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Leselupe.de > ErzÀhlungen
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Eingestellt am 20. 01. 2005 11:18


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zora feldman
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Mar 2004

Werke: 8
Kommentare: 10
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Zwei Kinder wurden geboren, kurz nacheinander. Zuerst ein Junge, dann ein MĂ€dchen.

Sie wurden gefĂŒttert, gekleidet, gebildet, geprĂ€gt.
Sie lernten sich kennen und verliebten sich.

Zu Beginn fanden sie sich unbeschreiblich und waren entzĂŒckt von ihren Ähnlichkeiten, liebten das Eigene im Anderen und erkannten sich als ungetrĂŒbtes Spiegelbild. Sie waren das, was sie seit langem gesucht hatten.
Bald kamen sie sich nÀher und sahen sich deutlicher, fanden Unterschiede, die sie erfreuten. Sie ergÀnzten sich und fanden sich wunderbar.
Sie liebten sich und lebten zusammen, liessen sich ein auf die Andersartigkeiten, schlossen Kompromisse. Sie wollten das Gleiche.
Dann entwickelten sie sich weiter, brauchten Raum fĂŒr die eigene Persönlichkeit und nahmen VerĂ€nderungen am anderen wahr. Sie waren enttĂ€uscht und stritten sich.
Dabei machten sie sich VorwĂŒrfe, verletzten sich und schwiegen. Sie wussten nicht mehr, was sie sagen sollten.
SpĂ€ter waren sie kalt und gefĂŒhllos, verhielten sich abweisend und fanden sich unertrĂ€glich. Sie waren sich fremd und hielten es nicht mehr miteinander aus.
Schließlich trennten sie sich und weinten, wollten Genugtuung oder wenigstens ErklĂ€rung, wollten sich nie wieder sehen und alles vergessen.
Irgendwann vergaben sie sich, fanden andere, die sie lieben konnten, gingen ihrer eigenen Wege und lebten ein besseres Leben ohne einander. Sie waren froh, dass es so gekommen war.

Sie schrieben sich Briefe, in denen sie in Worte zu fassen versuchten, was sie fĂŒhlten und dachten, was sie bewegte, was sie wĂŒnschten und tun wollten.
Liebesbriefe, am Anfang. Die Zeilen waren voller Begierde, Beschreibungen von Körpern und Akten der Hingabe, die Worte sollten die Sehnsucht, die Wollust beschreiben und die Ewigkeit beschwören.
Streitbriefe, Versöhnungsbriefe spÀter, die erklÀren sollten, Standpunkte darlegen und VerstÀndnis schaffen. Versuche, sich selbst zu bewahren, Suche nach NÀhe und Gemeinsamkeit.
Am Ende Trennungsbriefe, in denen die Worte wie Waffen aufeinander gerichtet wurden, die Beweise fĂŒhrten fĂŒr Fehlverhalten, Respektlosigkeiten und bewusste Verletzungen. Die Zeilen wehrten die eigene Schuld ab, wiesen sie zurĂŒck, dem anderen zu.

Sie lasen die Briefe – auch dann noch, als sie keine mehr schrieben – die alten wie die neuen, immer wieder.

Sie las in seinen Briefen. Las von dem Wunsch, bei ihr zu bleiben, und verstand, dass er davon sprach, nicht immer bei ihr zu sein. Die Worte vom Moment, der sich wie eine Ewigkeit anfĂŒhlt, sagten ihr, dass die Ewigkeit im nĂ€chsten Moment vorĂŒber sein kann. Die Sehnsucht zu genießen hieß, seine Freiheit zu brauchen; seine Freiheit zu brauchen hieß, sich von ihr entfernen zu wollen.

Er las in ihren Briefen. Das Versprechen, ihn fĂŒr immer zu lieben, erzĂ€hlte ihm von dem Versuch, ihn fĂŒr immer festzuhalten. Ihre gemeinsame Zukunft, die sie beschrieb, bedeutete ihm Erwartungen, die sie an ihn stellte. Seine SchwĂ€chen auch zu schĂ€tzen hieß, auf sein Lernen zu vertrauen; auf sein Lernen zu vertrauen hieß, ihn anders zu wollen als er war.

Beide starben, Jahre spÀter.
Ihre Briefe endeten verstaut, verstaubt, vergessen. Das Papier, auf dem sie geschrieben waren, wurde gelb und brĂŒchig, die Tinte blich aus.

Was die Worte nicht fassen konnten, verging.

