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Leselupe.de > Erz├Ąhlungen
Schattengarten
Eingestellt am 20. 11. 2007 18:23


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Balu
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"Gelungene Party. Hat sich echt reingeh├Ąngt, unser Charly. Sind sie ein Gesch├Ąftsfreund von ihm?"

Sie stand neben ihm, w├Ąhrend ein Zauberk├╝nstler nebst sp├Ąrlich bekleider Assistentin seine Tricks vorf├╝hrte. Die Schw├╝le des Sommertages lag noch immer auf dem Garten. Auf seinem Garten.

Er sp├╝rte ihre N├Ąhe, sog ihr leichtes Parf├╝m auf und seine Augen wanderten zu den Spitzen ihrer Br├╝ste, die sich unter der d├╝nnen Bluse abzeichneten. W├Ąhrend sie sich ihm zuwandte und ihr Glas in seine Richtung hielt, nahm er die feste Rundung ihres Bauches und die W├Âlbung ihrer Scham wahr, die sich unter den Jeans abzeichneten. Er nahm die Weinflasche vom Boden und schenkte ihr nach. Wie lange hatte einen Frauenk├Ârper nicht mehr so angeschaut?

"Nein, ich bin ein Bruder von Charly."

"Dann sind sie der„,"

"Nein", unterbrach er sie "der ber├╝hmte Bruder steht dort dr├╝ben, neben Charly."

"Ich wusste garnicht, dass Charly noch einen Bruder hat."
Der Zauberk├╝nstler hatte ausgezaubert und im Gedr├Ąnge war sie so dicht an ihn herangeschben worden, dass ihre Schulter seinen Brustkorb ber├╝hrte. Er roch ihr Haar, f├╝hlte wie sich sein K├Ârper spannte und der Schmerz der Erinnerung durchfuhr ihn wie eine kalte, st├Ąhlerne Klinge.

"Ich bin selten hier in Deutschland", log er "wir sehen uns nur ab und an."

"Sind sie auch in der Baubranche?" Das Gedr├Ąnge hatte sich gelegt, aber sie hatte sich nicht von ihm gel├Âst. Langsam drehte sie sich , und lehnte sich mit dem R├╝cken an seine Brust. Keiner registrierte sie Beide, jeder war mit sich, mit seiner Wirkung auf die Anderen und mit dem Wunsch nach Leben und Erleben besch├Ąftigt.

"Nur entfernt", log er erneut "ich hab eine Zeit als Planer gewirkt."

"Und jetzt?" Er h├Ârte die Verlegenheit aus ihrer Stimme, f├╝hlte, dass sie das Gespr├Ąch erhalten wollte, um das Andere zu unterk├╝hlen.

"Jetzt versuche ich ein Buch zu schreiben." Seine H├Ąnde schoben sich auf ihren Bauch und dr├╝ckten
ihren K├Ârper fester an sich. Er sp├╝rte seine Erregung, als sie seinen Druck mit ihren Hinterbacken erwiderte.

"├ťber was?" fragte sie mit heiserer Stimme.

"├ťber das Leben." fl├╝sterte er und ber├╝hrte mit den Lippen ihren Hals, w├Ąhrend seine Fingerspitzen auf ihrem Bauch kreisten.

"Komm", fl├╝sterte Sie, nahm seine Hand und zog ihn zum Gartenrand, wo es keine Gartenbeleuchtung gab.

Als ihre M├╝nder sich erstmals trafen zu einem langen Kuss voller Leidenschaft und Verlangen nach mehr, st├Âhnte sie voller Lust unter seiner fordernden Umarmung.
Seine Lippen wanderten ihren Hals hinab suchten den Weg zu ihren Br├╝sten. Zitternd ├Âffnete sie die Kn├Âpfe ihrer Bluse w├Ąhrend sie ihren K├Ârper lustvoll zur├╝ckbog und ihre Scham an ihn presste.

"Ich brauche dich jetzt" st├Âhnte sie heiser.

Ich brauche dich jetzt, hatte Leonie gefl├╝stert, als er das letzte mal in ihrer T├╝r stand.

"Bitte verzeih", sagte er mit fast tonloser Stimme und half ihr ungeschickt die Bluse zu schlie├čen.

"Wem wolltest du gerade nicht weh tun?" fragte sie leise.

"Dir und mir", fl├╝sterte er und k├╝sste sie auf die Stirn.
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Sie hatten einen freien Stehtisch gefunden. Er hatte eine neue Flasche Wei├čwein und Gl├Ąser besorgt, w├Ąhrend sie am Bufett zwei Teller mit Gegrilltem und Salat beladen hatte.

