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Leselupe.de > Feste Formen
Plädoyer mit Eukalyptusöl...(Petrarca Typus)
Eingestellt am 03. 02. 2012 22:47


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gitano
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Antwort auf Walthers "Da will mich wohl der alte Fluch ergreifen"

Plädoyer mit Eukalyptusöl...

Erneut will ich für Dich das Wort ergreifen!
Auch gern beim Eukalyptuslutschen und
mytholisiere meinen rauhen Schlund
bis alle Viren resümieren: Kneifen!
bevor die Backen Siegeslieder pfeifen!
Der Kampf ist sinnlos gegen dieses Pfund!
Das atemkühle Öl salbt mich zum Bund
der Rache nimmt, die Viren abzustreifen.

Der Sieg, in schleimbefreiten Nebenhöhlen
erstarkt die Freude, auch mal laut zu grölen:
Ich halte Dir erfrischt die Bündnistreue!
so nette Form, an der ich mich erfreue!
Wohin? Wenn nicht zum Klang in Deinem Herzen!
So laß mich Dir verliebt in Terzen scherzen!

__________________
Ich aber trank, gebannt und gleichsam wie im Wahn aus Ihren Augen wie ein Himmel im Orkan...die Süsse, die entzückt, die Lust, die Tod bereitet(Charles Baudelaire)

Version vom 03. 02. 2012 22:47

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AchterZwerg
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Lieber Gitano,
du schenkst uns eine so nette Form, voll des feinsten Humors, amüsant bis witzig. Herrliche Enjambements, besonders im 2. Quartett, schmücken dies liebevoll gestaltete Gedicht. -
Inhaltlich gebe ich zu bedenken, dass die Amour zu einem Öl, insbesondere zum eukalyptischen, recht zwiespältiger Natur sein kann. Die Erwiderung wird stets ein herbes Brennen sein. Aber vielleicht kommt dir eine mentholisierende Domina gerade recht?
Wer weiß das schon.
Noch virenfreie Zwergengrüße:
No. 8

P.s.: grölen
Was ich auch noch sagen wollte: Du hast enorme Fortschritte gemacht, finde ich, gerade was dieses schwierige Sujet angeht. Da wird Walther ganz schön mit den Wimpern klimpern ...


__________________
Die große Kunst der kleinen Funzel - Lichter in den Schatten stellen. (TassoTuwas)

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gitano
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Liebe ZwergIn!
Zu den angesprochenen Textstellen:
"Mythol", Du hast es geahnt, ist eine Verballhornung und Anspielung zu: Menthol, dem tatsächlichen Reinigungsmittel "Mythol" (alkoholhaltig!) und Mythen....die ja sehr oft erzählt werden wenn es um Heilung -aber auch wenn es um Sonette geht. UND Walther offerierte in seinem Sonett einen Krankheitszustand...da mußt ich doch innovativ darauf eingehen!

Ich bin am überlegen ob dieser Text nicht besser:
Plädoyer beim Eukalyptus lutschen...
heißen sollte um oben genannte Inhalte nicht in eine falsche Richtung zu befördern

Besondere Sprachideen, besonders die Humorvollen, haben es mir angetan, wobei ich gern auf solche Formen wie Schüttelreme verzichte....Sie sind mir doch etwas zu zwingend und führen vom Sprachwitz meiner Vorstellung etwas weg. Abwechslung ist gefragt..vom Geschliffenen bis hin zum Dreisten, vom Überhöhten über dem Unsinnig Abstrusen, bis hin zur feinen Ironie.

All dies in Sonetten unterzubekommen und noch viel mehr...

Die alten Formen werden mehr und mehr neben neuen Spielarten des vers libre mein Lieblingsgebiet.
Ich wäre froh, wenn ich es in einiger Zeit zu Sonett-Tenzonen und echten Schweifsonetten schaffen könnte. Denn dorthin zieht es mich unwiderstehlich

Der Walther hatte nicht beabsichtigt meine Texte zu animiern. Sein "Der Ton aus alten Zeiten klingt wie Hohn" hat aber viele Gedanken angekickt, die nur in sonettiernder Weise ("eine Zusammenführung aus Sonetten und Dilettieren" :Zitat Walther) darzulegen waren.

Ich freue mich über Dein P.S. und darüber, daß der Text Dir ein ansprechendes Vergnügen war.

Es ist unglaublich wichtig für die eigene Entwicklung kritische Partner zu haben...ich kann es gar nicht oft genug betonen! Das Du und Walther dies sind..UND auch mal sehr unbequem, war auch ein wichtiger Faktor im Weiterkommen.

und damit sage ich mit einer gestenreichen Verbeugung und einem hoffentlich *viralfreien Handknutscher* Dankeschön!

gitano
__________________
Ich aber trank, gebannt und gleichsam wie im Wahn aus Ihren Augen wie ein Himmel im Orkan...die Süsse, die entzückt, die Lust, die Tod bereitet(Charles Baudelaire)

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Bernd
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Ich habe hier: Hier klicken Informationen von Pia Helferich zu dem Thema Petrarca-Sonett gefunden - leider gibt sie aber ihre Quellen nicht an.

