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Leselupe.de > ErzÀhlungen
Novelle
Eingestellt am 10. 01. 2011 20:16


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Kira Berg
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Jan 2011

Werke: 6
Kommentare: 1
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WelkhĂŒll

Der Regen peitschte gegen die Frontscheibe. Mit zunehmender DĂ€mmerung war die Straßenbegrenzung kaum noch zu sehen. Die weißen Begrenzungspfeiler huschten im Licht vorbei, strahlten im Scheinwerferlicht kurz auf und verschwanden im Dunkel. Melanie saß angestrengt schon seit Stunden hinter dem Steuer. Die Augen schmerzten und sie war mĂŒde. Sie hasste es, bei Regen zu fahren. Wobei man das, was sich außerhalb des Autos bot, kaum noch als Regen bezeichnet konnte. Das Ă€hnelte schon eher einer Sintflut. Man hatte das GefĂŒhl, als schĂŒtte jemand volle Wassereimer ĂŒber ihr aus. Es war, als ob sich ein Schlund öffnen wollte, um sie mit ihrem Auto zu verschlucken. Melanie rĂŒckte immer nĂ€her an die Frontscheibe, um die Straße besser ausmachen zu können. Wie hatte sie sich auch darauf einlassen können, noch nach der Landung in Sundsvall loszufahren, nur um nicht noch einen Tag im Norden sinnlos zu vertun. Mitten in der Nacht in einem fremden Land, das scheinbar nur aus Wald und Gebirge zu bestehen schien herumzufahren, war doch das DĂŒmmste, was sie seit langem gemacht hatte. Sie war noch niemals in Schweden, weil sie den Norden hasste. Nun musste sie in dieser Nacht blind auf ihr Navi vertrauen und das in Nordschweden. Es hatte sie schon zweimal in der letzten Stunde zum Umkehren aufgefordert hatte, um auf ihre Ausgangsroute zurĂŒck zu fahren. Dabei hatte sie ganz bestimmt keine Kreuzung ĂŒbersehen, weil es keine gab. Seit Stunden fuhr sie auf der scheinbar einzige Straße hier oben. Der Wind nahm OrkanstĂ€rke an und versuchte immer wieder ihren Leih-BMW von der Straße zu drĂ€ngen. Das wollte bei dem Modell, das sie fuhr, schon etwas heißen. Bisher hatte sie immer das GefĂŒhl, sicher wie in einem Panzer zu fahren. Heute aber durchzuckte Melanie jedes Mal kurz eine Panikattacke, wenn der Wind mit dem Auto spielte und es wie ein Schiff nach links und rechts triften ließ. Sie schalt sich fĂŒr ihre Dummheit, nachts zu fahren und Angst zu haben. HĂ€tte sie den Abhang, der sie neben der Straße schon die ganze Zeit begleitete, gesehen, wĂ€re sie sicher ganz anders gefahren. Warum hatte sie auch nicht das nĂ€chste Flugzeug genommen. Lena, ihre große Schwester, die vor drei Jahren plötzlich von der BildflĂ€che verschwunden war und sich nach all der Zeit plötzlich aus Änge gemeldet hat, hatte ihr dazu geraten. Doch Melanie liebte es, Auto zu fahren und wollte andererseits die Möglichkeit haben, jederzeit wieder nach Stockholm zurĂŒckkehren zu können.
Sie war neugierig auf Lena. In den letzten Jahren hatte sich ihr VerhĂ€ltnis etwas abgekĂŒhlt. Lena hatte sich vor ihrem Weggang verĂ€ndert. FrĂŒher, als Kinder und Teenees hatten sie sich gemocht, wie sich Schwestern eben mögen, die fĂŒnf Jahre auseinander sind. Lena war Melanie gegenĂŒber immer distanziert gewesen, hatte sie spĂŒren lassen, dass sie Welten trennten. Melanie war angepasst, folgsam. Lena lehnte sich gegen alles auf, insbesondere gegen die Mutter. Das fand Melanie immer ungerecht. Hatte ihre Mutter doch schon genug Probleme die beiden Kinder ohne Vater aufzuziehen. Lena hatte den Vater gekannt. Als Melanie zur Welt kam, trug ihre Mutter noch Trauer. Sie wusste nur, dass er bei einem Bergunfall ums Leben gekommen sei. Keiner sprach je viel von ihm. Antworten auf ihre vielen Fragen hat Melanie weder bei Lena noch bei ihrer Mutter bekommen. Damit ist sie aufgewachsen. Geblieben ist das GefĂŒhl, nach etwas zu suchen. Lena ist vor drei Jahren einfach verschwunden, gerade in der Zeit, in der die Mutter im Sterben lag. Melanie hatte sich um alles kĂŒmmern mĂŒssen und anfĂ€nglich eine furchtbare Wut auf Lena gehabt. SpĂ€ter fehlte die Schwester, der einzige Mensch, der ihr von der Familie geblieben ist. Irgendwann, nach drei Jahren, erreichte sie eine Mail aus Schweden:
