Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, mĂŒssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5284
Themen:   87727
Momentan online:
547 Gäste und 15 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > ErzÀhlungen
Schneeatem und Sonnenwende
Eingestellt am 09. 06. 2003 18:28


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
para_dalis
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jul 2002

Werke: 14
Kommentare: 23
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um para_dalis eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Schneeatem und Sonnenwende

Die Straße ist ebenso holprig wie damals.
Keinen Abend kam sie mit heilen Knien nach Hause. Schuld waren die Schlaglöcher und das alte Rad des Bruders. Das ist nun schon Jahrzehnte her und Esther kann nicht einmal genau sagen, was der eigentliche Grund fĂŒr den Besuch ihres alten Heimatdorfes ist. Vor mehr als dreißig Jahren war sie glĂŒcklich, dass sie dem Dorf und den Bewohnern den RĂŒcken kehren konnte.
Die Bewohner des Dorfes waren ihr immer ein wenig unheimlich, als MĂ€dchen schon, und selbst jetzt, als erwachsene Frau beschleicht sie ein ungutes GefĂŒhl, als sie die noch immer von den inzwischen alt gewordenen Menschen bewohnten HĂ€user erblickt. Sie fĂ€hrt die Straße entlang und von beiden Seiten strecken sich ihr zartgliedrige, weiße Finger entgegen.
Es liegt Reif. Der Winter hĂ€lt auch in dem kleinen Dörfchen Einzug. Esther fĂ€hrt nur Schritttempo, ĂŒberlegt, ob sie zu Fuß weiter geht. Sie stellt ihren Wagen am ehemaligen Dorfkonsum ab. Das Haus verfĂ€llt. Es war nicht immer ein Dorfkonsum. Esther lernte erste Buchstaben, erste Worte, als das Haus weniger dem Erwerb von Lebensmittel diente, sondern den Wissensdurst neugieriger ErstklĂ€ssler stillte. Zur Toilette musste man ĂŒber den Hof. Im Winter rannte man vor KĂ€lte und im Sommer, um dort schnell wieder weg zu kommen. Das Örtchen war ein Versammlungsort von Ungeziefer und man hielt es vor Gestank kaum aus.
Es war einfach nur widerlich, den Abort zu benutzen und man rannte eben, weil der Drang nach Erleichterung unertrÀglich wurde und man rennen musste.
Eine Frau im dicken Pelz und leicht schwankendem Gang nÀhert sich ihr. Sie sieht aus wie ein dicker BraunbÀr, schmunzelt Esther. Wie ein BÀr, dem der eigene Pelz zu schwer ist. Und ein wenig wie ein Seemann, mit ihrem wiegenden Gang.
Esther kennt die Frau nicht. Es muss eine Zugezogene sein. SorgfĂ€ltig streift sich Esther wollene Handschuhe ĂŒber ihre kalten Finger, zieht sich die MĂŒtze tiefer ins Gesicht und schlingt um ihren Hals einen warmen Schal. Sie streift die Pumps von den FĂŒĂŸen und bindet ihre derben Schuhe. Gut, dass ich daran gedacht habe, denkt sie. Die Wege jenseits der Straße werden nicht besser geworden sein mit den Jahren. Mit einem merkwĂŒrdigen GefĂŒhl zwischen Freude und Angst schließt sie ihren Wagen, nimmt ihre Tasche, wirft sie ĂŒber die Schulter und macht sich auf den Weg. Alte Pfade will sie gehen. Alte Erinnerungen herauf beschwören? Ungute Erinnerungen ablegen?
