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Leselupe.de > Erz├Ąhlungen
Reisen Amazonas
Eingestellt am 24. 01. 2008 11:44


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Volker Alzey
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Jan 2008

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Soledades

Die tr├Ąge Fahrt auf den Verzweigungen des Amazonas hatte mich reizbar gemacht. Ich hatte damit begonnen, die Verse meines Verwandten Luis de G├│ngora vor mich her zu sagen. Umzingelt von den Mauern des Urwalds, erhielt dessen Hymne auf die Natur einen schauderhaften Klang. An irgendeinem Abend steuerte das Schiff auf das wuchernde Ufer zu. Ein Ladino sagte mir, ich w├Ąre fast da. Irgendwo zwischen Itaituba und der Ver├Ąstelung des Tapaj├│s ging ich von Bord.
Von der Luft durchn├Ąsst erreichte ich Mission. Ich suchte die Kirche auf und betete. Mein Gebet war die Frage eines Zweifelnden. Wie kannst Du der Sch├Âpfer dieser H├Âlle sein? fragte ich Gott.
Ich trat aus der Kapelle. Es war bereits dunkel. Ich schloss die Augen und lauschte dem Zirpen der Grillen, das mich an die violetten Abende zu Hause am Guadalquivir erinnerte. Ich d├Âste gerade im Schatten einer der wei├čen Mauern C├│rdobas, als eine Hand sich auf meine Schulter legte. Ich drehte mich um und erblickte ein hohlwangiges Gesicht. Der Mann stellte sich als Jos├ę Neves vor. Er war der Leiter der Mission.
Er f├╝hrte mich in ein d├╝rftig erleuchtetes Zimmer. Wir setzen uns an einen Tisch, auf dem eine halbvolle Flasche Schnaps stand. Jetzt, im Zwielicht, machte die Erscheinung des Missionars einen heillos kranken Eindruck auf mich. Nu wenige seiner Worte sind mir im Ged├Ąchtnis geblieben. Er sagte: ÔÇ×Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit sind im Urwald zwei miteinander austauschbare Begriffe. Wom├Âglich schon nach zehn Jahren, die Sie an diesem gottverlassenen Ort dahin vegetiert sein werden, werden Sie die erniedrigende Dimension dieser Worte nachempfinden. Wie armselig wir doch sind, Sie und ich!ÔÇť
Ich f├╝hlte mich beleidigt und wollte etwas entgegnen, aber ich sp├╝rte, dass er Recht hatte. Ich wusste, ich w├╝rde bleiben m├╝ssen. Ich erinnerte mich an die Kette von Umst├Ąnden, die zu der Reise gef├╝hrt hatte. Ihr erstes Glied ist die Lekt├╝re einer Biografie ├╝ber meinen Ahnen G├│ngora. Ich mag zw├Âlf gewesen sein, als ich den Wunsch versp├╝rte, Priester zu werden. Wo bef├Ąnde ich mich heute, dachte ich, h├Ątte der Zufall mir beim St├Âbern in der Bibliothek meines Vaters Marco Polos Reisebericht oder ┬╗Tausendundeine Nacht┬ź zugef├╝hrt, und nicht Sep├║lvedasÔÇś fadenscheinige Schriften. Die Entstehungsgeschichte des Neuen Testamentes mag mich von der Notwendigkeit meiner Reise best├Ąrkt haben.
In den folgenden Tagen machte mich der Missionar mit den Regeln der Mission vertraut. Eines Nachts verschwand er.
Es gibt Menschen, die ihre Einsamkeit h├╝ten. Mein Ahne G├│ngora war einer von ihnen. Irgendwo in seinem Werk steht, die Einsamkeit sei ein Ort der k├╝nstlerischen Ausgestaltung einer Welt von Fantasien. Doch w├Ąhrend der zwanzig Jahre, die mich der Urwald verschloss, gelangen mir nur h├Âlzerne Zeilen. Die Einsamkeit, die der Dschungel mir einverleibte, machte mich stumpf gegen die Sch├Ânheit meiner Muttersprache. Auch jetzt noch, nach einem halben Jahr zur├╝ck in C├│rdoba, str├Ąuben sich die W├Ârter gegen das Erz├Ąhlen. Das Zirpen der Grillen weckt unliebsame Erinnerungen in mir. Ich habe die Verse meines Verwandten verbrannt und leugne meine Herkunft. Ich besuche die geselligen Stunden der M├Ąrkte und suche Zerstreuung in Gespr├Ąchen mit anderen Bettlern.

__________________
Volker Alzey

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Eve
Routinierter Autor
Registriert: Mar 2001

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Hallo Volker,

erstmal herzlich Willkommen auf der Lupe!

Und nun zu deinem Text, um den es ja eigentlich geht ;-) ein interessantes Thema, mit angenehmer Sprache umgesetzt. Aber eben war man noch in der Geschichte, eben ist das Lyr. Ich angekommen, schon sind Jahre vergangen, schon ist er wieder zur├╝ck in Cordoba. Es passiert alles zu schnell. Der Anfang ist ausf├╝hrlich, nimmt fast 3/4 des Textes in Anspruch - und Zack! handelst du 20 Jahre in drei Zeilen ab, in zwei weiteren Zeilen teilst du mit, dass er wieder in Cordoba weilt - und der Schluss rast in wenigen Zeilen an einem vorbei.

Schade, weil du zu Beginn tolle Bilder geschaffen hast und Interesse weckst. Mindestens m├╝sste der Hauptteil so lang wie der Anfang sein, du k├Ânntest beschreiben, was passiert, dass er sich am Ende so leer f├╝hlt, dass er nicht ├╝ber seine Erlebnisse schreiben oder sprechen kann. Das Ende wiederum ist okay, f├╝hrt langsam weg und zeigt, wie das Lyr. Ich mit seinen Erlebnissen umgeht bzw. wozu sie ihn gemacht haben.

Ich w├╝rd's toll finden, wenn du den Hauptteil ausbautest ... dann k├Ânnte ich meine Neugier stillen ;-)

Viele Gr├╝├če,
Eve

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