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Leselupe.de > Erz├Ąhlungen
ROMAN 1. & 2. Kapitel
Eingestellt am 30. 08. 2001 17:59


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Tabasco
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Also...das was nun kommt ist der Roman an dem ich gerade schreibe. Ich bin momentan am 13. Kapitel angelangt und stelle das 1. und 2. nun hier hinein. Ich hab den Roman zwar schon Freunden mit guter Resonanz, aber es ist halt doch immer was anderes, wenn man ihn Fremden zum Lesen gibt.
Einen konkreten Titel gibt es noch nicht. Falls ihr Vorschl├Ąge haben solltet, wie man ihn nennen k├Ânnte, f├Ąnd ich's ganz gut. Ich hoffe mal ihr habt die Ausdauer, euch alles durchzulesen.

der Tab


-1-


"Ganz sch├Ân kalt, oder?"
"Ich weiss nicht...eben war's noch warm. Aber jetzt wo du's sagst, kommt's mir auch pl├Âtzlich ganz sch├Ân kalt vor."
"Ach halt den Mund, verdammter Schleimer!"
Ich machte die Kiste zu und steckte sie wieder in die Tasche.
Wenn man nicht findet, dass es kalt ist, dann soll man's auch nicht behaupten. Wenn ich bl├Âde labern wollen w├╝rde, dann h├Ątte ich nach dem Wetter oder Wohlbefinden gefragt. Aber ich finde wirklich, das es kalt ist. Ein bi├čchen zu kalt f├╝r meinen Geschmack. Und ich bin nun wirklich nicht gerade w├Ąhlerisch.

Aber wenn man schon mal 'nen richtig leckeren mexikanischen Feuertopf mampft, dann muss der auch ordentlich warm sein. Das Zeug will schlie├člich nicht umsonst Feuertopf hei├čen, oder was?!
Zum Gl├╝ck ist es wenigstens kein guter Feuertopf. Nur so ein Billig-Produkt von Aldi oder so. Selbst die Aufmachung der Dose l├Ąd nicht gerade zum Verzehr ein.
Und trotzdem. Drauf steht eindeutig Feuertopf!
F-E-U-E-R-T-O-P-F
Und dann will mir dieser Heini aus der Kiste erz├Ąhlen, dass das Zeug gerade noch heiss war. Nur weil das Auge mit isst, ist da noch lange kein Feuer drin.
Der Heini aus der Kiste heisst ├╝berigens Olaf.
Olaf ist dumm.
Aber das macht nichts.

Olaf kann Geschichten erz├Ąhlen, die schon deswegen lustig sind, weil er nicht weiss wie er anfangen soll und dann manche Sachen f├╝nf mal, sechs mal, sieben mal erz├Ąhlt. Der Winter w├Ąre ganz sch├Ân bl├Âd ohne Olaf. Bl├Âder als Olaf selbst. Im Sommer brauche ich ihn eigentlich nicht. das macht ihn ganz sch├Ân fertig glaub ich. Aber er kann sich ja nicht wehren. Und er weiss ja, wie ich ├╝ber ihn denke. Trotzdem bleibt er bei mir. Dieser Idiot.
Manchmal schaut er mir heimlich zu, wenn ich ├╝ber ihn schreibe und dann weint er. Ich tue dann immer so als w├╝rde ich es nicht h├Âren. Ich glaube er will, dass ich es h├Âre. Ein Grund mehr den Unwissenden zu mimen.

Olaf hat keine Freunde. Ich auch nicht. Wahrscheinlich ist das der Punkt, an dem wir uns treffen. Der Punkt der uns zusammenschwei├čt. Au├čerdem mag Olaf keine Bullen. Ich kann die Typen auch nicht leiden. Und er tr├Ągt bei 40 Grad im Schatten immernoch 'nen Kaputzenpulover. Keiner interessiert sich daf├╝r, ob Olaf vermummt ist oder nicht.
Bei mir ist das schon anders. Ich hab schon des ├Âfteren Stress gehabt, wegen verdeckter Visage und so. Das sieht man hier nicht so gerne. Aber wahrscheinlich w├╝rde man das, was man sehen w├╝rde auch nicht so gerne sehen. Sagt Olaf somindest.

Mensch, jetzt fang ich sogar schon an diesen kleinen Spinner zu zitieren. Soweit kommt's noch. Ich rei├č mir nun wirklich schon genug den Arsch f├╝r ihn auf. Da muss ich nicht auch noch irgendwelche hirnrissigen Lebensweisheiten ├í la Olaf preisgeben.
Im Endeffekt ist es generell Schwachsinn soviel wertvollen Wortschatz, den man an anderen Stellen sicher noch gebrauchen kann, f├╝r wichtigere Dinge, an "Heini aus der Kiste" zu verschwenden. So baut sich ja schlie├člich nie irgendeine Spannung auf.
Viel interessanter w├Ąre es, zu erz├Ąhlen wer ich fr├╝her war. Was mich auszeichnete. Und wie ich letztendlich hier gelandet bin.

Mit Olaf.

Pardon...hab ich ├╝berhaupt schon erz├Ąhlt wo ich gelandet bin? Man kann's sich sicher denken, oder? Ich meine, ich bereite mir Aldi-Feuertopf mit Hilfe von 2 morschen Brettern und dem Berliner Tagesspiegel von letzte Woche zu (+ eine halbe Packung Streichh├Âlzer).
Ja ganz richtig.

