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Leselupe.de > Erz├Ąhlungen
Reise nach London
Eingestellt am 21. 06. 2001 14:42


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Willi Corsten
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Reise nach London


Es ist Freitagabend. Michaela, Silvia und ich wollen heute mit Bus und Schiff nach London fahren und schon am Sonntag zur├╝ck sein. Wir haben diese Reise geplant, als wir Paris besuchten, dort prima miteinander auskamen und unser gemeinsames Interesse f├╝r fremde L├Ąnder entdeckten.
Das Wetter ist ideal. Ein Hoch verw├Âhnt uns mit strahlendem Sonnenschein und Temperaturen von ├╝ber 20 Grad. Kein Wunder: wenn Engel reisen...
Zun├Ąchst m├╝ssen wir mit dem PKW nach M├Ânchengladbach fahren, denn dort startet unser Bus. Michaela dr├Ąngt zum Aufbruch, sie hat die Panne zu Beginn der letzten Fahrt nicht vergessen. Da waren wir p├╝nktlich am Abfahrtsort, warteten aber an der falschen Haltestelle. Fast w├Ąre der Bus ohne uns gefahren.
"Diesmal klappt alles wie am Schn├╝rchen", verk├╝nde ich gro├čspurig - und finde prompt keinen freien Parkplatz. Die Zeit l├Ąuft davon. Da f├Ąllt uns zum Gl├╝ck ein, dass Sitzblockaden laut BVG nicht mehr strafbar sind. Also darf Silvia vor dem Bus ihr Recht aus├╝ben und das Unget├╝m aufhalten, bis wir einen Stellplatz gefunden haben.
Dan geht die Reise los. Auf dem Weg nach Aachen sammeln wir an jedem zweiten Telefonh├Ąuschen weitere Fahrg├Ąste ein, bis das muntere Volk die Sollst├Ąrke 70 erreicht hat. In flotter Fahrt durchqueren wir Belgien und Frankreich und sind schon bald an der Kanalk├╝ste, im Hafen von Calais.
Nerv├Âs ordnet Michaela ihr rotschimmerndes Haar und nestelt verstohlen ein Kaugummi gegen Reisekrankheit hervor. Doch das erweist sich als unn├Âtig, denn das Lichtermeer im Hafens, der sternklare Himmel, die w├╝rzige Luft und das ruhige Wasser machen die ├ťberfahrt zu einem Vergn├╝gen. Bald schon tauchen die Kreidefelsen von Dover auf; wir sind in England.
Im ungewohnten Linksverkehr geht es an Canterberry vorbei in Richtung London, und als im Osten der Morgen d├Ąmmert, erreichen wir die Peripherie der Millionenstadt. Noch ist es ruhig auf den Stra├čen, folglich die richtige Zeit f├╝r eine Stadtrundfahrt zu den Sehensw├╝rdigkeiten, die wir sp├Ąter auf eigene Faust erkunden wollen. London hat viel zu bietet davon: Das noble Mayfair und Soho, die Bond, Regent und Oxfort Street, wo exklusive Gesch├Ąfte miteinander wetteifern, Piccadilly Circus, von den Engl├Ąndern Nabel der Welt genannt, den Hyde, Green und St. James Park, Westminster Abbey mit dem Glockenturm Big Ben, die Tower Bridge und den Tower, jenes ber├╝chtigte Gef├Ąngnis, das Gruselgeschichten aus blutiger Vergangenheit erz├Ąhlen k├Ânnte. Der Buckingham Palace und die Downing Street, die gewaltige Kuppel der St. Pauls Cathedral und die Umgebung des Trafalgar Square, Eaton Place und... und... und...
Am Hyde Park verk├╝ndet der Reiseleiter: "Sie haben elf Stunden Zeit in London. Punkt 20 Uhr fahren wir zur├╝ck. Wer fr├╝her kommt, muss vor dem Bus singen, wer sich versp├Ątet, singt da, wo der Bus vorher gestanden hat. Viel Vergn├╝gen.ÔÇť
Unser Fahrerteam hat die Ruhepause redlich verdient.
Da stehen wir nun und ├╝berlegen, wie unser Programm ablaufen soll. Die Wachabl├Âsung am Buckingham Palace interessiert uns, wir kennen den Weg dorthin aber nicht. Michaela und Silvia sprechen englisch, recht gut sogar, trauen sich aber nicht, den Bobby dr├╝ben zu fragen. Ich verstehe Fremdsprachen so wenig, wie ein Neandertaler Algebra verstanden hat, schlage aber mutig vor, statt des Bobbys eine Bobbyne nach dem Weg zu fragen. Die tadelnden Blicke der Beiden bedeuten wohl, dass weibliche Polizisten so nicht hei├čen.
Der turbulente Autoverkehr zwingt uns in das Labyrinth der Unterf├╝hrungen und die spucken uns dort wieder aus, wo wir nicht hin wollten. Ein Stadtplan muss her, der Rest ist f├╝r Michaela ein Kinderspiel, denn schon in Paris verbl├╝ffte sie uns mit ihrem guten Orientierungssinn.
Die Wachabl├Âsung ist eine farbenpr├Ąchtige Darbietung exakter Paradeschritte, ein Verharren in marionettenhafter Bewegungslosigkeit und ein gekonntes Pr├Ąsentieren der Gewehre, untermalt von Trommelwirbeln und Posaunenkl├Ąngen. Mit Zuschauern aus vielen L├Ąnder verfolgen wir gebannt dieses mittelalterlich anmutende Schauspiel.
Nach zwei Stunden haben wir uns die Beine in den Bauch gestanden und suchen im Green Park nach einer freien Bank. Dann k├Ânnen neue Taten folgen. Langsam meldet sich der Hunger. In einem Anfall geistiger Umnachtung bestellen Silvia und ich Hamburger mit englischem Rindfleisch ÔÇô und das mitten in der BSE Krise. Michaela lehnt ab, sie sch├Ątzt mehr die vegetarische Kost.
"Einer muss ja aufpassen, wenn bei euch der Rinderwahnsinn ausbricht", meint sie mit ernstem Gesicht, ├╝berlegt einen Augenblick und f├Ąhrt dann fort: "Eigentlich eine unn├Âtige Sorge, denn euer Risiko ist gleich Null."
"Wieso gleich NullÔÇť will Silvia wissen.
"Ganz einfachÔÇť antwortet Michi, "BSE greift nur das Gehirn an - doch wo nichts ist...ÔÇť weiter kommt sie nicht, weil man auf der Flucht Luft zum Atmen braucht.
Am Big Ben vers├Âhnen wir uns wieder, verwerfen sogar gro├čm├╝tig den Plan, sie in den Tower zu sperren. Als wir jedoch sp├Ąter im Hyde Park auf der Wiese liegen, bemerkt Silvia vorwurfsvoll: "Mit Lebensmitteln spielt man nicht."
Das war, als Michaela mit Gras nach uns warf. Doch da wird es schon Abend. Interessiert beobachten wir die Vorbereitungen der BBC, die hier ├ťbertragungswagen aufbaut. Morgen j├Ąhrt sich der Tag, an dem der Weltkrieg zu Ende ging. Nachdenklich fragen wir uns, ob die Lehren daraus wohl von Dauer sind.
Auf der Heimfahrt ziehen wir Bilanz: Es war ein herrliches Wochenende, vollgepackt mit Eindr├╝cken und Erlebnissen, die uns sicher noch lange in Erinnerung bleiben. Wir haben uns pr├Ąchtig verstanden und viele sch├Âne Stunden zusammen verbracht. So eine aufgeschlossene, unternehmungslustige und fr├Âhliche Begleitung w├╝nschte ich mir auf jeder Reise.

