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Leselupe.de > Erzählungen
Pesthauch
Eingestellt am 09. 08. 2002 01:34


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bosbach46
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Pesthauch I

Der Mai des Jahres 1350 war √ľberaus sonnig und zugleich regnerisch gewesen. In Graefenthals Klostergarten wucherten die ersten Salatk√∂pfe. Das junge Gem√ľse scho√ü schneller als erw√ľnscht aus dem Boden heraus und die Zuffern, wie die Arbeitsnonnen genannt wurden, versuchten die Beete sauber zu halten.

Das Prunkst√ľck der Gartenanlage war Zufer Paulas Kr√§utergarten. Die alte gebrechliche Paula kroch auf allen Vieren zwischen den √ľppigen Beinwellbl√§ttern und sammelte rote und schwarze Nachtschnecken von den Bl√§ttern ab.

Sie r√§tselte, warum der Sch√∂pfer diese gefr√§√üigen Weichtiere geschaffen hatte. Vieles bleibt Gottes Geheimnis, dachte sie, auch wenn wir Menschen beginnen, etwas zu verstehen. Aber wir verstehen nie das gesamte gro√üartige Zusammenspiel seiner Werke. Zufer Paula liebte solche Gedankeng√§nge. Allerdings hielt sie ihre √úberlegungen zur√ľck, weil die gebildeten Jufern, die Nonnen des Adelstandes, es nicht aushielten, wenn eine Arbeiterin anspruchsvolle Gedankenwelten offenbarte.

Drei Jahrzehnte schwerste Gartenarbeit hatten ihren R√ľcken gekr√ľmmt. Die Gelenke ihrer Finger schwollen besonders an feucht-kalten Tagen schmerzhaft an. Ihr sonnengegerbtes Gesicht war furchig geworden, wie der sommertags verbrannte Erdboden. Ganz anders als ihr gealterter K√∂rper wirkten ihre kleinen braunen Augen. Aus ihnen blitzte pure Lebendigkeit, eine ausgelassene Heiterkeit und die m√ľhsam gewonnene Abgekl√§rtheit.

V√∂llig √ľberraschend schritt Jufer Callista vom Gartentor her auf Paula zu. Mit ihren langen, stelzigen Beinen √ľberquerte sie ungelenk ein frisch bestelltes Beet und stand wie ein schmaler, zerbrechlicher Turm vor Paula, die noch auf dem Boden kniete. Jufer Callista schien aufgeregt zu sein.

Wie geht es den Kr√§utern, ehrw√ľrdige Zufer, fragte sie s√§uselnd.

Oh, lachte Paula, sie sind fröhlich, weil die Schnecken in diesem Eimer sie nicht mehr fressen können. Schauen Sie in den Eimer, dann sehen sie.

Wollen Sie Zufer Paula, dass mir spei√ľbel wird ? Ich finde Schleimtiere ekelerregnd !
Callista r√ľmpfte die Nase.Angewidert streckte sie ihre lange, d√ľrre Gestalt noch etwas mehr in die H√∂he.

Wie eine Ringelnatter, dachte Paula, sieht sie aus.

Sagen Sie Zufer Paula, fuhr Callista gereizt fort, ist die gelbbl√ľhende Pflanze dort am Beetrand eine Raute ?

Merkw√ľrdig, fand Paula, dass viele ihrer Mitschwestern der Raute neuerdings eine besondere Bedeutung gaben. Immer wieder traf sie Nonnen in ihren Beeten an, die das Kraut betrachteten.

Ja, antwortete Paula, er ist die Raute. Eine Pflanze, der Zauberkraft angedichtet wurde. Bl√∂dsinn √ľbrigens.

Aber sie wirkt gegen die Pestilenz, warf Callista nervös ein.

Glauben sie das wirklich, fragte Paula scharf.

Etwas muß doch wirken. Die Pest rast heran und niemand, einerlei ob Jude, Christ, Heide, dumm oder klug, wird von ihr verschont. In Köln, hörte ich, habe der "Schwarze Tod" reichlich gemäht. Und jetzt setzt der Tod sein Werk am Niederrhein fort. Die Seuche sickert durch Fugen und Ritzen.

Callistas innere Panik drang hervor. Ihre Pupillen waren weit aufgerissen und starrten s√ľdw√§rts, der Gefahr entgegen.

In Ihnen ist die Furcht eingezogen, bemerkte Paula leise. Sie fragen sich, wann uns die Seuche ereilen wird.

Callista sah gebannt auf die Raute herab. Irgendwas muß helfen, klagte sie verzweifelt.

Paula richtete sich auf und schlug einige Erdkrummen von der blauen Arbeitssch√ľrze ab. Obwohl Paula das arrogante Gehabe der adeligen Mitschwester verachtete, war ihr die Angst verst√§ndlich. Die Pest war eine f√ľrchterliche Wirklichkeit und walzte das Leben nieder.