Ich wohne im Garten einer 4-k├Âpfigen Familie, die mir gestattet hat, ein Holzh├Ąuschen in ihrem Au├čenreich aufzustellen, gegen einen Selbstkostenpreis von 2,50 Euro am Tag. Strom ist da allerdings nicht mit eingerechnet. Wasser auch nicht. Brauch ich auch nicht. Wenn ich baden will, dann spring ich mal eben in die Spree und wenn ich Licht brauche, dann z├╝nd ich halt kurzer Hand 'ne Matratze an.
Die liegen hier stapelweise, im Nachbarsgarten.
Und vermissen wird die 100%ig keiner. Die sch├Ânste hab ich mir gleich am Anfang, als ich hier angekommen bin ausgesucht. Eine mit lauter Schl├╝mpfen drauf die irgendwelchen K├Âtern hinterher rennen. Und diese K├Âter haben was im Maul, das ich bis heute weder als St├Âckchen noch als Knochen identifizieren konnte.
Eigentlich hasse ich Hunde, und ich w├╝rde auch nie einen haben wollen. Der kostet nur Geld. Das tut Olaf zwar auch, aber der ist wenigstens noch einigerma├čen stubenrein.
Naja, diese stilvoll "beschlumpfte" Matratze dient mir jedenfalls als Bettchen.
Olaf fand auch, dass die Matratze ziemlich gut aussieht. Deswegen hab ich ihm auch zum Geburtstag ein St├╝ckchen rausgeschnitten und geschenkt. Ist schon 'ne sch├Âne Sache, wenn man sieht wie sich jemand ├╝ber ein Geschenk freut. Auch wenn es nur Olaf ist.

Also hier wohn ich jedenfalls.
Man duldet mich.
Gerade so.
Ich bin ja auch ganz friedlich.
Meistens.

"Meine Familie" hier hat 2 Kinder. Ganz liebe B├Ąlger. Ist 'ne echte Traumfamilie. 'Ne gut aussehende, super-nette Mutter, einen beruflich erfolgreichen Vater und dazu noch die beiden Kleinen. Junge und M├Ądchen.
So richtig sch├Ân Barbie-Idylle.
Da stellt sich doch echt die Frage, warum eine so schnucklige 4er Gruppe einen Typen wie mich bei sich im Garten ein Lager aufschlagen l├Ąsst. Sozial sind die eben auch noch. Und ich dachte immer, sowas gibt's nur im Film.

Manchmal kommen die beiden G├Âren, der Junge 9, das M├Ądel 7, zu mir und dann spielen wir "Hau den Olaf".
Scheint ihnen Spa├č zu machen. Und Olaf kriegt so auch endlich sein Fett weg.
Momentan sind wir, also ich und die Kinder, gerade dmit besch├Ąftigt, meine Holzh├╝tte zu gestalten. Regenbogen, Sonne, Wolken, Karnickel und ein doofer kleiner Olaf, der aus einem gemalten Fenster glotzt.
Das malt die Kleine somindest.
Der Bengel hat sich mein Dach vorgenommen und ist gerade damit besch├Ąftigt Flammen darauf zu malen.
Und auch hier:
direkt aus der Stelle, wo ihm die Flammen am besten gelungen sind, guckt ein doofer kleiner Olaf.
Olaf sagt, er mag den Jungen nicht leiden.

Damals war selbst er f├╝r jede Art von schwarzem Humor zu haben, aber jetzt ist er ganz sch├Ân sentimental geworden. Ist schon ganz o.k., wenn er von den Kids von Zeit zu Zeit mal eine geflankt kriegt.
...Auch wenn es mir manchmal ein bisschen Sorgen macht. Er wehrt sich ja nicht mal mehr. Selbst ein kleines "Au" verkneift er sich. Entweder gef├Ąllt's ihm, dass sich auch noch andere ausser mir mit ihm besch├Ąftigen oder er ist seelisch einfach nur am Ende.

Aber ich rede ja schon wieder nur von Olaf. Himmel-Donner!

Wenn ich recht ├╝berlege, ist dieses kleine Ungeheuer sogar der Grund daf├╝r, warum ich jetzt hier sitze. Ich kann zwar nicht konkret sagen, was er gemacht hat, dass ich so abgerutscht bin, aber es fing eigentlich mit dem Finden dieser kleinen Kiste an.

Ich war zu Hause.
Nicht alleine.
Zu Hause hiess damals WG.
Mit Jochen zusammen hatte ich im Groben und Ganzen 'ne sch├Âne Zeit.
Wir waren auf Demos, haben den Bullen Pflastersteine, so gro├č wie "Langenscheidt"-Englisch-W├Ârterb├╝cher, gegen die Helme geschmettert und hatten jedes Wochenende 'ne andere Schnecke im Bett. Und mit Schnecke meine ich ich auch Schnecke. Nicht solche abgefuckten Schlampen, sondern Frauen mit Klasse. Manchmal haben wir versucht die Frauen gegenseitig auszutauschen aber daraus wurde eigentlich nie was. Jochen und ich waren vom Charakter her zu verschieden, als das ein und die selbe Frau auf uns Beide gleichzeitig abfahren k├Ânnte. Wir waren wirklich ganz sch├Ân verschieden. Jochen konnte gelegentlich richtig komisch sein. Also nicht komisch im Sinne von am├╝sant, sondern eher merkw├╝rdig.

Ein Beispiel: Jochen und ich vor dem Fernseher. Mittwoch oder so. Nachrichten. Irgendwo ist mal wieder Krieg. Ich mag Krieg nicht so. Jochen wusste das. Aber was in der Welt so passiert, ging ihm schon immer ganz sch├Ân weit am Arsch vorbei. An diesem Abend jedenfalls sitzt der Jochen da und starrt gebannt auf die Goltze. Nach vorne gebeugt, die Arme auf die Knie gest├╝tzt. Er sa├č einfach nur da. Mit riesigen
Augen, die die Schreckensmeldung im TV zu verschlingen schienen. Ich guckte auch recht interessiert, aber nicht so euphorisch wie der Jochen. Der Bericht war noch nicht zu Ende. Dennoch, ich wollte wissen, was er dazu zu sagen hat..

