Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, mĂŒssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5284
Themen:   87747
Momentan online:
695 Gäste und 14 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > ErzÀhlungen
Sehnsucht
Eingestellt am 28. 02. 2009 20:56


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
CarrieBean
Hobbydichter
Registriert: Feb 2009

Werke: 3
Kommentare: 9
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um CarrieBean eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo an Alle, ich bin neu hier und versuche meinen ersten Liebesroman zu schreiben. Über konstruktive Kritik wĂŒrde ich mich sehr freuen.

Sehnsucht

Nachdenklich stand Marina Körner am Wohnzimmerfenster ihrer kleinen Dachgeschosswohnung am Stadtrand von Stuttgart und schaute hinaus. Schneeflocken wirbelten durch die Luft, der Himmel bewölkt und grau. Es ist Anfang Januar und eisiger Wind fegt den Schnee in Böen vor sich her. Es ist ihr erster Urlaubstag seit dem Sommer und die Ruhe tut ihr gut nach dem Stress der letzten Monate. Der erste Roman war veröffentlich, ihre Agentin hatte ganze Arbeit geleistet und die ersten Lesungen hatte sie auch hinter sich.

Marina ließ den Blick ĂŒber die Stadt schweifen, die wie in einem Kessel vor ihr lag. Das Haus, in dem sie vor kurzem erst eine Wohnung gemietet hat, wurde vor einigen Jahren in den Hang gebaut und von ihrem Fenster aus hatte sie einen uneingeschrĂ€nkten Blick ĂŒber die ganze Stadt.

Ihre Gedanken wanderten zu Mark, mit dem sie seit drei Jahren mehr oder weniger ihr Leben teilte. In der Silvesternacht machte er ihr einen Heiratsantrag. So richtig nach alter Schule.
Still lĂ€chelte Marina in sich hinein, als sie daran denkt, wie er vor ihr kniete, ihr tief in die Augen schaute und sie fragte, ‚willst du meine Frau werden?‘
Dem ersten Impuls folgend wollte sie ja sagen. Doch irgendetwas hielt sie zurĂŒck. Sie sagte kein Wort, schaute ihn nur an und stotterte endlich, ‚lass mir etwas Bedenkzeit. ‘

Mark war eine gute Partie, wie man so schön sagt. Doch ab und zu ertappte sie sich dabei, wie sie ihn heimlich beobachtete. Er war 53, sah fĂŒr sein Alter noch ganz gut aus. Graue StrĂ€hnen durchzogen sein dunkelbraunes Haar und manchmal blitzte es ĂŒbermĂŒtig in seinen blauen Augen, doch dabei blieb es dann auch. Niemals kam das Unerwartete, nichts spontanes. FĂŒr ihn war sie einfach da. Alles war so selbstverstĂ€ndlich geworden mit der Zeit. Sie war die Vorzeigefrau an seiner Seite.
Marina spĂŒrte, wie ihre Kehle eng wurde und TrĂ€nen ihren Blick verschleierten. Sie spĂŒrte eine unbĂ€ndige Sehnsucht in sich, die ihr fast das Herz zerriss. Es tat weh. Es tat so weh. In ihren Geschichten schrieb sie von der großen Liebe, Leidenschaft und GlĂŒck, den Menschen zu finden, der wirklich zu einem passte. Ihr Leben war anders.