Sehen Sie, Jufer Callista, begann sie milde, ich bin eine einfache Magd des Herrn und verrichte meinen Dienst in Gottes Garten. Es war mir erlaubt einen unma√ügeblichen Einblick in die Heilkunst nehmen zu d√ľrfen. Nachdem Mutter Isabell meine unw√ľrdige Person unterrichtete, ich das Latainische studierte und dann Hildegard von Bingen lesen konnte, begriff ich. Ich begriff, wie Salbeitee den Brand im Hals bek√§mpft, sah wie eine Paste aus Beinwell und √Ėl den Schmutz aus der Wunde sog und wie junge Brennnesselbl√§tter das Wasser vertreiben. Aber nie h√∂rte ich von einem Kraut, welches die Pest besiegen k√∂nne.

Du dummer Bauerntrampel, schrie Callista. Du hegst Unmut gegen mich und verweigerst mir deshalb dein Kraut. Sieh, fauchte sie, sieh diesen Pils hier ! Er ist doch giftig, Paula. Sag, ist er nicht bereits in geringster Menge tödlich.

Paula schwieg. Was Callista aus dem √Ąrmel gezogen hatte, war ein Knollenbl√§tterpilz.

Ich werde Isabell unterrichten, zischte sie, dass du mich mit diesem Pilz in den Tod schicken willst. Gegen die Pest sei er hilfreich. Ja, die unschuldige Paula hat mir das erkl√§rt. Isabell wird dich heut vor die T√ľre setzen, mieses Wechselbalg, Dreckst√ľck.

Paula hatte bereits mehrere Ausbr√ľche Callistas erlebt. Dieser √ľbertraf an Gemeinheit die bisherigen. Sie schickte ein gedankliches Sto√ügebet zum Himmel: M√∂ge Isabells Urteilskraft zur Wahrheit f√ľhren.

-------------------------------

Der abgemagerte Klepper war ein Bild des Jammers. Seit Wochen ging er im Geschirr und zog den schwerf√§lligen Karren √ľber aufgeweichte Wege. Offene Druckstellen peingten das Tier und tiefe Peitschenstriemen hatten ihm Streifen seines Fells genommen. Oft hatte der Besitzer die Gerte auf das Pferd geknallt und versucht das geschundene Gesch√∂pf zu weiteren Leistungen zu zwingen.

Wir m√ľssen nur noch eine halbe Tagesreise bew√§ltigen, schrie Camillus, und Du Mistvieh weigerst dich deine Knochen zu bewegen. Heftig schlug er zwischen die Ohren des Pferdes. Das Tier zitterte am ganzen K√∂rper und knickte in den Vorderh√§nden ein. Selbst ein Feuer unter dem Bauch h√§tte keine weiteren Kr√§fte mehr entfachen k√∂nnen. Der Gaul war ersch√∂pft. Begleitet von h√§√ülichen Fl√ľchen spannte er das Tier aus und lie√ü es am Ufer der Niers grasen.

Er selbst kramte unter der Plane seines Wagens und zog umst√§ndlich eine Flasche gebrannten heraus. Der hochprozentige Tropfen stammte aus dem Haushalt eines Stra√üburger H√§ndlers, dem er die Pestbeulen in den Leisten und unter den Achseln ge√∂ffnet hatte. W√§hrend der Kranke die Besinnung verlor, hatte er kundig ein Silberbesteck, eine Goldkette, etliche M√ľnzen und die Flasche in den Sack gesteckt. Dann verlie√ü er den Sterbenden, um einen weiteren Todgeweihten auspl√ľndern zu k√∂nnen.

Seit Jahren zog Camillus als Schnabeldoktor mit der Pest durch die Lande. Nach dem Vorbild florentinischer Mediziner trug er eine vogelartige Maske aus Leder, in deren langen Schnabel duftende Kr√§uter eingelegt worden waren. Sie sollten vor dem allgegenw√§rtigen Pesthauch sch√ľtzen.

Von seinem fr√ľheren Herrn, einem Wiener Medikus, hatte er die Diplome verschiedener Universit√§ten gestohlen. Seinen Herrn hatte er damals im Garten verscharrt, nachdem das Gift gewirkt hatte. Nun war er nicht mehr der Hausknecht, der von einem m√ľrrischen alten Teufel getroeben wurde. Jetzt war selbst eine gebildete Autorit√§t, ein Medikus, dem Respekt gezollt wurde.

Er lebte gut. Die Gequ√§lten, von der Todesangst √ľberw√§ltigten Pestkranken akzeptierten jeden Preis, den er f√ľr seine Behandlung forderte. Selbst ihre jungen T√∂chter √ľbergaben sie dem h√§√ülichen Doktor. Huren, Kartenspiele, gebratene Kapaune und bester Wein kosteten ein Verm√∂gen. Wenn Camillus in die Schenke einkehrte, verlor er am Spieltisch alles, was er den Kranken abgenommen hatte. Trotz der Verluste, blieb ihm der Katzenjammer ersparrt, wu√üte er doch, bald wieder in den H√§usern der Verzweifelten t√§tig werden zu k√∂nnen.