"Ist doch schlimm, oder?"
Jochen starrt.
"Ich meine, dass es sowas immernoch gibt, auf der Welt."
Jochen starrt.
"Ich finde, da m├╝sste mal was gemacht werden, wa?"
Jochen starrt.
"Also ich find das auf jeden Fall ganz sch├Ân krass."
Jochen starrt.
"Ich meine, dass es sowas immernoch gibt, auf der Welt."
Jochen starrt.
"Hab ich recht, Jochen?"
Er starrt.
"JOCHEN! HAB ICH RECHT?"
Jochen pl├Âtzlich:
"Wie? Was?"
"OB ICH RECHT HAB, DU PENNER!"
"Womit jetzt?"
"NA DER BERICHT DU PFEIFFE! DASS ES SCHLIMM IST, DASS ES SOWAS NOCH GIBT!!!"
"Welcher Bericht?"
"NA DER IM FERNSEH'N NAT├ťRLICH, ARSCHGEIGE!"
"Der? hmm... tut mir leid, ey. Aber ich hab da grad echt nicht zugeh├Ârt. Sorry, Mann.

.............

H├Ą? ...das war Jochen. Da bin ich wirklich nie hintergestiegen.

Jochen war Soziologie-Student. Was will man da schon gro├č erwarten. Meine Wenigkeit hingegen verdiente sich sein Brot selber. Ich war so einer, der kleinere Firmen aufkauft um die dann an gr├Â├čere Firmen weiterzuverkaufen. Aber ich hatte weder das n├Âtige Kleingeld um auch nur die beschissenste Sandpapierherstellungsfirma aus Fluchtweg-Hausen aufzukaufen, noch hatte ich auch nur die geringste Ahnung wie man einen Firmenaufkauf plant und durchf├╝hrt. Aber wenigstens meine Eltern waren beruhigt.

"Der Junge macht wenigstens was Anst├Ąndiges."

In Wirklichkeit machte ich mich daran, Polizeiuniformen f├╝r militante Anarchisten zu klauen, damit die bei Strassenschlachten ungehindert Randale machen konnten. Ich habe zwar immer im Hinterkopf gehabt, dass das Randale-machen in Bullenkluft nicht ganz so clever w├Ąre, weil es f├╝r nicht eingeweihte Demonstranten ├Ąu├čerst schwierig sein d├╝rfte, den Unterschied zwischen Feind und Freund zu finden, aber mein Job war ja lediglich die Uniformen zu besorgen. Und das ist eigentlich leichter als man denkt. Da wo die meisten Bullen sind, erwarten diese selbstverst├Ąndlich auch die wenigsten Diebst├Ąhle oder "Ordnungswidrigkeiten". Man spaziert also einfach geradewegs ins Bullenquartier hinein, bahnt sich gem├╝tlich seinen Weg zu den Umkleidekabinen, schnappt sich dort 3 bis 4 Uniformen und l├Ąuft dann in aller Seelenruhe, die Uniformen sichtbar ├╝ber den Arm geh├Ąngt, wieder hinaus. Wenn mich beim Rausgehen einer gefragt h├Ątte wo ich mit dem Scheiss hin wolle, h├Ątt ich irgendwas von Reinigung oder so gefaselt. Mich hat aber nie einer gefragt. Man darf nat├╝rlich auch nicht aussehen wie der letzte Assel-Punk aber selbstbewusst und zur Arbeiterklasse geh├Ârend sollte man schon wirken.
Und eins kann ich wirklich sagen. Diese Militanten haben f├╝r so 'ne Uniform echt ein gutes S├╝mmchen geblecht. Anstatt die sich die Dinger selbst holen, die Flachzangen. Wenn es diese Gruppe, die sich ├╝brigens "W├Ąchter-Schl├Ąchter" schimpfte (jetzt kann man's ja sagen), immernoch geben w├╝rde, dann w├╝rd ich sofort wieder f├╝r die Typen Uniformen klauen geh'n.
Aber doofer Weise muss sich meine Bef├╝rchtung, dass die anderen Steineschmeisser die "W├Ąchter-Schl├Ąchter" nicht als Verb├╝ndete erkannt haben, wohl best├Ątigt haben. Jedefalls wurden es von mal zu mal weniger, wenn ich zum Treffpunkt kam um die Ware zu ├╝berliefern. Irgendwann gab's die Schl├Ąchter nicht mehr.
Da musste ich mir jedenfalls 'ne neue Geldquelle suchen.

Ich hatte schon vorher, mit Jochen zusammen, angefangen 'nen Underground-Magazin aufzubauen.
Um mal bei der Wahrheit zu bleiben: es lief ganz sch├Ân beschissen aber man kam halt doch irgendwie ├╝ber die Runden. Die Einnahmen der "Darum scheisse" (so der Name der Zeitschrift) von c.a. 40 Euro pro Monat, zusammen mit Jochens Barf├Âgg und meiner Sozialhilfe lie├čen uns irgendwie ├╝ber die Runden kommen. In einem Monat hatten wir den sagenhaften Umsatz von 290 Euro, als wir in jedes Exemplar ein Gratis-Kopfsteinpflaster reinpackten, f├╝r verletzte Punker, die versehentlich die Geschosse der Kameraden zu sp├╝hren bekamen.

Jochen jedenfalls hatte irgendwann keinen Bock mehr auf unser idyllisches WG-Leben.
Das sagte er somindest. In Wirklichkeit hat er 'nen Job gefunden bei den "Johanitern", diesen Krankenversorgungsfuzzis.
Der Grund f├╝r seinen pl├Âtzlichen Auszug war der, dass es null Bock hatte, seine Arbeitseinnahmen mit mir zu teilen, wie ich sp├Ąter von Hannes erfuhr.