Die Frau im dicken Pelz ist im Nebel verschwunden, der sich plötzlich wie eine Vorahnung ĂŒber das Dorf legt. Es ist heller Tag und dennoch scheint es, als ob die Nacht erste Zeichen schickt. Esthers Schritt verlangsamt sich, als sie sich dem Haus des Eigenbrötlers nĂ€hert. "Hansi, Hansi!" hört sie die Kinderschreie im Ohr. "Hansi hat den Arm verloren, Hansi hat den Arm verloren!" summt es in ihrem Kopf.
Hansi, Esther kennt bis heute nicht seinen genauen Namen, Àngstigte nicht nur die Kinder im Dorf. Hansi spinnt, sagten die Erwachsenen, wenn sie im Dorfkrug ihr Bierchen tranken. Vor Hansi muss man sich in Acht nehmen. Hansi hÀtte einmal zu tief ins Glas geschaut, erzÀhlten sich die Leute hinter vorgehaltener Hand. Ein HÀcksler trennte ihm den Arm vom Leib.
Schaute er der Dorfschönen nach, als sein Arm in den HÀcksler geriet? Das ist nicht geklÀrt, es ist so vieles nicht geklÀrt. Wenn sie Hansi hÀnselten, wedelte er mit seinem Stumpf. Glatt war der Stumpf und vorn zugenÀht, nein, er wirkte eher wie mit nachlÀssigen Stichen zugezogen. Und Hansi bekam diesen traurigen Blick aus seinen schwarzen Augen. Die Brauen zogen sich zusammen und sein Mund wurde schmal. Die Augen blickten traurig und der Stumpf hing an seiner rechten KörperhÀlfte.
Einmal lugten sie und ihre Freunde neugierig durch ein Fenster von Hansis Behausung. Hansi stand vor einem großen, mannshohen Spiegel und bemĂŒhte sich mit der linken Hand, der einen, die ihm geblieben war, die Knöpfe seiner lĂ€ngst verschlissenen und zu klein gewordenen Uniform zu schließen. Hansi war damals, noch zweiarmig, Zugbegleiter und in unserer Fantasie verlor er so manches Mal seinen Arm auf den Schienen. Er war nicht einfach in den HĂ€cksler gekommen.
Vielleicht hatte er ja ebenso wie wir Pfennige auf die Schienen gelegt, um sie von den darĂŒber hinweg brausenden ZĂŒgen platt zu drĂŒcken. Vielleicht hatte er den herannahenden Zug nicht gehört und dieser fuhr ihm dann den Arm ab. Und Hansi schleppte sich blutend zum nĂ€chsten Gehöft. In unserer Fantasie war alles möglich. Oder Hansi rettete einem kleinen HĂŒndchen das Leben, das sich zwischen den Schwellen verklemmte und bekam dabei seinen Arm nicht frei, als der Zug nahte. Vielleicht wollte Hansi auch der Dorfschönen einen in voller BlĂŒte stehenden Kirschzweig brechen und ĂŒbersah bei seiner Mutprobe den Baum, welcher ihm den Arm abriss, als er sich aus dem Zugfenster lehnte. Wer weiß das schon. Ich werde Hansi danach fragen, denkt Esther. Er wird mir nichts tun, ich bin kein Kind mehr. Und sicher erkennt er mich nicht, es sind mehr als dreißig Jahre ins Land gezogen. Er wird nicht mehr wissen, dass ich mit am lautesten schrie. Damals war ich klein und rundlich, mit kurzgeschorenem Haar und Schorf an den Beinen. Ich wirkte immer wie ein Bengel. Ich werde ihn einfach fragen. Ich werde ihn fragen, wie er seinen Arm verlor.
Und Esther lĂ€utet an Hansis TĂŒr.
Hans-Georg MĂŒnsterfeldt liest sie.
Seit wann hat er ein Schild an der TĂŒr? Und Hans-Georg heißt er also.
Esther schellt erneut.
"Moment, Moment" tönt eine brummige Stimme.
"Ich komm ja schon, ich komm ja schon."
Schlurfende Schritte nÀhern sich.