Inzwischen glaubte Camillus felsenfest, er habe magische Kräfte entwickelt. Das die Menschen zwei bis drei Tage nach seiner Ankunft erkrankten, konnte kein Zufall mehr sein. Vielleicht, dachte er, war er selber der unheilbringende Bote. Eine große geistige Kraft strahlt von mir ab, meinte er. Meine Gedanken beeinflussen, wann immer ich es will, den Lebenslauf der Menschen. Ich muß nur nahe genug an sie heran kommen, dann werden sie die Pest schon annehmen.

Die Pest war ihm ein Freund. Mit ihr lebte er wie die Made im Speck. Schon bald, l√§chelte er, w√ľrden die Nonnen Graefenthals seine Botschaft ausaugen und wenig sp√§ter voller Beulen, mit schlimmen Fieber den Strohsack aufsuchen. Sie w√ľrden ihre Lungen auskotzen und schlie√ülich in einer Lache schwarzen Blutes verrecken. Dann w√ľrde er Gold, Silber, all die Sch√§tze des Konventes davon tragen k√∂nnen.

Camillus trank noch einen Schluck und schlief neben der br√ľchigen Karre ein. Wenige Meter weiter schlief das ersch√∂pfte Pferd.

-----------------

√Ąbtissin Isabell liebte den Fliederbusch, der an der Strinseite des Kreuzganges erbl√ľhte. Allein der angenehme Duft, der noch zarten Bl√ľten, war ihr Beweis genug, dass Gottes Sch√∂pfung vollkommende Sch√∂nheit geschaffen hatte. Extra, um den s√ľ√üen Duftstrom des Flieders genie√üen zu k√∂nnen, hatte sie dort eine grobe Holzbank aufstellen lassen. Sie schlo√ü die Augen und g√∂nnte sich auf der Bank einen kleinen Abstand von ihren vielf√§ltigen Aufgaben.

Unser Kloster, dachte sie, könnte sehr wohl ein Ort des Friedens sein. Ein Ort der Stille, ein Platz der Besinnung
auf das Wesentliche. Hier, befand sie, ist eine gro√üartige N√§he zu Gott erzielbar. Hier kann das eigene leben auf die g√∂ttliche Beziehung ausgerichtet werden und die eigene Seele sich mit g√∂ttlicher Liebe f√ľllen.

Thomas von Aquin fiel ihr ein. Hatte er doch eine Rangordnung der Dinge bestimmt. Eine Pflanze, wie der Flieder hier, sei eine untere Lebensstufe. Isabell zweifelte, ob Aquin richtig lag. Vielleicht, √ľberlegte sie, ist die Sch√∂pfung ein gro√üartiges Ganzes, in dem Gott selbst keinen Unterschied trifft, zwischen den Elementen seines Werkes. Ohne Stein kein Mineral, ohne Mineral keine N√§hrstoffe f√ľr die pflanzliche Welt und ohne die Pflanzen g√§be es keine Nahrung f√ľr das tierische Leben und ohne diesem, w√§re menschliches Dasein unm√∂glich. Die Dinge geh√∂ren also zusammen, schlu√üfolgerte sie. Alles ist aufeinander abgestimmt und zusammen das Wunder einer vollendeten Sch√∂pfung.

Beh√§big und m√ľde schlurfte Paula zu Isabells Bank. Die √Ąbtissin hatte die charakterstarke Nonne erwartet. Ihr war die alte, mitunter kauzige Mitschwester willkommen. Selbst wenn das anstehende Thema heikelerer Natur war.

Kommen Sie, Paula, teilen Sie mit mir die Bank.

Sie m√∂chten neben einer alten, mordl√ľsternden Ziege sitzen ?

Vergessen Sie den Vorwurf. Ich kenne Callista. Sie benimmt sich immer wieder wie ein kleines ungezogenes Kind. Wenn ihr etwas, das sie m√∂chte,verweigert wird, kocht in ihr das B√∂sartige auf. So, jetzt setzen Sie sich endlich, ihr m√ľder Leib braucht Erholung.

Als Paula sa√ü, umkreiste eine pr√§chtige Steinhummel die Fliederbl√ľten. Ein freundliches Tier, bemerkte Paula.
Ja, h√ľbsch, erg√§nzte Isabell.
Kennen Sie den Bombadier, den Käfer der kleine Knallwölckchen verschießt, wenn er bedroht wird, fragte Paula.

Leider nein.

Er ist voller Furcht. Selbst der Schatten eines vom Wind bewegten Blattes veranla√üt den K√§fer seine Verteidungsstrategie einzusetzen. Und seit Wochen liegt √ľber unserem Kloster ein m√§chtiger Schatten.

Sie meinen die Pest, Paula.

Ja, viele Zuffern und Juffern baten mich in den letzten Tagen um ein Heilkraut. Nachts, liegen einige wach, na√ügeschwitzt, angstdurchtr√§nkt. Einige reden √ľber einen schwarzen Engel, wie er mit kalter Hand nach ihnen griff und sie eine abscheuliche, unbekannte Tiefe ziehen wollte. Andere haben begonnen sich zu gei√üeln, weil sie hoffen Gott w√ľrde milde werden.

