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Leselupe.de > Erotische Geschichten
Romeos Freund
Eingestellt am 08. 07. 2010 19:50


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Dominik Klama
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Registriert: Nov 2008

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Romeos Freund [20 schwule Geschichten mit Ralf, Nr. 2]

An einem Sonntag im Frühling des Jahres von Tschernobyl, keiner weiß genau, wie viel Strahlung der Waldboden neuerdings abgibt, machen mein Freund und ich unseren üblichen Spaziergang nach dem Essen. Dass unsere Beziehung nicht mehr lang bestehen wird, wissen wir noch nicht. Mein Freund hat sein Studium abgeschlossen und holt den Wehrdienst, es wird seiner Karriere vielleicht mal nützen wie auch seine Mitgliedschaft in der FDP, mit der ich ihn immer aufziehe, auf der Hardthöhe nach, beim Verteidigungsministerium. Mein Staatsexamen ist seit November Geschichte, das Referendariat kommt nach den großen Ferien. Unterdessen warte ich, was kommt. Es kommt gerade nicht so sehr viel.

Jedes Wochenende kommt mein Freund mit dem Intercity und schläft mit mir. Dann gehen wir mit Freunden einen trinken, seinen Freunden, wir kochen in der Wohnung, meiner Wohnung. Danach will ich in den Stadtwald, den jetzt möglicherweise nicht mehr ganz so erfrischenden. Wir streiten mal wieder über die Grünen und die FDP. Immerhin sind wir uns so weit einig, dass eine von den beiden Parteien ihren Schirm bald zumachen wird, nur noch nicht darüber, welche. Kennen gelernt haben wir uns im Park. Vor anderthalb Jahren, da haben wir noch beide studiert.

Am Abend vorher waren wir in Prokofiews „Romeo und Julia“. Mein Freund zeigt sich beeindruckt. Ich denke: Ja, so fette Schinken, das ist wieder typisch, das gefällt dir.

„William Harris ist ein unglaublicher Tänzer! Dass die hier so einen noch halten können! Du hast vielleicht schon gehört, er ist ja auch einer von uns.“ William Harris ist der große Schwarze, einer von den zwei schwarzen Tänzern im Corps de Ballet. Der ist Romeos Freund gewesen, der mit dem Degen abgestochen wird.

„Ja, ist mir bekannt.“

„Vom Tresen? Kennst du ihn von da? Dort ist er manchmal. Da drin hab ich den Harris schon gesehen. Er raucht, trotz dem Tanzen.“

„Nein... Nicht vom Tresen. Das geht rum über die schwulen Stars. Der lange Neger vom Ballett, da weiß man gleich, wer das sein soll. Gibt von der Sorte nicht so viele. Hinter Negerschwänzen sind die Trutschen immer her. Wenn Tante Jemima den Ehrenring der Osvaldo-Cortes-Gesellschaft übergezogen bekommt, sind sie hin und nüber.“

„Schlecht sieht er ja nicht aus! Und du wirst auch nicht behaupten wollen, dass man es dem auf den ersten Blick ansieht.“

„Na jaaa!“

„Wie's wohl ist mit dem? My Boy Bill! Und ich könnte sogar wissen, wie’s ist mit ihm. Ich meine, der Harris war schon mal schwer hinter mir her.“

„Ach was?“

„Vor zwei Jahren. Im Park. Da war so ein riesengroßer Schwarzer, der es auf mich abgesehen hatte. Hat mich gefragt, ob ich Lust hab. Ich wusste nicht, wer der war. Na ja, diese kräftige Statur, ein Schwarzer, ich hab mich etwas zu dumm angestellt dafür. Eindeutiger Fehler, mit dem Wissen, das man heute hat.“

„Ein dunkler Koloss trat aus dem Busch und outete sich als Hupfdohle vom Stadttheater.“

„Mach mir meinen Bill jetzt nicht fad! Der hat eine formidable Körperbeherrschung, Wahnsinns-Sprungkraft. Hat nicht das Geringste zu tun mit Hautfarbe und sexueller Präferenz. Er betritt die Bühne und du merkst die Präsenz, schon bevor er noch überhaupt drei Schritte gemacht hat. Trutsche oder nicht, was die very big Blacks in der Hose haben, ist eine kleine Sünde schon mal wert, im Allgemeinen. Sind wir uns auch wohl einig, nicht wa-ahr? Ich bin einfach dumm gewesen, zu ängstlich. Ja, wenn der heute noch mal fragen würde.“

„Lockicht Büblein, darf ich’s wagen?“

Mein Freund ist übrigens klein, hat grüne Augen, eine Unmenge Sommersprossen und lockige Haare wie aus Kupfer. Auch ganz nett.



