Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, mĂŒssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5284
Themen:   87724
Momentan online:
526 Gäste und 10 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > ErzÀhlungen
Ohne Titel
Eingestellt am 22. 08. 2001 13:27


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
gladiator
HĂ€ufig gelesener Autor
Registriert: May 2001

Werke: 10
Kommentare: 592
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um gladiator eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Nachfolgender Text ist Teil einer lĂ€ngeren ErzĂ€hlung, an der ich gerade arbeite. Konstruktive Kritik ist erwĂŒnscht.

„Nun“, sagte Edeltraut Schneider, die Leiterin des Kreativkurses, eine erbarmungswĂŒrdig magere Frau mit stahlblauen Augen und aparten Falten im Gesicht, als sich alle gesetzt hatten, „bevor wir uns unserer heutigen Aufgabe widmen, wie immer an alle die Frage, ob sie etwas zu sagen oder mitzuteilen haben...ja bitte, Ursula?“
Eine der Frauen, mit schwarzem Pagenkopf, kleiner Nickelbrille und Anfang 30, rĂŒckte auf ihrem Stuhl hin und her und setzte dann zum Reden an. An ihrem Hals breiteten sich langsam von unten nach oben breite, rote Flecken aus, die bald das Kinn erreichten.
„Ähm, also...ich wollte sagen...daß ich wohl den Solopart nicht singen kann.“ Eine der Frauen kicherte, Ursula erglĂŒhte und senkte den Blick. Ein stahlblauer Blick traf die Kichernde. „Das ist nicht zum Lachen, Birgit. Ursula hat den Mut aufgebracht, uns ihr Problem mit der Freude...Ă€h, mit der Ode zu offenbaren, und das sollten wir angemessen wĂŒrdigen.“ Birgit senkte jetzt ebenfalls den Blick. Die beiden anderen Frauen studierten angestrengt ihre Noten.
Die Situation war kritisch. Seit Tagen ĂŒbten alle wie besessen, um eine fröhliche kleine Chorversion von Schillers „Ode an die Freude“ gemeinsam zu singen. Heute sollte die erste gemeinsame Probe Fortschritte und Möglichkeiten der Verbesserung zeigen. Doch jetzt drohte die Solistin mit Abbruch und damit das gesamte Projekt scheitern zu lassen. Birgit hatte es ĂŒbrigens die ganze Zeit gewußt!
„Nun, mein Kichern war sicher nicht angebracht, aber ich habe schon immer gesagt, daß Ursulas StĂ€rken sicherlich woanders liegen“, sagte sie sachlich.
„Also, das finde ich jetzt nicht ok“, empörte sich Ursula und die roten Flecken bekamen einen Hauch Violett. „Ich fĂŒhl mich hier unter Druck gesetzt, und das ist ja wohl nicht Sinn der Sache.“
„Aber warum hast Du ĂŒberhaupt den Solopart ĂŒbernommen?“
„Ich wollte es eben versuchen, was ist schon dabei?“
„Wenn Du jetzt aussteigst, haben wir alle umsonst geĂŒbt...“
„Ich habe mir das auch sehr, sehr gut ĂŒberlegt....“
„Das hĂ€ttest Du mal frĂŒher tun sollen“, höhnte Birgit.
„Sag doch gleich, daß Du es sowieso besser kannst“, giftete Ursula zurĂŒck, und ihr Mund wurde ein schmaler Strich. Birgit setzte zu einer Antwort an, doch da unterbrach sie das HĂ€ndeklatschen ihrer Lehrerin.
„Schnickschnack, MĂ€dels, Schluß jetzt. Wir wollen hier Freude und Spaß in unserem Kurs haben. Freude weckt Lebenslust und befreit die Seele. Und die Seele ist nichtig...Ă€h, wichtig.“
Edeltraut Schneider hatte die Angewohnheit, sich regelmĂ€ĂŸig zu versprechen, eine Eigenart, die man allerdings ĂŒberhörte, wenn man lĂ€ngere Zeit mit ihr verbrachte.
„Also, Birgit, wir wissen alle, daß Du hervorragend singen kannst, aber Ursula war mutig genug, es auch zu versuchen, und wir sollten sie dabei unterstĂŒtzen, daß sie jetzt den Mut nicht verliert.“ Sie wandte sich an die unglĂŒckliche Solistin. „Nun, Ursula, wir sind hier ganz unter uns, und niemand wird Dich versöhnen...Ă€h, verhöhnen.“ Aufmunternd nickte sie Ursula zu und schenkte ihr ein stahlblaues LĂ€cheln.
Ursula rutschte weiter auf ihrem Stuhl hin und her, ihre ganze Haltung drĂŒckte innere Unordnung aus. Schließlich nahm sie, den Kopf wiegend und mit den Worten „Naja, Augen zu und durch!“ die NotenblĂ€tter in die Hand, setzte sich kerzengerade auf und fragte, dabei mit hochgezogenen Brauen in die Runde schauend: „Also?“
Auch die anderen Frauen nahmen ihre NotenblĂ€tter in die Hand. Edeltraut Schneider stand auf, hob die HĂ€nde, sah jeder ihrer SchĂŒlerinnen ins gespannte Gesicht, zog eine Augenbraue empor, hob die Arme ein weiteres StĂŒck höher, die Frauen holten Luft, und Ursula setzte ein. Mit feiner, etwas schwankender Stimme, ein heller Alt, der vor seinem eigenen Klang zu erschrecken schien und vorsichtig um die Töne kreiste, sang sie die ersten Zeilen:

„Freude schöner Götterfunken,
Tochter aus Elysium,
Wir betreten feuertrunken,
Himmlische, Dein Heiligtum.
Deine Zauber binden wieder,
Was der Mode Schwert geteilt,
Bettler werden...“