Sie l├Ąchelte, als er die Gl├Ąser f├╝llte und dabei verlegen ihrem Blick auswich.
"Wie f├╝hlst du dich gerade, oder m├Âchtest du, dass wir das Sie zur├╝ckholen?" Er sp├╝rte eine Sanftheit in ihrer Stimme, wie er sie seit vielen Jahren nicht mehr bewusst bei einem Menschen wahrgenommen hatte.
"Nein, es ist in Ordnung so, ich f├╝hle mich gut."

Er f├╝hlte sich nicht gut.

Seit er ihren Bick am Vormittag beim offiziellen Teil im Rathaus aufgefangen hatte, waren sie sich immer wieder nahe gekommen. Zufall? Er glaubte nicht an Zuf├Ąlle, auch dieses mal nicht.
Er hatte ihre N├Ąhe gesucht, hatte sie dankbar in sich aufgenommen. Er hatte sich dieses Gef├╝hl erlaubt. Und dabei Leonie`s Bild zugelassen in seinem Kopf.

Charly kam auf ihren Tisch zu, immer wieder aufgehalten von Gratulanten und Menschen, die ihm zutranken, die sich seiner Wohlgesonnenheit versicherten.

"Bruderherz, du bist ja noch da ! Ich dachte, du bist schon wieder abgereist."

"Nein Charly, ich wollte deinen guten Wein geniessen und auf deinen Erfolg trinken.
Ehrenb├╝rger der Stadt wirst du bestimmt nur einmal."

Alles Lebendige, was sich in diesem Moment zwischen ihnen bewegt h├Ątte, es w├Ąre zu klirrendem Eis erstarrt." Charly wirkte v├Âllig locker, aber seine Augen wurden f├╝r Sekunden zu schmalen Schlitzen.

"Paula !!" Erst jetzte hatte Charly entdeckt, wer da noch am Tisch stand. "Lass dich umarmen, du siehst hinreissend aus! Wie lange haben wir uns nicht gesehen? Komm, lass uns tanzen, das bist du dem alten Charly schuldig."
Er hatte sie am Ellenbogen gepackt und zog sie bereits in Richtung Musik.

`Ja Carly`, dachte er `wer von den Menschen hier mag wohl nicht in deiner Schuld stehen ?`

Auf sie warten? Wozu ? Sie w├╝rde in dieser Nacht nicht mehr an den Tisch zur├╝ckkommen
Er f├╝llte sein Glas, leerte es in einem Zug.

Er verlie├č den Garten durch eine kleine T├╝r, die er selbst einmal eingebaut hatte.
Von hier waren es nur wenige Minuten bis zur H├╝tte der Waldarbeiter.
Der Schl├╝ssel hing noch am selben Platz, wie damals. Im Mondlicht erkannte er, dass
sich nichts in der H├╝tte ge├Ąndert hatte. Er versuchte sich daran zu erinnern, welches Parf├╝m Leonie
benutzt hatte.



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Wieder hatte Charly Karola beauftragt, einen Termin mit beiden Br├╝dern zu vereinbaren. Es war eine seiner subtilen Gesten, mit denen er die Machtverh├Ąltnisse immer neu definieren wollte.
Karola war dieser Anruf unangenehm. Sie arbeitete schon seit Bestehen der Firma Ruland f├╝r die Br├╝der und hatte das Drama Szene f├╝r Szene miterlebt. Innerlich hatte sie schon tausendmal gek├╝ndigt, a├╝├čerlich hatte ihr das Wissen um die Hintergr├╝nde ein Jahresgehalt eingetragen, um welches sie mancher Gesch├Ąftsf├╝hrer der Branche beneidet h├Ątte. Sie bot im Gegenzug absolute Loyalit├Ąt, und war wohl der einzige Mensch bei Ruland, vor dem Charly Respekt hatte.

"Bitte Gregor, ich wei├č wie sie es ablehnen, so zu einer Besprechung aufgefordert zu werden, und ich wei├č auch wie sehr sie mich verachten, weil ich immer noch f├╝r Charly arbeite. Bitte sagen sie zu, lassen sie uns das Spiel mit der pers├Ânlichen Aufforderung dieses mal nicht spielen."

"Sie lieben ihn noch immer, Karola. Das macht sie menschlich und deswegen - in Ordnung, Donnerstag morgen. Ist Bertram fit, oder muss er nur mit dem Kopf nicken?"