„Mein liebe Melanie, sei mir bitte nicht mehr böse. Ich konnte nicht anders. Ich bin jetzt soweit, dass ich dir den Grund meiner schnellen Abreise erzĂ€hlen kann, die Ursache, weshalb ich dich so oft fĂŒr dein Leben beneidet und dafĂŒr gehasst habe. Lass uns als Schwerstern noch einmal von vorn anfangen. Wenn du in deinem Sommerurlaub in diesem Jahr noch nichts vorhast, dann verbringe ihn bei uns. Peter möchte dich auch kennen lernen. Deine Lena“
Sie las die Mail immer und immer wieder. Ihre GefĂŒhle schwankten zwischen Wut, Erleichterung und einem HeimatgefĂŒhl, dass ihr nach dem Tod der Mutter irgendwie abhanden gekommen war. Sie erinnerte sich an schöne Zeiten mit Lena. Gemeinsam hatten sie heimlich geraucht und von der Mutter verbotene Zeitschriften angesehen. Melanie drĂ€ngte danach das schlechte Gewissen. Lena hatte damit keine Probleme, aber sie hatte Stimmungsschwankungen. Bei guter Stimmung war sie offen, fĂŒr die Probleme der Schwester. In diesen Zeiten hĂ€tte Melanie mit allem zu ihr kommen können. Sie kannte aber auch die Zeiten, in denen Lena tagelang nicht nach Hause kam, um dann letztendlich zugekifft und völlig verwahrlost zu Hause zu erscheinen. Die Mutter hatte dann immer nur besorgt den Kopf geschĂŒttelt, jedoch nie etwas unternommen. Als Melanie ins Internat ging, um Jura zu studieren, versuchte Lena bereits zum dritten Mal, eine Ausbildung zu beginnen, diesmal zur Werbekauffrau. Irgendwie hatte Melanie das GefĂŒhl, dass die Schwester sie dafĂŒr hasste, dass ihr Leben so glatt verlief. Es gab auch Zeiten, da nahm Lena Melanie in den Arm und hauchte ihr „ Ich bin stolz auf meine kleine Schwester“ in das Ohr. Wenn Melanie ehrlich war, liebte sie Lena eigentlich abgöttisch und immer wieder fragte sie sich, warum sie beide so verschieden waren. Das war es sicher, was sie bewog, ihren Urlaub, den sie Jahr fĂŒr Jahr im SĂŒden verbrachte, mit dem Norden zu tauschen. Bei diesen Gedanken an Lena, begann sich Melanie schon auf das Wiedersehen zu freuen.
„Wenn nicht dieses verdammte Wetter wĂ€re“, fluchte sie laut im Auto. So hatte sie sich den Norden vorgestellt. Genauso. Schon LĂŒbeck, ihre neue Heimat seit drei Jahren war ihr viel zu nordisch. Nach dem Tod der Mutter war sie aus Bayern weggezogen. Nach dem Weggang der Schwester und dem Tod der Mutter war Melanie jegliches HeimatgefĂŒhl abhanden gekommen. Melanie machte kurzen Prozess, bewarb sich in einer großen Kanzlei in LĂŒbeck und nahm sofort an, als sie die Stelle bekam. Innerhalb einer Woche zog sie um und war seitdem nie wieder in ihrem Heimatdorf gewesen.
Nun ĂŒberdachte sie noch einmal ihre Kleidung im Koffer, die fĂŒr diese Wetter ĂŒberhaupt nicht ausgelegt war, bis auf eine Regenjacke, zu der ihr ein guter Freund geraten hatte. „Lasse sie immer in deiner NĂ€he. Ich war einmal drei Wochen dort oben und es hat nur geregnet“ Sie hörte noch seine Worte. Wie recht er hatte. Die Regenjacke lag also auf dem Beifahrersitz bereit und schien sie höhnisch anzugrinsen. Im Koffer waren, wenn sie es sich recht ĂŒberlegte, eigentlich nur Dinge fĂŒr eine Woche. Sie war sich einfach nicht sicher gewesen, wie lange sie bleiben wollte. Doch jetzt hatte sie eher den Wunsch, so lange wie möglich mit der Schwester hier oben die Zeit zu verbringen. Ach was, dann musste sie sich eben in irgendeiner Stadt in der NĂ€he von Änge etwas kaufen. Allerdings war sie scheinbar von Änge meilenweit entfernt, wenn sie ihrem Navi glauben sollte, welches ihr schon wieder mitteilte, dass sie zur berechneten Route zurĂŒckkehren sollte. Sie schaltete es ab. Irgendwann musste ja selbst einmal in Schweden ein Hinweisschild stehen. Dann wĂŒrde sie schon sehen, wo sie sei. Sie fuhr ja schließlich nicht in den Dschungel. Der Regen wurde immer schlimmer. Die Scheibenwischer schafften es kaum noch, das Wasser von der Scheibe fernzuhalten. Draußen im Dunkel waren nicht einmal mehr die Begrenzungsmaste zu sehen. Hatte sie sich nun doch verfahren? Unbeabsichtigt fuhr sie schneller, als ob sie so besser wieder auf eine grĂ¶ĂŸere Straße kommen könnte. Die Straße, auf der sie sich befand, schien immer enger