überwältigendes Schauspiel. Als der letzte Feuerwerkskörper erloschen war, wurde das Johannisfeuer angezündet. Da das aufgeschichtete Holz sehr trocken war, schlugen sofort meterhohe Flammen in den Himmel. Wir standen ganz nah am Feuer und spürten seine unglaubliche Hitze.
„Komm, lass uns schon zum Wasser hinuntergehen“, flüsterte mir Salvador ins Ohr. „Es wird gleich richtig voll dort unten werden.“
Er nahm meine Hand und wir gingen zum Ufer. Am Horizont waren die Lichter einiger Fischerboote zu sehen, die den Fang für die Fischversteigerung am nächsten Morgen sicherten. Als die Glocke der kleinen Dorfkirche zwölfmal schlug, gingen wir soweit ins Meer hinein, bis uns das Wasser an die Knie reichte. Wir sprangen über sieben Wellen und drehten uns dann wieder in Richtung Strand. Wir schlossen die Augen und konzentrierten uns stumm auf unseren Wunsch. Salvador hatte die ganze Zeit über meine Hand nicht losgelassen und blickte mir danach tief in die Augen.

Ich bin bis heute noch davon überzeugt, dass wir damals beide denselben Wunsch gehabt hatten, und dass die magischen Kräfte dieser geheimnisvollen Nacht für seine Erfüllung gesorgt hatten. Wir sind seitdem unzertrennlich gewesen und mittlerweile auch verheiratet.
Als die Band zu spielen begann, verliessen wir das Wasser und gesellten uns zu den anderen Tanzenden. Irgendwann war die mystische Nacht dann vorüber gewesen. Die Lagerfeuer waren eins nach dem anderen erloschen und schliesslich war die Sonne wie ein feuerroter Ball aus dem Meer aufgetaucht, nachdem sie schon Stunden vorher mit einem rötlichen Schein am Horizont ihr Kommen angekündigt hatte.

Morgen Abend wĂĽrde nun Sonia zum ersten Mal den Zauber dieses Abends spĂĽren und ein bisschen von der Magie dieses leisen, beeindruckenden Festes in ihrem Herzen mit nach Deutschland nehmen.

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Yoanna
???
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Einleitung und Konflikt

Hallo Estrella,
nachdem ich Dein Werk schon vor längerer zeit gelesen hatte, erlaube ich mir jetzt einmal eine Bewertung und eine Kritik. Erstens: Die Einleitung finde ich zu lang. Du willst von der romantischen Geschichte am Strand erzählen, sprichst aber zunächst von der Hitze in Spanien und vom Rendezvous mit Sonia und Maria Cruz. Man weiß nicht recht, worauf Du hinaus willst.
Dann die Geschichte mit Salvador. Schön, was sich da am Strand abspielt, echt toll, hab ich auch erlebt, nur in Italien, und dann ist auch noch eine Ehe draus geworden! Aber: Wo bleibt die Spannung?
Mal ganz persönlich zugesteckt: Ich hätte es interessant gefunden, wenn Du beschrieben hättest, wie Savador zehn Jahre später die gleiche Show noch einmal abzieht, aber eben mit einer zehn Jahre Jüngeren. Das wäre rein dramaturgisch gesehen spannend gewesen. Nun ist dem in der Realität wohl nicht so. Ich habe den Eindruck, Du schreibst von Dir und Deiner persönlichen Erfahrung. Da kann ich nur sagen: Schön für Euch, auf dass es ewig so bleibe. Aber wozu dann darüber schreiben? Geschichten und Erzählungen leben vom Konflikt. Wenn alles in Butter ist, hat es für die anderen nicht viel Bedeutung.
Jedenfalls alles Gute in Spanien, falls Du da noch bist. Und alles Gute mit Salvador. Und sag Bescheid, wenn ich alles falsch interpretiert habe!
Yoanna

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Estrella
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Hallo Yoanna,
danke für die ehrliche Kritik. Mit der Einleitung gebe ich Dir recht, die hätte vielleicht etwas kürzer ausfallen können. Ich wollte allerdings jetzt nicht unbedingt eine super spannende Geschichte draus machen. Meine Absicht war es den Lesern einen der schönen spanischen Bräuche, von denen es noch mehr gibt, näherzubringen, halt einfach etwas von dem Zauber der "Noche de San Juan" vermitteln. Die findet übrigens jedes Jahr genau so statt. Salvador ist aber nicht mein Mann . Schade, dass Du nur Konfliktgeschichten interessant findest.

GrĂĽsse
Estrella

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GabiSils
???
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Hallo Estrella,

wahrscheinlich erwartet man von einer Erzählung unwillkürlich mehr Handlung. Deine Geschichte würde gut in "Freizeit" passen - dort sind unter anderem auch Reiseberichte - oder ins Tagebuch.

Schöner Text, ich habe es gerne gelesen.

GruĂź,
Gabi

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Yoanna
???
Registriert: May 2003

Werke: 8
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Konflikte

Hallo Estrella,
habe meine Kritik noch einmal gelesen und sehe, dass sie etwas direkt und negativ ausgefallen ist. Dabei ist es ja so, dass etwas Interessantes ja durchaus bei mir angekommen ist, denn sonst hätte ich mir ja gar nicht die Mühe gemacht, Dir zu schreiben. - Du bedauerst, dass ich nur Konfliktgeschichten mag. Aber darum geht es doch in jeder Geschichte, es m u s s einen Konflikt geben, der sich gegen Ende löst, ins Positive oder Negative, alles ist möglich. Wozu sonst schreiben? Es wird immer nur von FLugzeugunglücken berichtet, nie aber von den zahllosen Flügen, die reibungslos verlaufen.
Schade übrigens um Salvador, hätte ich Dir gegönnt
GruĂź und nichts fĂĽr ungut, gell?
Yoanna

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Estrella
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Jul 2003

Werke: 14
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Hallo Gabisils,

danke fĂĽrs Lesen. Die Rubriken, die Du angespochen hast, hab ich nicht gefunden. Freut mich, dass Du meinen Text gerne gelesen hast.

Hallo Yoanna,
so betrachtet, magst Du Recht haben, man kann einen Konflikt auch positiv sehen. Vielleicht versuche ich mal in einer ruhigen Stunde noch etwas mehr Handlung in die Geschichte zu bringen.

LG
an Euch beide
Estrella

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