Nachdenklich sagte die √Ąbtissin, wahrscheinlich ist die Angst berechtigt. Die Pest grassiert und kein wirksamer Schutz ist bekannt. Wir m√ľssen unsere Hilflosigkeit aushalten.

Paula sch√ľttelte den Kopf. Nein, behauptete sie inbr√ľnstig, wir k√∂nnen uns sch√ľtzen. Obwohl das Grauen universell ist, k√∂nnen wir versuchen ihm den Eintritt ins Kloster zu verwehren.

Ein schöner gedanke, Paula. Nur wie sollen wir einen unsichtbaren Feind abwehren?

Erinneren Sie sich an die letzte Erkältungswelle ? Zuerst hatte Zuffer Martha eine Rotznase, wurde heiser und dann fieberte sie.

Selbstverständlich, erinnere ich mich. Nur was hat die Erkältung mit unserer momentanen Not zu tun?

Warten Sie, verehrte √Ąbtissin. Wissen Sie noch, wer als n√§chstes erkrankte ? Es waren doch die Kinder, die Martha betreute.

Es stimmt, nach Martha erkrankten die Kinder. Aber, Paula, warum erkrankten nicht Bruder Matthias oder Jufer Callista?

Martha hatte täglich Kontakt zu den Kindern, aber keinen Kontakt zu Juffer Callista. Die Reihenfolge, wer nach wem erkrankt, ist auch eine Geschichte der Kontakte untereinander.

Das w√ľrde bedeuten Paula, das menschlicher Kontakt die Krankheit weiter gibt. Allerdings, wie erfolgt das?

Vielleicht wenn wir sprechen. Wir schleudern kleinste Speicheltropfen von uns, wenn wir husten oder niesen geben wir noch mehr Tröpfchen ab.Und damit trifft das krank machende Gift die Menschen, die gerade in nächster Nähe verweilen.

Sie behaupten im Sputum hocke das Gift. Muß ich dann nicht das gesprochene Wort untersagen?

Nein, wir d√ľrfen nur ab sofort keinen Menschen von au√üerhalb mehr bei uns aufnehmen. Das Tor mu√ü verriegelt werden, bis die Gefahr vor√ľber gezogen sein wird.

Glauben Sie Paula, eine solche Maßnahme rettet unser aller Leben?

Sicherheit gibt es nie! Obwohl, ich hörte von einigen Städten, die eine Abschottung vorgenommen hatten.

Und?

Die Stadttore wurden gesperrt. Die Zahl der Torwächter verstärkt. Sogar Einwohner, die von einer Reise wieder kehrten, fanden keinen Einlaß mehr.

Und?

Immerhin blieb, wie ich hörte, der ein oder andere Ort von der Pest verschont.

Also, wir schließen das Tor, beschloß Isabell.

--------------


Camillus fuhr an der Asperm√ľhle vorbei. Sein geschundener Gaul stemmte gegen das Geschirr und zog die Karre langsam vorw√§rts. Aus der M√ľhle traten einige Tagel√∂hner heraus. Zur√ľckhaltend sahen sie den furchterregenden Medikus an. Er trug bereits die Schnabelmaske, um seinen w√ľrdevollen Einzug ins Kloster als Leibarzt der heiligen Frauen zu unterstreichen.

Wie lange brauche ich noch bis zum Kloster, fragte er die √ľberraschten Tagel√∂hner.

Ein schmächtiger, vorwitziger Junge antwortete:
Mit deiner Mähre eine Ewigkeit.
Die anderen lachten. Der kecke Bursche hatte Cmillus untersch√§tzt. W√ľtend schlug Camillus mit der Peitsche ins Gesicht des verdutzten Halbw√ľchsigen.
Antworte einem Herrn mit Respekt, schrie er in an.
Die anderen Arbeiter schwiegen.

Hat noch jemand eine dumme Bemerkung, die er los werden möchte, fragte er drohend.

Schlagen Sie nicht, mein Herr, bat ein alter, abgemagerter Mann. Der Junge hier habe noch keinen Anstand gelernt. Er kann die St√§nde nicht unterscheiden. Als Kind fiel er hinter das M√ľhlrad ins Wasser. Deshalb habe er einen kleinen Verstand. Aber er besitze starke Arme und arbeite willig.

Schon gut, hört auf zu lamentieren, sagt mir lieber wie lange ich bis zum Kloster brauche.

Nur noch einige Schritte, wenn ihr dem Weg vor Euch folgt. Es dauert k√ľrzer als eine Marienandacht.

Und wie lange währt so eine Andacht?

Der Tagel√∂hner zuckte mit den Achseln. Schlie√ülich sagte er, sie ist k√ľrzer als eine Messe, aber l√§nger als eine Bu√üandacht.

Ihr seid offensichtlich ein gebildeter Mann, lobte Camillus ihn, ihr m√ľ√üt auf Euer Leben acht geben.