zu werden. Sie versuchte, ihr Navi wieder einzuschalten und dabei muss sie wohl einen kurzen aber zu langen Augenblick abgelenkt gewesen sein. ZunĂ€chst hörte sie einen Stoß, dann schien eine Windböe das Auto zu erfassen und von der Straße drĂ€ngen zu wollen. Sie versuchte gegenzusteuern. Alle Sicherheitssysteme leuchteten auf. Das Auto kam ins Trudeln. Sie hatte das GefĂŒhl auf einem Fluss weggetragen zu werden. Angst stieg in ihr auf. Die Lenkung funktionierte nicht mehr. Sie versuchte zu bremsen, erinnerte sich an ihr Fahrtraining. Sie hatte einmal gelernt, dass man auf keinen Fall von der Bremse treten solle, da die Gefahr des Überschlagens bestehe. Irgendwie musste sie von der Straße abgekommen sein, denn es fĂŒhlte sich an, als fahre sie ĂŒber Schotter, ĂŒber einen Waldweg mit unzĂ€hligen Steinen. Der Wagen neigte sich zur Seite. Regen peitschte gegen das Auto. Zweige streiften gegen die Scheiben. Sie stieß mit dem Kopf gegen die Seitenscheibe, als der Wagen sich zu neigen und zu drehen begann. Das Dröhnen des Windes klang in ihren Ohren und wurde zu einem furchtbaren Echo. Danach muss sie wohl die Besinnung verloren habe, denn als sie die Augen wieder aufschlug, war es trotz des Regen der weiterhin auf das Dach trommelte und die Zweige die an das Glas peitschten, eigenartig ruhig. Sie konnte nicht genau differenzieren, woher die Stille kam, bis sie sah, dass alle Armaturen erloschen und der Motor verstummt war. Sie versuchte erneut zu starten, doch der Wagen blieb stumm. Sie versuchte draußen irgendetwas zu erkennen, doch man hatte das GefĂŒhl, als wĂŒrden Kannen voller Wasser ausgeschĂŒttet. Ihr Kopf dröhnte, ein warmes Rinnsal rann an ihrem Auge entlang. Sie tastete danach und spĂŒrte einen leichten Druckschmerz und eine Beule, aus der sie vermutlich etwas blutete. Ihr war klar, dass sie aus dem Auto heraus musste. Sollte sie sich noch auf der Straße befinden, könnte man sie vielleicht rasch finden. Wenn sie von der Straße abgekommen war, musste sie sich erst recht bemerkbar machen. Also versuchte sie aus dem Gurt herauszukommen, der sie festhielt, wie eine Fessel. Wo in aller Welt war der Gurtschneider. Sie kramte im Dunkeln herum bis sie ihn fand. Der Wagen musste auf irgendeiner schrĂ€gen Ebene stehen, denn sie hing mit dem Kopf nach hinten im Gurt. Die HĂ€nde waren klamm, ihr wurde eigenartig kalt. Die ausgefallene Heizung machte sich bemerkbar. Ein Frösteln ging von den FĂŒĂŸen bis hoch in den Kopf und sie begann wie bei SchĂŒttelfrost zu zittern und musste wohl wieder kurz die Besinnung verloren haben, denn dabei ist ihr der Gurtschneider aus der Hand geglitten. Wieder suchte sie ihn und als sie ihn fand, versuchte sie, am Gurt zu sĂ€gen. Sie hĂ€tte nie gedacht, wie viel Kraft man doch dazu benötigte. Endlich gab der Gurt nach; sie prallte beim Hinunterfallen mit dem Kopf gegen etwas Hartes und stieß einen leisen Schrei aus. Nun erst konnte sie in ihre Tasche greifen, um ihr Ersatzhandy herauszuholen. Sie schaltete es an. Eine Ewigkeit schien bis zur Anmeldung zu vergehen, nur um zu sehen, dass sie keinerlei Empfang hatte. Sie steckte es wieder ein, ergriff die Regenjacke und versuchte die FahrertĂŒr zu öffnen. Anfangs klemmte sie. Doch als sie sich mit ihrem ganzen Körper und mit all ihren verbliebenen KrĂ€ften, die sie noch hatte, dagegen wuchtete, öffnete sie sich. Ein Schwall Wasser ergoss sich ĂŒber sie und der Wind blies ihr heftigst ins Gesicht, das als wĂŒrde man es mit tausend Nadeln beschießen, brannte. Doch die kĂŒhle Luft linderte gleichermaßen den Schmerz, den das Wasser entfacht hatte. Mit einem erneuten Schreckensschrei fiel sie aus dem Auto. Scheinbar war der Wagen auf einem Abhang zum Stehen gekommen. Jetzt erst spĂŒrte sie, wie viel Kraft allein sie das Öffnen des Autos gekostet hatte. Sie war gar nicht in der Lage gegen den Wind und den Regen aufzustehen, sondern versuchte auf allen vieren, vielmehr auf dem linken Arm und beiden Beinen auf dem Waldboden entlang zu robben. Der rechte Arm schmerzte, allein schon, wenn sie nur die Finger bewegte. Jetzt erst sah sie, dass sie sich mitten in einem Wald