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La Luna
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Hallo Willi,

wie du wei├čt, liebe ich deine Geschichten, doch diese gef├Ąllt mir nicht ganz so gut.
Es liest sich eher wie ein Reisebericht.
Besonders die Aufz├Ąhlung der vielen Sehensw├╝rdigkeiten ist nicht so aufregend.

Ansonsten ist die Geschichte perfekt erz├Ąhlt.
Das ist deine gro├če St├Ąrke, aber das wei├čt du sicher selbst...*zwinker.

Liebste Gr├╝├če
Julia

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Willi Corsten
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Gr├╝├č dich, Julia


vielen Dank f├╝r das Lob, aber ebenso f├╝r die wohlgemeinte Kritik.
Es stimmt, der Text ist eher eine Reisebeschreibung, steht auch als solche im Buch. Er war als Erinnerung gedacht f├╝r die beiden M├Ądel (Nachbarkinder - heute Lehrerinnen) die damals bei meinen ersten Schreibversuchen den Lektor spielten.
Ein sch├Ânes Wochenende w├╝nscht dir
Willi

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leonie
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hallo willi

als reisebericht finde ich es gut geschrieben, w├╝rde aber statt lichtermeer im hafen, lichtermeer des hafens schreiben, oder war es ausversehen?
ganz liebe gr├╝├če leonie

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Willi Corsten
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Liebe leonie,

danke f├╝r dein Interesse.
Den Vorschlag ├╝bernehme ich gerne. War mir noch gar nicht aufgefallen. Eine andere Frage: im vorletzten Absatz stand urspr├╝nglich...j├Ąhrt sich der F├╝nfzigste Jahrestag...
Um den Text aktueller zu machen, ├Ąnderte ich den Satz um auf...Tag...
Habe ich hier etwa Mist gebaut
fragt ein gr├╝belnder
Willi

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leonie
Guest
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hallo willi

Ich w├╝rde es eher erga├Ąnzen, z,.b. j├Ąhrt sich der Tag, an dem vor 50 Jahren der Weltkrieg zu Ende ging. ich denke es liest sich fl├╝ssiger.

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