"Ihr Bruder wird bei der Besprechung dabei sein." Karola vermied es, auf seine sarkastische Bemerkung einzugehen. Er wusste, dass auch sie es als widerw├Ąrtig emfand, wie Charly seinen Bruder Bertram als Marionette benutzte.

Seit dem Gartenfest hatte er nicht mehr an den Abend zur├╝ckgedacht. Auch die Begegnung mit ihr hatte er aus seinen Gedanken verdr├Ąngt. Paula hatte Charly sie genannt. Jetzt hatte er ihr Bild wieder vor Augen, erinnerte sich, wie ihre Blicke sich scheu im Rathaus begegnet waren, wie bei Teenagern fast.
Er dachte an die Umarmung und f├╝hlte Sehnsucht nach ihrem festen, reifen K├Ârper. F├╝r einen wohligen Moment breitete sich W├Ąrme in ihm aus. Charly wollte er nicht fragen, wer diese Paula ist. Aber vielleicht w├╝rde Karola ihm weiterhelfen k├Ânnen.

Hatte er diese Paula auch unter Kontrolle, der Baul├Âwe Karl Ruland? Unter Kontrolle hie├č f├╝r Charly, dass es ihm gelungen war, genug Informationen zu sammeln, um ein Puzzle komplett zu haben. Keiner, nicht einmal seine Br├╝der Bertram und Gregor wussten genau, wie er die Puzzleteile sammelte. Eins jedoch wussten sie mit beklemmender Gewissheit. Jedes fertige Puzzle war ein Abh├Ąngiger mehr in Charlys Heer, mit dem er die gesamte Baubranche beherrschte. Behinderungen hatte er weder auf Amtsseite noch bei den Konkurrenten zu f├╝rchten.
"Erpressung? Ich brauche nicht erpressen, die Angst davor macht sie alle weich." Mit dieser simplen Formel erreichte Charly nahezu jedes Ziel.

Selbst die Kontrolle ├╝ber die Br├╝der hatte er damit erreicht.

Gregor Ruland sp├╝rte ├ťbelkeit in sich aufsteigen, bei dem Gedanken, dass Paula von seinem Bruder abh├Ąngig sein k├Ânnte.

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Er hatte beschlossen, ein Taxi in die Firma zu nehmen. Dadurch konnte er mit dem Hinweis auf den Flugplan die Dauer der Besprechung verk├╝rzen und jeder Art von Abendeinladung entgehen.
Er liebte es, im Hotel zu ├╝bernachten. Er hatte keine N├Ąhe zu f├╝rchten, brauchte nur das N├Âtigste zu sprechen und konnte die Einsamkeit geniessen, ohne die sein Leben f├╝r ihn undenkbar geworden war.

Mit Grauen erinnerte er sich an die Letzte Zusammenkunft mit den Br├╝dern. Er hatte sich ├╝berreden lassen, bei Bertram zu ├╝bernachten. Dort musste er zusehen, wie sein Bruder in weniger als einer Stunde eine Flasche Whisky leerte und danach v├Âllig hilflos vom Hausmeister und dessen Frau
ausgezogen und ins Bett gebracht wurde. Diese Szene mit dem nackten Bruder, dessen aufgeschwemmter K├Ârper von fremden Menschen gewaschen und versorgt wurde, hatte ihn n├Ąchtelang verfolgt und auch die letzte Bindung an Bertram verk├╝mmern lassen.

Auch dieses mal hatten Charly und Leonie ihm angeboten, in der Burgstrasse zu ├╝bernachten.
Er hatte wie immer abgelehnt. Nicht wegen Leonie. Sie trug f├╝r ihn nur noch den gleichen Namen wie damals. Wenn sie sich sahen und miteinander sprachen, dann mit einer Achtung und H├Âflichkeit, die ahnen lie├č, wie tief Beide ihre Liebe und die leidenschaftlichen Stunden in sich begraben hatten. Einmal war sie ihm nackt am Pool begegnet, weil er nach Charly suchte. Er nahm ihre runden Br├╝ste und das rotbraune Haar auf ihrer Scham wahr, das ihn einst in wundervolle Wahnsinnsmomente getrieben hatte, wenn es nach ihrer Erregung duftete, aber es war ihm, wie die Erinnerung an ein Kindheitserlebnis. Zart, schemenhaft und mit der Sicherheit des Unwiederholbaren, wie man sich eben nur an Kindheitserlebnisse erinnert.
Nachdem Charly ihm das Haus abgekauft hatte, war es ein grauenvoller Akt des Loslassens f├╝r Gregor Ruland gewesen. In jener Zeit hatte er begonnen, die Mauern in sich aufzut├╝rmen.