befand. Weit und breit war keine Straße zu sehen. Sie war umringt von tosenden BĂ€umen. Das Dickicht zerkratzte ihr das Gesicht. Doch sie wusste, dass sie nur eine Chance hatte, wenn sie in Bewegung blieb und aus dem Wald herauskomme. MĂŒhsam schleppte sie sich Meter fĂŒr Meter voran. Sie spĂŒrte ihre KrĂ€fte schwinden. Nach wie vor war kein Empfang auf dem Handy und selbst beim verzweifelten Versuch des WĂ€hlens des Notrufs blieb es stumm. Nun schmerzte auch ihr rechtes Auge. Sie hatte es sich wohl an den Zweigen des Unterholzes verletzt. Sie kniff es zu und legte sich fĂŒr einen kleinen Augenblick flach auf den Boden. Was fĂŒr ein angenehmes und schmerzloses GefĂŒhl. Sie wollte einfach liegen bleiben und die Augen schließen. Doch in dem Moment, in dem sie den Kopf auf ihre Arme sinken lassen wollte, gewahrte sie einen kleinen Lichtschein, geradewegs einige Meter vor sich. Die LebenskrĂ€fte kehrten zurĂŒck. Sie dachte an Lenas Worte, die ihr einmal sagte, als sie gerade einmal wieder einen Job geschmissen hatte: „ Ach Melanie, wenn ich so stark wĂ€re wie du, wĂŒrde ich auch alles schaffen. Ich bin es nicht.“ Bei diesem Gedanken erinnerte sie sich wieder, was sie eigentlich hier suchte. „Es ist nichts passiert“, beruhigte sie sich. „Du hattest einen kleinen Unfall. Doch du bist heil aus dem Wagen gekommen und dort vorn wartete Hilfe. Also reiß dich zusammen und heule hier nicht rum.“ Neben ihr knackte es. Sie fuhr zusammen. „Mein Gott, du dumme Pute, wer soll hier bei dem Wetter auf dich warten. Selbst TriebtĂ€ter bleiben bei diesem Wetter zu Hause. Du liest zu viele Gerichtsakten.“ Als sie nĂ€her auf das GerĂ€usch hören wollte, bemerkte sie, dass es stĂ€ndig ĂŒberall knackte und sie begann zu schmunzeln, auch wenn sie das GefĂŒhl hatte, dass ihr linker Mundwinkel so gar nicht mehr schmunzeln wollte. Nachdem sie sich wieder einige Meter weiter geschleppt hatte, erschien es ihr, als werde das Licht grĂ¶ĂŸer und wirklich, plötzlich lag sie auf allen vieren vor einer großen Wand. Diese Wand nahm bei jedem Meter der AnnĂ€herung Gestalt an und wurde zu einem alten Steinhaus mit einem einzigen beleuchteten Fenster. Sie versuchte zunĂ€chst „Hallo“ zu rufen. Doch die Stimme, wenn sie ĂŒberhaupt noch eine hatte, verschwand im Getöse des Sturms. Sie kroch nĂ€her heran und betastete eine Art Absatz oder Bank. Auf diese Bank versuchte sie sich mit ihrer noch einigermaßen krĂ€ftigen linken Hand zu stĂŒtzen und konnte sich schließlich, mit furchtbaren Schmerzen in den Beinen, setzen. Von hier aus griff sie mit der linken Hand am Haus entlang und gewahrte eine HolztĂŒre. Nirgendwo ertastete sie einen Klingelknopf und begann schon wieder leicht in Panik zu geraten. Bis sie einen metallenen Gegenstand ertastete, der sich als Klopfer entpuppte. Oh Gott, wo war sie hier angekommen. Sie wusste weshalb sie den Norden hasste. Das pure Mittelalter. Mit letzter Kraft, die nun vollends aus dem linken Arm schwand, betĂ€tigte sie den Klopfer. Alles blieb ruhig. Verzweifelt und nun völlig am Ende lehnte sie sich an die Wand. Da hörte sie ein GerĂ€usch von innen, dass sich wie ein SchlĂŒrfen von Pantoffeln auf Holz anhörte. Dann öffnete sich die TĂŒre. Eine wahnsinnige Erleichterung schwang durch ihre Seele. Sie fĂŒhlte sich zu KrĂ€ften kommend und voller Hoffnung. Melanie versuchte aufzustehen und die kurze Ruhepause war wohl ausgereichend lang gewesen, um wieder zu KrĂ€ften zu kommen. WĂ€rme strömte ihr entgegen und jede Menge Licht und vor sich sah sie einen Mann, der etwas grĂ¶ĂŸer war als sie, mit einem altmodischen Morgenmantel, rot kariert aus Wollstoff, bekleidet. Doch das faszinierendste an ihm war sein durchdringender Blick. Sie konnte die Augen nicht von ihm lassen und fĂŒhlte sich angezogen und abgestoßen in einem. Sein Alter zu schĂ€tzen, war nicht ganz einfach. Die Augen und die HĂ€nde wirkten im Gegensatz zu seinem Gesicht jung. Er hatte Falten im Gesicht erschien abgeschlagen und mĂŒde. Doch es musste ja auch lange nach Mitternacht sein. Das ZeitgefĂŒhl war ihr seit Stunden abhanden gekommen. Mit einer Handbewegung lud er sie ein, einzutreten.