Warum sagt ihr das?, hochwohlgeborener Herr.

Weil die Pest ausbricht. Sie trifft die alten Böcke, wie die jungen Mädchen ohne Unterschied. Aber, Alter, ich besitze eine Medizin aus Florenz, die Euren Körper unangreifbar werden läßt.

Eine solche Medizin kostet bestimmt mehr als ich zahlen könnte, gab der Alte zu bedenken.

Das f√ľrchte ich auch, meinte Camillus h√§misch, aber Du bist umg√§nglich. Du kannst die Medizin f√ľr zwei Sack Hafer erhalten.

Ausgeschlossen, der Hafer gehört dem Kloster.

Armer Mann, Du wirst bald das Fieber sp√ľren.

Gut, ich bringe zwei Säcke, rief der Alte angstgeplagt.

Nachdem die S√§cke auf der Karre lagen,√ľbergab Camillus dem alten Arbeiter wertlose Pastillen, die mit Knoblauch gef√ľllt waren.

Als das Pferd anzog, gröllte er sein Lied.

Es kommt der Sensemann,
er bringt die schwarzen Beulen
er lacht und singt,
wo ich bin m√ľssen alle sterben.

Es ber√ľhrt dich fl√ľchtig
seine kalte Hand
und der Wind pfeift
jetzt gehts ans Sterben.

Es kommt zur jungen Frau
der schwarze Tod heran
er greift grimmig ihre zarte Haut
und zehrt die Jungfrau genußvoll aus.

Immer wieder gr√∂llte Camillus das Lied. Entsetzt rannten die Tagel√∂hner in die M√ľhle. Der Pesttod reitet schneller als ihr, rief er ihnen nach. Sp√ľrt seine Umklammerung, den Rockzipfel hat er schon. Es gibt kein Entrinnen, ihr bl√∂dsinnigen Bastarde, lauft, lauft, er hat euch schon.

Die Panik der Arbeiter steigert seine morbide Heiterkeit. Schlie√ülich entlud er seine dunkle Freude durch ein dr√∂hnendes Gel√§chter. Vergn√ľgt schlug er das Pferd und dachte an sein k√ľnftiges Leben.

Es gab bestimmt hinter der Klostermauer eine Novizin, deren adeliger Vater, sie ungefrat dem Kloster √ľbergeben hatte. Eine Novizin, die statt Braut Christi zu sein, lieber in den starken Armen eines echten Kerls liegen w√ľrde. Hungrigen Fr√§uleins bot er gern seinen Dienst an.

Er hatte von den Krebsteichen der Nonnen geh√∂rt. Ihm lief das wasser im Mund zusammen. Einen Teller dieser k√∂stlichen Krebse f√ľr ihn allein, zu seiner Ehre zubereitet, damit er gest√§rkt seine Kunst den Frauen bieten konnte.

Alsa Camillus in die Allee einbog, die auf das trutzige Torhaus zuf√ľhrte, mi√üfiel ihm die herauf gezogene Zugbr√ľcke.
Kein gutes Zeichen, dachte er.

Die √Ąbtissin und Zufer paula waren ins Torhaus gestiegen. Aus der Fenster√∂ffnung beobachteten sie den Fremden, wie er auf die Grabenkante zufuhr.

La√üt die Br√ľcke herab, rief er herrisch. Ich Doktor, Camillus komme zu Euch, ihr heiligen Frauen, um gemeinsam mit der Kraft des Gebetes und meiner Heilkunst die Pest zu besiegen. Die D√§monen, sind nahe. Mit gro√üen Schalen wollen sie die Pest in das Kloster sch√ľtten.

Wer sagt uns, dass nicht ihr ein solcher Dämon seid?, fragte Isabell.

Ihr habt recht, damit vorsichtig zu sein, schmeichelte er. Viele Betr√ľger geben sich als Arzt aus. Schlagen sich die B√§uche voll, entwenden Hab und Gut und stehen der Pest machtlos gegen√ľber. Ich aber, besitze die Kraft.

Paula unterbrach ihn.

Selbst wenn Du behaupten w√ľrdest der heilige Rochus zu sein, w√§re das Risiko dich aufzunehmen zu gro√ü.

Vertraut auf meinen Schutz. Sonst verfaulen eure Leiber. Es ist schrecklich, wenn die Beulen wachsen und zum Körperinneren hin platzen. Der Schmerz ist unvorstellbar groß. Mit jeder Sekunde wird er heftiger.

Isabell fl√ľsterte.
Was der Mann sagt klingt verlockend. Einen Arzt könnten wir brauchen, selbst wenn die Pest ausbliebe.

Paula sch√ľttelte den Kopf. Wie diebische Elstern ziehen Scharlatane umher, w√ľnschen k√∂niglich zu tafeln, verlangen vom besten Wein und sch√ľren die Angst, fl√ľsterte Paula.

Aber unsere Mitschwestern fallen vom Fleisch vor Angst. Ein Arzt k√∂nnte sie beruhigen, entgenete Isabell. Bitte, Paula, pr√ľfe seinen Kenntnisstand.