Mitten in der Stadt, gleich neben einer Straße, wo Verkehr ist die ganze Nacht, liegt der Park. Das eher kleine Geviert gipfelt in einem Hügel, auf dem ein neogotisch nachempfundenes Schlösschen thront. Seit einigen Jahren befindet sich das Museum für Petschaften, Vasenfragmente und Bronzeplättchen dort, spiegelt sich im Weiher unterhalb. Mit Neon geflutet bis tief in die Nacht. Jedoch passieren Fußgänger nach neun oder zehn den Park eher selten. Sieht der Kundige von unten, von der Straße her hinauf am späteren Abend, huschen dort oft eine Handvoll Schatten, vor allem vorne, der Straße zu, bei Rabatten und Bänken ist reichlich Licht. Unterdessen nimmt’s der Unkundige für Nachtschwärmer in solch romantisch anheimelnder Atmosphäre.

Den sanften Hang zwischen Museum und Bahnhofstraße hat man mit Rebstöcken gekämmt, des Mahnens an den Anbau jenes spritzigen Gutedels zum Zwecke, den unweit der Universitätsstadt harte Arbeit der trächtigen Scholle abringt, doch hinter dem Schlösschen, hart und steil fällt dort die Böschung und weithin unbeachtet auch weiter unten, seitab vom Wege, der zum Schlosse steigt. Hier bewahrt hinterm Strauchwerk ein Handtuch-schmaler Streif denjenigen vom Abrutschen, der vom rechten Wege wich. Was unter Laternen ausgiebig sich gemustert, kann sich hier mitten in die Sache hinein begeben ohne Anstoß nehmende Zeugen. Das weiß ich alles längst. Und sehe sie rein verschwinden und raushuschen, alleine, zusammen, nach einander. Jedoch eher trübe Subjekte zumeist und was die anstellen hinterm Busch, das möchte man vielleicht besser gar nicht wissen.

Durch die Allee, durch die Reihe der Bänke, schlendert ein sehr großer Mann mit schwarzer Lederjacke. Solche Jacken tragen, denke ich, die anarchistischen Hausbesetzer oder die Anhänger schmerzbetonter Sexualumtriebe. Die Haut des großen, schwarzen Mannes ist schwarz. In einer Stadt, wo scharenhaft Studenten sich aufhalten aus aller Herren Länder, sind Schwarze nichts Besonderes, aber, denke ich, dieser ist fürs Studieren zu alt. Ist er nicht gut und gern zehn Jahre älter schon als ich? Schön anzusehen ist er nicht, vielmehr fast wie ein Rübezahl, wenn auch ohne Bart, gewiss viel härter im Hinlangen als ich, sage ich mir. Hat so einer sein Recht, mich innerlich zu bewegen und zu ergreifen, auch durchaus, denn an diesem Platze ist er mir mein erster Neger, müsste doch immerhin säuberlich festgehalten werden, dass vorn sein Haar sich schon merklich lichtet und zum breitflächigen Gesicht jene kurze, geradezu abgehackte Nase nicht recht stimmen will.

Um eine der Bänke hat das zu dieser Jahreszeit unvermeidliche Häuflein von Schwaflern und Babblern sich gesammelt. Leute, die ich kenne, irgendwie von fern, teils per schwesterlich schwulgruppaler Verbindlichkeit, teils vom Deckenberäuchern im Tresen her, teils, weil sie mir sogar schon nachgestiefelt waren in die Nähe jener diskreten Büsche, vergebens, alle, bislang. Ausgerechnet ihnen zu, denen er nicht zugehören kann, gesellt der mächtige Schwarze sich und dort lacht er, als seien ein Herz und eine Seele mit ihm diese, die doch nur bibbern könnten, dass einer wie der sich ihrer erbarmte. Was aber niemals sein kann, denn gesellte der sich zu einem von denen, gelacht, geschwafelt, gebabbelt könnte mit so einem nicht werden.