„ Entschuldigen sie, ich
“ Noch bevor sie den Satz zu Ende sprechen konnte, hatte er sie an der Schulter ergriffen und schob sie sanft in einen großen warmen Raum, mit altem Mobiliar und einem ĂŒberdimensionalem Kamin, in dem ein flackerndes Holzfeuer eine angenehme WĂ€rme im ganzen Raum verströmte. Als er die TĂŒr hinter ihr schloss, hatte sie das GefĂŒhl, in Sicherheit zu sein, in eine andere Welt einzutreten und atmete auf. „Sie hatten einen Unfall?!“ Hatte er eine Frage gestellt oder war es eine Feststellung? Andererseits war das wohl auch nicht schwer zu erraten. Sie musste ja fĂŒrchterlich aussehen. Sie schaute an sich herab und gewahrte ihre zerrissenen Hosen. Aus den Stofffetzen tropfte Blut, die Schuhe hatte sie verloren. Die FĂŒĂŸe waren blutig. Ihre HĂ€nde waren zerkratzt, die rechte Hand ziemlich unförmig geschwollen und kaum zu bewegen. Ihr Gesicht fĂŒhlte sich doppelt so dick an und das rechte Auge war wohl inzwischen zugeschwollen, denn sie nahm alles um sich herum wie in einem Tunnel und schemenhaft wahr. „Ja“ sagte sie. „ ich bin mit meinem Wagen von der Straße abgekommen und habe mich durch den Wald geschlagen. Ich bin ja so froh, dass ich ihr Haus gefunden habe“ Sie schaute ihn dankbar an und wieder verspĂŒrte sie ein wohltuendes GefĂŒhl bei seinem Anblick. Diesmal blieb das unangenehme GefĂŒhl weg und ein kaum sichtbares LĂ€cheln stand ihm im Gesicht. „Oh Entschuldigung, ich heiße Melanie Merl und sie erzĂ€hlte ihm die Geschichte ihrer Reise in kurzen ZĂŒgen. Wenig spĂ€ter war ihr, als kehre die SchwĂ€che zurĂŒck. Er schien dies zu merken, fasste sie sanft unter den Armen und fĂŒhrte sie in ein anderes Zimmer. Sie war verwundert, denn nun stand sie in einem recht modernen Badezimmer mit großer freistehender Badewanne auf einem Fliesensockel. Er drehte das Wasser auf, schĂŒttete aus einer weißen Flasche etwas FlĂŒssigkeit hinein und half ihr, sich auf einen Stuhl zu setzen. „Danke, ich glaube, ich schaffe das jetzt allein und vielen Dank“ Er fuhr ihr mit dem HandrĂŒcken ganz leicht ĂŒber ihre rechte Wange, murmelte „ Lena“ und verließ das Bad. Diese Geste hatte ihr eben wahnsinnig gut getan und sie wunderte sich ĂŒber die GefĂŒhle, die sie plötzlich spĂŒrte. Hatte er Lena gesagt oder hatte sie an Lena gedacht. Ihre Gedanken sprangen durcheinander. Vielleicht hatte sie ihm ja, als sie die Geschichte ihres Unfalls berichtete, von Lena erzĂ€hlt und er hatte die Namen durcheinander gebracht. Wie dem auch sei, es tat ihr gut. Nun zog sie die Reste ihrer Kleidung aus. Die Wunden hatten aufgehört zu schmerzen und seltsamerweise auch zu bluten. Sie schien wirklich recht robust zu sein, stellte sie fest und musste lĂ€cheln. Dann stieg sie in das warme Wasser und die letzten Stunden voller Anstrengung und Angst fielen von ihr ab. Es war, als ob sie schwebe und schwerelos durch die Welt flog. Sie lehnte sich zurĂŒck und genoss die Stille und die WĂ€rme. Plötzlich musste sie an Lena denken. Hoffentlich machte sie sich keine Sorgen. Sie streckte den linken Arm aus der Badewanne nach ihrem Handy aus. Endlich wieder etwas Empfang. Sie schrieb eine sms an Lena „ Hallo Lena, furchtbares Gewitter gewesen, hab angehalten, bin bei“. - Hier brach der Empfang ab und die Nachricht wurde verschickt. Besser als nichts, dachte Melanie. Außerdem hĂ€tte sie sowieso nicht gewusst, welchen Namen sie hĂ€tte schreiben sollen. Sie musste an den Fremden denken. Hatte er ihr seinen Namen gesagt? Hatte er sich vorgestellt? Sicher, aber ihr NervenkostĂŒm schien doch etwas mitgenommen zu sein. Es wunderte sie nur ein wenig, dass er bei ihrem Anblick so ruhig geblieben war. HĂ€tte man nicht sofort einen Krankenwagen rufen mĂŒssen. Andererseits hatten die Schmerzen nachgelassen. Sie blutete nicht mehr. Vielleicht war er Arzt und hatte gesehen, dass alles nicht so schlimm war. Er schien hier ganz allein zu wohnen, in diesem riesigen Haus. SpĂŒrte sie etwa einen Funken Angst aufkommen? Sie prĂŒfte nochmals ihre GefĂŒhle: nein, eher wohl nicht. Er hatte sie aufgenommen und ihr geholfen. Sie hĂ€tte das Gleiche getan, wenn jemand an ihre TĂŒr geklopft hĂ€tte, oder doch nicht? Die GefĂŒhle des Aufgehobenseins, des Zu-Hause-Seins ĂŒberwogen, was ihr allerdings genauso unerklĂ€rbar vorkam. Solch einen Zustand hatte sie seit der Kindheit nicht mehr gespĂŒrt. Nach einer ganzen Weile trat sie aus der Badewanne, schon deutlich sicherer wieder auf den Beinen und zog einen weißen wollenen Morgenmantel ĂŒber, den er ihr zurechtgelegt hatte. Auf den Kopf band sie sich ein trockenes Handtuch als Turban und verließ das Bad.