Hansi muss inzwischen weit ĂŒber siebzig sein, denkt Esther. Wir waren zu dieser Zeit sechs oder sieben, Hansi wohl an die vierzig. Die TĂŒr öffnet sich einen Spalt. Ein grauer Kopf mit buschigen Augenbrauen, die Haut faltig und voller Altersflecken, erscheint im TĂŒrrahmen. Ein kleiner, krumm gewordener alter Mann sieht Esther an. Er muss geschrumpft sein, denkt sie, er war ein HĂŒne, damals...
"Gut, dass du kommst, Esther," sagt Hans-Georg MĂŒnsterfeldt. "Ich habe schon auf dich gewartet."
Hansi öffnet einladend die TĂŒr. "Ich gieße uns einen Tee auf, vielleicht magst du dich inzwischen setzen?"
"Woher wussten Sie, dass ich den Weg zu Ihnen finde?" entgegnet Esther.
"Mein Kind, manche Dinge weiß man einfach."
Und Hans-Georg schlurft mĂŒden Schrittes in eine Richtung, in der Esther die KĂŒche vermutet. Das Pfeifen des Teekessels reißt sie aus ihren Gedanken. Dampfend und wohlriechend steht der Tee auf dem kleinen Tisch neben dem Spiegel, indem sie damals Hansi beobachteten.
"Ja, Esther. Ich bemerkte wohl, dass ihr mir zugeschaut habt, als ich mĂŒhsam meine Uniform schloss." Hört sie die Stimme Hans-Georgs.
"Und ich spĂŒrte auch, selbst durch die Scheibe meines Fensters, dass du mir gern behilflich gewesen wĂ€rst. Als einzige dieser schreienden, plĂ€rrenden QuĂ€lgeister."
Esther schaut beschÀmt zu Boden. Sie hatte den Mut nicht und schrie im Chor mit den anderen Kindern.
"Glaube nicht, mir sei entgangen, was ĂŒber mich gesprochen wurde. Die GerĂŒchte drangen auch zu mir." Leise wiegt Hansi seinen Kopf von rechts nach links und links nach rechts. Tick Tack, Tick Tack, wie ein Uhrpendel, denkt Esther.
"Hin und Her Hin und Her, Hansis Arm ist nicht mehr schwer!" Noch so ein Singsang, der sich plötzlich als Erinnerung in Esthers Kopf festsetzt. Was waren wir grausam.
"Esther, Esther, ihr seid sehr grausam zu mir gewesen." Hans-Georg MĂŒnsterfeldt blickt Esther gerade in die Augen. Schwarze, leicht trĂŒbe, alte MĂ€nneraugen treffen auf strahlendes Blau. Ein Blau, indem sich TrĂ€nen des Bedauerns sammeln. "Du musst jetzt nicht weinen, Esther, ihr wusstet es nicht besser. Und - ich werde dir nun die Wahrheit erzĂ€hlen. Die Wahrheit meines verlorenen Arms. Trink einen Schluck Tee, mein Kind. Er wird dich wĂ€rmen."
"Es war kurz nach meinem fĂŒnfunddreißigsten Geburtstag." Hans-Georg rĂ€uspert sich. "Verliebt war ich damals, in eine wunderschöne Frau. Lana hieß sie und sie war eine Aussiedlerin. Sie arbeitete hier in einer unserer Textilfabriken. Morgens stieg sie in den 5.32 Uhr Zug um auf Arbeit zu gelangen. Der 15.45 Uhr Zug brachte sie wieder in ihre Unterkunft. TĂ€glich sah ich Lana und sie sah mich, doch mehr als ein verstohlenes LĂ€cheln konnte ich ihr nie entlocken. Eines morgens hielt ich vergebens nach ihr Ausschau. Auch an den folgenden Tagen fuhr Lana nicht mit dem FrĂŒhzug und auch nicht einen Zug spĂ€ter. Sie fuhr bei keinem meiner Kollegen mit, die ich nach Lana fragte. Etwas Schlimmes war geschehen. Es konnte gar nicht anders sein. Ich machte mich also auf die Suche nach meiner einzigen großen Liebe. Ich musste sie finden. Ich lief durch die Straßen der Stadt und glaubte verrĂŒckt zu werden. Ich tauschte meinen Dienst, fuhr tĂ€glich