Hannes war auch so 'ne Marke. Der konnte nie die Fresse halten. Wenn du also wolltest, dass ein vermeintliches Geheimnis schnell die Runde macht und die Szene in Aufruhr bringt, dann musstest du's nur Hannes erz├Ąhlen.
Hannes war unsere "Darum scheisse"- Promotion. Und abgesehen davon war er auch 'ne absolut feige Sau. Und wenn er mal 'nen Hals gemacht hat, dann nur, wenn er ganz genau wusste, dass ich, Jochen oder sonst wer in der N├Ąhe war. Und ausbaden mussten seine oberschlauen Spr├╝che gegen├╝ber irgendwelchen Faschos immer andere, nur Hannes selbst nie.
Dennoch war er ein guter Kumpel. Keiner konnte ihn wirklich leiden aber alle waren doch irgendwie einverstanden, dass er mit dabei war. Und wenn man einen, der ihn kannte gefragt hat, was er von Hannes halte kam meistens 'ne z├Âgerliche Antwort, wie:
"Och der Hannes is' scho' ganz in Ordnung. Is halt'n Kumpel, wa?!"

Aber selbst dieser Kumpel wollte nichts mehr mit mir zu tun haben, als Jochen weg war.

Von heute auf morgen.

"Ich packe."
"Du packst, Jochen? Wo willst'n hin?"
"Weg. Raus aus dem Loch hier."
"In wie fern? F├╝r immer?"
"Na sicher f├╝r immer. Nach was sieht das hier denn aus, h├Ą?"
"Und wieso? Ich mein, was is'n der Grund?"
"Ich will endlich ma' auf eigenen F├╝├čen steh'n. Ich hab jetzt schlie├člich Studium fertig und so. Musste
versteh'n."
"Kann ich mitkomm'?"
"Nee, lass ma. Mach ma' dein Ding. Ich schreib dir. Tsch├Â!"

..........

Dann war er weg. Die Sau. Die n├Ąchsten Wochen waren verdammt langweilig. Ohne Jochen's Barf├Âgg war ich ganz sch├Ân aufgeschmissen. Ich fra├č mich dann haupts├Ąchlich bei Tiffy durch. die hatte immer was im Haus. dementsprechend sah sie ja auch aus. Hannes hatte sie mal flach gelegt. Ich hab Hannes dann gefragt, wie er die denn flach gekriegt hat, die is' doch rund wie 'ne Bowlingkugel. Hannes antwortete auf so was nie. Wahrscheinlich hatte er Schiss davor was vor die Schnauze zu kriegen, wenn er schnippisch reagiert. Es dauerte jedenfalls nicht sehr lange, bis mir selbst der Tiffy-Brocken, der mich immer am liebsten an Ort und Stelle gefressen h├Ątte, den R├╝cken zukehrte.
Langsam kam ich mir ganz sch├Ân allein vor.
Auch mit den Frauen lief's nicht mehr ganz so gut. Jochen war halt weg. Der hat die sonst immer angelabert, f├╝r mich.

Ich war dann schon so 3 Monate alleine im Haus. Miete war ja eh nicht aber langsam bekam ich Kohldampf. Betteln w├Ąr mir echt zu doof gewesen.
Ist es heute immernoch.

Und eines abends dann eben, ich durchlief so ganz Kreuzberg, auf der Suche nach bekannten Gesichtern, bei denen man sich ein wenig einschleimen k├Ânnte, da isses dann eben passiert.
Faschos. In Kreuzberg.
IN KREUZBERG!!!
Wegrennen h├Ątte wohlm├Âglich sogar was gen├╝tzt,
in Kreuzberg.
Aber besoffen wie ich war, waren auch meine Beine eher Pudding als durchtrainierte Sprinter-Schenkel. Und zack, gab's was auf die M├╝tze. Undzwar so richtig. Man kann sich gar nicht vorstellen, wieviel Spass diese Wixer hatten, einem Anarcho direkt in Kreuzberg eins vor die Fresse zu zwerbeln. Die Hunde hatten sogar soviel Spass dabei, dass ich mich nicht mehr errinnern kann, welcher Tag in der Woche das war, wie die aussahen und vor allem, wann ich dann endlich ohnm├Ąchtig geworden bin. Totgepr├╝gelt haben sie mich somindest nicht.




Tja, und jetzt zum Punkt:
Als ich dann n├Ąmlich langsam wieder zu mir kam, lag ich in einer Gasse, in die ich sicher nicht freiwillig, mit `ner Horde Nazis hinter mir, gerannt bin.

Ich blinzelte und schaute mich ein wenig um. Sperrholz, M├╝lls├Ącke, Gestank und Katzenpisse.
Und da lag sie!
Diese kleine unscheinbare Kiste.
Aus Holz. Mit so 'nem Kinderschloss vorne dran, womit die Kleinen immer ihre Tageb├╝cher abschlie├čen. Und oben auf der Kiste war in Gro├čbuchstaben eingeritzt: "FUCK YOU!" und gleich darunter etwas kleiner: "Mach mich auf und du stirbst einen qualvollen Tod" "Ein Grund mehr es zu tun", dachte ich mir. Aus rebellischen Gr├╝nden versteht sich. Abgesehen davon w├╝rde mein Tod sowieso ziemlich qualvoll sein. Was hatte ich also zu bef├╝rchten.

Ich nahm die Holzkiste in die Hand und sch├╝ttelte sie mal so richtig durch. Es stand schlie├člich nichts davon drauf, dass man sie nicht sch├╝tteln darf. Irgendwas klapperte darin. Ich versuchte das Kinderschloss aufzubrechen aber irgendwie hatten mir die Faschos doch schon ziemlich ├╝bel mitgespielt, so dass ich das verdammte Drecksding einfach nicht auf bekam. Also schmiss ich den Kasten mit voller Wucht auf den Boden. Er ging nicht kaputt. Aber das Schloss brach ohne Probleme einfach aus der Halterung und fiel ab. Ich trat mit den Springern den Deckel auf und glotzte in den Inhalt...









