Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, müssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5284
Themen:   87744
Momentan online:
360 Gäste und 15 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Ungereimtes
Poesie aus Italien
Eingestellt am 11. 06. 2001 19:56


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
dieterschlesak
Blümchendichter
Registriert: Feb 2001

Werke: 18
Kommentare: 6
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Dieter Schlesak

ÜBERTRAGUNGEN UND PARAPHRASEN AUS DEM ITALIENISCHEN/ TRADUZIONI E PARAFRASI
Leopardi
Campana
Montale
Ungaretti
Rebora
Sinisgalli
Fortini
Sereni
Buffoni
Robert



Giacomo Leopardi
Das Unendliche
Lieb war mir immer dieser einsame Hügel
und diese Hecke wie sie nach allen Seiten
ausschließt vom letzten Horizont den Blick.
Doch sitzend und schauend erfind ich unendliche
Räume jenseits des Zaunes, übersinnliche
Stille und Ruhe vom Grunde des Schweigens,
wo so schnell mein Herz Nichts fürchtet;
hör ich den Wind, der aufrauscht in den Bäumen,
vergleich ich diese Stimmen mit der Stille vom
Grund: mir fällt Ewiges ein
und die toten Jahreszeiten und dieses Jetzt,
Ton der lebenden Zeit. So sinkt mir
der Gedanke weg ins Unendliche:
Schön ist der Untergang in diesem Meer.


Dino Campana

O poesia tu più non tornerai

O poesia tu più non tornerai
Eleganza eleganza
Arco teso della bellezza.
La carne è stanca, s'annebbia il cervello, si stanca
Palme grigie senza odore si allungano
Davanti al deserto del mare
Non campane, fischi che lacerano l'azzurro
Non canti, grida
E su questa aridità furente
La forma leggera dai sacri occhi bruni
Ondulante portando il tabernacolo del seno:
I cubi degli alti palazzi torreggiano
Minacciando enormi sull'erta ripida
Nell'ardore catastrofico



Dino Campana
O GEDICHT DU WIRST NICHT WIEDERKEHREN
(O poesia tu più non tornerai)

O Gedicht du wirst nicht wiederkehren
Du elegante Eleganz
Gespannter Bogen der Schönheit
Das Fleisch ist müde
vernebelt das müde Hirn
Palmen grau gefächert
Geruchlos gereiht
Vor der Öde des Meeres
Es sind nicht die Glocken, nein Pfiffe
Zerrissen das Blau
Keine Lieder, Schreie.
Und oben die Ödnis wild
Gewichtslos eine Silhouette
Mit dem Braun zweier Augen geheiligt
Tragen sie fort wie die Wellen Tabernakel der Brust
Kubische Hochhäuser getürmt
An der steilen Kurve
Katastrophaler Erregung.


Dino Campana
Bastimento iin viaggio (Già: frammento)

L'albero oscilla a tocchi nel silenzio.
Una tenue luce bianca e verde cade dall'albero.
Il cielo limpido all'orizzonte, carico verde e dorato dopo la burrasca.
Il quadro bianco della lanterna in alto
Illumina il segreto notturo: dalla finestra
Le corde dall'alto a triangolo d'oro
E un globo bianco di fumo
Che non esiste come musica
Sopra del cerchio coi tocchi dell'acqua in sordina.




Dino Campana
(Bastimento in viaggio. Già: frammento)
Der Mast vibriert im Tastsinn des Schweigens.
Ein schwaches weißes Licht fällt vom Mast in ein grünes.
Klar Himmel am Horizont lädt Grün und Gold nach dem Sturm.
Weißer Rahmen der Laterne über dem Deck
Beleuchtet Geheimnisse der Nacht: durch ein Fenster -
Taue von oben das goldene Dreieck
Eine rauchweiße Kugel
Die nicht klingt
Über dem Kreis dumpf pochenden Wassers.



Eugenio Montale

BALLADE IN EINER NERVENKLINIK
GESCHRIEBEN

Man gräbt in die Not ein Massengrab
und kommt so hinter den Berg
wie ein Komet im August

Hätten wir uns nur wie er
aufgelöst in klare Luft

Doch war Nacht noch um uns
und die Schrecken der Körper
als begrüben uns Altane aber auch
letzte Brücken: im Leib wie Jonas
im Wal/ und du im Gips einer Puppe
als ich mich umsah warf mich der Spiegel
an die Wand: todblaß war ich ein Anderer:
deine Kehle deine Brust waren eingegraben