mit einem anderen Zug und quĂ€lte all meine Kollegen mit Fragen. Keiner hatte Lana gesehen. Lana war und blieb verschwunden. Meine Suche begann im FrĂŒhjahr, der Zeit der tauben Nesseln, der GĂ€nseblĂŒmchen im grĂŒnen Gras und der OstermĂ€rsche. Viele Menschen kreuzten meinen Weg. Mit rudernden Armen, ja Esther, damals hatte ich noch zwei von diesen," und Hans-Georg wedelte mit seinem Stumpf vor Esthers Nase, "beschrieb ich Lanas Gestalt und versuchte mit meinen Worten ihre Schönheit sichtbar zu machen."
Esther lauscht gespannt, ihr Tee ist lĂ€ngst kalt, ihre Wangen sind von Rot ĂŒberzogen. Ungeduldig mit den FĂŒĂŸen wippend wartet sie auf die Fortsetzung der Geschichte. "Ich fragte viele Menschen, ich bereiste viele LĂ€nder. Ich machte Bekanntschaft mit LĂŒgnern, Hehlern und BetrĂŒgern. Mit Scharlatanen. Mit ehrlichen Menschen. Und ich lernte einen großen Dichter kennen. Er war Jude aus dem deutschsprachigen Raum RumĂ€niens. Seine Gedichte mag ich heute noch." Hans-Georg kramt in einer Schublade seiner alten Kommode und unter Stöhnen und Ächzen hĂ€lt er Esther schließlich ein kleines BĂ€ndchen hin. "Die Niemandsrose" liest sie. Und den Namen des Dichters. Esther schließt die Augen und all die Familiengeschichten ihrer Großeltern stehen bildhaft vor ihr. Sie sieht die Stiefel in Höhe des Kopfes ihrer Mutter, die damals ein Kind war. Auch Mutter sprach oft davon. SpĂ€ter las las Mutter in einem Gedichtband. Lichtzwang. Auch daran kann sich Esther gut erinnern. "Also auch in Wien und Paris suchten sie nach ihrer Lana?" Beredtes Schweigen ist die Antwort.
"Weißt du, die Begegnung mit ihm, dem Dichter, war eindrucksvoll. Ich, ein einfacher Eisenbahner. Belesen zwar, doch aus einem winzigen Dorf, im GesprĂ€ch mit ihm. Der kurz danach von einer BrĂŒcke sprang. Und ertrank. Traurig. Traurig."
Und Hans-Georgs Kopf bewegt sich wieder im Takt eines imaginÀren Uhrenpendels. "Auf meiner Suche konnte er mir jedoch nicht behilflich sein. Lana fand ich auch nicht in Paris." Schweigen.
Hans-Georg ist in seinen Erinnerungen versunken. "Aber ihr Arm, Herr MĂŒnsterfeldt, wie verloren sie denn nun ihren Arm? Und fanden sie nun Lana?"
Esthers Ungeduld wÀchst. "Mein Arm... ich kann mich nicht erinnern. Eines morgens wachte ich an einem Bahndamm auf und der Arm war fort." Hansi sieht Esther schmunzelnd in die Augen.
"Du glaubst mir nicht. Du möchtest wie all die anderen eine Geschichte hören. Du möchtest die Wahrheit. Warum möchtest du die Wahrheit? Nutze deine Fantasie, mein Kind."
Esther erhebt sich und steht vor dem alten Mann mit dem Stumpf an der rechten Seite seines Körpers. Sie ist nicht schlĂŒssig, ob sie verĂ€rgert oder belustigt sein soll.
"Setz dich, Esther, setz dich. Was hast du erwartet? Ich habe dir viel erzÀhlt in dieser Stunde. Benutze deine Fantasie."
Herr MĂŒnsterfeldt wendet seinen Blick in Richtung KĂŒche und ruft mit sanfter Stimme:
"Können wir bitte noch Tee haben?"
Die TĂŒr öffnet sich. Eine schlanke, weißhaarige Frau bringt ein Tablett.
Herr MĂŒnsterfeldt legt mit einer zĂ€rtlichen Geste seine linke Hand auf die Wange der Frau.
"Danke Lana. Setz dich zu uns..."
(c)hh