Wo war die leidenschaftliche Hingabe, die ungezĂŒgelte Lust, nach der sie sich so sehnte, wenn sie in Marks Armen lag. Davon war nichts zu spĂŒren. Man schlief ab und zu miteinander, doch auch dabei ertappte sie sich immer öfter, dass sie mit ihren Gedanken oft woanders war.
Mark beglĂŒckwĂŒnschte sie zu ihrem Erfolg, jedoch konnte er mit der Art der Geschichten die sie schrieb nichts anfangen. Schon gar nicht kam er auf den Gedanken, dass sie ihre GefĂŒhle und SehnsĂŒchte beschrieb.
Verstohlen wischte sie sich eine TrÀne vom Gesicht.
Der Heiratsantrag war vor fĂŒnf Tagen. Was es wirklich das, was sie wollte? Was sie sich fĂŒr ihr Leben wĂŒnschte und vorstellte? Den Rest des Lebens mit Mark verbringen? All ihre TrĂ€ume ĂŒber Bord werfen?
Plötzlich wird ihr klar, dass sie genau dies nicht will. Sie wird ihm sagen mĂŒssen, dass sie ihn nicht heiraten wird. Ihn nicht heiraten kann. Doch den wahren Grund kann sie ihm nicht sagen. Er wĂŒrde es nicht verstehen.

Ihre Jugend fĂ€llt ihr ein. Mit 18 hatte sie noch den Kopf voller PlĂ€ne, glaubte zu wissen, was sie spĂ€ter mit ihrem Leben anfangen wollte. Sie wollte leben, reisen, etwas von der Welt sehen, ein Buch schreiben. Doch irgendwie kam alles anders. Das Buch war zwar geschrieben und viele kleinere Geschichten ebenso, doch jetzt war es plötzlich ‚spĂ€ter‘ und alles lief in festgefahrenen, vorgeschriebenen Bahnen. Sollte das alles gewesen sein. Sollte es immer so weiter gehen? Sie dachte an ihr erstes Auto. Ein Cabrio. Marina konnte den Wind in ihrem offenen Haar fast körperlich spĂŒren und fĂŒhlte auch das GlĂŒcksgefĂŒhl, das sie ĂŒberkam, als sie mit offenem Verdeck allein ĂŒber die Landstraße fuhr. Ihr fiel ihr letzter Urlaub mit Mark ein. Sie machten Urlaub in Marbella, doch hatte Mark sein Laptop mitgenommen und die meiste Zeit auf dem Balkon im Hotel mit arbeiten verbracht. Nur selten begleitete er sie an den Strand. Meistens ging sie allein, schaute aufs Meer, die unendliche Weite und ihre TrĂ€ume verloren sich am Horizont.

Sie konnte die Zeit nicht zurĂŒck drehen, aber sie konnte ihre Zukunft selbst bestimmen und dabei war eine Heirat mit Mark nicht vorgesehen. Dessen war sie sich jetzt sicher.


Marina setzte sich an ihren Schreibtisch, nimmt ein Blatt Papier und schreibt ein paar Zeilen.

Lieber Mark‚
ich hoffe, dass du mich eines Tages verstehen wirst, aber wenn du diese Zeilen liest, bin ich schon weit fort. Es ist nicht das, was ich mir fĂŒr mein Leben ertrĂ€umt habe, auch wenn ich dich dadurch verletzen muß und dein Traum zerstört wird. Aber es ist nun mal dein Traum und nicht meiner. Ab heute lebe ich meinen Traum.

Sie faltete den Brief, steckt ihn in ein Kuvert, verschließt ihn und ließ ihn auf dem Schreibtisch liegen. Lange ruht ihr Blick darauf.

