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'Sie ist so schön', denkt er, als er sie ansieht.
Wie sie neben ihm liegt, so friedlich, die Augenlider geschlossen. Die schwarzen Wimpern liegen sanft und leise auf der hellen Haut ihres Gesichts. Weich ist diese blasse Haut, glatt. Er kann mit seinen Lippen darüberfahren, wie er seine Finger über Seide gleiten lassen könnte, ohne hängen zu bleiben.
Als er es tut, steigt ihm ihr Duft in die Nase - süß und leicht, mit einer Spur von Aprikose. Ihr Haar riecht anders. Schwerer, dunkler, ein wenig nach Regen. Es schmiegt sich an sein Gesicht, als er die Nase hineinpreßt, und kitzelt ihn.
Er richtet sich auf, blickt die neben ihm liegende Frau wieder an. Er möchte sich noch eine Weile an ihrer Schönheit weiden.
Das durchs Fenster fallende Mondlicht läßt ihr eigentlich braunes Haar fast schwarz erscheinen. Wie gewundene Schlangen liegt es auf dem weißen Kopfkissen und ihrer blassen Haut. Medusa. Nein, er ist nicht zu Stein erstarrt, aber es fehlt nicht viel. Unbeweglich in seiner Pose liegt er neben ihr, seine Augen noch immer auf ihren nackten Körper gerichtet.
Eine Strähne ihres Haars liegt friedlich im Tal ihrer Brüste - eine schlafende Schlange, die zwischen zwei Steinen Schutz gesucht hat. Sie stehen ab von ihrem Körper, die Brüste, zwei weiße, wohlgerundete Hügel mit kleinen, dunklen Knospen in der Mitte. Er weiß, wie sie sich angefühlt haben - weich, nachgiebig und warm. Aber die Brustwarzen widersetzten sich, passten sich seiner Handfläche nicht an. Als er seine Zunge darüber fahren ließ, schmeckten sie wie die harten Kerne süßer, reifer Früchte.
Unterhalb ihrer rechten Brust sitzt ein kleiner Leberfleck. Auch dieser wirkt fast schwarz im harten Licht des Mondes. Und immer weiter wandern seine Augen über ihren Körper, streifen dabei die rechte Brust, die Schulter, den Arm, der zerbrechlich wirkt, so, als könne man ihn ohne weiteres durchbrechen, leichter noch als einen Bleistift. Die Handgelenke hat er mit seinen Fingern umfassen können, vorhin, als er auf ihr lag, als er sie nahm.
Ihre Handflächen zeigen nach außen, die Finger gekrümmt, den Beinen toter Spinnen gleich. Er läßt seinen Blick von den schlafenden Fingern zum Zipfel des Kopfkissens schweifen. Weiß und wie ein kleiner Berggipfel ragt dieser nach oben. Eine schwarze Fliege krabbelt darüber. Er bewegt seinen Arm in die Richtung des Tiers, um es fortzuscheuchen. Erst jetzt wird ihm bewußt, wie still es im Zimmer ist, denn er kann das tiefe, monotone Summen der Fliege hören, und es wirkt sehr laut, fast störend. Er folgt ihr mit seinen Augen. Sie ist nur ein schwirrender, schwarzer Punkt, er kann keine Konturen erkennen, und verliert sie öfter. Schließlich findet er sie an der Fensterscheibe wieder, hinter ihr der blasse Mond. Sie krabbelt darüber. Dann fliegt sie wieder. Ihr Surren nimmt schrille Töne an, kreischende. Sie trommelt mit ihrem Körper gegen die Fensterscheibe, immer und immer wieder. Das Geräusch tut ihm weh. Er versucht, es zu ignorieren, richtet seinen Blick wieder auf die nackte Frau, die neben ihm liegt. Auf ihre Brüste. Er fühlt sie nahezu, diese weichen, weißen Halbkugeln mit den dunkelroten, harten Spitzen in der Mitte.
