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Leselupe.de > ErzÀhlungen
SPIEGELSCHRIFT Erstes Kapitel
Eingestellt am 25. 10. 2003 00:10


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Nina Trebesi
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Oct 2003

Werke: 10
Kommentare: 12
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Der Beginn? Im CafĂ©. Oder aber im Taxi. Wir wĂŒrden nebeneinander auf der weich gepolsterten RĂŒckbank sitzen. Er sieht mich von der Seite an, und ich blicke geradeaus. Das Taxi gleitet langsam durch die regnerische Nacht, und ich sehe, wie die Scheinwerfer der entgegenkommenden Autos tiefe SĂ€ulen in den nassen Asphalt der Avenue brennen.

Er legt nicht den Arm um mich, weil er denkt, ich wĂŒrde es banal finden, wenn er das macht, worauf ich warte.
Nein, viel zu verschachtelt.
Oder besser im CafĂ©? In dem CafĂ©, in dem ich gerade wieder sitze? Es hĂ€tte sich fĂŒr unser erstes Treffen geeignet. Es ist nicht elegant – das hĂ€tte eine steife AtmosphĂ€re geschaffen. Es ist nicht schĂ€big – das hĂ€tte eine verzagte oder trĂŒbselige Stimmung aufkommen lassen. Die Besucher sind nicht vornehm zurĂŒckhaltend: Sie sprechen und lachen laut genug, um eine mögliche peinliche Stille zwischen uns zu ĂŒberdecken. Sie sind aber auch nicht sturzbetrunken und aufdringlich: Niemand wĂ€re an unseren Tisch getorkelt und hĂ€tte uns schwerfĂ€llig auf die Schultern geklopft.

In Wirklichkeit hat die Geschichte weder im Taxi noch im CafĂ© angefangen. Phil ist direkt zu mir nach Hause gekommen, mit einer Packung PrĂ€servative in der Hosentasche. "Wie ein richtiger Mann", so drĂŒckt es meine Freundin Claire aus.
Danach dachten wir, den kompliziertesten Teil hĂ€tten wir nun hinter uns. Dabei ist der Anfang nur der erste Schritt, vor dem nĂ€chsten, dem nĂ€chsten, dem nĂ€chsten, und jeder Schritt ist so kompliziert wie der vorige – zumindest fĂŒr Leute, die ihr Leben damit verbringen, Vorsichtsmaßnahmen zu treffen.

Andere wiederum werden vom Wind der Ereignisse davongerissen, und denken erst darĂŒber nach, wenn alles vorbei ist. Zu ihnen zĂ€hle ich diese schöne Frau, die hier im CafĂ© am Ecktisch sitzt, hinter dem spiegelnden Pfeiler. Dort sitzt sie jedesmal, wenn ich komme, und heute nickt sie mir zu. Ich nicke zurĂŒck und merke, wie ich dabei rot werde vor Aufregung, weil sie genau so aussieht, wie ich mir als Kind die Geliebte meines Vaters ausgemalt habe. Um mit ihr in einem fernen Land zu leben, dachte ich damals, war er von zu Hause weggegangen. Im Gegensatz zu meinen Geschichten hĂ€tte die der beiden auf eine unvorstellbar ausgefallene Weise begonnen. Ich jedenfalls habe meine ganze Kindheit vergeblich damit zugebracht, mir diesen Anfang und auch alles weitere vorzustellen.

Weiß diese Frau etwas, das ich nicht weiß? Woran denkt sie, wenn sie dasitzt und vor sich hin raucht?
Sie hat mich schließlich angesprochen, ist einfach an meinen Tisch gekommen - hier in Paris nachmittags und in nĂŒchternem Zustand undenkbar - aber sie kommt nicht von hier, sie ist TangotĂ€nzerin aus Argentinien. Sie heißt HaydĂ©e und wiederholt mehrere Male versonnen meinen Namen: "Anna. Anna also", als ob sie es schon geahnt hĂ€tte, auch das Land, aus dem ich komme, macht sie nachdenklich: "Aus Deutschland. Ich kannte einmal jemanden aus Deutschland…", und ich versuche mir vorzustellen, wie sie mit meinem Vater Tango tanzte. Auch fĂŒr mich malt sie die Adresse eines Tangolokals auf einen alten Briefumschlag – dort wollen wir uns morgen treffen.