Sag, Medicus, wie erklärte Aristoteles das Fieber.

Laßt mich zu Euch hinein. Ich antworte vor einem wärmenden Feuer, denn es wird kalt werden.

Antworte Fremder, befahl Paula br√ľsk.

Wie ihr wollt, ihr diktiert die Regeln. Die Annahmen des ber√ľhmten Griechen, haben an Bedeutung verloren. Seit Aquin ist die Existenz b√∂sartiger H√∂llengeister unbestritten. Sie tragen den Tod herbei, Schwestern!

Wenn ihr das glaubt, brauchen wir keinen Arzt. Ihr seid ausgewichen, Fremder.

Ich bin gewohnt mit medizinischen Kapazit√§ten zu diskutieren. Sind Sie etwa √Ąrztin und mir ebenb√ľrtig?

Gew√∂hn Dich an uns, Fremder. Die Fragen stelle ich oder Du kannst abziehen. Sag, Medicus, welches Kraut aus Gottes Garten mildert den Tr√ľbsinn und belebt die Tatkraft?

Camillus lachte gek√ľnstelt. Ihr versucht mich l√§cherlich zu machen, verehrte Mutter. Ihr stellt mir eine Anf√§ngerfrage. Nun gut, es hilft der K√ľmmel im Weingeist.

Ha, seid ihr Medikus oder Doktor der Spelunken- wissenschaften? Ich frage nicht nach Stimulanzien f√ľr Trunkenbolde, ich frage nach einem Mittel gegen den dauerhaften Tr√ľbsinn.

Camillus schwieg.

Ist dein Maul verklebt, Fremder?

Nein!

Dann rede.

Ich unterscheide zwischen den Trugbildern, die in den Köpfen von Frauen wuchern und meiner wissenschaftlich fundierten Heilkunst. Weiber, rief er erregt, erzeugen aus jedem Kraut irgendeinen Tee, ohne dessen Wirkprinzip zu kennen.

Ah, unser geistreicher Fremder denkt wissenschaftlich, schimpfte Paula, aber er antwortet ausweichend.

Isabell hatte genug gehört.

Du bist kein Arzt. Zieh ab!, forderte sie.

Camilus breitete die Arme aus. Sein ausdruckloses Gesicht sah zu den beiden Nonnen hoch.

Dann schrie er: Ihr werdet Blut kotzen, innerlich das H√∂llenfeuer sp√ľren, der Schmerz wird die schlimmste Totour einer Folter √ľbersteigen, eitrige Bubonen werden eure K√∂rper entstellen.

Ihr seid des Todes, ihr seid des Todes, br√ľllte er immer wieder.

Isabell sch√ľttelte sich. Mit diesem Mann w√ľrde Unheil in das Kloster einziehen, fl√ľsterte sie. Wie werden wir ihn los, Paula?

Pfeil und Bogen, verehrte √Ąbtissin, er ist einer, der nur einer t√∂dlichen Gewalt weichen w√ľrde, antwortete Paula bed√§chtig.

Pl√∂tzlich klirrten die Ketten der Zugbr√ľcke. Die √Ąbtissin st√ľrmte die Treppe des Torhauses hinunter. Unten, im Durchgang versuchte Callista mit einigen weiteren Nonnen die Zugbr√ľcke zu senken.

Im Namen Gottes, gebot Isabell, sofort aufhören!

Isabell st√ľrzte auf die Winde zu. Kraftvoll schob Callista sich vor und versperrte ihrer Oberin den Weg.

Callista aus dem Weg, befahl Isabell, laß mich an die Winde.

Nein, Isabell,wir wollen den Arzt, der uns retten kann.

Er ist kein Medikus.

Ich hörte der Mnn vor dem Tor besitzt Dokumente, die ihn als einen studierten Arzt ausweisen.

keine Diskussion, bestimmt Isabell und griff nach dem Drehkreuz der Winde. Callista sprang wie eine wild gewordene Katze gegen Isabell und dr√ľckte sie gegen die Wand. Die √Ąbtissin verlor das Gleichgewicht und prallte mit dem Hinterkopf auf das harte Mauerwerk. Benommen ging sie in die Knie.

Inzwischen hatte Paula das Get√ľmmel erreicht. Mit einer weit ausholenden kreisenden Bewegung schlug sie ihren Gehstock genau zwischen Callistas Schulterbl√§tter, Der Schlag war bestens plaziert worden und Callista sank mit einem Seufzer zu Boden.

Wenn ihr weiter leben wollt, zieht das Tor wieder hoch, warnte sie. Willig drehten die Nonnen die Ketten zur√ľck.