Sie befand sich auf einem ins Halbdunkel gehĂŒllten Gang. Das Haus musste riesig sein, denn nirgendwo konnte sie ein Fenster entdecken. Sie wollte hinausschauen, um zu sehen, wo sie sich befand .Die WĂ€nde waren aus Holz getĂ€felt. Überall hingen ĂŒberdimensionale Geweihe. Unweigerlich musste sie an Edgar Walles denken. Er hĂ€tte hier die perfekte Kulisse fĂŒr seine Filme vorgefunden. Sie ĂŒberlegte, wie sie vom großen Kaminzimmer in das Bad gekommen waren. Orientierung war nicht gerade eine ihrer StĂ€rken. Sie konnte sich beim besten Willen nicht mehr daran erinnern. Weit waren sie doch nicht gelaufen, also ging sie geradewegs auf die gegenĂŒberliegende TĂŒr zu und öffnete diese. Auch hier war es hell und sie schaute geradewegs in ein Feuer im Kamin. Dort konnte sie auch ein Fenster erkennen und lief darauf zu. Wie vom Donner gerĂŒhrt, blieb sie stehen, schrak zusammen und stieß einen kurzen Schrei aus. Neben einem großen Bett mit VorhĂ€ngen, die von der Decke bis zum Boden reichten, saß der Fremde. Sie hatte ihn scheinbar nicht bemerkt, als sie das Zimmer betreten hatte und war schmerzhaft zusammengezuckt. „Oh mein Gott, Entschuldigung, ich habe gar nicht angeklopft. Es tut mir leid. Ich habe das Fenster gesehen und wollte hinausschauen, ob ich sehen kann, wo ich mich hier befinde.“ Der Fremde lĂ€chelte, wobei ihr auffiel, dass er irgendwie gealtert zu sein schien. Diesmal waren jedoch die HĂ€nde eher Ă€lter als das Gesicht. Stechend waren nach wie vor seine Augen, die bereits wieder von ihr Besitz zu ergreifen schienen. Er streckte ohne ein Wort zu sagen die HĂ€nde nach ihr aus und sie hatte das unbĂ€ndige GefĂŒhl, auf ihn zugehen zu mĂŒssen, was sie auch tat. Sie konnte nichts dagegen unternehmen. Als sie vor dem Stuhl angekommen war, ging sie in die Hocke und legte ihren Kopf auf seinen Schoß. Er strich ihr ĂŒber den Hals. Was war nur mit ihr geschehen. Sie gab sich dieser Regung hin und fĂŒhlte sich geborgen, wie noch nie. Sie spĂŒrte die WĂ€rme seines Körpers. Doch sie spĂŒrte auch, wie der Druck in seiner Hand, die auf ihrem Hals lag, stĂ€rker wurde. Gleichzeitig stieg Panik in ihr hoch, die ihr schier die Luft zu nehmen drohte. Sie griff nach seiner Hand und steckte den Kopf aus der Umarmung heraus. Sie sah sein erstauntes Gesicht, stand auf, um sich zum Fenster zu drehen. Sie sollte sich nicht so undankbar zeigen, schließlich hatte er ihr bis jetzt nur geholfen und sie wahrscheinlich vor dem sicheren Tode gerettet. Ihre Nerven spielten einfach verrĂŒckt. Sie wartete ab, bis die Panik abgeklungen war und ging zum Fenster. Doch enttĂ€uscht musste sie feststellen, dass nichts außer einer schwarzen Masse zu sehen war. Im Fenster konnte sie erkennen, dass er aufgestanden war und sich auf sie zu bewegte. Diesmal versuchte sie ihren Seelenzustand in den Griff zu bekommen, blickte ihn freundlich an und sagte, dass sie furchtbar mĂŒde und schon gar nicht mehr Herr ihrer Sinne sei. „Kein Problem, leg dich ins Bett. Ich bleibe bei dir, bis du eingeschlafen bist. Keine Angst, ich bin da.“ Das erschien ihr so vertraut und beruhigend, dass sie sich von ihm bis zum Bett geleiten ließ. Sie ließ den Morgenmantel an und steckte flugs die Beine unter die Decke und deckte sich bis zum Hals zu. Nun erst merkte sie, wie mĂŒde sie war, wie kaputt und schwer sich alles anfĂŒhlte. Noch immer fehlte ihr jegliches ZeitgefĂŒhl. Sie hatte bisher keine Uhr gesehen. Doch sie war auch zu mĂŒde, um nach der Zeit zu fragen. Sie spĂŒrte plötzlich seine Hand in der ihren. Die andere Hand strich ihr wieder ĂŒber das Gesicht, die Geste, die sie im Bad so angenehm empfand. Doch diesmal mischte sich ein wenig Angst bei. „Danke fĂŒr alles, ich, es tut mir leid, dass ich vor ihnen so einfach in das Bett gehe, aber ich glaube, der Tag hat mich mehr geschafft, als ich es vermutet habe.