Neben der Aufteilung in zwei optische Blöcke (statt in 4) gibt es als Besonderheit, dass die neunte Zeile, "Volta" genannt, einen Drehpunkt darstellt.

In unserem Fall stellt die erste Strophe den Kampf dar, die(?) Volta leitet den schließlichen Sieg ein. Die zweite Strophe wird heiterer, sowohl im Inhalt als auch in den Vokalen und Reimen (4 "e" in "Terzen scherzen" + Binnenreim zeigen und erzeugen Frohsinn. Liebe und Scherz ersetzen das Gefühl der Krankheit.)


__________________
Copy-Left, samisdada

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gitano
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Lieber Bernd!
Gestatte mir auch hier einige Anmerkungen zu Deinem Kommentar und diesem Text.

Frau Pia Helferich wird Dir leider keine guten Dienste erweisen können , leider.

quote:
Neben der Aufteilung in zwei optische Blöcke
Diese grafische Aufteilung ist der eigentlichen historischen Form "en bloc" noch am nächsten und betont daß ein Sonett eine zweiteilige Gedichtform ist UND KEINE Strophen hat!

quote:
(statt in 4)
stimmt nu gar nicht, sorry
Die graphische Aufteilung in 4 Gedichtteile war mal ein Machwerk von Buchschreibern...für ein hübscheres Layout.

quote:
gibt es als Besonderheit, dass die neunte Zeile, "Volta" genannt, einen Drehpunkt darstellt.
Dies ist nun leider völlig abwegig!

Volta werden die meist dreiversigen Teile des zweiten Gedichtteiles genannt. Im Petrarcatypus also.
Teil I:
4 pedi zu je zwei Endecasillabi
Teil II:
zwei voltae (auch mutae) zu je drei Endecassillabi

Zum Inhalt:
Auch dieser Text ist nicht frei im Inhalt!
Im Sinne eines Dialogsonetts bzw. Ansatz einer Tenzone geht er auf Walthers Sonett ein. Wieder mit den üblichen Gegebenheit einer Tenzone: Eingehen auf Inhalt, andere Position beziehen, formale Übernahme von Reimen und Vokabular, argumentieren, reflektieren und dann die Conclusio! Sprachwitz , verschleierter Spott Andeutungen...uv.a mehr sind Stilmittel.

Ich mag hier überhaupt keine Formendiskussion anzetteln und auch keine wirklich riesige Literaturliste zu wissenschaftlichen Untersuchungen zum Sonett posten, die schon Walther verblüffte...Vertraue mir einfach mal darin, daß ich diese Form liebe und deshalb mich sehr , sehr viel damit (auch wissenschaftlich zur Entstehung) befaßt habe.

Was Frau Pia Helferich anscheinend leider nicht getan hat, sonst würde sie solche Dinge zum Sonett nicht verbreiten!

P.S. Eine These -Antithese-Synthese Ordnung ist dem Wesen des italienischen Sonetts der Frühform völlig fremd und ist eine Erfindung (nach der Kantschen Erkenntnistheorie)von Schlegel - weil der nicht kapiert hat, ws die innere Beweglichkeit der Argumentation in einem guten Sonett ausmacht - dies ist der Grund warum Sonette schwierig sind: Positionen, Spannungsfeld, Argumente/Reflexionen meist in Rhetorikfiguren führen in extremer Inhaltsdichte zu einer Conclusio...dies muß keine Synthese sein!
Das Sonett ist formal eher leicht...aber die inneren Anforderungen sind enorm! Ein formal abgebildeter Diput...und dies auf 14 kurzen Zeilen!


Ich behalte meine Beschäftigung (und die Ergebnisse) mit dieser Form eher für mich...Wahrcheinlich bist Du einer der seltenen Lyrikliebhaber die nachlesen würden...Ich hätte da Stoff für Jahre! Wenn gewünscht schicke ich Dir etwas davon (Liste).

Liebe Grüße
gitano




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Ich aber trank, gebannt und gleichsam wie im Wahn aus Ihren Augen wie ein Himmel im Orkan...die Süsse, die entzückt, die Lust, die Tod bereitet(Charles Baudelaire)

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Bernd
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Die These-Antithese-Synthese-Beziehung verwendet nach Rick Duijf(wahrscheinlich) auch Johannes R. Becher in seiner Sonett-Theorie insbesondere in Bezug auf den Expressionismus.
Hier klicken Das Sonett in der expressionistischen Lyrik, Rick Duijf
(Ich habe hier leider nicht das Original Bechers zur Verfügung.)

Diese Form der Interpretation schien einige Zeit lang "modern" zu sein.

Mir erschien sie hier logisch, sie macht aber nicht das Wesen Deines Sonettes aus.

Die Frage Bechers ist: Warum ist ein Sonett und nicht ein einfach ein Vierzehnzeiler (in Sonettstruktur).

Ich bin hier wahrscheinlich indirekt in die "Formalismus"-Diskussion der 1950er Jahre hineingerutscht.
__________________
Copy-Left, samisdada

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