Er klingt eigentlich sympathisch, wird so leis auch verhandelt, dass ich nicht urteilen kann, ob er des Deutschen mächtig sei oder ob das halb-akademische Publikum nun ins englische Radebrechen gewechselt hat. Vielleicht klingt seine dunkle Lache zu selbstverliebt prall, erwäge ich allerdings nun eher etwas abgestoßen.

Jedoch steht außer Frage, an diesem Ort von Belang wird in dieser Nacht nur noch einer sein. Ich erinnere mich an den ersten Neger, den ich in meiner kleinen Stadt erblickte, als ich vielleicht sieben war. Stolzer als alle, die dort Häuser besaßen, wandelte er und führte eine schöne blonde Frau an seiner Seite. Ich sah verzaubert. Das Prickeln herben Verlangens, wie mächtige Negerkörper es erzeugen, hatte mich erstmals angefasst in meinem kleinen Leben. Jedoch hier dieser, er ist zu wenig erotisch, um es einzulösen, jenes Versprechen, welches im Blick des überragenden, schwarzen Mannes einst mir lag. Und von der Bank, um die ich schwebe und ziehe, immer ein wenig schützende Distanz wahrend, wird mir nicht mindeste Achtung geschenkt, von keinem dort, obwohl manche doch selbst meinen Namen kennen. Und außerdem, Scheiße, muss ich jetzt wirklich endlich mal heim!

Als ich in der folgenden Nacht den Park erneut ausspähe, sind von dem Häufchen bei der Bank die allermeisten auch schon wieder versammelt. Jedoch, den schwarzen Mann, den gibt’s nicht mehr. Es passiert: nichts. Also: alles wie immer.

Mehrere Tage vergehen, da sehe ich ihn noch einmal. Er hält Abstand zu jedem, geht rein in die Büsche, allein, kommt wieder hervor und geht einsam und bedächtig umher. Dieses Mal ist seine Jacke aus Stoff. Und auch für so einen wie ihn passiert hier im Park rein gar nichts. Ausgleichende Gerechtigkeit. Welche Art Typen der sich raussucht für den Sex, den er hat, nimmt mich Wunder. Aber ich kriege nichts davon mit. Einzig, dass er mich wahrgenommen hat und irgendwie antwortet auf meine Gegenwart. Fast heischend und prüfend schaut er nach mir. Fast, als liefe er ein wenig, ganz wenig nur, eher nachlässig und wie obenhin, mir nach und keinem sonst. Das finde ich eine etwas brenzlige Situation, denn ja sagen kann ich nicht, er ist zu gewaltig für mich, nein sagen will ich nicht, dann läuft er mir wohl nie mehr wieder nach. Also bleibt nur eins: die Fliege machen.



Gar nicht so selten kommen dann aber auch die Nächte, in denen alles wunderbar ist, Sterne funkeln am klaren Himmel, spermiös duften die Kastanien oder diese kleinen Lindensegler tanzen dir ums Haupt, die Kelche der Blüten wiegen sich über den keuschen Wassern, linde Düfte säuseln durch Orplid, mein Land, aber keine Sau ist da, die Gunst der Stunde zu nutzen, kein Schwein ist geil, als wär’s der verkommenste November, der hinterhältigste Februar. Und in genau so einer perfekten und perfekt menschenleeren Nacht lehnt der große schwarze Mann, wieder in Leder, an der Banklehne und wartet auf seinen Einen und der bin ich. Aber was soll ich da nur machen, wenn er wartet auf keinen anderen als mich, denn sonst ist keiner da, wenn er aber nichts tut, rein gar nichts, nur immer steht und guckt nach mir und wartet?

