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Leselupe.de > Erzählungen
Rückfahrt zur Sehnsucht
Eingestellt am 13. 05. 2001 19:42


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Ole
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Rückfahrt zur Sehnsucht

Vier Uhr in der Früh.
Ronny fährt mit dem Auto durch die Nacht.
Dem sichtbar nahenden Morgen entgegen.
Der schier rastlosen Stadt entgegen.
Tausende Gedanken schwirren ihm durch den Kopf. Vorhin, ja vorhin war er noch unendlich müde. Warum ist er jetzt so aufgekratzt? Am liebsten würde er umdrehen, ihr Übernachtungsangebot annehmen. Aber er kann nicht. Er hat keine Ahnung, warum er unbedingt noch fahren wollte. Wollte er das wirklich? Nein! Irgendeine dieser unhörbaren inneren Stimmen ist schuld! Wie gern würde er wieder einmal mit ihr am Frühstückstisch auf der Wiese sitzen. Bis die Mittagssonne brennt. Sein Herz ist schwer. Alte Gefühle spürt er erneut. Sie waren schon damals so einzigartig. Wohl auch, weil Julia es ist. Ein halbes Jahr ist seitdem vergangen. Seit jenem Tage, als sie beide die Entscheidung trafen, Schluss zu machen. Ein blöder Spruch: "Schluss machen"! Schluss - womit? Beenden - was denn? Die Sehnsucht? Das Verlangen, sich wiederzusehen? Die geographische Trennung zu bewältigen? Wie oft ist er diese 70 Kilometer schon gefahren. Am Tage - und spät in der Nacht. So, wie jetzt. Nein, die Sehnsucht kann man nicht von heut` auf morgen abstellen. Und vielleicht ist er ja auch aus diesem Grunde jetzt gefahren. Der Abend war schön. Zu schön! Deshalb quält es ihn wohl auch. Trotzdem war es richtig, zu fahren. So wie es richtig war, diese Beziehung zu beenden. Wieder so ein blödes Wort: "Beziehung"! Es war etwas anderes. Etwas, wofür es kein Wort gibt. Selbst das Wort "Liebe", beschreibt nur einen Teil dieser wunderbaren Stunden, welche sie erlebt und genossen haben. Sie wollten diese gemeinsame Zeit geniessen. Mehr nicht. Weil sie wussten, dass es falsch war. Falsch, aus der Perspektive gesehen, aus der man im Allgemeinen schaut. Gezwängt in Vorurteile. Beachtend der Grenzen, die, obwohl nirgends nachlesbar, jeder kennt und einhält. Jeder? Nicht sie! Immer wieder haben auch sie ihren Gefühlen Grenzen gesetzt. Aber nur, um sie dann doch zu überschreiten. War dies der Reiz? "Unerlaubtes" zu tun, andere Wege zu gehen, sich diese Freiheit zu genehmigen. So einfach war es nicht. Es quälte beide. Sie sahen auch aus dieser Perspektive auf das Leben. Bis sie sich den Gefühlen hingaben. Den Verstand ausgeblendet, einfach nur die Stunden genossen. Immer auch in dem Bewusstsein, dass sie endlich sind. Immer auch mit den Gedanken spielend, diese Welt zu verlassen, ihre eigene Welt zu suchen. Für Stunden haben sie sie gefunden, sie sich selbst geschaffen. Waren sie glücklich, in dieser Zeit? Was ist Glück? Ja, sie empfanden wohl so etwas wie Glück. Bis sie wieder die reale Welt betraten, die Sehnsucht spürten. So, wie er sie jetzt spürt, da er von ihr fährt. Dem Herzen folgend, es nicht noch mehr zu quälen. Den Heilungsprozess nicht zu unterbrechen. Sie werden immer sichtbar bleiben, die Narben jener Zeit. Sie werden immer ein Teil seiner sein, die Erfahrungen, die er sammelte. Und dennoch hat er nicht den Traum aufgegeben, dieses Leben zu beenden. In der Hoffnung, ein besseres zu finden. Nicht, dass es ihm schlecht geht, in diesem. Aber man wünscht sich wohl stets etwas "besseres". Bis man es hat, und das Gefühl nicht los wird: das war es nicht, was ich suchte.
Der Himmel wird immer heller.
Am Horizont sind die riesigen Wohnblocks der Stadt zu sehen. Irgendwie fühlt er sich wie ein Abtrünniger, der unerlaubt seine "Kolonie" verließ, und nun in Reue zu dieser zurückkehrt. Unfähig, seinem Herzen zu folgen, und ihr endgültig den Rücken zu kehren. Weil er unsicher ist. Unsicher, das Glück gefunden zu haben. Hat er wohl auch nicht. Denn das Glück ist etwas Fernes. Das Glück kann nicht aus der näheren Umgebung kommen, glaubt er.
Unzählige Vögel stören die Ruhe des frühen Morgens, als er das Mietshaus betritt. Es ist, als würden sie sich über ihn die Schnäbel zerreissen: "Hey, schau mal, der Ronny ist wieder da!", "Hat sich wohl nicht getraut, der Feigling", "Wir haben ja gleich gesagt: bleib hier! Es lohnt sich nicht! Du wirst diesem Leben nicht entkommen!"
Eine gute Stunde liegt Ronny noch wach. Die Gedanken geben einfach keine Ruhe. Alle reden sie durcheinander. Die, die meinen zu wissen, was wäre, wenn er geblieben wäre, am lautesten. Und morgen? Morgen wird er sich noch etwas seiner Sehnsucht hingeben. Einige dieser CD`s hören, die sie beide so mögen. Die, die ein Stück der Vergangenheit erzählen. "...die Liebe ist ein Riesenrad, und das läuft wie geschmiert. Bist du einmal oben, geht es schon bergab....."
Bis er dann endlich wieder in den Alltag eintauchen darf.
Bis dieser endlich seinen Kopf ganz für sich beansprucht. Bis diese Gedanken und Gefühle ausgeblendet sind.
Bis, Julia wieder anruft.........