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nobody
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo zora feldman,
Dein Text ist fĂŒr mich Rhythmus und Melodie - obwohl ich von Musik nichts verstehe; er ist Gedicht, obwohl ich von Lyrik keine Ahnung habe; er wirkt trotz der Dichte wie ein Epos, obwohl ich eigentlich gar nicht weiß, wovon ich rede ...
Jedenfalls hast Du einen Fan mehr - ob Dir das nun gefÀllt oder nicht ...
Liebe GrĂŒĂŸe
nobody

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majissa
Autor mit eigener TV-Show
Registriert: Jan 2002

Werke: 27
Kommentare: 399
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Hallo Zora,

Allegra-Wettbewerb, hm? Keine Ahnung, warum, aber der Text rauschte an mir vorbei. Handwerklich fein gemacht (bis auf die vielen "sich"), aber nicht originell genug, um mir ein schon viel beschriebenes Thema aufs Neue schmackhaft zu machen.

LG
Majissa

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zora feldman
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Mar 2004

Werke: 8
Kommentare: 10
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hallo!

lieber nobody, danke fĂŒr deinen poetischen kommentar. warum sollte es mir nicht gefallen, einen fan (mehr) zu haben?

liebe majissa, ja, das erste mal, dass ich es tatsÀchlich geschafft habe, am allegra-wettbewerb teilzunehmen, und da macht die pleite. oder hat es trotzdem gewinner gegeben, und ich bin nur einfach keiner davon?
dass du die erzÀhlung nicht originell findest, verwundert mich nicht. das thema ist sicher vielseitig zu bearbeiten, mein text behandelt aber gerade die tatsache, dass diese oder Àhnliche geschichten millionenfach erlebt werden. und dass eben die worte immer die gleichen sind, die menschen aber, die sie schreiben, post skriptum weniger bestand haben als die geschichte, die sie erleben.
es ist mehr der versuch eines modernen archetyps, wenn ich das so unbescheiden formulieren darf.
dennoch - danke fĂŒr deinen kommentar, wenn er mir auch bei der bearbeitung des textes nicht weiterzuhelfen vermag - an der originalitĂ€t einer text-IDEE lĂ€sst sich schwerlich im nachhinein etwas Ă€ndern.

z.f.

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Lotte Werther
Guest
Registriert: Not Yet

An zora feldman

Dies ist die Zusammenfassung einer ErzÀhlung. Wo ist die ErzÀhlung selbst?

Ein Bericht in der berichtseigenen korrekten Sprache: ohne Schnörkel und ĂŒberflĂŒssige Stilmittel.

Die LektĂŒre lĂ€sst mich als Leser kalt.

Was die weitere Bearbeitung deines Textes angeht, sind majissas Worte oder auch meine nur dann eine Hilfe, wenn du selbst offener deinem Text gegenĂŒber stehen könntest. Von Archetyp zu reden, ist weit hergeholt.

Lass ihn, wie er ist - dann ist es aber keine ErzÀhlung.
Nimm ihn als Plot fĂŒr eine ErzĂ€hlung ĂŒber die beiden Königskinder - dann hast du noch viel Arbeit vor dir und kannst die Anregungen hier ernst nehmen, anstatt einem verlorenen Wettbewerb nachzuspinnen.

Ich hoffe fĂŒr die Jury von Allegra, dass dieser hier keine Chance gehabt hĂ€tte in den ersten RĂ€ngen.

Lotte Werther

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gareth
Fast-Bestseller-Autor
Registriert: Dec 2003

Werke: 132
Kommentare: 783
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Ich bin nicht sicher,

ob der Begriff Archetyp hier sinnvoll verwendet ist, verstehe aber wohl, was damit gesagt sein soll.

Die Lebensbeschreibung der beiden hat natĂŒrlich fĂŒr viele Leser einen hohen Wiedererkennungswert, so auch fĂŒr mich. Liebesbeziehungen spielen sich, zusammengefasst, eben hĂ€ufig so oder so Ă€hnlich ab.

Ein GefĂŒhl zu dem Paar kann man glaube ich nicht entwickeln, soll man vermutlich auch nicht. DafĂŒr ist das TextgerĂŒst zu allgemein formuliert und sind die dargestellten Wahrheiten zu wahr:

Beide starben, Jahre spÀter.
Ihre Briefe endeten verstaut, verstaubt, vergessen


So wird das bei mir auch einmal sein.

GrĂŒĂŸe
gareth

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