“ Er lĂ€chelte und kam langsam nĂ€her: „Ist schon gut, Lena. Schließe einfach die Augen, ich werde bei dir sitzen bleiben bis du eingeschlafen bist.“ Dabei strich er ihr ĂŒber den Arm, was ihr so viel Angst machte wie es gut tat. Doch sie war völlig unfĂ€hig, sich zu rĂŒhren. Vielleicht machte er sich einfach nur Sorgen um meinen geistigen Zustand, dachte sie. Andererseits war es etwas verwunderlich, dass er weder die Polizei verstĂ€ndigte, noch einen Krankenwagen, bei dem Anblick, den sie bot, als sie sein Haus betrat und vielleicht hatte sie sich nur verhört, als er wieder zu ihr Lena sagte und dann am Ende „du“. Ein wahrer Gedankensturm ging durch ihren Kopf, den sie kaum noch ordnen konnte. Nein, ihre Nerven waren am Ende. Sie spĂŒrte eine angenehme Schwere ihren Körper befallen, alles fiel von ihr und verschwand in weiter Ferne, sie spĂŒrte noch die angenehme WĂ€rme auf ihrer Haut, einen warmen Hauch, der ihr entgegen kam und das GefĂŒhl eines schĂŒtzenden Körpers, der sie umfing und fester und fester an sich drĂŒcke. Das GefĂŒhl begann sich in dem Moment aufzulösen, als sie seine Stimme ganz nahe an ihrem Ohr hörte und seine Hand, die unter ihrem Morgenmantel sie berĂŒhrte „ Lena, mein Engel ...“ Sie konnte kaum noch sprechen oder sich bewegen, so schwer war alles um sie herum, so fest presste er sie an sich. „ Ich bin nicht Lena, ich bin Melanie, brachte sie endlich gepresst hervor.“ „Nein, mein Engel, Melanie ist tot, du bist meine Lena.“ Das Wort Engel durchzuckte ihren ließ ihr einen kalten Schauer ĂŒber den RĂŒcken fahren. Sie kĂ€mpfte gegen die Umarmung an, schrie, wand sich, versuchte seine HĂ€nde von ihrem Körper zunehmen, die einfach nicht von ihr ließen, die sie schĂŒttelten und fest hielten. Sie schrie lautlos immer und immer wieder „ Ich bin nicht Lena!“
TrĂ€nen rannen ihr ĂŒber das Gesicht, bis sie immer lauter eine fremde Stimme hörte „ Lena, Lena, so wach doch auf“ „ „Ich bin nicht Lena“, schrie es aus ihr. Die letzten Worte hallten ihr entgegen, als sie plötzlich im Bett saß und Peter sie völlig entsetzt ansah. „Oh Mann, Lena mein Schatz, du kannst einen erschrecken. Welchen Thriller hast du denn getrĂ€umt.“ Sie schaute Peter, ihren Mann an, schaute sich im Zimmer um. „Mein Gott sagte sie, war das furchtbar. Ich habe - und plötzlich kamen die Worte wie aus einer Region ihres Gehirns, die sie fĂŒr viele Jahre abgeschaltet hatte, - von meinem Vater getrĂ€umt. Er hat mich wieder“, sie brach im Satz ab. Solche TrĂ€ume kannte sie. Davon wollte sie seit einer Therapie, die sie einmal vor 3 Jahren gemacht hatte, weil sie mit ihren Panikattacken nicht mehr in der Lage war, ihrem Job nachzugehen, nichts mehr wissen. Sie hatte sich damals gesagt, die Sache sei abgehakt und nicht mehr zu Ă€ndern. Zu dem Zeitpunkt hatte sie alle Zelte abgebrochen, zu ihrer Mutter, zu ihrer Schwester. Danach fĂŒhlte sie sich befreit und war in den letzten Jahren, erstmals mit ihrem Leben zufrieden. Erst spĂ€ter begann sie an Melanie denken zu mĂŒssen und hatte ihr geschrieben. Nun dachte sie wieder an den Traum und erinnerte sich an Melanie. Was hatte er gesagt, Melanie sei tot. „ Was fĂŒr ein sch
