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Leselupe.de > ErzÀhlungen
Rettungsdienst
Eingestellt am 26. 10. 2005 12:25


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susa
Schriftsteller-Lehrling
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Januar: Das Versprechen an Lisa

(Eine von 12 ErzÀhlungen aus: Ein Jahr wie dieses...)


Es war schon kurz vor Dienstschluss, als sie noch einmal los mussten. Dabei hatten sie heute wirklich genug um die Ohren gehabt. Martin und Janek sahen sich an und verdrehten die Augen. Beide dachten in etwa dasselbe. Jeden Tag dieser Stress und dann nicht wenigstens ein einziges Mal pĂŒnktlich Feierabend! Aber was brachte es, darĂŒber lange nachzugrĂŒbeln, dafĂŒr hatten sie jetzt ganz sicher keine Zeit. Joey saß bereits im Hubschrauber, als sie vom Treppenhaus nach außen traten. Sie waren echt schnell heute, Joey waren sie aber immer noch zu langsam. \"Mensch, seht zu, sonst haue ich ohne euch ab!\" brĂŒllte er zu ihnen hinĂŒber, so dass die Leute, die am gegenĂŒberliegenden Krankenhaus vorbeigingen, verdutzt stehen blieben. \"Als wenn du das könntest!\" Martin war inzwischen bei Joey angelangt und stieg in den Hubschrauber. Joey grinste schief. \"Aber ohne Janek und Georg vielleicht...\" Sekunden spĂ€ter erschienen die beiden Rettungsassistenten. Janek hatte noch auf Georg gewartet, der wie fast immer der Langsamste war. Auch diesmal war ihm im Laufschritt unterwegs, mal wieder die halbe AusrĂŒstung verloren gegangen, so dass er zweimal umkehren musste. Georg war als frisch ausgebildeter Rettungsassistent neu auf der Dienststelle und musste sich an die dort herrschende Eile erst noch gewöhnen. Joey startete den Hubschrauber, ohne lange abzuwarten, bis die beiden NachzĂŒgler vollstĂ€ndig an Bord waren. Das interessierte diese aber nicht besonders, vielmehr bereiteten sie sich jetzt auf den kommenden Einsatz vor. Wie jedes Mal hatten sie ein mulmiges GefĂŒhl im Bauch, wĂ€hrend Martin ziemlich ungerĂŒhrt zu sein schien. Die NotĂ€rzte wirkten alle stets so kontrolliert, dass die beiden Rettungsassistenten wegen ihrer NervositĂ€t fast ein schlechtes Gewissen bekamen. \"Da ist es\" meinte Joey und wies auf die Neubausiedlung, die nun unter ihnen lag. Georg schreckte auf und Janek meinte zu Martin: \"Um was geht es eigentlich?\" Komisch, dass ihm erst in diesem Augenblick bewusst wurde, dass er gar nicht mitbekommen hatte, wohin sie unterwegs waren und aus welchem Grund. \"Lisa Dincker, neun Jahre alt, ist die Treppe heruntergefallen, der Vater hat angerufen. Stark blutende Kopfverletzungen, Prellungen und ein Bein scheint gebrochen zu sein.\" \"Verdammt, wo soll ich hier landen?!\" keifte Joey und wurde wutrot im Gesicht. \"Ein wenig besser könnten die von der Leitstelle uns schon den Weg weisen.\" Ihnen blieb nichts anderes ĂŒbrig, sie mussten auf der viel befahrenen Straße landen. \"Jetzt mĂŒssen wir wieder auf die Polizei warten,\" stöhnte Martin, \"ausgezeichnet!\" UngefĂ€hr zehn Minuten dauerte es, bis die Polizei gekommen war und die Straße abgesperrt hatte, dann endlich konnten sie sich um das verletzte Kind kĂŒmmern.

