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Leselupe.de > ErzÀhlungen
Sehnsucht (2)
Eingestellt am 21. 04. 2009 21:43


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CarrieBean
Hobbydichter
Registriert: Feb 2009

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2.Kapitel

Achtzehn Uhr. PĂŒnktlich wie immer erschien Mark. Korrekt gekleidet, dunklen Anzug, silberfarbenes Hemd und eine farblich abgestimmte Krawatte. Er begrĂŒĂŸte sie mit einem flĂŒchtigen Kuss auf die Wange und hob leicht pikiert eine Augenbraue.
„Ist irgendetwas? Du bist noch nicht umgezogen.“
Marina hatte heute nicht vor, sich mit ihm zu streiten, waren die letzten Stunden mit dem neuen Chatpartner doch so angenehm gewesen. Sie konnte sich nicht von seinem Foto losreißen und war daher auch nicht pĂŒnktlich fertig.
„Mir ging es heute nicht gut“, sie musste noch nicht einmal lĂŒgen, war der ganze Vormittag doch eher ein Trauerspiel.
„Wenn du einen Moment wartest, ich bin gleich fertig.“ Eilig verschwand sie im Bad, legte schnell etwas Makeup auf und zog sich um. Ein schwarzer Hosenanzug und dazu eine knallrote Bluse schien ihr passend, gab es doch ihre widersprĂŒchlichen Empfindungen wieder. Immer wieder musste sie an das Bild von Dejan denken. Sie war aufgewĂŒhlt, völlig durcheinander, war er ihr doch so nah und trotzdem so weit entfernt, unerreichbar.

„Bist du soweit“, Marks Rufen schreckte sie aus ihren TrĂ€umen.

Warum muss alles immer so kompliziert sein. Seufzend nahm Marina ihren Mantel aus dem Schrank und griff sich die Handtasche. Sie konnte den nÀchsten Tag kaum erwarten, um wieder mit Dejan zu chatten.

„Na endlich“, Mark war tatsĂ€chlich etwas ungeduldig und noch mit den Gedanken bei Dejan bemerkte sie nicht Marks anerkennenden Blick als sie vor ihm stand. Die vierzig Jahre sah man ihr nicht an. Lange mittelblonde Haare fielen in leichten Wellen ĂŒber ihre Schultern, ihr schmales, feingeschnittenes Gesicht mit den hohen Wangenknochen und den braunen Augen wirkte jugendlich und frisch.

„Gut siehst du aus“, versuchte Mark die Situation etwas aufzulockern, bereute er doch schon so ungeduldig gewesen zu sein und bezog Marinas Wortkargheit auf seine VerĂ€rgerung darĂŒber, dass sie nicht fertig war, als er kam. Er hasste UnpĂŒnktlichkeit und er erwartete auch von seiner zukĂŒnftigen Frau ein perfektes Auftreten und ZuverlĂ€ssigkeit. Mark kam gar nicht der Gedanke, Marina könnte seinen Antrag ablehnen. In der Vorfreude darĂŒber auf einen perfekten Abend und auf ihr Jawort, hielt er ihr galant die AutotĂŒr auf und ließ sie einsteigen. Marina bedachte ihn mit einem kurzen, abwesenden Nicken und ließ sich in den Sitz gleiten. Leicht irritiert sah Mark sie an. Was war heute nur los mit ihr?
Marina bemerkte weder seinen fragenden Blick noch dass er um das Auto herumging und einstieg. Erst als er etwas lauter als gewöhnlich die AutotĂŒr zuschlug schreckte sie hoch.

„Oh, entschuldige, ich bin mit meinen Gedanken ganz woanders. Ich fĂŒhle mich nicht sehr wohl heute.“

„Schon gut, möchtest du lieber zuhause bleiben?“ Mark war jetzt doch etwas besorgt. So kannte er sie gar nicht.