In deinen Augenhöhlen glänzten
die Tränen Linsen Nebelwand dicker
als das Schildplatt der GläserRahmen
Nachts vor dem Schlaf da nehm ich sie dir ab
und gelegt zu den Ampullen mit Morpium
bist du eins mit ihnen:

Tiere wie Bilder der Stier im Gott so war
er nicht unserer, sondern Lilienfeuer färbt er
in der Grube mit Zerrisenem und zweigeteilt
(kein Tod macht im Körper frei!)
Sternzeichen anzurufen, Widder, gehörnte
Untiere aber wirklich im Beben und Stoß
im Leib, sie überrannten den letzten Stolz
und das Herz, das dein Husten zermalmte

Bald ein Zeichen da
die Stunde endgültiger Trennung:
und ich bin jetzt bereit, schon beginnt
die Reue ein düsteres Schluchzen in
Tälern und Schründen:
der andere Notarzt

Unbeweglich auf dem Nachttisch
eine hölzerne Bulldogge: es käme
auf sie und auf den Wecker an
Phosphor seiner Zeiger dünner Lichtschein
über deinem dämmernden Schlaf

reicht es aus die schmale jenseitige Pforte
zu sprengen denn draußen ist gehißt
schon rot auf weiß das andere Kreuz

Und stell mich mit dir der Stimme
beim Einbruch, dem ungeheuren Appell der Toten:
dann wird ununterscheidbar von meinem
das stumme Heulen des hölzernen Hundes.

(10.10.96)




Giuseppe Ungaretti
Tutto ho perduto

Tutto ho perduto dell'infanzia
E non potrò mai piú
Smemorarmi in un grido.

L'infanzia ho sotterrato
Nel fondo delle notti
E ora, spada invisibile.
Mi separa da tutto.

Di me rammento che esultavo amandoti,
Ed eccomi perduto
In infinito delle notti.

Disperazione che incessante aumenta
La vita non mi è piú,
Arrestata in fondo alla gola,
Che una roccia di gridi.


Giuseppe Ungaretti
(Tutto ho perduto)
Ich habe alles verloren von der Kindheit
nie mehr werd ich mich vergessen können
im Schrei.

Begraben die Kindheit
im Abgrund der Nächte
ein Jetzt, unsichtbares Schwert
es trennt mich von allem.

Noch erinnere ich mich meiner da ich dich liebte
jubelnd und sieh mich nun: verloren
in nächtlichen Unendlichkeiten.

Es steigt Verzweiflung unaufhörlich hoch
am Leben das Nie ist
in die Kehle gedrückt
ein steinerner Schrei.




Giuseppe Ungaretti
Ultimi cori per la terra promessa, 1

Agglutinati all'oggi
I giorni del passato
E gli altri che verranno.

Per anni e lungi secoli
Ogni attimo sorpresa
Nel sapere che ancora siamo in vita,
Che scorre sempre come sempre il vivere,
Dono e pena inattesi
Nel turbinîo continuo
Dai vani mutamenti.

Tale per nostra sorte
Il viaggio che proseguo,
In un battibaleno
Esumando, inventando
Da capo a fondo il tempo,
Profugo come gli altri
Che furono, che sono, che saranno.


Paraphrasen und Gedichte nach Motiven von Giuseppe Ungaretti

(Ultimi cori per la terra promessa, 1)

Vom Heute unablösbar
Vergangenheit Tage und
die kommenden alle.

Lang der Augenblick
Überraschung: da zu sein.
Daß immer dieses Leben
nachläuft/ das Geschenk
meist eine Qual
und Wirbel Wandel des Umsonst.

Die Tiefe ein Geschick
hat uns die Folge (diese Pein)
hinab in die Reise grab ich
Zeit aus erfinde sie neu
Flüchtling wie alle die waren
die sind und die kommen werden.



Clemente Rebora
Se Dio cresce

Se Dio cresce
il diavolo aumenta,
vetta che al cielo più riesce
scavando una voragine tremenda.

E merito non è, non è peccato,
se in noi le ascese cadon paurose,
come chi sogni, agitato
al senso delle cose.

Ma chi si sveglia nel gran giorno ha fede:
scorge cader la luce al nostro fondo
per rivelarci il sol che attende
sul culmine del mondo.




Clemente Rebora
Wenn Gott wächst
(Se dio cresce)

Wenn Gott wächst,
nimmt der Teufel zu,
gelingt der Gipfel dem Himmel zunächst,
gräbt er dann furchtbar den Abgrund der Ruh.

Kein Verdienst und keine Schuld ist´s,
wenn der Aufstieg in uns fällt,
erregt die Angst, die du bist,
vom Sinn der Ding träumt und hält.