Zweieinhalb Stunden spĂ€ter saßen die vier Rettungsdienstler dann zusammen auf den Stufen vor ihrer Dienststelle, den Einsatz hatten sie vor gut einer Stunde bereits beenden können. Das MĂ€dchen war gut versorgt im Krankenhaus angekommen. Trotzdem war keiner der MĂ€nner besonders zufrieden mit dem Ausgang des Einsatzes. Deshalb hockten sie jetzt immer noch hier im Dunkeln auf den eiskalten Stufen, obwohl sie lĂ€ngst schon Dienstschluss hatten. Die eine Schicht der \"rollenden Retter\" amĂŒsierte sich bereits ĂŒber die vier MĂ€nner, die einfach nicht nach Hause fahren wollten. \"Hey,\" rief Thorsten ihnen aus dem Toilettenfenster im ersten Stock zu, \"langsam mĂŒsst ihr aber wirklich von hier verschwinden, sonst bekommt ihr noch Erfrierungen und wir können euch dann in die Klinik rĂŒberbringen!\" \"Wie witzig du doch heute bist,\" antwortete Martin ihm in sarkastischem Tonfall, \"kĂŒmmere dich lieber um deine Berichte, sonst geht der Chef morgen wieder die WĂ€nde hoch.\" Beleidigt schlug Thorsten das Fenster zu. Janek lachte kurz auf, wurde gleich daraufhin aber wieder ernst. Er sah Martin nachdenklich von der Seite an. \"Meinst du, dass es richtig war, dem MĂ€dchen zu versprechen, dass sie nicht mehr nach Hause zurĂŒck muss, wenn sie uns erzĂ€hlt, was bei ihr daheim abgeht?\" \"HĂ€tte ich vielleicht wegsehen sollen? Es war doch wohl ziemlich offensichtlich, dass sie misshandelt wurde oder etwa nicht?\" \"Schon\" antwortete ihm Janek. \"Na, siehst du. Und schließlich habe ich die Polizei darĂŒber informiert, die können der Kleinen jetzt sicher weiterhelfen.\" Der Pilot schĂŒttelte den Kopf und schlug sich entgeistert mit der Hand vor die Stirn. \"Mann, bist du dĂ€mlich Martin! Du hast wohl noch nie die Zeitung gelesen. Bis jemand den Eltern ihr Kind wegnimmt, muss schon noch ein wenig mehr geschehen.\" \"Sag mal, spinnst du?\" schrie Martin unvermittelt los und sprang auf. \"Das, was passiert ist, reicht doch vollkommen aus!\" \"Komm schon\" versuchte Joey ihn zu beschwichtigen und stand auch auf. \"Ich finde ja auch, dass das, was passiert ist, schon viel zu viel ist, aber die Typen vom Jugendamt und vom Gericht sind so auf ihre Paragrafen fixiert, dass sie sich fĂŒr Menschen, die ihre Hilfe brauchen, meist ĂŒberhaupt nicht mehr interessieren. Die entscheiden zum Wohle des Kindes, und die Familie wird meistens fĂŒr besser empfunden als ein Heimaufenthalt. Außerdem kostet so ein Heimplatz eine ganze Stange Geld und der Staat verzichtet gern darauf ein Kind in ein Heim zu geben, wenn die Eltern nur gute Ausreden vor Gericht erfinden und sich ĂŒber ihre jĂ€mmerlichen Lebensgeschichten beklagen. Was ganz logisch ist, denn ein Betreuer, der die Familie einmal pro Woche begutachtet, ist lĂ€ngst nicht so teuer wie ein Heimplatz. Und nur weil das MĂ€dchen uns was erzĂ€hlt hat, heißt das noch lange nicht, dass sie es damit weiterhin so hĂ€lt. Und wenn sie nichts sagt, dann kannst du ohnehin vergessen, dass irgend etwas VernĂŒnftiges bei der ganzen Sache rauskommt. Du kennst ja unser Rechtssystem, im Zweifelsfall fĂŒr den Angeklagten, und zeigÂŽ mir mal einen Fall, wo es keine Zweifel gibt. Die Rechtsverdreher finden schon, was sie finden wollen, glaube es mir!\" \"Ach, lass mich doch in Ruhe\" entgegnete ihm Martin unwirsch und ging in Richtung Personalparkplatz davon, ohne sich noch einmal umzudrehen oder zu verabschieden. \"GehÂŽ nur,\" murmelte Joey verbissen vor sich hin, \"wie du es immer machst, wenn man dir ins Gesicht sagt, was Sache ist.\" Joey stapfte ein paar Schritte durch den Schnee und sah aus einiger Entfernung dabei zu, wie Martin in seinen Wagen stieg, die WagentĂŒr hinter sich zuschmiss und den Motor startete. Mit quietschenden Reifen fuhr er anschließend davon. \"FĂŒr den ist der Tag gelaufen, glaube ich\" meinte Janek, der Joey gefolgt war. \"FĂŒr mich auch,\" knurrte der Pilot und ging auf seinen Wagen zu, \"verfluchte NotĂ€rzte, Scheißjob.\" Joey trat einen Schneewall beiseite, den der Pförtner beim Wege freirĂ€umen zur Seite gekehrt hatte. Kurze Zeit spĂ€ter waren sie alle verschwunden, nur der Pförtner lief noch geschĂ€ftig umher und rĂ€umte den Schnee erneut beiseite.