Und nun hebt die √Ąbtissin auf, bestimmte Paula. Wortlos mit schuldbewu√üten Gesichtsausdruck hoben die Meuterinnen Isabell auf. Der Aufprall auf den Hinterkopf hatte lediglich eine Beule erzeugt. Isabell st√∂hnte leise. Viel Schlimmer als die Beule war der Schreck von dem sich Isabell durchzogen f√ľhlte. Was hier gerade passiert war, ersch√ľtterte ihr Menschenbild zutiefst. Paula bemerkte Isabells Schw√§che. Sie verlangte von den umherstehenden Nonnen die Klausur aufzusuchen und dort auf weitere Weisungen zu warten. Schweigend gehorchten die Frauen.

Nehmt Callista mit, ordnete sie an, und gebt ihr einen Schlick Wasser.

Jetzt waren Paula und Isabell allein in dem Durchgang. Isabell wankte. Paula griff unter ihren Arm und half ihr die Balance wieder zu finden. In der Ecke stand ein dreif√ľssiger Schemel.

Sehen sie √Ąbtissin, dort auf dem Hocker k√∂nnen sie ausruhen.

Zum Ausruhen ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt, keuchte Isabell. Offensichtlich ist hier alles aus den Fugen geraten, st√∂hnte siwe. Wir m√ľssen einige besonnene K√∂pfe um uns versammeln, um die kl√∂sterliche Ordnung wieder zu sichern. Und bitte, bat Isabell, hole auch Bruder Matthias hinzu.

Die Nonnen arbeiteten mit einer kleinen Brudergemeinschaft zusammen, die innerhalb des kl√∂sterlichen Gel√§ndes ein kleines Wohnhaus nutzen durften. Meist erledigten sie Au√üendienste. Sie trieben die Abgaben der umgebenden Bauern ein, pr√ľften die Nutzung der verpachteten Fl√§chen oder kauften weiteres Land im Auftrag Isabells auf.

Einige Zeit später saßen Bruder Matthias, die freundliche Zufer Maria, Paula und Isabell auf wackeligen Hockern im zugigen Durchgang des Torhauses.

Gott Vater, betete Isabell vor, schenke uns zur Bewältigung unserer Aufgabe einen klaren Verstand, Kraft und die Fähigkeit den Mitschwestern zu verzeihen. Amen.

Bruder Matthias räusperte sich. Bedächtig begann er:
Die Schwestern sind nicht grundsätzlich bösartig. Sie suchen einen Ausweg aus ihrer Todesangst und lassen sich deshalb zu kopflosen Handlungen hinreißen.

Die wir unterbinden m√ľssen, warf Isabell scharf ein.

Paula hatte die Stirn in Falten gelegt. Leise sagte sie:
Der heimt√ľckische Camillus dort vor dem Tor versucht weiter die Panik unter uns zu entfachen. Erst, wenn es uns gelingt ihn unsch√§dlich zu machen, k√∂nnen wir Ruhe erzeugen.

Ihn töten, fragte Maria besorgt.

Um Gottes Willen, Kind, wir wollen uns nicht vers√ľndigen.

Aber was können wir dann tun?

Maria, wir ben√∂tigen eine List, belehrte Isabell. Wenn alle zu √ľberzeugen w√§ren, dass Camillus uns Unheil bringt, kehrt der innere Friede zur√ľck.

Maria meldete sich wie eine Sch√ľlerin mit erhobenen Zeigefinger zu Wort.

Wir hören, Maria, ermunterte Isabell sie.

Marias Kopf war hochrot geworden. Sie hatte das Gef√ľhl ihre Idee w√§re dumm und bedauerte es bereits, den arm gehoben zu haben.

Komm M√§dchen, einfach raus damit, meinte Paula, die Marias Unsicherheit sp√ľrte.

Es mag kindisch sein. begann Maria sch√ľchtern, aber wenn der Mensch da drau√üen aussehen w√ľrde, wie einer den die Pest bereits fest in ihren Klauen h√§lt, bek√§men die Juffern und Zufern das Grauen.

Paula lachte, sollen wir mit dem Hammer Beulen auf seinen Körper schlagen?

Verehrte Mutter Oberin, fuhr Maria fort, unsere kleinen Mädchen, die ich erziehe, haben mir gezeigt, wie wir Camillus zeichnen könnten.

Wie können sechs bis zehnjährige Mädchen uns zeigen, was jetzt Not tut?, zweifelte Paula.

Sie haben es ja nicht direkt gezeigt, Paula. Die Mädchen spielten wilde Tiere. Zwei der Mädchen hatten die Gestalt einer Singdrossel annehmen wollen und sprenkelten Punkte mit Holzteer auf Gesicht und Hals. Noch immer haften die braunen Punkte auf der Haut. Sie sehen aus, als hätte eine schwere Krankheit sie befallen.

Matthias brummte, dann m√ľsse der Kerl eine Ladung Holzteer bekommen.

Isabells skeptisch zusammen gekniffendes Augenspiel verriet den anderen, dass ihr Marias Vorschlag alles ander als plausibel erschien.

Nein, uns wird es nicht gelingen k√∂nnen, ihn mit Punkten zu zeichnen, vermutete Isabell, wir d√ľrfen auf keinen Fall nahe an ihn heran treten. Wenn er die Pest in sich tragen sollte, w√§re das unser Tod.