Traum.“, sie schwang sich aus dem Bett. „ Komm Peter, meine Schwester kommt heute, ich möchte nicht noch im Bett liegen, wenn sie kommt.“ „ Erst schreist du die halbe Nachbarschaft zusammen und dann machst du Hektik“, lachte er und verpasste ihr einen Stups auf den Hintern. Sie nahm ihr Handy vom Nachttisch und sah, dass sie irgendwann in der Nacht eine sms bekommen hatte von Melanie. „ Oh Mist, Melanie hat geschrieben und ich habe es nicht gehört. Vielleicht hatte ich bei dem Meeting gestern den Ton ausgeschaltet.“ Doch die sms kam zersplittert an und man konnte nur noch den Anfang lesen, dann brach der Satz ab: „ Hallo Lena, furchtbares Gewitter gewesen, hab angehalten, bin bei- „ Lena legte das Handy wie hypnotisiert zur Seite. Hatte sie nicht - nein. Diese TrĂ€ume machten sie immer ganz konfus. Manchmal berĂŒhrten sie sie den ganzen Tag danach und ihr fiel es oft schwer, zwischen Traum und RealitĂ€t zu unterscheiden. Sie versuchte, Melanie zu erreichen. Sie hörte einen Rufton und ließ es viele Male klingeln, doch dann meldete sich die Mailbox. „Naja, mein Schwesterchen wird schon herfinden. Sie hat alles geschafft im Leben was sie wollte.“ Und sie war erst fĂŒnf, als der Vater fĂŒr immer verschwand, was ein großer Vorteil fĂŒr sie war. Den letzten Satz fĂŒgte sie nicht mehr laut hinzu. Als Peter und Lena beim FrĂŒhstĂŒck saßen, klingelte es an der HaustĂŒr. „ Na ich sagÂŽs ja, meine Schwester hat ausgeschlafen. Lena rannte nach unten und schrie noch durch die verschlossene HaustĂŒre: “Wenn du dich beeilst, ist der Kaffe noch warm.“ Stille. Lena öffnete die TĂŒr und stand zwei Polizisten gegenĂŒber, die bei ihrem Erscheinen ihre Kappen abnahmen: „Polizei Sundsvall, Kommisar Senthaven und Erthoven, sind sie Lena Merl“ fragte er. Lena wurde plötzlich kalt. Peter kam die Treppe herunter. „Ja ich bin Lena Merl, ist etwas passiert? Doch als Lena diese Frage stellte, wusste sie bereits die Anwort. „Ihre Schwester, Melanie Merl, war auf dem Weg zu Ihnen?“ Lena musste sich setzen, ihr wurde plötzlich schwarz vor Augen. Sie ging einen Schritt zurĂŒck und setzte sich auf die niedrige Kommode, die im Flur stand. Der Ă€ltere der beiden Kommissare nahm ihre Hand und beugte sich leicht vor: „Ihre Schwester hatte gestern Abend bei dem Unwetter einen tödlichen Autounfall, etwa einen Kilometer von hier entfernt.“ Peter nahm Lena von hinten in die Arme: „ Wie ist es passiert?“, fragte er. Nun antwortete der jĂŒngere der Polizisten, sicher so, wie er es auf der Polizistenschule gelernt hatte. „Sie verlor in einer Kurve die Kontrolle ĂŒber ihren Wagen, der Wagen scherte auf regennasser Fahrbahn aus, ĂŒberschlug sich und fuhr etwa 20 Meter eine Böschung hinunter. Zu dem Zeitpunkt muss sie noch gelebt haben und...“ Der Ă€ltere Polizist rĂ€usperte sich: „Die Einzelheiten können wir jetzt weglassen“. „Nein“, Lena machte sich von Peter frei und ging einige Schritte auf den jĂŒngeren Polizisten zu. „ErzĂ€hlen sie mir, was dann passiert ist“. Der JĂŒngere war sich nicht ganz sicher, ob er fortfahren sollte und schaute hilfesuchend seinen Kollegen an, der nur kurz nickte.
„Sie hat sich irgendwie aus dem Wagen befreit, die AutotĂŒre stand noch offen und muss etwa 50 Meter durch den Wald gerobbt sein. Wir haben das an der Blutspur gesehen. Direkt vor dem WelkhĂŒll (jeder wusste das das ein beliebter Bergsteigerfelsen war, der direkt aus dem Wald ca. 400 Meter herausragte) muss sie wohl verblutet sein.“ Mit leerer Stimme sagte Lena: „Sie hat mir gegen drei Uhr noch eine sms geschickt, dass sie bei irgendjemand sei. Ich habe es nicht gehört und hĂ€tte sie retten können“ TrĂ€nen liefen ihr ĂŒbers Gesicht. „ Nein“, sagte der Ă€ltere Polizist, das hĂ€tten sie nicht, zu der Zeit war sie laut Obduktionsbericht schon 4 Stunden tot.

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KBg

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