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... indem ich die Leselupen-Shop-Links in Zukunft nutzen werde.

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Tabasco
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2. Kapitel

-2-


"Hast du'n Rad ab oder so?"
" Na h├Âr ma', woher soll ich denn wissen, dass so 'ne miese Kiste bewohnt is'?"
"Man kann ja wenigstens probeweise anklopfen, oder was? So was kann ja schlie├člich immer ma' m├Âglich sein, Pissnelke!"
"Also ich weiss ja nicht so recht. Kommt schlie├člich nicht allzu oft vor, dass ich ne Holzkiste in 'ner Gosse aufmache und so 'ne h├Ąssliche kleine Visage wie deine zum Vorschein kommt."
"Pass ja auf, du! Wenn du dir 'nen Spiegel leisten k├Ânntest, w├╝rdest du's dir 3 mal ├╝berlegen, wie du ├╝ber Visagen anderer Leute redest."
"Was soll der Schei├č eigentlich? Ich hab's doch gar nicht n├Âtig mich mit 'nem 10 cm gro├čem Kistenbesetzer zu unterhalten."
"Erstmal bin ich 13,5 cm gro├č und zweitens bin ich rechtm├Ą├čiger Besitzer dieser Kiste. Die geh├Ârt meiner Familie schon seit Generationen, verdammter Stinker!"
"Na das 'is ja sch├Ân f├╝r dich aber ich muss jetzt weg! Hau rinn, du Pfeiffe!"

.......

Ich verpasste der Gnomkiste noch einen kr├Ąftigen Tritt, woraufhin sie gegen die H├Ąuserwand geschleudert wurde. Dann humpelte ich Richtung Heimat. Die kleine Missgeburt schrie mir hinterher. Von wegen verklagen, Schadensersatz, ich hab Kiste kaputt gemacht und all solcher Schei├č. Mal ganz abgesehen von den mindestens 30 verschiedenen Schimpfw├Ârtervariationen, die mir beim Verlassen der Gasse hinterher geworfen wurden. Das alles tangierte mich ├╝berhaupt nicht. Ich hatte ja schlie├člich auch gerade von 'ner nicht gerade schm├Ąchtigen Bande Faschos ganz sch├Ân was drauf bekommen.

Ich will ja nicht mal behaupten, dass dies die heftigste Schl├Ągerei war, in die ich mich je verwickelte, bzw. verwickelt wurde aber heute bin ich zum ersten Mal ohnm├Ąchtig geworden.
War vielleicht auch ganz gut so. Dann sp├╝rt man n├Ąmlich die restlichen Schl├Ąge nicht so.

Ich war sogar mal mit 'nem Fascho befreundet. Wenn man das so nennen will. Sagen wir's mal so, ich hab versucht ihn zu bekehren. Ich h├Ątte es auch beinahe geschafft. Ganz so d├Ąmlich war der Junge gar nicht. Jedenfalls noch nicht so hirnverbrannt wie seine Kameraden. Das k├Ânnte sich mit der Weile aber auch schon ge├Ąndert haben. Lange nicht mehr gesehen.
Dieser Fascho jedenfalls hatte mich irgendwann mal zusammengeschlagen. In meiner Stammbar. Hat sich voll was darauf eingebildet, dass er sich mit Dirk, dem Barkeeper, so gut verstand. Aber ich war nun mal Dirks bester Stammgast. Im Falle eine Falles w├╝rde der also auf jeden Fall ├╝ber meinen Angreifer herfallen. Obwohl er auch nicht gerade politisch korrekt war. Das konnte der kleine Fascho nat├╝rlich nicht ahnen und p├Âbelte mich voll.
So sicher wie ich mir war, dass mir nichts passieren kann, ging ich ohne weiteres auf seine kleinen Sticheleien ein. Und promt hatte ich eine sitzen. Der Rest der Bar glotzte. Der Dirk polierte weiter Gl├Ąser.
"Tut mir echt leid mein Gro├čer aber diesmal kann ich echt nichts machen. Der Otto is' n├Ąmlich mein Neffe, weeste?" .....Schei├če!
So was h├Ątte man mir sagen m├╝ssen. Da war ich jedenfalls ganz schon angearscht. Sowas konnte ich nicht auf mir sitzen lassen. Nicht in meiner Stammkneipe. Ich hatte da sogar mal 'nen richtig gutes Schl├Ąger-Image. Ich konnt's mir ja auf Grund von Dirk auch immer leisten. Alleine h├Ątte ich sicher keinen Kampf gewonnen aber Dirk kam schon bei kleineren Zwistigkeiten angerannt und klatschte meinen Peiniger gegen die Wand. In der Errinnerung der anderen G├Ąste blieb dann meist nur das Bild meiner um sich pr├╝gelnden Wenigkeit und die darauffolgende blutige Visage des Angreifers.