Die Tasse war an die TĂŒr gekracht und zersprungen, bevor irgendjemand eingreifen konnte. \"Das kann doch nicht wahr sein\" stöhnte Detlev auf und legte die Zeitschrift, die er bis eben noch gelesen hatte, zur Seite. Martin hatte mal wieder einen seiner berĂŒchtigten WutanfĂ€lle. Bereits seit zehn Minuten war dieser durch den Raum getigert und hatte umher gelĂ€rmt. Detlev konnte diese ewigen Schimpftiraden schon bald nicht mehr ertragen. Und da war er nicht der Einzige... Augenblicklich stand Carl-Heinz, der Chef, im Raum. \"Was ist denn nun wieder...\" setzte er zum Wort an, als Martin an ihm vorbeifegte und die TĂŒr, in dessen NĂ€he ĂŒberall Scherben herumlagen, hinter sich zufeuerte. \"Ich habe es ihm gesagt, ich habe es ihm damals vor drei Wochen schon gesagt!\" wetterte Joey, der neben dem erschrockenen Georg auf der Heizung saß, und gĂ€hnte ausgiebig. Janek hob den Kopf vom Tisch und jammerte: \"Nicht mal in Ruhe pennen kann man hier.\" \"Das sollst du auch nicht\" erwiderte der Chef und sah Janek scharf an. Dieser setzte sich sofort gerade hin und strich sich die zerzausten Haare glatt. Doch der Chef achtete bereits nicht mehr auf ihn. \"Dass Martin sich immer noch so aufregt, ich verstehe das nicht\" meinte er dann und schĂŒttelte ratlos den Kopf. \"Dem ist halt nicht zu helfen,\" Joey zuckte mit den Schultern, \"das ist so ein verbohrter Idealist, der kann schon gar nicht mehr einschĂ€tzen, wie die RealitĂ€t aussieht.\" \"Halt, halt, halt,\" erwiderte ihm der Chef, \"nun mal nicht ganz so voreilig. Ich finde ja auch, dass Martin sich das zu sehr zu Herzen nimmt, dass diese, wie hieß sie noch gleich...?\" Hilfesuchend sah er sich um. \"Lisa Dincker\" antwortete Janek und sah scheinbar gleichgĂŒltig aus dem Fenster. \"Dass diese Lisa Dincker wieder in ihr gewalttĂ€tiges Elternhaus zurĂŒck musste. Aber irgendwo hat er sicher Recht. Man darf nicht einfach resignieren, so wie du Joey. Es ist leicht, sich damit herauszureden, dass der Staat und seine Institutionen schuld daran sind, dass nach solchen VorfĂ€llen viel zu wenig unternommen wird. So kannst du dich selbst immer schön von deiner Verantwortung lossprechen.\" \"Na, was denn?\" regte sich Joey auf. \"Willst du mir jetzt etwa allen Ernstes vorwerfen, dass ich bodenstĂ€ndig bin? Du kannst mir doch nicht wirklich erzĂ€hlen wollen, dass wir das hĂ€tten beeinflussen können. Das Gericht hat entschieden, soviel ist klar. WorĂŒber soll man da noch diskutieren? Die Sache ist gelaufen und fertig! Warum sich aufregen, wenn sich eh nie was Ă€ndert? Also, fĂŒr mich ist der Fall damit erledigt.\" \"Ach ja?\" mischte sich plötzlich Janek mit ein. \"Weshalb kannst du dich dann jetzt immer noch so darĂŒber aufregen? Wenn es dir doch egal ist?\" \"Du kapierst mal wieder rein gar nichts,\" verteidigte sich Joey, \"arbeite erstmal ein bisschen lĂ€nger hier, dann wirst du schon sehen, dass es so ist, wie ich sage. Außerdem ist es mir keineswegs egal! FĂŒr was fĂŒr ein Ungeheuer hĂ€ltst du mich eigentlich?\" \"Muss ich darauf antworten?\" meinte Janek unschuldig und warf einen Blick auf den Chef. \"Lieber nicht,\" meinte dieser, als er Joeys wĂŒtenden Gesichtsaudruck sah, \"es reicht vollkommen, wenn Martin stĂ€ndig ausrastet.\" \"Wieso nimmst du den eigentlich immer in Schutz?\" rief Detlev von der anderen Seite des Raumes zu ihm hinĂŒber. \"Ich könnte drauf wetten, wenn einer von uns sich solche Freiheiten herausnehmen wĂŒrde, bekĂ€me er mit dir lĂ€ngst gewaltigen Krach.\" \"Du musst nicht alles wissen,\" antwortete ihm der Chef abwehrend, \"glaube mir, ich habe da so meine GrĂŒnde.\" Verwundert sahen nun auch Franz und Matthias auf. Die beiden NotĂ€rzte hatten die ganze Zeit zuvor ĂŒber geschwiegen und kaum richtig mitbekommen, um was es vorher ging. Der eine war in einem medizinischen Fachbuch vertieft gewesen, der andere hatte einen Einsatzbericht am Computer zu Ende geschrieben. \"Seit wann gibt es hier ExtrawĂŒrste?\" ereiferte sich Matthias. \"Genau,\" pflichtete ihm Franz, der DienstĂ€lteste, bei, \"das haben wir hier noch nie so gehalten.\" \"Überlasst das mal lieber mir\" versuchte der Chef sie zu besĂ€nftigen. Matthias lehnte sich auf seinem Stuhl zurĂŒck und verschrĂ€nkte die Arme vor der Brust. Er hatte Martin noch nie leiden können und das wusste auf der Dienststelle jeder, nur der Chef hatte davon natĂŒrlich nichts mitbekommen. Deshalb machten sich jetzt alle anwesenden Kollegen auf einen RiesenĂ€rger gefasst. Matthias war ein sehr angriffslustiger und erbarmungsloser Mitarbeiter, so dass keiner der Kollegen es sich mit ihm verscherzen wollte. Joey hĂŒstelte. Detlev sah auf den Fußboden. Die Übrigen zogen die Köpfe ein. Erstaunt blickte der Chef in die Runde. `Was ist nun kaputt?` fragte er sich insgeheim. Er bemerkte nicht, was er soeben ausgelöst hatte. Ein tiefes Schweigen herrschte.