Gegen Abend wollte Mark kommen, sie wollten essen gehen und ĂŒber die mögliche Heirat reden. Einer plötzlichen Eingebung folgend nahm sie den Briefumschlag vom Schreibtisch und versteckte ihn in der untersten Schublade unter einem Stapel Papier. So ging es nicht. So konnte sie es ihm nicht mitteilen. Nicht so. Vielleicht brauchte sie den Brief spĂ€ter noch.
Ihr Blick fiel auf ihr Laptop. Es war eine gute Möglichkeit, sich etwas abzulenken und die trĂŒben Gedanken beiseite zu schieben.
Marina schaltete den Computer ein und setzte sich davor.
Ein paar Emails sind angekommen. Die meisten von ihnen sind irgendwelche Werbemails die sie ungesehen löscht. Ihre Freundin Delia schreibt, dass sie ihren Aufenthalt an der Ostsee um eine Woche verlĂ€ngert. Sie hat einen „SĂŒĂŸen Typen“ kennengelernt und will die Zeit mit ihm noch auskosten, wie sie sich ausdrĂŒckt. Delia machte es richtig, dachte Marina. Sie genießt das Leben.
Und was tust du hier? schalt sie sich. HĂ€ngst hier rum und heulst weil dich jemand heiraten will.
Sie ĂŒberlegte, ob sie Delia gleich antworten sollte, verschob es dann aber auf spĂ€ter. Die hatte jetzt bestimmt keine Zeit am Computer zu sitzen und auf Emails von ihr zu warten. Sie hatte besseres zu tun.
Plötzlich öffnete sich ein kleines Fenster von ihrem Messenger auf dem Bildschirm.
‚Jemand möchte seine Kontaktdaten mit ihnen austauschen‘ stand darin. Neugierig öffnet sie das Mitteilungsfeld.
Sie bekam öfters solche Mitteilungen, doch die meisten blockierte sie. Es trieben sich zu viele Spinner im Internet herum, jedoch hatten sich im Laufe der Zeit ein paar nette Freundschaften ergeben.
„Hi“ lautete die kurze Mitteilung.
Marina ĂŒberlegt, ob sie antworten soll. Sie klickt auf das Profil. Sehr aussagekrĂ€ftig war das nicht. MĂ€nnlich, Bulgarien.
Na prima, denkt sie. Schon mal nicht um die Ecke.
„Hi“ antwortet sie genauso kurz zurĂŒck und setzt noch ein Fragezeichen.
„How are you?“ kommt prompt die Antwort.
„Fine and you? Marina fĂ€ngt es an Spaß zu machen.
Nach kurzer Zeit stellt sich heraus, ihr neuer Chatpartner spricht sogar deutsch.
Das wird ja immer besser. Sie ist angenehm ĂŒberrascht von der netten Unterhaltung, es kommen keine dummen AnmachsprĂŒche. Das spricht sehr fĂŒr ihn. Er ist Musiker und des Öfteren mit seiner Band unterwegs.
So einer muss doch viele Freunde haben, denkt Marina, wieso sucht er welche ĂŒbers Internet? Was sagt seine Frau dazu? So einer ist noch sicher nicht allein.
Eine Weile schrieben sie noch ĂŒber alles Mögliche, stellten fest dass sie den gleichen Weingeschmack haben, bis ihr Blick plötzlich auf die Uhr fĂ€llt. Ohje, schon so spĂ€t, in einer halben Stunde kommt Mark.
‚Ich muss gleich Schluss machen, ich bekomme gleich Besuch. Sag mal wie heißt du eigentlich? ‘
‚Dejan und du?‘
‚Marina‘
‚Ich schick dir mal ein Bild von mir, damit du weißt wie ich aussehe‘ schrieb Dejan und schon kam eine Bilddatei.
‚Ich schau es mir gleich an, aber dann muss ich wirklich Schluss machen fĂŒr heute. Wir können ja morgen weiter schreiben und dann schick ich dir auch ein Bild von mir.‘
Sie verabredeten sich fĂŒr den nĂ€chsten Tag und als das Bild endlich da war, speicherte sie es ab und öffnete die Datei.
Ein sympathisches Gesicht mit dunklen, warmen, etwas melancholischen Augen schaute sie an, die kurzen schwarzen Haare zerzaust, dunkle Bartschatten umgaben schmale, leicht lÀchelnde Lippen. Fasziniert sah sie auf das Foto.
Ihre Sehnsucht hatte ein Gesicht.

__________________
Carrie Bean
TrÀume nicht dein Leben, lebe deinen Traum

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


ZurĂŒck zu:  ErzĂ€hlungen Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.



Leselupe-Bücher





Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!