Das Hotelfr├╝hst├╝ck war ├╝ppig gewesen und er f├╝hlte sich stark genug, den Dingen ins Auge zu sehen. Was hatte Charly angekurbelt, dass er ihn pers├Ânlich sehen wollte?

"Guten Morgen Karola, sie sind sch├Ân, wie eh und je. Wie gut es doch sein muss, im Hause Ruland zu arbeiten."
"Ach Gregor", Karola sah ihn ernst an "Lassen Sie es bei einem Guten Morgen. Da wenigstens, k├Ânnen sie nichts zwischen den Zeilen verstecken. Kaffee, oder Grauburgunder?" Jetzt waren ihre ernsten Z├╝ge einem sp├Âttischen L├Ącheln gewichen.
Er kniff ein Auge zusammen. "Grauburgunder, Karola." Er genoss diesen kurzen Schlagabtausch mit Charlys Sekret├Ąrin immer wieder. Er begegnete ihr mit gro├čem Respekt, weil sie in all den Jahren stets sich und ihrem Wesen treu geblieben war, und Charly war sie auch treu geblieben.
Manchmal glaubte Gregor Ruland, dass sie ein Mensch war, der wirklich liebte, ohne Anspruch und bedingungslos.

Charly begr├╝├čte ihn weder k├╝hl, noch ├╝berschwenglich, und Gregor stellte einmal mehr fest, dass sein Bruder nicht der sein konnte, f├╝r den alle ihn hielten. Wenngleich Charly sich in der Rolle des eisgek├╝hlten Managers zu gefallen schien, seine Beweggr├╝nde f├╝r die unz├Ąhligen Schachz├╝ge, welche viele Menschen um ihre Nachtruhe brachten, entstammten nicht der Habgier. Charly brauchte einfach immer aufs Neue das Erlebnis, etwas zu bewegen und dabei die F├Ąden beliebig ziehen zu k├Ânnen.

"Wir k├Ânnen gleich anfangen. ich erwarte noch eine Subunternehmerin, die von Anfang an mit eingebunden sein muss, sonst geht mein Plan nicht auf." Das L├Ącheln auf Charlys Mund wusste Gregor absolut nicht zu deuten. Wenn es ums Gesch├Ąft ging, war Karl Ruland Konzentration und Ernst in der wohl reinsten Ausdrucksform, die er je erlebt hatte.
"Frau Kern ist da", Karola hatte nicht angeklopft, brauchte es mit Sicherheit auch nach all den Jahren nicht mehr.

Gregor Ruland drehte sich zur T├╝r und stand Paula gegen├╝ber.
F├╝r einen Moment sp├╝rte er einen unb├Ąndigen Zorn in sich aufsteigen, weil er sofort einen von Charlys taktischen Z├╝gen vermutete.
Auch Paula schien ihn hier nicht erwartet zu haben. Sie schaute ihn sekundenlang entgeistert an, aber das Wiedersehen schien ihr nicht unangenehm zu sein, denn ihre Z├╝ge wurden sanft, als sie ihm die Hand reichte. Verwirrt und zugleich freudig erregt erwiderte er ihren festen H├Ąndedruck.

"Ich denke, die Herrschaften sind sich bereits bekannt. Gregor, Paula Kern arbeitet seit einiger Zeit als Subunternehmerin f├╝r uns. Sie hat ein Ingenieurb├╝ro und macht f├╝r uns Aufma├če und statische Berechnungen.

Sie setzten sich an das Kopfende eines n├╝chternen Besprechungstisches und w├Ąhrend Charly die ersten Bilder auf einer Pr├Ąsentationswand projezierte glitt Gregors Blickzu Paula, die gespannt auf Charly h├Ârte. Ihr grauer Blazer und das schlichte T-shirt darunter betonten ihr ernstes Gesicht.
Die sportliche Frisur gab ihren Hals frei. Er dachte an den Moment, als er den Hals in Charlys Garten ber├╝hrt hatte und sp├╝rte pulsierend die beginnende Erregung.

Charly hatte seinen Blick sofort bemerkt. Sonst reagierte er ├Ąrgerlich bis aufbrausend, wenn jemand
ihm nicht mit der gleichen Konzentration folgte, wie Charly sie von sich kannte.
Gregor war erstaunt, als er seine Ausf├╝hrungen unterbrach und l├Ąchelte.
"Ich glaube, Karola l├Ąsst nach, wir haben noch keine Getr├Ąnke."

