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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Pest
Eingestellt am 01. 03. 2010 15:18


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bunzla
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Registriert: Dec 2007

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Taxistress!

Ich hatte große Lust, mir ein Taxi zu bestellen, mich zum nächsten Irrenhaus karren zu lassen und mich selbst einzuweisen. Junge, dachte ich mir, vergiss es einfach. Draußen regnete es und gleichzeitig schien die Sonne. Bestimmt gab es irgendwo sogar einen Regenbogen. Wie schön. Vielleicht sollte ich mich doch besser an der Türklinke aufhängen. Ob mein Gürtel mich wohl halten würde? Kein guter Einfall. Ich war nicht zuhause, sondern lag bei meiner Freundin im Bett. Wo war sie überhaupt?

Ich fühlte mich zum kotzen. Aber erhängen ging nicht. Da entleert sich im letzten Moment der Darm, hatte ich mal gehört. Ich blieb einfach liegen und döste wieder ein. Ich träumte, ich sei die Pest. Mein ganzer Leib war verkrustet und stank nach faulem Eiter. Ich robbte durch den Straßendreck, rotzte braunen Schleim und Blut, lag halb verwesend im Stadtpark rum, hustete die Passanten an und hoffte, sie dadurch anzustecken. Irgendwann siechten sie überall in den Gassen vor sich hin. Wie schön. Ich schleppte mich auf den Friedhof, um mich dort ein wenig hinzulegen. Ích erwachte.

Das Bett war immer noch leer. Ich hatte Durst, hievte mich hoch, schlurfte ins Wohnzimmer, schüttete mir ein paar Gläser Wasser rein und bekam Lust, eine zu rauchen. Mein Tabak sah aus wie vollgepisst oder ausgekotzt oder beides nacheinander. Die perfekte Schändung dachte ich mir. Wie schön. Ich begann offenbar am Rad zu drehen. Die braune Plörre warf ich samt Packung in den Biomüll. Es lag noch anderer Tabak rum. Während ich drehte, weinte ich ein bisschen. Ich konnte mich an nichts erinnern und legte mich zurück ins Bett. Mir wurde übel. Alles drehte sich. Irgendwann schlief ich wieder ein.

Ich lag noch immer auf dem Friedhof, war aber nicht mehr die Pest. Ganz im Gegenteil. Ich sah ausgesprochen hübsch und gesund aus. Ich schlenderte gemütlich in die Stadt zurück. Überall lagen Kadaver. Manche machten sogar noch Geräusche. Manche weinten und andere ächzten. Wie unter starken Schmerzen. Ich lief zur Wohnung meiner Freundin, die Tür stand offen. Sie saß am Tisch und sah zu mir rüber. Wie schön. Ich setzte mich neben sie. Wir rauchten zusammen eine Zigarette und redeten eine Weile. Wir vertrugen uns und küssten einander.

Ich wurde wieder wach. Das Gekeife in meinem Schädel dröhnte lauter als sonst. Ich hatte große Lust, mir ein Taxi zu bestellen, mich zum nächsten Irrenhaus karren zu lassen und mich selbst einzuweisen. Junge, dachte ich mir, vergiss es einfach. Draußen regnete es.

Version vom 01. 03. 2010 15:18
Version vom 02. 03. 2010 13:44
Version vom 03. 03. 2010 13:21

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