„Nein, es wird schon gehen“, Marina wollte es hinter sich bringen, wollte ihm sagen das sie ihn nicht heiraten kann. Doch was kam dann? War es heute der letzte Abend mit Mark, wĂŒrde er den Kontakt mit ihr heute abbrechen? Was wird er tun?
Wird er um mich kĂ€mpfen und fragen warum? Was soll ich ihm sagen? Ich kann ihm nicht sagen, dass ich etwas anderes suche als ein Leben mit ihm. Das ich mit meinem Partner, Freund, Geliebten romantische StrandspaziergĂ€nge in lauer Sommerluft machen will, das ich alles verzehrende Leidenschaft suche, heiße KĂŒsse unter dem Sternenhimmel, auf Wogen der Lust hinfort getragen, eins zu sein mit dem Anderen und gemeinsam dem Höhepunkt entgegenfliegen.
Diese Empfindungen hatte Marina niemals mit Mark und jetzt, wo die Frage im Raum stand, das Leben mit ihm zu teilen, zu heiraten, wusste sie das sie weiter nach ihrer ErfĂŒllung suchen musste, auch wenn das hieß, allein zu bleiben. Vielleicht gab es das alles nicht, aber sie wollte lieber danach suchen als ihre TrĂ€ume zu begraben.
Mark hatte fĂŒr „den Romantikkram“ wie er es nannte, nichts ĂŒbrig. Er war Realist, knallharter GeschĂ€ftsmann und gewohnt, zu bekommen was er wollte.

Sie wollte ihm nichts vormachen und am wenigsten sich selbst. Deshalb war es das Beste, einen Schlussstrich zu ziehen.

Die Fahrt zum Restaurant dauerte nur ein paar Minuten. Frisch gefallener Schnee bedeckte die Straßen und es rieselte noch leicht aus einem wolkenverhangenen Himmel. Schneeflocken tanzten vor den Scheinwerfern des Wagens.
Das Lokal in der Innenstadt war eines der angesagten Restaurants in Stuttgart. Um dort einen Tisch zu bekommen musste man sich frĂŒh genug anmelden oder gute Beziehungen haben. Letzteres traf auf Mark zu.
Er lenkte den Wagen auf den großen beleuchteten Parkplatz hinter dem Amadeus und stellte den Motor ab. Fragend schaute er Marina an.
„Alles in Ordnung? Geht’s dir besser?“
„Ja, gehen wir“ nickte sie, dachte jedoch, bringen wir es hinter uns.
Mark nickte, betrachtete sie noch einen kurzen Moment, stieg aus und bevor er die AutotĂŒr schließen und um den Wagen herumgehen konnte, war Marina schon ausgestiegen. Mark hob leicht irritiert eine Augenbraue, normalerweise blieb sie sitzen, bis er ihr die TĂŒr öffnete. Er sagte kein Wort. Marina versuchte sich zusammen zu reißen, war doch jetzt, was wĂ€hrend des Essens oder danach unabdingbar kommen musste, nicht leicht fĂŒr sie.
Mark fĂŒhrte sie in das Lokal und steuerte zielsicher einen kleinen Tisch im hinteren Teil des Amadeus an. Er hatte extra bei seiner Reservierung auf diesem Tisch bestanden, stand er doch etwas abseits von den anderen in einer kleinen Nische. Er wollte ungestört mit Marina sein.

Pascuale der Kellner kam auch sofort, half Marina aus ihrem Mantel und gab ihnen die Speisekarte. Mark bestellte vorab fĂŒr sie einen Aperitif und sah sie an.
„Reden wir vor dem Essen oder danach?“
Marina fehlten im ersten Moment die Worte. In ihren Geschichten war sie nie um eine Antwort verlegen, doch hier war das wirkliche Leben und sie musste Mark heute ihre Entscheidung mitteilen, ihm sagen das es keine Hochzeit geben und sie sich von ihm trennen wird. War es da fair, bis nach dem Essen zu warten? Ihr war sowieso der Appetit vergangen, sie wusste, sie wĂŒrde keinen Bissen hinunter bekommen. Sollte sie ihm auch den Abend und das Essen verderben? Der Abend wĂŒrde nach dem GesprĂ€ch sowieso verdorben sein, da kam es auf das Essen auch nicht mehr an. Bring es hinter dich.

„Reden wir vorher“, Marinas feste Stimme ließ in Mark Verunsicherung aufkommen. Fragend sah er sie an:
„Ist wirklich alles in Ordnung mit dir? Du klingst so ernst. Als zukĂŒnftige Braut könntest du etwas mehr Freude zeigen?“
Es sollte scherzhaft klingen, ging aber völlig daneben.

„Nein gar nichts ist in Ordnung.“ Marina nahm allen Mut zusammen, holte tief Luft, nahm einen Schluck vom Martini, den Pascuale inzwischen gebracht hatte und sagte:
„Ich kann dich nicht heiraten. Es wird keine Hochzeit geben.“
Dabei beobachtete sie Mark, dessen anfĂ€ngliche frohe Erwartung auf ein „Ja“ ihrerseits, alle Freundlichkeit aus seinem Gesicht bannte. Erst schaute er unglĂ€ubig ĂŒber das eben gehörte, dann wurde sein Blick starr. Durchdringend sah er sie an.
„Wiederhole das nochmal“.