Als sie versorgt waren, begann er erneut, und jetzt folgten sie ihm gebannt.
"Es geht um etwa vier Millionen Euro", begann Charly ernst.


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Vier Millionen Euro.
Charly`s Worte lagen schwer im Raum.

"Wir werden das neue Schulzentrum S├╝d bauen", verk├╝ndete er schlei├člich mit einem fast feierlichen Ton in der Stimme. "Wir werden f├╝r Unsere und f├╝r die Arbeitskr├Ąfte der Zulieferer f├╝r lange Zeit gesicherte Arbeitspl├Ątze bieten und wir werden einmal mehr beweisen, dass Ruland immer noch das Beste baut." Charly lie├č auf der Leinwand Modellbilder wechseln, die ahnen lie├čen, um was f├╝r eine Dimension es sich bei dem Bauvorhaben drehte. An der ├ästhetik der Geb├Ąude erkannte Gregor sofort, dass sie aus Bertrams Feder stammen mussten. Ruland war also seit der ersten Stunde an dem Projekt beteiligt.

"Wo genau?" Gregor wusste, dass es irgendwo ein Problem geben musste, sonst h├Ątte Charly ihn nicht aus der Schweiz herkommen lassen.
"Auf dem Kasernengel├Ąnde."
"Da, wo die Amis bis letztes Jahr noch ihre Panzer stehen hatten?" Auch Paula Kern schien das Gel├Ąnde zu kennen und Gregor bemerkte den Eifer, mit dem sie Charlys Worten und Beschreibungen gefolgt war. Ihr Gesicht hatte in den letzten f├╝nfzehn Minuten an Farbe gewonnen. Sie war nicht zuf├Ąllig hier, der Auftrag war f├╝r sie wichtig, das sp├╝rte er instinktiv. Und er war sicher, dass Charly es auch wusste, und zwar viel genauer als er.

"Altlasten?" Gregor begann zu ahnen, wie das Gespr├Ąch sich entwickeln w├╝rde. Nur Paula`s Rolle konnte er sich noch nicht vorstellen.

"Dein Scharfsinn hat sich nicht ge├Ąndert." Charly schaute anerkennend zu ihm. "Ich hatte schon bef├╝rchtet, dass du deinem romantischen Schriftstellerdasein erlegen bist." Gregor ├╝berging seine Bemerkung und ging statt dessen zum Angriff ├╝ber.

"Komm, Karl! Spann uns nicht unn├Âtig auf die Folter! Was wei├čt du mal wieder, was ein ganzes Heer von Planern und Gutachtern nicht wei├č. Wo sind die Millionen versteckt? Welche kleine Sauerei hast du dir wieder ausgedacht?"

Charly schaute zu Paula und l├Ąchelte beruhigend.
"Und deine Umgangsmethoden haben sich auch nicht ge├Ąndert!" Er warf seinem Bruder einen grimmigen Blick zu.
"Gut, dann eben wie gehabt," fuhr er mit vollkommen teinahmslosem Gesicht fort " es geht um die Erdmassen, die abgefahren und auf Spezialdeponien gelagert werden m├╝ssen. Die Ausschreibungen weisen ├╝ber hunderttausend Tonnen kontaminierte Erdmengen aus. S├Ąmtliche Bodenproben waren positiv bis teilweise zwei Meter Tiefe."

"Mit denen du absolut nichts zu tun hast!"

"Absolut unbeteiligt, Gregor. Die haben sich selbst ein Riesenei ins Nest gelegt mit ihrer ├╝bertriebenen Vorsicht und der Angst vor dem politischen Gegner. Wir werden drei├čigtausend Tonnen Erde abtragen und deponieren, und ein lastenfreies Gel├Ąnde haben."

"Und hunderttausend abrechnen", meinte Gregor emotionslos "Staatss├Ąckel sch├╝ttel dich, Ruland hat Hunger " f├╝gte er leise hinzu.

"Es ist ein Konversionsprojekt, Gregor. Die Gelder sind bewilligt und warten darauf, in die Wirtschaft zu flie├čen. Stell dir vor, wie sehr die Verantwortlichen leiden m├╝ssten, wie sie gar um ihre Existenz f├╝rchteten, wenn ihnen jetzt jemand Fehler nachweisen w├╝rde." Charlys Stimme klang ruhig und fast emotionslos, aber in seinen Augen spiegelte sich grenzenlose Verachtung.
Gregor wusste, dass diese Verachtung nicht ihm galt. Charly verachtete alle Menschen, denen Mittelm├Ą├čigkeit genug war. F├╝r Ihn war es undenkbar, nicht das Geniale das ├ťberdurchschnittliche anzustreben. Und er f├╝hlte sich dazu berufen, die Unzul├Ąnglichkeit und den Mangel an Selbstdisziplin der Menschheit mit seinen Mitteln zu bestrafen.