Dann gleiten seine Augen weiter über ihre Haut, wie vorhin seine Hände - über die empfindliche Stelle unterhalb ihrer Brüste, wo die Bügel ihres BHs einen rötlichen Streifen hinterlassen haben, über die Rippen, den weichen Bauch. Die harten Beckenknochen konnte er erfühlen, aber sehen kann er sie jetzt nicht.
Ihre Beine liegen ausgestreckt auf den Laken, leicht gespreizt, als wollten sie sich nicht zu nahe kommen. Dunkler Nagellack ziert die Zehen ihres rechten Fußes. Den linken kann er nicht sehen, denn die verwühlte und zerknitterte Bettdecke verdeckt ihn. Er verweilt noch ein wenig bei den Zehen, den weißen Zehen mit dunklen Tupfern Nagellacks. Der Kontrast ist stark, ein wenig grausam. Blutstropfen im Schnee.
Langsam läßt er seinen Blick an den Beinen entlang nach oben wandern. Das Mondlicht verschluckt alle Härchen, so wirkt die Haut makellos, glatt, wie helle Seide. Er fährt mit seinem Finger über ihre linke Wade bis zum Knie, und nun fühlt er die kleinen, weichen Härchen, die er nicht sehen kann. Weiter nach oben, vorsichtig, als berühre er eine zerbrechliche und kostbare Porzellanfigur. Über dem Knie fühlt sich die Haut glatt an, widerstandslos. Immer weicher wird sie, immer zarter, je weiter er nach oben vordringt. Plötzlich hält er inne, um die Bahn, die er mit der Hand gehen wollte, nur noch mit seinem Blick zu vollenden. So spürt er nicht das sanfte Kitzeln der dunklen, gekräuselten Härchen, hört sie nicht leise knistern wie vorhin, als er sachte mit seiner Zunge darüber strich, und fühlt auch nicht die seidige, feuchte Wärme zwischen den Löckchen.
Doch er erinnert sich daran, und er glaubt, noch ihren Geschmack auf der Zunge zu spüren - süßlich, fruchtig, ein wenig bitter.
Langsam wendet er seine Augen ab und richtet sie auf ihr Gesicht. Friedlich wirkt es, still. Nur ihr leicht geöffneter Mund erscheint ein wenig verzerrt, ein angstvoller Zug umspielt ihn. Es ist, als würde ihr ruhiger Schlaf durch einen Alptraum gestört.
Aber sie hat keine Träume mehr. Das weiß er.
Plötzlich ist die Szenerie nicht mehr so perfekt. Eine Spur dunklen Blutes läuft an der Seite ihres Halses herab, und einige rötlich-braune Flecken liegen auf dem weißen Kopfkissen. Er starrt sie an. Das Wasser läuft ihm im Mund zusammen. Mit der Zunge tastet er danach, aber das Blut ist schon verkrustet. er kann nur noch den trockenen Stoff des Kopfkissens schmecken. Gierig bewegt er seinen Mund zu ihrem Hals, sucht mit der Zunge, den Lippen, nach dem dünnen Rinnsal Blutes, findet es, leckt daran. Es ist schmeckt trocken, aber noch immer umwerfend - säuerlich, würzig, ein wenig metallisch. Und so unwahrscheinlich lebendig...
Er findet die Löcher wieder, die er früher in der Nacht in ihren Hals geschlagen hat, als sie um ihn herum pulsierte, ihren Körper vor Lust wand. Wie vorhin saugt er auch jetzt, doch es kommt nichts mehr. Enttäuscht richtet er sich auf. Sein Blick fällt auf das Fenster, und er zuckt zusammen. Das Licht ist wärmer, weicher geworden... heller. Die Sonne beginnt, mit ihren Fingern über den Horizont zu tasten. Er möchte sich nicht von ihnen greifen lassen, er muß sich sputen.
Schnell kleidet er sich an und geht, nachdem er die Frau zugedeckt hat wie eine Schlafende.
Die Tür fällt hinter ihm ins Schloß.
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