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Zefira
???
Registriert: Jan 2001

Werke: 14
Kommentare: 1113
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Zefira eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Halle para_dalis,

danke fĂŒr diese wunderbare Geschichte. Das ist wirklich rund und herrlich erzĂ€hlt, verdient eine Höchstwertung.

Das einzige, was mir nicht so gefĂ€llt, ist der Titel; ich finde ihn ein bißchen zu blumig fĂŒr einen Text, der AbgrĂŒnde öffnet. Ich hĂ€tte etwas Schlichteres gewĂ€hlt wie "Heimkehr" o.Ă€.

Nur so ein Gedanke ...
... ist trotzdem eine phantastische Geschichte.

lG, Zefira
__________________
schmollfisch

Bearbeiten/Löschen    


majissa
Autor mit eigener TV-Show
Registriert: Jan 2002

Werke: 27
Kommentare: 399
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um majissa eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo para_dalis,

ich nutze ja auch meine Phantasie, habe aber bisher keine ErklĂ€rung fĂŒr den Verlust des Armes parat. Es braucht aber auch keine ErklĂ€rung, denn deine Story kommt ohne sie aus. Mit dem ersten Teil, ungefĂ€hr bis zur Frage „Ungute Erinnerungen ablegen?“ wecktest du durch vage Andeutungen und unheimlich anmutende Kindheits-Flashbacks geschickt meine Neugier. Zeitweise dachte ich sogar an ein Kannibalendorf, was einerseits auf ein Zuviel an Phantasie auf Seiten des Lesers, andererseits auf dein erzĂ€hlerisches Talent hindeutet. So hielt sich die Spannung bis zum Schluss und sogar noch darĂŒber hinaus, weil ich immer noch ĂŒber MĂŒnsterfeldts Arm nachdenke. Den Leser soweit zu bringen, dass er sich nach dem Ende noch etliche Gedanken macht, ist eine bemerkenswerte Leistung. Doch nicht nur nach dem Lesen, sondern auch wĂ€hrenddessen, ja, eigentlich durch den ganzen Text hindurch, hatte ich das GefĂŒhl, mich hinter jedem Punkt, nach jedem Komma, auf eine Überraschung gefasst machen zu mĂŒssen. Du lĂ€sst viel Raum fĂŒr Spekulationen und das machte die Geschichte Ă€ußerst lebendig. Der hĂ€ufige Tempuswechsel und zuweilen auftretende Wortwiederholungen taten dem keinen Abbruch. NatĂŒrlich hĂ€tte man die Ă€ußere Form der bewegten Handlung anpassen, sprich, mehr AbsĂ€tze einbauen können, aber das erachte ich hier nicht fĂŒr notwendig, weil man die Szenen (Vergangenheit/Gegenwart) gut auseinanderhalten kann.

Kleinigkeiten:

„...und selbst jetzt, als erwachsene Frau beschleicht sie ein ungutes GefĂŒhl, als sie die noch immer von den inzwischen alt gewordenen Menschen bewohnten HĂ€user erblickt. Sie fĂ€hrt die Straße entlang und von beiden Seiten strecken sich ihr zartgliedrige, weiße Finger entgegen. Es liegt Reif.“

Das klingt, als wĂŒrden sich Esther die Finger alter Menschen entgegenstrecken. Du meinst aber den Reif, oder? Ich frage hier nur dem VerstĂ€ndnis halber und nicht, weil mich eine evtl. Doppeldeutigkeit hier stören wĂŒrde. Im Gegenteil – das ergĂ€be sogar ein starkes Bild.

„SorgfĂ€ltig streift sich Esther wollene Handschuhe ĂŒber ihre kalten Finger, zieht sich die MĂŒtze tiefer ins Gesicht und schlingt um ihren Hals einen warmen Schal. Sie streift die Pumps von den FĂŒĂŸen und bindet ihre derben Schuhe. Gut, dass ich daran gedacht habe, denkt sie.“

„...und schlingt einen warmen Schal um ihren Hals“, klingt besser. WĂ€re ich pedantisch, könnte ich noch anmerken, dass du auf „warm“ und „Hals“ verzichten könntest. Ein Schal ist ja fĂŒr den Hals da und soll zudem noch wĂ€rmen. Also ist das eigentlich ĂŒberflĂŒssig. „...und bindet sich einen Schal um.“ reicht vollkommen. „...gedacht habe, denkt sie.“ könnte man durch „...gut, dass ich sie mitgenommen habe, denkt sie.“ ersetzen.

Liebe GrĂŒĂŸe
Majissa

Bearbeiten/Löschen    


para_dalis
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jul 2002

Werke: 14
Kommentare: 23
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um para_dalis eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo Zefira
Hallo majissa!
;-)

Vielen Dank fĂŒr Eure Meinungen.
Ich werde nun ein wenig weiter "basteln".

"weiße Finger und Reif"
;-)
Ja, ich meine den Reif. Als ich die BĂ€ume jedoch sah, fĂŒhlte ich mich wirklich an alte Finger, an alte, zartgliedrige HĂ€nde erinnert.
majissa, gut erkannt. ;-)

Ich wĂŒnsche Euch eine gute Woche,

viele GrĂŒĂŸe
Heike

Bearbeiten/Löschen    


ZurĂŒck zu:  ErzĂ€hlungen Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.



Leselupe-Bücher





Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!