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Leselupe.de > Erz├Ąhlungen
Nur Mut
Eingestellt am 16. 11. 2011 18:51


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Olgeke
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Nov 2011

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Mario hatte ein Problem. Ein Problem mit sich selbst. Er war ein verschissener Angsthase. Er erwartete immer das Schlimmste. Egal was er versuchte, er kniff.
Das war schon als Kind so. Die anderen sa├čen oben im Baumhaus, und er spielte Unten den Wachtposten. Nur weil er Angst hatte vom Baum zu fallen und sich die Knochen zu brechen.
So zog es sich durch sein ganzes Leben. Mit seinen nun f├╝nfundzwanzig Jahren hatte er aber vor einer Sache keine Angst. Er hatte keine Angst davor, zum Alkoholiker zu werden. Zu dieser Zeit trank er ziemlich viel und ziemlich oft. Immer wenn er mal wieder versagte. So ertrug er es besser ein Versager zu sein. Dieses mal war es besonders erniedrigend. Es war sein Geburtstagsgeschenk. Seine Freunde schenkten ihm zum F├╝nfundzwanzigsten eine Ballonfahrt, und alle waren sie da um zu sehen wie er abhob.
Dabei kannten sie ihn doch schon seit Jahren und h├Ątten es besser wissen m├╝ssen.
Dabei sah es anfangs gar nicht mal schlecht aus. Mario stand im Korb, zwar lief ihm der Schwei├č die Arschbacken runter, aber er stand im Korb. Und hob ab.
Als er knapp zwei Meter in der Luft war sprang er ab, und landete auf dem Rasen.
Dann doch lieber aus zwei Metern H├Âhe abspringen, als aus hundert Metern mit einem brennenden Ballon abzust├╝rzen. Man konnte sich eben alles irgendwie sch├Ânreden.
So sa├č er nun alleine an der Theke ihrer Stammkneipe und ertr├Ąnkte die Schmach in einer nicht geringen Menge Alkohol.
Nach einiger Zeit klemmte sich ein Typ, etwa in seinem Alter, neben ihn an die Theke.
Er hatte ihn hier noch nie gesehen, und er machte ihn irgendwie nerv├Âs.
So als drohe Unheil von dem fremden. Dabei sah er auf keine Art und Weise bedrohlich aus. Wie ein Schl├Ąger der auf Krawall aus war oder so.
Nein er sah aus wie ein ganznormaler netter mitzwanziger der wie er ein wenig zu tief ins Glas geschaut hatte.
Und wie der Alkohol es so wollte, kamen sie ins Gespr├Ąch, tranken zusammen munter weiter und wurden im Suff die dicksten Kumpel und schmiedeten die wildesten Pl├Ąne.
Mario verga├č seine Probleme und wankte irgendwann fr├╝h morgens nach Hause.
Zum Gl├╝ck wohnte er nur zwei T├╝ren weiter.

Am n├Ąchsten Tag wurde er mit m├Ąchtigen Kopfschmerzen wach. Es war mittlerweile schon sp├Ąter Nachmittag, und Mario musste erst einmal unter die kalte Dusche.
Die w├╝rde helfen, dann noch ein oder zwei Aspirin und die Welt w├Ąre wieder in Ordnung.
Als er sich gerade sein Katerfr├╝hst├╝ck machte, eigentlich eher ein Katerabendessen, klingelte es an der T├╝r.
Da war er wieder. Der Typ von letzter Nacht.
Er sagte sie seien verabredet, und da viel es Mario auch schon wieder ein. Sie hatten sich tats├Ąchlich verabredet, nur da h├Ârte seine Erinnerung auch schon auf.
Mario war das irgendwie peinlich, und bat sein Gegen├╝ber herein und bat ihn ihm ein wenig auf die Spr├╝nge zu helfen.
Sie tranken Kaffee zusammen und sein neuer Bekannter stellte sich ihm erneut vor und erz├Ąhlte Mario wor├╝ber sie sich so unterhalte hatten und was sie alles geplant hatten.