Mit einer Handbewegung brach die Schneider ab. Ursulas Mund klappte hörbar zu.
„Etwas frischer, es ist ein fröhliches Lied“, sagte die Lehrerin und stahlblĂ€ute Ursula mit ihrem LĂ€cheln. „Also...“ Sie hob die HĂ€nde, neuer Einsatz, und die Adern traten an Ursulas Hals hervor, als ihrem Part mit aller Kraft und Inbrunst Fröhlichkeit verlieh. Allein, fĂŒr die Zuhörer mußte es immer noch allzu unsicher und verhuscht wirken. Aber warum auch nicht? Wir sind hier, um Spaß zu haben und neue FĂ€higkeiten an uns zu entdecken, dachte Ursula und mit grimmiger Entschlossenheit kĂ€mpfte sie darum, ihrem Gesang die Fröhlichkeit zu geben, die ihm zukam. Dann setzte der Chor ein.

„Seid umschlungen, Millionen!
Diesen Kuß der ganzen Welt!
BĂŒrger – ĂŒberm Sternenzelt
Muß ein lieber Vater wohnen...“

Dieses Mal kam die Unterbrechung durch Matteo, dem seine Laute entglitten war. Er hatte ihren Hals zwar rechtzeitig greifen können, so daß sie nicht auf den Boden fiel, trotzdem gaben die Saiten einen hĂ€ĂŸlichen, spröden Ton von sich. Der Gesang der Frauen riß ab. Edeltraut Schneider drehte sich stirnrunzelnd um.
„Junger Mann, wir mĂŒssen uns hier sehr konzentrieren. Wir ruinieren...Ă€h, studieren Schillers Ode an die Freude, das ist eine große Aufgabe. Ich darf Sie bitten, ein wenig Ruhe zu bewahren.“ Beides, LĂ€cheln und Augen, stĂ€hlern und blau. Matteo hob abwehrend die HĂ€nde, die rechte umklammerte den Hals seiner Laute: „Entschuldigung!“ Die Lehrerin nickte huldvoll und wandte sich wieder dem Chor zu. Arme hoch, Einsatz:

„Wem der große Wurf gelungen,
eines Freundes Freund zu sein...“

__________________
Die Raben fliegen in Scharen, der Adler fliegt allein.

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Andre
Hobbydichter
Registriert: Jul 2001

Werke: 4
Kommentare: 41
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

hmmm, nicht schlecht geschrieben, auch wenn ich die Intention nicht erkennen kann. Liegt aber wohl daran, dass man auch den ganzen Rest der Geschichte dafĂŒr braucht. Dann wird man sich auch ĂŒber das Alter der SĂ€ngerinnen klar, die mal mit Frauen, mal mit SchĂŒlerinnen angesprochen werden. Ok, beides kann dasselbe sein, muß es aber nicht.

Aber es liest sich angenehm flĂŒssig, nur die Versprecher nerven - die wirken, meiner Meinung nach, zu gekĂŒnstelt.

Der Zusammenhang, warum die Damen dort sitzen und singen wĂŒrde mich schon noch interessieren.

André


__________________
Denn so wahr das Wasser immer dem tiefsten Punkt zustrebt, so wahr wird die menschliche Seele von dem tiefsten Punkt angezogen, den sie als Gruppe straflos erreichen kann.

Arnold Zweig, "Erziehung vor Verdun"

Bearbeiten/Löschen    


gladiator
HĂ€ufig gelesener Autor
Registriert: May 2001

Werke: 10
Kommentare: 592
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um gladiator eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Richtig...

...aber jetzt hier den ganzen Zusammenhang darzustellen, wĂŒrde zu weit fĂŒhren.

Mir reicht es, wenn ich höre, wie der Text sprachlich bewertet wird. Um den Inhalt geht's mir weniger.

Über die Versprecher grĂŒble ich auch schon die ganze Zeit. Soll man sie ganz rauslassen, oder nur verĂ€ndern?

Danke
Gladiator
__________________
Die Raben fliegen in Scharen, der Adler fliegt allein.

Bearbeiten/Löschen    


Fredy Daxboeck
???
Registriert: Feb 2001

Werke: 81
Kommentare: 228
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Fredy Daxboeck eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

*drinnen lassen gladi . . . unbedingt*

hallo mein freund

sprachlich sehr gut geschrieben,
"Edeltraut Schneider hatte die Angewohnheit, sich regelmĂ€ĂŸig zu versprechen, eine Eigenart, die man allerdings ĂŒberhörte, wenn man lĂ€ngere Zeit mit ihr verbrachte." - das wĂŒrde ich allerdings streichen. der leser merkt, dass sie sich stĂ€ndig verspricht . . . und es macht sie liebenswĂŒrdig, die gute frau, aber durch die extra erwĂ€hnung stört es dich dann.
". . . Hals hervor, als (sie) ihrem Part mit aller Kraft . . . " - das sie vergessen . . .
und die dialoge sauber hingekriegt . . .

liebe grĂŒĂŸe

fredy
____________
kenne ich etwa birgit und matteo aus der werkstatt . . .

Bearbeiten/Löschen    


gladiator
HĂ€ufig gelesener Autor
Registriert: May 2001

Werke: 10
Kommentare: 592
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um gladiator eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Hallo Fredy

Das wÀre eine Idee, diesen Absatz rauszunehmen...Du kennst Matteo aus der Werkstatt, Birgit jedoch nicht .

Gruß
Gladiator
__________________
Die Raben fliegen in Scharen, der Adler fliegt allein.

Bearbeiten/Löschen    


ZurĂŒck zu:  ErzĂ€hlungen Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.



Leselupe-Bücher





Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!