Mitten in diese ungemĂŒtliche und feindselige Stille hinein schrillte das Einsatzsignal. Alle im Raum, ausgenommen der Chef, atmeten hörbar auf. Detlev, der andere Pilot neben Joey, Janek und Georg sprangen sofort auf und waren bereits im Gang verschwunden, als Matthias sich langsam erhob und den Chef grimmig anstarrte. \"Na, was ist?!\" schrie der Chef, der sich zu Recht provoziert fĂŒhlte, los. \"Sieh zu, dass du loskommst. Wir sind hier nicht im Sanatorium!\" \"Das sagt gerade der Richtige\" murmelte Matthias abfĂ€llig. \"Wie bitte?\" fragte der Chef unglĂ€ubig. Er meinte, sich verhört zu haben. \"Nichts, nichts\" antwortete Matthias ihm hastig, schnappte sich schnell die AusrĂŒstung und seine Jacke und lief los. Auf einmal hatte er es sehr eilig. Der Chef sah ihm hinter her und stellte sich dann ans Fenster, um zu beobachten, wie Matthias in den Hubschrauber kletterte und Georg, der ihm wohl im Wege war, beiseite schubste. Sekunden spĂ€ter erhob sich der Hubschrauber in die Luft, drehte sich einmal um die eigene Achse und war gleich darauf schon außer Sichtweite. Wenn Matthias wĂŒsste, dachte der Chef bei sich. Vielleicht wĂŒrde er Martin dann mit anderen Augen sehen, obwohl das unwahrscheinlich war, denn so einen kaltherzigen und engstirnigen Mitarbeiter wie Matthias hatte er auf seiner Dienststelle vorher noch nie beschĂ€ftigt. Martins Kindheit war von unglaublicher BrutalitĂ€t begleitet gewesen und das prĂ€gte einen Menschen natĂŒrlich. Er selbst hatte schon viele GesprĂ€che mit Martin gefĂŒhrt, ĂŒber die besser keiner der Kollegen Bescheid wusste. Er verstand dessen Wut auf VorfĂ€lle wie diese, aber auch Joeys zurecht gelegte scheinbare GleichgĂŒltigkeit konnte er nach vollziehen. Sie hatten oft viel zu wenig Zeit, um darĂŒber nachzudenken, wie sie gewisse Dinge verĂ€ndern konnten. Denn kaum waren sie dabei, einer Sache nĂ€her zu kommen, ging die nĂ€chste Einsatzmeldung ein und alle seine Leute waren froh darĂŒber, dass sie den unangenehmen Themen entfliehen und zur Tagesordnung zurĂŒckkehren konnten. Der Chef seufzte und verließ seinen Fensterplatz, denn in seinem BĂŒro wartete schließlich noch genug Schreibarbeit auf ihn.