Fest überzeugt bin ich mittlerweile, dass der Negroide nicht aus Afrika kommt, sondern von Amerika her. Von Stevie Wonder einen der eher unbekannten, nichtsdestoweniger unvergänglichen Songs, George Michael hat’s später dann auch gecovert, pfeife ich so vor mich hin. Jeder schwarze Amerikaner weiß, wer Stevie Wonder ist, denke ich, mein Neger wird wissen, dass ich das Ständchen ihm zur Ehre bringe. Jedoch, vielleicht bin ich zu leise, bleibe zu fern und er hört es nicht. Näher hin ist nicht drin, das wäre eindeutige Anmache.

Selbstverständlich zieht er mich zu sich, als Neger muss er ja, auch wenn er nicht wissen kann, dass es sich so verhält bei mir. Trotzdem durchschaudert mich Angst vor diesem übermächtigen Körper, den ich nicht bezwingen könnte, wenn ich müsste. Gib ihm den kleinen Finger, nimmt er dir die Hand, denke ich. Und außerdem leben wir ja neuerdings in den Zeiten von Aids. Das kommt aus Amerika und die Schwarzen dort haben es fast alle schon.

Jetzt geht er. Gleich ist er raus. Doch schon etwas Leid tut mir das. Er geht, aber nicht zum Ausgang, sondern vorn in die Ecke, ins Gebüsch dort. Ich gehe vorbei. Ich sehe ihn nicht, es ist alles so dunkel, aber ich weiß, er ist da, er kann nur wieder nach vorn heraus und Platz ist dort drin auch fast keiner. Der Trampelpfad beginnt ja erst weiter oben. Er steht zwischen den Zweigen von so einem nadligen Gewächs. Ich kehre um. Dann doch hin, einmal noch. Aber auch wieder weg.

Plötzlich habe ich Angst, dass er weg sein könnte. Ich haste hinein unter das nadlige Gewächs. Er sagt nicht Hallo, sieht immer nur vorbei an mir, ruckzuck aber grabscht er an meiner Hose. Alles geht mir viel schnell. Schon habe ich seinen Kolben in der Hand. Drei mal so groß wie meiner, schätze ich. Und finde diese Dimension, obwohl man so einiges über die Bestücktheit der Kinder Afrikas sich ja zuraunt, sehr, sehr erstaunlich.

Nein, was ich gesucht habe, ist das aber nun doch nicht. Das bittere Wissen überflutet mich, gleichgültig bin ich dem, der hat einen gebraucht, bei dem er kommen kann. Ich weiß, ja, ich weiß es, dass der mich ficken will, das darf ich nicht zulassen. Er zieht mir die Hose weg, packt den Hintern, schiebt ihn sich zurecht, parkt den Rest von mir gegen ein Stämmchen. Er spuckt kräftig in die Hand und reibt es zwischen die Backen. Er presst seine kriegerische Keule gegen eine Stelle, die nicht gedacht sein kann, so etwas in sich aufzunehmen. Schmerz zerschneidet mich wie ein Messer. Ich ziehe die Luft ein, von da an spüre ich gar nichts mehr. Ich weiß nicht, ob es mir gut tut oder mich verletzt. Ich merke nur, wie sein Leib tuckert hinter mir, vor und zurück. Wie er seufzt und atmet und schneller wird.

Ich bin ihm egal, denke ich. Er war so wichtig für mich, aber ich bin ihm egal. Vor Allgewalt kann er sich kaum halten. Ich höre Klatschen. „Ah! Ah! Ah!“ Es hat den Anschein, als müsse er jetzt kommen in mir. Da ist der Schwanz wieder draußen und wird gewischt mit einem Stück Papier. Das fällt hinab zu den anderen, zu den vor mir Verbrauchten. „Tschüss“, sagt der schwarze Mann, ist weg, das erste und letzte Wort, das er spricht. Ich stehe mit offener Hose, bin nicht und kann nicht mehr kommen. Wer sich so dumm anstellt wie ich, sage ich mir sogleich, der hat diese Lektion mal verdient. Aber Aids! Aids habe ich nicht verdient, nicht ich.