Fortsetzung folgt
__________________
Nina Trebesi

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Rainer
???
Registriert: Jul 2002

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hallo nina trebesi,

klingt interessant - da bin ich auf die fortsetzungen aber sehr gespannt.

zwei anmerkungen:
das bild der von scheinwerfern in den asphalt gebrannten SÄULEN erschließt sich mir nicht: entweder sie stehen AUF dem asphalt oder es sind eingebrannte rillen, riefen, scharten etc.

"Andere wiederum werden vom Wind der Ereignisse davongerissen, und denken erst darĂŒber nach, wenn alles vorbei ist."

ein sehr schöner satz, leider kann ich aber an dieser textstelle nichts mit ihm anfangen. die anderen kommen zu unvermittelt. ich glaube, den gesamtem satz könntest du herausnehmen, und die frau einfach durch den neuen absatz in den text "einfĂŒhren".

auf grund der kĂŒrze des textes kann ich noch nicht mehr dazu sagen; auf die fortsetzungen freue ich mich.

viele grĂŒĂŸe

rainer
__________________
ist meine, und damit nur EINE Meinung

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Nina Trebesi
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Oct 2003

Werke: 10
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Oh, vielen Dank fĂŒr die Reaktion, es geht schon ganz bald weiter mit der Spiegelschrift!
Was die SĂ€ulen angeht: Ich wollte gerade SĂ€ulen, auch wenn sie in Wirklichkeit nach oben ragen - aber ich denke, in einem Text dĂŒrfen sie nach unten ragen. Wenn man auf eine WasserflĂ€che blickt oder auch auf eine nasse Strasse, dann sehen die Scheinwerfer-Strahlen auch wirklich aus wie SĂ€ulen, finde ich jedenfalls.
Und den Wind der Ereignisse lass ich mir nochmal durch den Kopf gehen!
Ich freu mich jedenfalls riesig ĂŒber alle Anregungen, Anmerkungen, ĂŒber alle Kritik und Ermutigung!
Nina Trebesi
__________________
Nina Trebesi

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Rainer
???
Registriert: Jul 2002

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kleinliches:
dann wÀren die sÀulen "oben" aber dicker als unten .

nee, lass es so stehen wie es dir gefÀllt.
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ist meine, und damit nur EINE Meinung

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Monfou Nouveau
???
Registriert: Aug 2003

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Kommentare: 497
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Hi Nina Trebesi,

Mutmaßungen zur Eröffnung, ein sehr beliebtes Stilmittel von Frisch bis Johnson gehandhabt: Ich finde den Einstieg echt literarisch. Literarisch, weil der Leser nicht Konsument einer geradlinigen Geschichte ist.

Sehr schöne Passagen, die LichtsÀulen taugen aber ganz gewiss nichts, wie Rainer auch schrieb, es kommt nicht so sehr darauf an, ob etwas logisch richtig ist, sondern ob man beim Leser die richtigen Bilder auslöst. Ehe ich noch Rainers Kommentar las, stockte ich an dieser Stelle und stolperte und brach mir fast das Genick (GenicksÀule).

An anderer Stelle, Kapitel vier oder fĂŒnf, probierst du es noch einmal mit dem Bild. Diesmal Zerschneiden die Lichter den Asphalt, was einleuchtender ist.

Begeistert bin ich von der Szene des Eintritts in dieses Tanzlokal (Szene 4 oder 5), das von der Protagonistin wie ein Aquarium empfunden wird. Schöne Satzrhythmen.
Ich habe noch nicht alles gelesen, aber was ich las, war ein Gewinn fĂŒr mich.

Die Geschichte atmet. Noch mehr auf Bilder vertrauen!

Herzlich

Monfou


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Nina Trebesi
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Oct 2003

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Vielen Dank, Monfou!
Schade, dass ihr alle die SĂ€ulen nicht seht! Ich sehe sie nĂ€mlich, aber wenn ich sie nicht fĂŒr andere sichtbar machen kann, dann muss ich mir natĂŒrlich irgendwas einfallen lassen... Mal sehen... vielleicht werden sie gleich zu Beginn den Asphalt zerschneiden... Mal schauen. Jedenfalls toll, von Euch auf hinkende Stellen hingewiesen zu werden!!!
Bis bald!
Nina
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Nina Trebesi

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