Als Matthias und die anderen dann zurĂŒckkamen, waren sie ziemlich blass im Gesicht. Der Chef war ihnen entgegen gegangen, kurz nachdem sie vor der Dienststelle gelandet waren. Das pflegte er Ă€ußerst selten zu tun. Aber wenn er wusste, dass seine Leute einen sehr belastenden Einsatz erlebt hatten, kam das schon einmal vor. Diesmal hatte es einen unnatĂŒrlichen Todesfall gegeben, wobei es sich hierbei um eine Todesfolge aufgrund Ă€ußerlicher Gewaltanwendung handelte. Dies war neben Selbstmord und ĂŒbermĂ€ĂŸigem Alkoholkonsum die hĂ€ufigste unnatĂŒrliche Todesart, der sie in ihrem Beruf begegneten. Doch da war diesmal noch mehr, das spĂŒrte der Chef deutlich, als er seinen Mitarbeitern in die Augen blickte. Matthias hielt sich lĂ€nger als gewöhnlich am Hubschrauber auf, um den Innenraum aufzurĂ€umen und zu sĂ€ubern. Das ließ den Chef stutzig werden. Er wartete ab, bis Janek, Detlev und Georg im GebĂ€ude verschwunden waren. Matthias hatte inzwischen den Hubschrauber verlassen und ging kurz darauf zusammen mit seinem Vorgesetzten in Richtung Dienststelle. \"Das MĂ€dchen, von dem ihr heute morgen gesprochen habt, ich habe ja nicht allzu viel davon mitbekommen, hieß doch Lisa Dincker?\" fragte Matthias auf einmal und hielt unvermittelt im Gehen inne. Sein Vorgesetzter blieb ebenfalls jĂ€h stehen. Er verstand erst nicht, worauf Matthias hinaus wollte, dann aber als er etwas weiter ĂŒberlegte, beschlich ihn eine dunkle Ahnung. Einen Augenblick spĂ€ter ahnte er bereits, dass ihm genau diese Ahnung gleich bestĂ€tigt werden wĂŒrde. Darum antwortete er nicht auf Matthias` Frage, er wollte lieber nichts damit zu tun haben. Doch Matthias wartete die Antwort gar nicht erst ab, vielleicht wusste er sie auch lĂ€ngst. \"Lisa Dincker ist an inneren Blutungen gestorben. Da war nichts mehr zu machen\" erklĂ€rte er dem Chef, wĂ€hrend er gedankenverloren in die Ferne blickte. Mehr sagte er nicht. Das war auch nicht nötig. Eine Weile blieben die beiden MĂ€nner einfach nur so auf dem Vorhof der Dienststelle stehen, dann betraten sie das GebĂ€ude und gingen langsam den Flur im Erdgeschoss entlang. Irgendwie erschien er ihnen heute lĂ€nger als sonst. Gerade als der Chef sein BĂŒro betreteten wollte, hielt Matthias ihn noch ein mal zurĂŒck und sagte zu ihm: \"ErzĂ€hle davon bitte nichts auf der Dienstbesprechung, wenn Martin dabei ist. Ich habe von Janek und Georg gehört, dass er beim ersten Einsatz dem MĂ€dchen versprochen hat, dass man ihr helfen wird, wenn sie bereit ist, ihm und den anderen zu erzĂ€hlen, woher sie ihre Verletzungen wirklich hat. Er denkt ohnehin schon, das er dieses Versprechen gebrochen hat.\" Der Chef nickte nur. Er sah seinem Kollegen nach, der heute mit etwas weniger Elan als sonst den Gang hinunter schritt. \"Matthias!\" rief er dem Notarzt nach und trat noch einmal vor seine BĂŒrotĂŒr. Matthias drehte sich um. \"Bis morgen.\" Dann begab der Chef sich entgĂŒltig in sein BĂŒrozimmer und schloss die TĂŒr hinter sich. Matthias blieb noch einen Moment unschlĂŒssig im Flur stehen und ging sich dann umziehen. Der Dienst seiner Schicht war fĂŒr heute zu Ende.

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F Fuller
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Kommentare: 116
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Hallo susa,

wĂŒrde gerne mal Deine geschichte lesen, aber so, wie sie ausgegeben wird, ist es mir zu anstrengend. Wie wĂ€re es mit ein paar AbsĂ€tzen und unescaped ' "s '?

Gruss
F.

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