__________________
"...Wir sitzen mit unsern Gefühlen
meistens zwischen zwei Stühlen --
und was bleibt, ist des Herzens Ironie..."

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Ralph Ronneberger
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Hallo Ole,

ich gebe zu, mir ist erst mal der Unterkiefer runter geklappt, als ich sah, daß Du eine Erzählung geschrieben hast. Deine erste?
"Rückfahrt zur Sehnsucht" - besser hätte m.E. der Titel nicht gewählt werden können. Auch inhaltlich gefällt mir deine Erzählung. Nun - es mag auch sein, daß ich hier etwas voreingenommen bin. Ich konnte und kann das Ganze aus eigenem Erleben zu gut nachvollziehen. Auf Stil, Ausdruck und den guten alten Spannungsbogen habe ich ehrlich gesagt noch gar nicht geachtet. Ich werde die Geschichte ausdrucken und sie mir mal in aller Ruhe vornehmen. Du hörst auf alle Fälle von mir. Und die Kritik wird schrecklich sein! ;-))

Bis dahin sei herzlich gegrüßt
von Ralph

*grübel* 'Da ist jemand, von dem man durch eine ganze Generation getrennt scheint und dann... fast so etwas, wie ein Bruder im Geiste.'
__________________
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Ole
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Hallo Ralph,

ja meine erste Erzählung.
Und einfach so frei von der Leber weg
geschrieben. Wenn die Muse küsst....
schließlich hört sie ja auch wieder auf...
Wie jetzt "Spannungsbogen"....oh, ich
verstehe von diesen Dingen nicht all zu viel.
Hier sind mit Sicherheit eine ganze Menge
Wortwiederholungen drin.
Darum bin ich umsomehr auf Deine Kritik
gespannt. Eine Überarbeitung des Textes
wäre wohl angebracht, aber dies bedeutete
ja Arbeit (wie es das Wort schon sagt..)!

....und da heißt es doch, es gäbe den
"Generationskonflikt"...manche "Sachen"
halten sich eben über Generationen hinweg ;-)

P.S. schön, daß Dein Foto "repariert" ist.
ist die freundliche Person l.v.d. eigentlich schon
in der LL registriert?

Viele Grüße aus der Stadt
Ole.

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Rhea
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nur zwei Zitate...

"Wenn wir nur glücklich werden wollten, wäre das einfach; aber wir wollen glücklicher werden als ander, und das ist schwer, denn wir halten sie für glücklicher als sie sind." (Charles de Montesquieu)

"Besser als ein Leben ist nicht drin." (Sybille Berg)
__________________
Amore, more, ore, re probantur amicitiae.

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Ole
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Hi Rhea,

wenn wir schon mal bei Zitaten sind,
lass mich noch zwei hinzufügen:

"...Was schweigend Liebe schrieb, o nimm es hin!
Mit Augen hört der Liebe zarter Sinn." -Shakespeare-

und

"Trennung läßt matte Leidenschaften verkümmern
und starke wachsen, wie der Wind die Kerze verlöscht
und das Feuer entzündet." -Francois de La Rochefoucauld-

Lieben Gruß
Ole.

P.S. die Vortsetzung, hat "Julia" hier geschrieben:
Hier klicken

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Rhea
Wird mal Schriftsteller
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Eh ich's vergess...

Hallo Ole,
Du schreibst, daß Ronny und Julia immer die Endlichkeit ihrer gemeinsamen Zeit bewußt gewesen ist. Aber bist Du Dir da auch ganz sicher??? Zumindest bei Julia glaube ich nicht so recht daran.
Doch das nur nebenbei.
Eines Deiner Zitate kannte ich schon, aber ich freue mich sehr daß Du nochmal geantwortet hast.

LG
Rhea
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Amore, more, ore, re probantur amicitiae.

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