Und das jetzt war wirklich nicht ganz so sch├Ân. Somal dieser Otto-Neffe nicht gerade der absolute Schrank war. Er kam in keiner Weise nach seinem Onkel. Ich sch├Ątz jetzt mal, er war so 17 oder 18. ├älter nicht. Und ich lass mich alle machen. Naja, dann hab ich mir auf jeden Fall gleich am n├Ąchsten Tag 'ne Knarre besorgt. Von Steffen. Nicht etwa, dass ich je im Leben abgedr├╝ckt h├Ątte, aber ich wollte, dass sich dieser Schwanzlutscher vor allen Leuten im Lokal in die Hosen pisst und anf├Ąngt zu wimmern. Was Dirk dazu sagen w├╝rde war mir in diesem Augenblick scheiss egal. Hier ging es schlie├člich um meinen Ehre.
Somindest um den Funken, der davon noch ├╝brig war. Jetzt hab ich keine Ehre mehr. Muss mir wohl wirklich im Laufe der Zeit abhanden gekommen sein.
Besorgt hab ich mir die Knarre dann also vom Steffen. Halbautomatik, ich weiss nicht mehr welches Kaliber und so, aber hat ordentlich krach gemacht. Ich bin extra noch mit Steffen in den Wald, um sie zu testen. Dieser Psycho dachte, ich h├Ątte wirklich vor, sie zu benutzen. Ich lies ihn in dem Glauben, sonst h├Ątte er sie mir wohlm├Âglich nie geliehen. Andererseits wusste ich auch nicht, was er tun w├╝rde wenn ich niemanden nieder ballere. Ich rechnete sogar damit, dass der Stef in diesem Falle mir die Waffe dann gegen die Brust halten w├╝rde. Zuzutrauen w├Ąre es ihm. Er hatte einfach nur 'nen Rad ab. Dessen bin ich ziemlich sicher. Er sitzt schlie├člich nicht umsonst inner Klapse. Ich glaub da ist er auch bestens aufgehoben. Einmal hat er Hannes in den Fu├č geschossen. Absichtlich. Hannes war n├Ąmlich der Ansicht, dass Steffens Lasagne abartig schmeckt. Das w├╝rde Hannes nat├╝rlich nie so sagen aber Steffen "konnte es von seinen Augen ablesen", behauptete er. Hannes redete nie wieder mit Steffen. Und die beiden waren mal die dicksten Freunde.
Die Knarre jedenfalls kriegte ich und war auch gleich am n├Ąchsten Abend wieder in der Bar um sie Otto direkt an die Stirn zu halten und zu sagen: "Geh auf die Knie und winsele wie ein Hund, Scheissefresser." Genauso hab ich's dann auch gemacht. Und Dirk stand da. Schwitzend.
"Hey mach keinen Schei├č Junge. Das w├╝rdest du bitter bereuen. Wenn du meinen Neffen umlegst muss ich dich auch umlegen. Und das wollen wir doch beide nicht, oder?"
Ich lies die beiden noch ein wenig zappeln. Alles war still. Ich lud die Knarre noch mal durch. ~~~ klick ~~~
~~~ klick ~~~
Eine sehr angespannte Situation. Und dann pl├Âtzlich, in diesem Moment der kostbarsten Stille fing Klein-Otto an zu wimmern. Erst leise, dann immer lauterer. Ich glaube er wollte etwas sagen aber er brachte kein vern├╝nftiges Wort heraus. Ich hielt die ganze Zeit ├╝ber den Mund und blickte ihm ernst und tief in die Augen. Ich lies ihn ungef├Ąhr 2 Minuten wimmern. 2 Minuten k├Ânnen wahnsinnig lang sein, in so einer Lage. Auch f├╝r mich. Ich entlud die Knarre wieder.
~~~ klack ~~~
~~~ klack ~~~
Dann kratze ich mir damit befriedigt am Kopf und steckte sie wieder in den hinteren Teil meiner Hose. Ich gab dem, zu Boden gekrochenem, Fascho die Hand, damit er sich daran wieder hochziehen konnte.
"Na los steh schon auf. Alles klar?"
"J-j-ja. Geht schon wieder."
"War auch echt nicht so gemeint, Alter. Bist ja schlie├člich Dirk's Neffe. Aber laber mich in meiner Bar nie wieder schr├Ąg an, kapische?"
"G-geht klar, mann. Kommt nicht wieder vor."
"In Ordnung. Dann lass uns ma' zur Bar. Ich tu dir'n Bierchen ausgeben."




Ich denke Dirk verstand mich. Ich denke auch, der Fascho verstand mich. Sein Winseln und stottern h├Ârte auf. Wahrscheinlich waren wir uns nicht mal so un├Ąhnlich. In der selben Situation mit mir als Peiniger h├Ątte er sicher genauso gehandelt.
Die Bar nahm wieder den Normalbetrieb auf. Und Otto und ich sa├čen an der Bar und lie├čen uns auf Kosten des Hauses volllaufen. Dirk schien erleichtert zu sein, dass nichts passiert ist. Deswegen war dieser Abend f├╝r mich komplett gratis. Ich trank also besonders viel. Otto auch. Und siehe da, so rechts war der Bursche gar nicht. Ein echter Mitl├Ąufer.
Ich verbrachte viel Zeit mit Otto. Der Rest meiner Clique wollte mit ihm zwar nichts zu tun haben aber darauf schiss ich.

Einmal waren wir unterwegs, machten die Discos unsicher. Und ein M├Ądel starrte Otto die ganze Zeit an. Sie war schwarz. Rabenschwarz. Aber sie sah erste Sahne aus. Ich verkuppelte die beiden.
Neben Otto lernte ich auch dessen Freundeskreis kennen. Solange ich nur ordentlich mitsoff und so manchen volkst├╝mlichen Faschossong mitgr├Âhlte, lie├čen sie mich in Ruhe.
Man duldete mich.
Das schwarze M├Ądel wurde dann jedenfalls zu Otto's gro├čer Liebe. Wir waren dann auch regelm├Ą├čig zu dritt unterwegs. Nur, sie seinen Kameraden vorzustellen, davor hatte er Schiss.