Als er mich nach Wochen dann wieder sieht, viele sind unterwegs in der Nacht, geht er sofort und äußerst gebieterisch unter unser Nadelbäumchen. Da muss ich ihm folgen. Das zweite Mal wird vielleicht ja auch gut werden. Wieder ohne Gummi, wieder gestoßen vom Überdimensionierten. Wieder sagen wir kein Wort. Wieder geht er weg, sobald er gespitzt hat. Wieder verstehe ich nicht, warum ich so dumm bin. Noch ein weiteres Mal passiert mir das nicht, überzeuge ich mich. Aber verdammt noch mal, dieser elende Park und seine ekligen Besucher immer! Der große Schwarze ist einfach der einzige Typ, der hier was darstellt. Und der will jetzt mich, wenn er andere haben kann.

So hätte es wohl noch oft geschehen können. Immer wollte ich nur ihn und nie wollte ich es so, wie er es mit mir machte. Aber der Schwarze bleibt weg. Ich bin ja nicht immer dort, aber wenn ich dort bin, ist er nicht da. Statt dessen sehe ich ihn an der Ampel beim Theater stehen auf der anderen Straßenseite. Bei Grün kreuzen sich unsere Wege mitten auf der Fahrbahn. Er hat einen dürren Deutschen mit schütterem Haar an seiner Seite, die unterhalten sich. Jetzt, im hellen Sonnenschein, ist dieser gigantische Neger ein fast hässlicher Mensch. Das überrascht mich nun doch, wenn ich auch wusste, dass sein Gesicht nicht schön war. Ich schaue besser nicht länger zu ihm hin, sonst ziehe ich den Blick auf mich. Nachher denke ich, sowieso hätte der dich gar nicht mehr erkannt.



Nur selten lasse ich mich ficken. Aber einmal kann auch schon reichen. Zwei Jahre lang steigere ich mich in den Wahn hinein, ich sei infiziert worden von meinem ersten Neger. Vielleicht mein letzter oder vorletzter Frühling, denke ich. Zweimal sauber rein gespritzt. Jedoch will ich, falls ich an die Reihe komme, mein bevor stehendes Ende so lange nicht wissen, wie das nur geht. Test kommt überhaupt nicht in Frage.

In diesen zwei Jahren fange ich die Sache mit dem Freund, dem Studenten, an. Der Freund ist zwei Jahre jünger, außerdem war er vorher mit einer Frau zusammen. Safer Sex machen wir niemals. Ich bin das Risiko, denke ich immer wieder mal, aber ich sage es ihm nicht. Allmählich erzählt mein Freund mir, was er alles schon angestellt hat in seinen jungen Jahren. Sogar einen schwarzen Künstlertypen, der es ihm gemacht hat, kann auch er sein eigen nennen. Seiner kam aus Südafrika.

Ich streite mit dem Freund, wer von uns beiden wohl infiziert sei, wie hoch das Risiko für den Partner sich wohl belaufe, nachdem wir so ziemlich alles probiert haben, was geht, mit wechselnder Rollenverteilung, ob es noch Sinn habe, auf Safer Sex umzusteigen. Mein Freund hört nicht groß hin. Doch dann ist plötzlich er es, der zum Test geht. Sagt mir das aber erst am Abend danach, da ist die Probe schon eingeschickt. Mir wird klar, ich habe keine Wahl mehr, was immer bei ihm herauskommt, wenn ich es von ihm weiß, muss er es auch von mir wissen. Eigentlich bin ich froh. Ich kann es, weil er es kann. Alleine hätte ich es nie gekonnt. Dann sind wir beide negativ. Hinterher sagt man, man hat es immer irgendwie gewusst, aber diese sechs Tage, sie sind nicht leicht gewesen.

So kommt der Frühling von Tschernobyl und ist höchst wahrscheinlich noch nicht mal mein letzter, obwohl ab jetzt alles möglich ist. „Mein Bill“, sagt mein Freund. Dein Bill, denke ich, ist, wenn überhaupt, mein Bill. Und ich hab noch zweimal Abspritzen gut bei ihm.



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"Die uns bekannte Welt versinkt, indem sie Geschichten für passé erklärt, im Wahnsinn."
(John Ashberry)

Version vom 08. 07. 2010 19:50

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