Maria faste allen Mut zusammen. Vererhrte √Ąbtissin, es gibt Pfeil und Bogen. Ein mit einem Tuch, welches in Holzteer getr√§nkt wurde, umwickelter Pfeil w√ľrde ihn heftig besprenkeln.

Aber Kindchen, wer soll denn den Pfeil abschießen?

Ich, antwortete Paula, solange ich mich erinnern kann, verfehlte ich keines der Kaninchen, das meinem Kräutern zu nahe kam und dieser Kerl ist ein angenehmes Ziel. Groß und gut zu treffen.

Maria war bla√ü geworden. Eine Nonne die auf Menschen scho√ü. War das nicht ein Widerspruch zu jeder Christenpflicht? Und was, dachte sie, w√§re wenn der Pfeil eine Auge verletzten w√ľrde?

Paula, fragte sie, kann der Pfeil den Fremden schwer verletzen?

Sicher, mein Mädchen. Doch was geschieht mit uns, wenn er weiter draußen den Konvent in Angst und Schrecken versetzt?

Maria senkte verschämt den Kopf. Bitte, flehte sie, lösche nicht sein Augenlicht.

Paula schien ungeduldig zu sein.

Maria, sagte sie gereizt, bevor ich gleich schie√üe, mu√ü mich in eine tiefe Versammlung bringen. Alle Sinne m√ľssen wacher als gew√∂hnlich sein. Innerlich mu√ü in mir die Ruhe eines Bergsees entstehen. Und wenn ich dann aus meiner Ruhe heraus die Sehne spanne und den Pfeil auf das Ziel richte, trifft er ohne die geringste Abweichung, da wo er treffen soll.
Eine Bedingung dazu ist, dass Du still bist.

Maria nickte. Paula stieg in das Torhaus. Bruder Matthias richtete die Waffe. Paula postierte sich hinter der Fensterlade und beobachtete Camillus. Von hier w√ľrde sie treffen k√∂nnen, wenn er nahe genug an den Grabenrand herantrat.

Isabell w√§hlte das Fenster daneben. In voller Gr√∂√üe w√ľrde er sie nun sehen k√∂nnen.

Camillus, hörst Du mich?

Ja, schallte es geladen zur√ľck, wie k√∂nnte ich deine grauenhafte Stimme √ľberh√∂ren.

Die √Ąbtissin √ľberging seine Beleidigung. Camillus, unsere Gemeinschaft will dich aufnehmen. Dein Zimmer ist bereits gerichtet und ein kr√§ftiges Mahl wird dir gereicht werden.
Aber wir möchten zuvor sehen, ob Du wirklich ein studierter Medikus bist?

Wie kann ich meine Dokumentenrolle zeigen, wenn Euer Tor verschlossen ist?

Wir öffnen, Camillus, wenn Du uns vom Grabenrand aus den Siegel deiner Urkunde zeigst.

Der Quaksalber war inzwischen bis an die Grabenkante heran getreten. Paula zielt selbstvergessen auf seine Stirnmitte. Die Sehne war maximal gespannt. Mit ihrer Ausatmung l√∂ste Paula den Pfeil und ann√§hernd im gleichen Moment st√ľrzte Camillus zu Boden. Besinnungslos baumelte sein Kopf an der Grabenkante herunter.

Ein gutes Ergebnis, flötete Paula. Langsam, richtete der getroffene sich auf. Sein Gesicht war voller Holzteersprenkel und so sah er tatsächlich erkrankt aus.

Alle Schestern m√ľssen sofort auf die Mauerbr√ľstungen. Sie sollen seine Flecken sehen. Wenig sp√§ter sp√ľrten die Nonnen eine G√§nsehaut. Der Mensch vor ihnen hatte schwarze Flecken. Das war die Pest. Niemals k√∂nnte es diesem Scheusal gestattet werden, seine F√ľsse √ľber die Schwelle des Torhauses zu setzen. √Ąngstlich rannten die Nonnen zur√ľck. In der Kirche dankten sie Gott. Sie dankten ihm f√ľr die umsichtige Isabell, die ihnen vorstand.

Callista fiel mit einer schauerspielerischen Szene auf die Knie. Ihre Stimme klang hysterisch.




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J. Bosbach

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herb
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hallo bosbach,

du kannst ja auch ganz anders. eigentlich erwartete ich vorm schlafen gehen eine lustige geschichte im dialekt,
und was finde ich, eine hervoragend geschriebene erzählung mit viel kenntnis im detail, eine historische erzählung, in der man sofort in dieser geschilderten zeit drinsteckt.
aber das ist keine erzählung, das ist ein teil eines guten romans. wie weit bist du damit? ich lese gern historische romane...
herzlichen gl√ľckwunsch, hoffentlich findest du einen verlag daf√ľr
die paar tipfehler sind bei der länge geschenkt, das macht dann der lektor, lächeln
also ganz im ernst, ich möchte demnächst einen historischen roman von dir im buchhandel entdecken, du kannst das schaffen
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hier Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. Kästner

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