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Leselupe.de > Erz├Ąhlungen
One-way-ticket
Eingestellt am 21. 04. 2002 20:17


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Regenbogen
Festzeitungsschreiber
Registriert: Jan 2001

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Die dunklen W├Ąlder rauschten, die Fl├╝sse fl├╝sterten leise vor sich hin.
Ein einsamer Adler zog langsam seine Unheil bringenden Kreise. Selbst der Mond zeigte nur sein schwarzes Gesicht und die letzten Sterne versteckten ihr Antlitz hinter gro├čen, dunklen Wolken. Der Wind wurde leise und verstummte. Die Nacht war da.
Jetzt musste ich nicht mehr mein Gesicht verstecken, konnte endlich zeigen, wer ich war.
Ich schl├╝pfte aus meiner Fassade und lief in die Nacht hinein.
Der Geruch der Freiheit lie├č mich schneller laufen. Die K├Ąlte des Tages wich der W├Ąrme der Nacht. Ich tauchte ein in die unendliche Dunkelheit, die mich mit offenen Armen empfing. Doch dann, ein gro├čer Schatten schwang seine Fl├╝gel, nahm mich auf und trug mich fort in die tiefe, unendliche Weite. Immer h├Âher stiegen wir, verlie├čen Zeit und Raum. In der Ferne konnte ich das Ziel erkennen. Immer n├Ąher kam es und der s├╝├če Duft der Ewigkeit bet├Ârte meinen Verstand. Die W├Ąrme, die dieses Licht ausstrahlte, l├Ąhmte jeden Gedanken, der nach dem letzten Rest der Vernunft zu greifen versuchte. Leises Fl├╝stern, kaum zu h├Âren, eigentlich ahnte ich mehr den Inhalt dieser Worte:
Komm hierher, und geh nicht fort,
bleib bei uns an diesem Ort.
Keine Qual und keine Schmerzen,
nie wieder gebrochene Herzen.
Schau nicht zur├╝ck,
dort gibt es kein Gl├╝ck,
bei uns musst du bleiben,
in Ewigkeit treiben.
Nur zu gern lie├č ich mich treiben, hinein in das Licht, dass Erf├╝llung und Frieden versprach. Nur einmal noch blickte ich zur├╝ck und sah die Dunkelheit aus der ich kam.
Ich wendete mich ab und h├Ârte pl├Âtzlich den Ruf des Adlers. Noch einmal drehte ich mich um, um ihn ein letztes Mal zu sehen, doch nach was hielt ich Ausschau, wie sah er aus?
Verschwommen sah ich in Gedanken nur ein Paar Fl├╝gel, die Kreise vor der untergehenden Sonne zogen. Doch welche Farbe hatte diese, und was war eigentlich eine Sonne?
Was hatte mich ├╝berhaupt hierher gebracht und warum war ich hier?
Ich musste es wissen, es nur einmal noch sehen, bevor der letzte Rest der Erinnerung verschwinden w├╝rde. Ich riss mich los und ├╝berh├Ârte den s├╝├čen Klang des Friedens und machte mich auf den Weg zur├╝ck. Durch tiefe, unendliche Weiten gelangte ich dort hin. Doch der Adler war nicht mehr da.
An der Stelle, an der meine Fassade lag, fand ich eine schwarze Feder. Ich hob sie auf und blickte gen Himmel. Die Wolken zogen vorbei, und in weiter Ferne k├╝ndigte sich, mit sanften Glanz, der neue Tag an. Die Dunkelheit war fort, die Chance vertan, und ich zog wieder die alte Fassade an.

__________________
Regenbogen

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willow
Guest
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Hoppentosse, Regenbogen!

Das ist ein Gem├Ąlde, wundervolle Bilder zeichnest du. Das Gedicht in der Erz├Ąhlung hat es mir am meisten angetan, ich habe es mir immer und immer wieder durchgelesen.

Diese dunkle Nacht, unmaskiert und schutzlos und nur dann tritt man aus Schatten um zu sein und macht eine Erfahrung. Welcher Art... das bleibt dem Leser ├╝berlassen. Das gef├Ąllt mir sehr gut. Die Nacht als warm zu erfahren, den Tag im Kontrast dazu als k├╝hl, das ist ungew├Âhnlich interessant.

Allerdings bin ich immer wieder an der gleichen Stelle h├Ąngengeblieben:

"An der Stelle, an der meine Fassade lag, fand ich eine schwarze Feder. Ich hob sie auf und blickte gen Himmel. Die Wolken zogen vorbei, und in weiter Ferne k├╝ndigte sich, mit sanften Glanz, der neue Tag an. Die Dunkelheit war fort, die Chance vertan, und ich zog wieder die alte Fassade an."

Der erste Satz zeichnet mir ein Bild von einer zerst├Ârten oder verschwundenen Fassade. Dort, wo sie fr├╝her gestanden hatte, war nun nur noch eine Feder vorzufinden. Ich war erstaunt, als dann im letzten Satz die Fassade doch noch steht.

Mit den hoppentossigsten W├╝nschen f├╝r einen wertvollen Tag,

willow

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Regenbogen
Festzeitungsschreiber
Registriert: Jan 2001

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Hoppentossiges Danke

Freut mich, das dir die Geschichte gefallen hat, willow.
Mit der Fassade meinte ich das, was jeder Mensch f├╝r sich als Schutzmantel aufgebaut hat, was er anderen von sich zeigt. Nicht jeder ist mit dieser selbstgew├Ąhlten Art zu leben gl├╝cklich, aber mancher findet keinen Weg zu zeigen, wie er wirklich ist. In dem Moment, als die Figur meiner Geschichte die M├Âglichkeit hatte, ihr Leben zu ├Ąndern, nahm sie die Feder als Hinweis, das alte Leben fortzusetzen.
Vielleicht h├Ątte ich besser : Neben der Stelle... geschrieben.

LG
__________________
Regenbogen

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