"Und warum sitze ich hier?" Paula Kern war ihnen aufmerksam gefolgt, aber sie konnte nicht nachvollziehen, warum Charly sie in derart brisante Geheimnisse einweihte.

"Siebzigtausend Tonnen kontaminiertes Erdreich m├╝ssen fiktiv bewegt werden. Sie m├╝ssen f├╝r die
Nachwelt nachvollziehbar abgefahren, eingelagert und teilweise durch lastenfreies Material ersetzt werden. Das muss durch Aufma├če belegt werden, Paula." W├Ąhrend er sprach war ihr Gesicht zu einer Maske erstarrt.

"Betrug, Karl? In der Dimension? Wenn das schief geht, kann ich mich aufh├Ąngen. Du weisst, dass ich von ├Âffentlichen Auftr├Ągen lebe."

"Deswegen Paula, will ich dich im Boot haben. Du genie├čt Vertrauen an den richtigen Stellen. Niemand wird die Aufma├če anzweifeln, das musst du jetzt ungepr├╝ft glauben. Aber es m├╝ssen Aufma├če da sein, und zwar solch perfekte, dass jeder Zweifel im Keim erstickt wird.
Ich will dir helfen und dir weitere Besuche bei diesen Juniorg├Âttern hinter Bankschreibtischen
ersparen." Charly schaute sie l├Ąchelnd an.

Gregor sah, wie Paula verlegen zur Seite schaute. Sie tat ihm leid. Charly┬┤s Worte mussten wie eine
Erpressung bei ihr ankommen. Aber Charly erpresste niemand. Jeder stellte sich freiwillig auf sein Spielfeld, wenn er seine Spielz├╝ge ausf├╝hrte. Nur Charly`s Wissen um die Schatten und Sorgen seiner Mitmenschen reichte aus, um diese zu beherrschen. Sie f├╝rchteten genau das, was sie an Charly`s Stelle getan h├Ątten. Sie hatten Angst vor ihren eigenen Abgr├╝nden.

"Und mein Part?" fragte Gregor, um ihr Raum zu verschaffen. "Du h├Ąttest mich nicht nach Deutschland geholt, wenn du nicht etwas Spezielles f├╝r mich ausgedacht h├Ąttest."

Charly lachte leise. "Bertram hat es geplant, seine Visionen sehen wieder tarumhaft aus. Alle Welt hat ihm, wie immer, aus der Hand gefressen. Aber..."

"Aber kein Schwein ist in der Lage, aus seinen Visionen funktionierende Bauwerke zu konstruieren," unterbrach Gregor ihn "ich soll also wieder mal realisieren, was mein Bruder im Suff
versaut hat!"

"Du sollst daf├╝r sorgen, dass es ein Perfektes Bauwerk wird. Wenn wir die vier Millionen in ganz trockenen T├╝chern wissen wollen, darf auf dieser Baustelle nichts dem Zufall ├╝berlassen werden.
Gregor, du bist der Beste! Und verdammt nochmal, du wirst es wieder beweisen, dass Perfektion am Bau realisierbar ist. Wieder werden dir alle zu F├╝├čen liegen, die Handwerker, die Beh├Ârden und die Presse."

Paula hatte gebannt verfolgt, wie Charly aufgesprungen war und mit welcher ehrlichen Begeisterung er auf den Bruder einredete.

"Vergiss es," antwortete Gregor missmutig " ich habe keine Lust und andere Pl├Ąne."


"Drei Jahre, Gregor!" Charly klang beschw├Ârend. "Danach kannst du schreiben. Eine Million plus dein Gehalt als Ingenieur, plus alle Auslagen f├╝r Wohnung und Reisekosten. Du hast ausgesorgt nach diesem Projekt!"

"Angenommen, ich lasse mich ├╝berreden, das hier mitzumachen," meldete Paula sich "was kommt dabei f├╝r mich raus?" Ihre Stimme war jetzt die einer kalkulierenden Gesch├Ąftsfrau.

"Das Gleiche, was Gregor bekommt, eine Million plus Spesen."

Paula schaute ihn entgeistert an.

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