Die am Jüngsten Tage erwachen, die glauben!
Licht, das zu uns in die Tiefe fällt,
zu entschleiern den Scheitel der Welt,
wo die Sonne wartet, aufsteigt und hält.


(Le Poesie 1913-1957, Milano 1961.
Italienische Lyrik, p. 86)


Leonardo Sinisgalli
Vidi le muse

Sulla collina
Io certo vidi le Muse
Appollaiate tra le foglie.
Io vidi allora le Muse
Tra le foglie larghe delle querce
Mangiare ghiande e coccole.
Vidi le Muse su una quercia
Secolare che gracchiavano.
Meravigliato il mio cuore
Chiesi al mio cuore meravigliato
Io dissi al mio cuore la meraviglia.



Leonardo Sinisgalli
Ich sah die Musen
(Vidi le muse)

Auf dem Hügel sah ich
Ja ganz sicher Musen
Zwischen den Blättern kauernd,
uns die Stange haltend.
Ich sah also damals die Musen
Zwischen der Breite von Eichen Blättern,
Eicheln verspeisend und Beeren.
Und sah freilich die Musen auf einer Eiche,
hundertjährig rabenkrächzend.
fragte ich mein verwundertes Herz,
und erzählte meinem Herzen
das Wunder.

(Aus: Poesia 71, p. 24 )



Alfonso Gatto
Pensieri inediti sulla poesia e altro

Nulla è più solo di un nome, di una storia morta. Ma che serena tristezza camminare per i viali deserti del cimitero di Boulevard Quinet: tra la mamma e il patrigno c'è anche Baudelaire, in una tomba piccola come quelle d'un bambino.


Alfonso Gatto

(Paraphrase und Variation nach: Pensieri inediti sulla poesia e altro)
Nichts ist einsamer als der Name
Niemand einer toten Geschichte.
Lebend noch und schon eines der Opfer
glücklich die vergangene Zukunft
ja die alte Grenze zu schauen
himmelnd

Klein bleibt auch Baudelaires Grab in Paris
eine Grube wie ein Tor türgroß nur wie ein
neues Kind und kinderleicht mit dem letzten Atemzug
entkommen wer nur das Loch sieht von
der Seite des Blickes vergißt jeden Ausgang
den die Opfer doch alle genommen

Einer zitierte Charles in der Kammer noch
wie ein letztes Gebet auf den Lippen schon Rauch.

Uns aber bleibt nur verspätet zu widerstehen:
die Armut sie gräbt sich nach innen
nur sie erreicht noch den Ausgang
im letzten Verzicht fest zu schließen
die gierigen Lippen

Erinnert den Sinn Tod von damals
atmend erstickt im Müll.

(Poesia, 94, p. 15)





Franco Fortini

L'esame

Mi presento all'esame. Non ricordo più nulla.
Le cose che avevo credute non le credo più.
Come posso difendere, maestri, le mie tesi?
Esaminatore, di chi sono le parole che dico?




Franco Fortini


Prüfung
(L´ esame)

Ich stelle mich der Prüfung. Und weiß nichts mehr.
Was ich bisher glaubte, glaube ich nicht mehr.
Wie, meine Lehrer, kann ich noch meine Thesen verteidigen?
Ihr Prüfer, vom wem sind die Worte, die ich sage?



Vittorio Sereni

Ahimè come ritorna

Ahimè come ritorna
sulla frondosa a mezzo luglio
collina d'Algeria
di te nell'alta erba riversa
non ingenua la voce
e nemmeno perversa
che l'afa lamenta
e la bocca feroce

ma rauca un poco e tenera soltanto...

(Saint-Cloud, luglio 1944)



PARAPHRASEN

Für
Vittorio Sereni
[ Totenstimme. Nach dem Motiv von: Ahimè come ritorna]

Ach, wie er hier wiederkehrt
auf den gewendeten Blätten sein Reichtum
mitten im Juli algerische Hügel erinnert
auch deiner im hohen Gras verkehrt
geschrieben, gesagt die Stimme Nie
und nicht unschuldig oder pervers
wie sie flimmernde Hitzeschleier beklagt er
wild gräbt sich durch der Mund
nur etwas heiser doch zärtlich
am Ende

Saint-Cloude, Juli 1944

(Poeti italiani, Mondadori, 1978 p. 755)


Franco Buffoni

Vittorio Sereni

Il sentiero scendeva sulla fronte d Armio,
Lago d'inverno stropicciato solo.
Se ne andava con profondi squarci
Nel ritratto d'acqua dell'acqua che indossava
E il suo cavallo sollevava onde di polvere
Nello sguardo semplice del cielo.
I pini salivano nel buio
- ripeteva a nascondersi
tra stelle decenti
coi soli sorrisi -
E adesso erano proprio tutti uguali.