„Es wird keine Hochzeit geben“. Marinas Stimme war jetzt fester geworden. Es war heraus. Sie hatte es gesagt und nun fĂŒhlte sie sich wesentlich besser. Was auch immer jetzt kommen wĂŒrde, sie wĂŒrde es ĂŒberstehen. Der Anfang war gemacht. Plötzlich war es ihr völlig egal, wie Mark reagieren wĂŒrde. Sie konnte mit allem fertig werden. War es doch der erste Schritt in eine neue Zukunft, ohne Mark.
„Und“ fĂŒgte sie hinzu, „ich werde mich von dir trennen. Ich sehe keine Basis fĂŒr uns und da ist es nur fair, die Beziehung zu beenden. Ich will nicht, dass du dir weiter Hoffnungen machst.“

So, es war gesagt. Marina schaute Mark fest in die Augen und erschrak doch etwas. Sie rechnete eigentlich mit Traurigkeit oder BestĂŒrzung, der Frage nach dem WARUM, aber nichts dergleichen geschah. Mark sah sie nur an, sein Blick wechselte von Starrheit in Wut und wurde dann eiskalt.
Ein Schauer lief ihr ĂŒber den RĂŒcken. So hatte sie ihn noch nie gesehen.
Wenn er doch nur gefragt hÀtte Warum, sie hÀtte versucht es ihm halbwegs zu erklÀren, aber dieser Blick, der jetzt auf ihr ruhte, verschlug ihr die Sprache. Es war eine ganz neue Seite an ihm.
„Willst du gar nicht wissen wieso“, versuchte Marina etwas zaghaft das GesprĂ€ch wieder in Gang zu bringen.

„Wozu. Ich denke du hast dich entschieden. Hoffe nur, es tut dir eines Tages nicht leid.“ Eiskalt und langsam kamen die Worte ĂŒber Marks Lippen. Er griff nach der Speisekarte. „Wollen wir das Essen noch zusammen genießen?“

Marina traute ihren Ohren nicht. Gerade hat sie ihm gesagt, dass es aus ist und jetzt will er essen, als ob nichts geschehen wÀre.
Warum sagt er nichts weiter dazu. Ist es ihm wirklich so egal? Macht er gar nicht den Versuch, oder nimmt er mich nicht ernst?
Sie sah Mark in die Augen. Sein Gesichtsausdruck war abweisend und sein Blick kalt, als er sie mit einem flĂŒchtigen Blick streifte. Mit vielem hatte sie gerechnet, mit Fragen, mit Bitten, aber nicht hiermit.

In einem Zug trank sie ihren Martini aus und stand auf.
„Ich gehe jetzt“.
Sie wollte weder mit ihm essen, noch ĂŒberhaupt weitere Zeit mit ihm verbringen. Sie hatte an Mark eine Seite gesehen, die sie bis jetzt noch nicht kannte. Er machte ihr plötzlich Angst.
„Gut, wenn du meinst“, er machte eine abwinkende Handbewegung, als wĂŒrde er irgendeinen seiner Angestellten hinauskomplimentieren und sah sie starr an.
Marina nahm ihre Handtasche vom Tisch, warf ihm noch ein
‚mach’s gut‘ hin, drehte sich um und verließ den Tisch und damit Mark. Sie bemerkte nicht seinen wĂŒtenden Blick, mit dem er ihr nachsah, auch nicht das er die FĂ€uste ballte, und seine gemurmelten Worte ‚na warte‘ hörte sich auch nicht mehr.

Sie ging zu Pascuale und bat ihn, ihr ein Taxi zu rufen. Sie nahm ihren Mantel von der Garderobe und verließ das Lokal. In der kalten Winterluft wollte sie auf das Taxi warten und wieder einen klaren Kopf bekommen. Sie sah nicht die Passanten die vorbei gingen und sie neugierig musterten, zu sehr war sie in ihre Gedanken vertieft. Jetzt, als sie Marks andere Seite kennengelernt hatte, war sie froh, seinen Heiratsantrag nicht angenommen zu haben. Es war zu beĂ€ngstigend. Die kalte Luft ließ sie wieder klarer denken. Sie fröstelte. Als das Taxi ein paar Minuten spĂ€ter kam, stieg sie erleichtert ein und fuhr nach Hause.

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Carrie Bean
TrÀume nicht dein Leben, lebe deinen Traum

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