Ich ├╝berredete ihn trotzdem dazu. Ich sagte ihm, er k├Ânne seine Gef├╝hle f├╝r sie schlie├člich nicht ewig vor der Bande geheim halten. Und besser er erz├Ąhlt es ihnen von sich aus, bevor sie es selbst rausfinden. Er tat es.
Gerald hatte Gebutstag. Ein guter Anlass. Gerald war einer aus der Faschoclique. Otto und ich ├╝berlegten n├Ąchtelang, wie wir es nun r├╝berbringen. Wir entschieden uns daf├╝r Amanda, so der Name der schwarzen Sch├Ânheit aus Afrika, erst mal drau├čen im Auto zu lassen. Wenn ich dann an der Gardine zupfte, sollte sie langsam in Richtung T├╝r schlendern, um dann pr├Ąsentiert zu werden, wenn Otto die Nazis zum Eingang gef├╝hrt hatte.
Die Sache lief dann ungef├Ąhr so ab:

Wir kamen rein mit "Herzlichen Gl├╝ckwunsch" und so Schei├č. Amanda sa├č im Auto. Wir setzten uns auf die Couch. Wir bekamen Cocktails. Wir laberten sinnlosen Scheiss. Wie immer. Otto fand einfach keinen Anfang. Also versetzte ich ihm einen Sto├č in die Rippen.
Dann fing er langsam an. Als wolle er eine Rede f├╝r das Geburtstagskind halten stand er auf, mit dem Cocktail in der Hand.
"Kameraden. Ich habe euch etwas mitzuteilen."
Ich hielt mir die Augen zu. Das musste einfach schief gehen.
"Also..ich...ich hab da jemanden kennen gelernt."
"Oho. Unser kleiner Casanova. Harr harr harr", jauchsten die Glatzk├Âppe.
"Also, ich habe sie in einer Disco getroffen. Und na ja...also sie ist wirklich 'ne tolle Frau."
Er schlenderte langsam Richtung T├╝r. Die Meute folgte ihm. Ich dr├Ąngelte mich vor zum Fenster und zupfte an der Gardine. Dann ging ich wieder ein paar Schritte zur├╝ck. Hinter die Partys├Ąufer.
"Also, jedenfalls...sie kommt aus einem Land in dem Religion immer noch sehr hochgeschrieben wird. Menschenverachtend k├Ânnte man fast sagen. Und na ja, sie hat sich eben in diesem Land f├╝r mehr Menschenrechte eingesetzt. Das gefiel denen da nat├╝rlich nicht ganz so und..."
"Komm zur Sache, mann!", schrie einer der Faschos.
"Na sie wurde dann eben von dort verbannt. ├äh├Ąm...├Ąhh..ihr Name ist Amanda und das Land von dem ich rede ist Afrika."
Die Faschos guckten sich gegenseitig skeptisch an. Ich hielt mir wieder die Augen zu.


Otto fuhr fort. Mit dem Cocktail in der Hand.
"Ich hab sie jedenfalls heute Abend mitgebracht. Sie ist..."
Noch im selben Satz will Otto die T├╝r ├Âffnen.
"Sie ist...."
In diesem Augenblick l├Ąsst er versehentlich das Cocktailglas fallen.
"...VERDAMMT UND ZUGENÄHT!", brüllt er aus Ärger darüber.
Die T├╝r ist bereits offen.
Sie ist....verdammt und zugen├Ąht? ARG!
Die Glatzen fassen das nat├╝rlich falsch auf und fangen an, aus voller Seele zu gr├Âhlen und zu lachen. Eine verdammte und zugen├Ąhte Freundin hatten sie nicht erwartet.
Otto versuchte krampfhaft die Sache richtig zu stellen.
"Leute!...Leute, wartet mal...also....eigentlich...ich...wisst ihr....."
Die Nazis hielten das ganze Freundin-Ges├╝lze f├╝r einen riesigen Geburtstags-Joke und klopften Otto freundschaftlich auf die Schulter. Und was macht Otto, dieser Depp? Er f├Ąngt einfach an mitzulachen und knallt die T├╝r wieder zu. Amanda stand da und wusste nicht recht wie sie sich zu verhalten hatte. Und dann schlug man ihr einfach die T├╝r vor der Nase zu. Nur gut, dass keiner der Faschos auf die Idee kam, sie k├Ânnte ja das Geburtstagsgeschenk sein und jeder d├╝rfe mal zuschlagen oder so. Ich hielt es nicht mehr aus. Ich rannte zur T├╝r und st├╝rmte hinaus. Keiner bemerkte es. Selbst Otto nicht, der immer noch krankhaft am Lachen war, obwohl die meisten der Faschos eigentlich nur noch schmunzelten.
Ich griff mir Amanda und ging mit ihr in Dirk's Bar. Wir besoffen uns. Es war ein sch├Âner Abend. Im Endeffekt.
Wir laberten ├╝ber allerhand Scheiss. Sie war wirklich zugen├Ąht. Und verdammt auch. Hat irgendwie schon alles gepasst. Was so ein bl├Âdes Cocktailglas doch alles anrichten kann. Von Otto hab jedenfalls nie wieder was geh├Ârt. Ich hab Dirk auch nie nach ihm gefragt. Und Amanda ging auch verloren. Ich hab mir sp├Ąter mal erz├Ąhlen lassen, sie w├Ąre nach England gegangen oder so.

Naja, ich kenn mich also auch in der Fascho-Szene ein bisschen aus. Und die, die mich am Tage des Findens der Kiste aufgemischt haben, das waren ganz ├╝ble Konsorten. Da waren mir die Dummbatz-S├Ąufer von Otto doch noch lieber. Die haben, soweit ich weiss, eigentlich nie jemandem wirklich was getan.

So oder so...am Abend war ich dann, wie kann es anders sein, wieder mal in Dirks Bar zu finden. Blau geschlagen und dreckig wie ich war begab ich mich dort hin. Und alle dachten:
"Was hat er denn nu' scho' wieder gemacht?"
Ich lies mich volllaufen. Ich konnte nicht mal mehr richtg sprechen, so kaputt f├╝hlte ich mich.
Irgendwann kam ein richtig gro├čer Schrank in die Bar gestiefelt. Es muss so 0 Uhr gewesen sein. Er platzierte seinen strammen engverpackten Arsch direkt neben mir. Aber er g├Ânnte mir nicht einen Blick. Ich bestellte noch'n Doppelten.