Mario wusste nun, dass sein Trinkfreund Bobby hie├č, und dass sie sich lange ├╝ber Marios ├ängste unterhalten hatten. Er konnte gar nicht fassen, dass er das alles irgendeinem Fremden erz├Ąhlt hatte, den er noch nie zuvor gesehen hatte. Der Suff eben.
Bobby wusste sogar die peinlichsten Sachen. Mario hatte sich n├Ąmlich nicht nur einmal im Leben vor Angst in die Hosen gepisst, und auch nicht nur im Kindesalter.
Bobby hatte Mario zwischen zwei Schn├Ąpsen vorgeschlagen, ihm zu helfen und ihn von seinen ├ängsten zu befreien. Er w├Ąre von Natur aus sehr einf├╝hlsam bei solchen Sachen und war sich sicher er k├Ânne es schaffen. Einzige Vorraussetzung war nur, dass Mario es auch wirklich wollte und mitarbeiten w├╝rde. Mario hatte eingewilligt und sie besiegelten ihr Projekt mit einigen weiteren Schn├Ąpsen und Bobby schwor: ÔÇ× Ich werde dich von deinen ├ängsten befreien.ÔÇť
Und an diesem Nachmittag sollte es schon losgehen. Bobby sagte sie hatten ausgemacht, dass sie mit seinem Wagen mal ├╝ber die Autobahn jagen wollten, und wollten sehen wie weit Mario es aush├Ąlt. Er sollte nat├╝rlich selber fahren und Bobby wollte ihn als Beifahrer unterst├╝tzen. Sein Porsche 911 w├╝rde schnell genug sein, und sie erwarteten auch gar nicht dass Mario es bis zum Limit bringen w├╝rde.
Sie versuchten es, doch es war kein Erfolg. Mario ├╝berholte nur einmal mit etwas ├╝ber hundert km/h einen LKW, ansonsten war die rechte Spur sein zu Hause. Sie waren nicht sonderlich entt├Ąuscht, denn immerhin traute er sich hinters Steuer eines solchen PS starken Gef├Ąhrts. Also verabredeten sie sich Abends wieder in der Kneipe, tranken und ├╝berlegten sich neue Dinge mit denen Bobby ihm die Angst nehmen wollte.
So ging es nun schon den ganzen Sommer lang, und immer wieder zog Bobby den K├╝rzeren und Mario behielt seine ├ängste. Jedes mal sagte Bobby bevor es losging ÔÇ× Nur Mut, dieses mal packst du esÔÇť , und jedes mal wenn es mal wieder nicht funktioniert hatte ÔÇ× Nicht schlimm. Ich krieg┬┤ dich schon noch und befreie dich von deinen ├ängstenÔÇť.
Es waren eine Menge Sachen die sie versuchten. Auf B├Ąume klettern, im Schwimmbad vom Sprungturm springen, Nachts durch den Park spazieren, ja und sogar Frauen anzusprechen. Nat├╝rlich n├╝chtern. Auch so ein Problem, dass Mario seit langem zwang alleine zu leben.
Doch alles fruchtete nicht, und Mario begann an sich zu zweifeln. Bobby und er waren mittlerweile dicke Freunde geworden, und Mario war dankbar daf├╝r, dass Bobby so geduldig mit ihm war und ihn so nahm wie er war.
Und als Dank wollte er sich revanchieren. Er wollte Bobby ein kleines Erfolgserlebnis bescheren. Nur er wusste genau, dass er das nicht einfach so hinbekommen w├╝rde.
Er nahm sich vor, sich beim n├Ąchstenmal vorher heimlich zwei oder drei Schn├Ąpse zu genehmigen, um etwas lockerer zu werden. Dann w├╝rde es schon funktionieren.
So sa├čen sie eines Abends wieder an der Theke und um es noch erfolgreicher wirken zu lassen, schlug Mario von sich aus Bungeejumping vor.
Bobby war recht erstaunt ├╝ber den Vorschlag, und vermutete, es w├╝rde schon daran scheitern auf den Sprungturm hochzukommen.
Doch sie wollten es versuchen. Am n├Ąchsten Tag zogen sie los, und bevor es losging verdr├╝ckte Mario sich noch einmal kurz auf die Toilette. Nat├╝rlich nur um sich seine Schn├Ąpse in den Hals zu kippen. Nachdem das erledigt war setzte er sich vorsichtshalber doch auf┬┤s Schei├čhaus. Nur damit nicht doch etwas in die Hose ging. Dann war er soweit und es ging los. Es dauerte nicht lange und sie standen auf der Absprungplattform. Der Alkohol schien zu helfen. Bobby empfahl ihm, sich mit dem R├╝cken in Sprungrichtung zu stellen, und sich dann nach Hinten fallen zu lassen. Dann m├╝sse er nicht in die Tiefe blicken, was ihn verunsichern k├Ânnte. Das klang gut, und Mario stellte sich in Position. Er merkte, dass Bobby voller Zuversicht war, dass es diesmal funktionieren k├Ânnte. Er wusste nat├╝rlich nichts von den Schn├Ąpsen, und Mario hatte mit Absicht Vodka genommen. So konnte Bobby auch nichts riechen. Bobby lie├č noch sein ÔÇ× Nur Mut, dieses mal packst du es ÔÇ× h├Âren, und Mario war sich sicher, er w├╝rde sein ÔÇ×Nicht schlimm. Ich krieg dich schon noch, und befrei dich von deinen ├ängsten ÔÇ× w├╝rde er sich bei diesem mal nicht anh├Âren m├╝ssen. Und dann ging es los.
Mario schloss die Augen, atmete tief durch und lie├č sich nach Hinten fallen. Er blickte noch einmal schnell zu seinem Kumpel und wollte ihm noch ein triumphierendes Grinsen da lassen, doch was er in dem kurzen Augenblick bis er ihn aus dem Blick verlor sah lie├č ihn innerlich gefrieren.
Er sah wie sein Bobby sich in schwarzen Rauch aufl├Âste und neu zusammensetzte. Er wurde zu einer mindestens zwei Meter gro├čen Gestalt in einem schwarzen Gewand. Er konnte das Gesicht nicht erkennen denn der Kopf wurde von einer weiten Kapuze umh├╝llt, und dort wo man eigentlich ein Gesicht h├Ątte erkennen m├╝ssen, blickte er nur in endlose Schw├Ąrze.
In der rechten knochigen Hand hielt die Gestalt eine Sense und in der Linken erkannte Mario eine antikwirkende gro├če Sanduhr. Sie war so gut wie abgelaufen.
Er h├Ârte Bobbys Stimme weit entfernt und fl├╝sternd in seinem Kopf.
ÔÇ×Hab┬┤dich.ÔÇť


__________________
Olgeke

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