Franco Buffoni
Vittorio Sereni

Ein Pfad im Abstieg auf der Stirn des Armio
Wintersee allein zerstäubt getäuscht
Verschwand und hinterließ die tiefen Schneisen
Im Bild des Wassers: er im Wasserkleid
Und im Naturblick eines Himmel-Spiegels
In Wellen Wasserstaub stieg auf: Galopp des Pferdes
Die Pinien stiegen noch ins Dunkel hoch
- Immer wieder ein Versteck
zwischen den Sternen leidlich
still ists allein ein reines Lächeln -
Jetzt waren sie wirklich alle gleich.

(ADIDAS, 1993, p. 44)




Franco Buffoni
O da un Sant'Antonio paralizzato

O da un Sant'Antonio paralizzato
Picchiato dai diavoli del Sassetta
Lo stantio fetore di bontà
A contrastare l'allegria dei diavoli
La loro vanità. Poi il viso a terra
Volge piano il santo e gli occhi
Rassegnati ma non vinti
Sono quelli in preghiera di una foto
Di Lager. Sono quelli che avevo da bambino.


Le morti

Le morti sono capricciose non arrivano
Quando le desideri o le aspetti,
Imprevedibili balzano sui tram
E sono già arrivate
Oppure ai capolinea se li lasciano
Partire tutti, irascibili
Fingono di leggere.



Franco Buffoni

( Le morti)
Die Tode sperren sich sie kommen nicht an,
Wenn du sie ersehnst oder erwartest
Unberechenbar springen sie auf die Trambahnen
Und sind schon angekommen oder
An der Endstation wenn sie alle aussteigen lassen,
Täuschen sie zornig vor zu lesen.



( O Sant´Antonio)
Oder ein gelähmter Heiliger Antonius
Verprügelt von den Teufeln des Sassetta
Der ranzige Leichengeruch der Güte
als Kontrast zur Fröhlichkeit der Teufel
Schnellerer Nichtigkeit Kontur. So schlägt
Der Heilige langsam seine Augen nieder
Resignierte aber nicht besiegte Augen sind
Augen im Gebet auf einem Lagerfoto.
Es sind die Blicke meiner Kinderaugen.

(Poesia 96. p. 44, 45)



Elisabetta Robert

NOSTRA SIGNORA DI LOURDES

Während sich die Augen senken
und die Lippen das Wort fürchten

hebst Du
Mutter der Mütter
die Gesichter

Das dauernde Wunder wird erneuert

(Vivere significa, p. 42)


IM ANFANG WAR DAS WORT
(In principio era il Verbo)

Im Anfang
das Wort.
Am Ende war
das Schweigen.

(Vivere significa, p. 43)


Elisabetta Robert
Nostra Signora di Lourdes

Mentre gli occhi s'abassano
e le labbra temonno le parole,
Tu,
Madre delle Madri
sollevi i volti...
Si rinnova il miracolo perpetuo.


In principio era il Verbo

In principio
era il Verbo.
Alla fine
fu il Silenzio.

__________________
copyright 2001
Dieter Schlesak

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


tstauder
Hobbydichter
Registriert: Nov 2000

Werke: 46
Kommentare: 76
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Buon giorno

Voglio dire soltanto una cosa. Voglio che anche gli altri leggono queste poesie.

Schon in der Schule hat mich die italiensiche Literatur fasziniert. Auch wenn ich viele der Worte nicht verstand, so fühlte ich doch ihre Bedeutung.
Den Klang der Sprache in den Gedichten, ihn habe ich lieb gewonnen und liebe ihn noch immer.

Grüße
Thomas


__________________
Thomas

Bearbeiten/Löschen    


dieterschlesak
Blümchendichter
Registriert: Feb 2001

Werke: 18
Kommentare: 6
Die besten Werke
 
Email senden
Profil
poesie aus italien

danke, lieber thomas für den brief. ja, italien ist auch mein traum, und ich habe ihn mir lebenslang erfüllt, lebe seit jahren nun hier in der toskana in einem bauernhaus und schreibe, übersetze und wundere mich jeden tag, daß ich hier bin.

herzlichen gruß dieter
__________________
copyright 2001
Dieter Schlesak

Bearbeiten/Löschen    


Zurück zu:  Ungereimtes Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.



Leselupe-Bücher





Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!