"Dirk. Gibste mir bitte noch'n Doppelten raus?, sagte ich leise und geschw├Ącht.
Der Schrank bestellte Wasser.
"EIN WASSER, DU FLACHZANGE! ABER FLOTT!", schrie er zu Dirk r├╝ber.
Dirk reagiert auf so was nie. Er ist sowieso eher der Besinnliche Typ. Er ignorierte den aggressiven Ton und gab das Wasser raus. Ich bekam meinen Doppelten.
Typen wie dieser Bodybuilder gehen mir immer tierisch auf den Senkel. Bilden sich sonst was ein und haben das Hirn einer Am├Âbe. Ich schiss auf alles. Ich wollte ihn unbedingt reizen.




"Vertr├Ągst wohl nicht so viel, wa?, fragte ich kleinlaut und heiser.
"WAS WILLST DU SCHWUCHTEL?"
"Naja...du hast doch'n Wasser bestellt."
"UND? SEI FROH DASS ICH MIR KEINE FLAMBIERTE SCHWUCHTEL BESTELLT HAB!"
Typisch der Spruch. Irgend so was in der Art hatte ich erwartet. Mir wurde dann aber auch bald klar, dass einmal Dresche am Tag wohl auch ausreichend sein d├╝rfte. Und so wie ich aussah, h├Ątte Mr. Waschbrettbauch sicher auch kein Problem damit gehabt, mir derbst das Fressbrett zu verm├Âbeln. Man h├Ątte eh nicht nachweisen k├Ânnen, dass er das alles war.
In so fern zog ich mich zur├╝ck. Schlafen gehen. F├╝r diesen Tag hatte ich nun wirklich genug Action gehabt.

Im nachhinein ├╝berlegt war das so ziemlich die schlimmste Zeit in meinem Leben. Alle meine Freunde waren weg. Sind erwachsen und "verantwortungsbewusst" geworden oder so. Ich hatte keine Clique mehr. Ich hatte nichts zu essen mehr. Ich hatte keine Zukunft mehr........



Am n├Ąchsten morgen klingelte es um 7 Uhr fr├╝h an der T├╝r.



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Tabasco
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Danke...

Danke, dass ihr euch die Zeit f├╝r's Lesen genommen habt. Also wenn ihr irgendwas dazu zu sagen habt, dann nur raus mit der Sprache.

(ach ja: Sanne...sei nicht zu hart zu mir! *gg*)

bis denne...


der Tab
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ElsaLaska
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hey tabasco,

das tolle ist:
- hier brauche ich wirklich keine textarbeit leisten, die ganze aufregung umsonst in der allgemeinen disko/-u (denn du benutzt einen ganz eigenen stil, und das w├Ąr quatsch, wenn ich dir da s├Ątze ├Ąndern w├╝rde, bzw, so professionell bin ich dann doch nicht.....)
nur ein paar einzelne worte waren mir zuuuuu betont flapsig:
insbesondere "im endeffekt" (ich such dir die stellen nachher, wenn du nicht weisst, welche ich meine).
also mir hats richtig gut gefallen, obwohl die erlebnisse berliner grosstadtkids mitsamt dem dargebotenen szene-slang mich sonst nicht so sehr interessieren.
auf mich wirkten deine ersten beiden kapitel absolut authentisch, und trotzdem so, als ob der verfasser mit gen├╝gend abstand zu dieser szene schreibt (was ich immer bemerkenswert finde)und immer mit einem lachenden und einem weinenden auge. irgendwie hat das einen gewissen reiz....

mal sehen, wie die andern das finden...
beste gr├╝sse
elsa


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Tabasco
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*Erleichterung*

...jetzt f├╝hl ich mich wieder gut. ;-))

Ich wei├č glaub ich auch, welche Textstellen du meinst.
Hast recht, "im Endeffekt" passt irgendwie nicht rein. Der ├╝berige Sprachstil ist einfach anders. Ich werd's umschreiben oder so. Ich glaube, dieses "im Endeffekt" hat sich sowieso im Eifer des Gefechts mit eingeschlichen. Mir wurde schon oft gesagt, dass ich es im allt├Ąglichen Sprachgebrauch ziemlich oft verwende. Manche Leute nervt das ganz sch├Ân, im Endeffekt.

danke f├╝r die gute Kritik


der Tab
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Sanne Benz
Guest
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@tabasco...
ich hab das erste kapitel gelesen..das zweite angefangen..
es ist DEIN stil..denn du hast einerseits in der ich-form die erz├Ąhlung..dann folgen nur dialoge ohne handlung..eben deine spezielle art.
mir ist aufgefallen das du bist zu dem lesepunkt bei mir, dreimal "somit" verwendet hast..
dann sind es erst "liebe b├Ąlger" dann "beiden g├Âren"
wie w├Ąrs mit Barby-Kinder..?
Ich lese sonst hier keine kurzgeschichten,daf├╝r habe ich die innere ruhe nicht derzeit. aber in dem fall wollt ich wissen,worum es geht bei dir..
gibt gen├╝gend leute,die dir dazu was sagen k├Ânnen..

Hab ja auch 10Jahre in berlin verbracht..und mein damalsiiger mann war einer der ersten hausbesetzer..das ging noch wild durch die presse..und er hat einen film gedreht,den man pr├Ąmiert in den offkinos brachte.
tja,das waren zeiten..
aber wohl auch andere scene..ohne springerstiefel.
bis dann,alles Gute f├╝r dein vorhaben
lg
sanne

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