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Leselupe.de > Erotische Geschichten
Sei nicht böse
Eingestellt am 10. 07. 2007 22:57


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nachts
???
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Sei nicht böse

Als Heiner die Wohnungstür geöffnet hatte, buhlten sämtliche Sinne schlagartig um seine Aufmerksamkeit.
An der gedrechselten Garderobe hing, wie selbstverständlich, eine unbekannte schwarze Lederjacke.
Brigitte hatte ihn oft gedrängt, sich eines dieser abgeschabten, speckigen Second - Hand Teile zu kaufen, aber er fand sie schlicht unpassend und stillos.
Ein maskulin - schweres Eau de Toilette verdarb die Luft, offenbar hatte jemand darin gebadet, sonst hätte er keine so offensive Markierung hinterlassen können.
Der Besucher war ihm schon jetzt unsympathisch, er selbst bevorzugte eher ein dezentes, geschmackvolles Erscheinungsbild. Ein grauer Anzug, blaues Hemd, kurzgeschnittene Haare, kein Schnickschnack. Nichts erschien ihm peinlicher für einen Mit -Vierziger, als dieser Habitus des ewigen Jungen, diese Angst ernst genommen zu werden.
Er verachtete zutiefst diejenigen seiner Kollegen, welche versuchten mit Fitnessstudio und Knopf im Ohr, vermeintliche Jugendlichkeit zu verströmen.
Ärgerlich stellte er seinen Rollkoffer ab, er hatte jetzt das Bedürfnis nach Ruhe, konnte auf Small Talk im Wohnzimmer nur zu gut verzichten. Einfach nur hinfläzen, ein Glas Cognac, und gepflegt relaxen, das war jetzt Nummer eins seiner Bedürfnishierarchie.
Aber Brigitte hatte ja nicht wissen können, dass er heute schon zurück kommen würde, von daher war es nicht ihre Schuld. Man würde sehen.

Stimmen drangen an sein Ohr, Geräusche, deren Ursprung offenbar im Obergeschoss lag. Unschlüssig hielt er sein Sakko in der Hand, griff sich geistesabwesend einen der leeren Bügel.
Vielleicht sollte er die Türe zuschlagen, um sich anzukündigen, überlegte er. Er konnte ja schlecht nach seiner Frau rufen, wie nach einem Hund.
Er spielte kurz mit der Möglichkeit eines vorgetäuschten Hustenanfalls, wollte sich jedoch nicht der Lächerlichkeit preisgeben. Was hatten sie da oben zu schaffen, sie zeigte ihm doch nicht am Ende noch das Gästezimmer? Reichte es nicht, wenn er mit ihrer Verwandtschaft bei Beerdigungen und Hochzeiten zusammen treffen musste?
Unvermittelt trat Stille ein. Was war hier eigentlich los?
Ein Gemisch von argwöhnischen Gedankenfetzen und Ahnungen machte sich in ihm breit.
Sie war mit einem moschusbegossenen Lederjackenträger oben, zeigte ihm das Haus, nein sie trieb es mit ihm - was für ein absurder Gedanke!
Mechanisch setzte er sich in Bewegung, annähernd lautlos setzte er die Ledersohlen auf, den Gang entlang, bis zur Treppe.
Ich schleiche, dachte er, ich schleiche durch mein eigenes Haus, wie ein ängstlicher Dieb.
An der Treppe verharrte er erneut. Lauerte auf eindeutige Laute - Nichts.
Hatten sie ihn gehört? Mein Gott, wie aus einem schlechten Film. Der Ehemann kommt früher von der Geschäftsreise und findet seine vernachlässigte Frau in den Armen eines Anderen. Das war zu billig, zu schäbig, als dass es ihm passieren konnte, ihnen passierte.

Das schallende Lachen seiner Frau und der darauf folgende kurze Schrei ließen ihn zusammenzucken.
Wann hatten sie zuletzt zusammen so gelacht?
Was zum Henker sollte er jetzt anstellen?
Er könnte leise nach oben gehen und die Schlafzimmertüre aufreißen. Brüllen, auf das Schwein einschlagen, den Fremden nackt aus dem Haus und aus seinem Leben treiben. Ertappt, ich hab euch ertappt!
Heiner wischte sich den Schweiß von der Stirn, sah auf die Uhr. 19.27.
Ein Geburtstagsgeschenk von Brigitte, teure, Schweizer Automatik, zuverlässiges Werk.
Es war bestimmt ein Missverständnis, seine Fantasie ging mit ihm durch, wieso traute er Brigitte so etwas überhaupt zu? Es war ja nicht so, dass sie sich nicht mehr begehrten, so kam es ihm zumindest vor, es ließen sich nur diese Stimmungen nicht mehr herstellen und sie tat auch nichts dafür. Zehn Jahre verheiratet, anspruchsvolle Arbeit, die ihn ganz forderte, was erwartete sie von ihm? Er erinnerte sich sogar an die Hochzeitstage.
Wieviel Gedanken konnten einem Menschen eigentlich in einer einzelnen Minute durch den Kopf jagen? Hunderte,Tausende - so musste es im Krieg sein, Ausnahmezustand, Tunnelblick, Anspannung.
Ungläubig schüttelte er kurz den Kopf. Vielleicht sollten jetzt Schmerz und Verzweiflung, unbändige Wut oder Hass aufkeimen. Irgendetwas. Fleischgewordene Emotion, die ihn zum Berserker werden ließ.
Nichts. Er spürte gar nichts. Alles in ihm war leer, abgestorben, tot, er war gerade umgebracht worden, nur sein Körper hatte es noch nicht mitbekommen.
Seine Muskeln, Sehnen Knochen, machten einfach unbeirrt weiter, setzten Schritt vor Schritt. Seine Hand am hölzernen Geländer, wie lange hatten sie damals darüber diskutiert, ob es Eiche sein sollte. Eiche? Scheißegal, seine Brigitte hatte einen Anderen, lachte mit ihm, hurte mit ihm, es war keine bloße Vermutung mehr, er war sich sicher.
Wie lange war es her, dass sie beide ...?
Fünf Wochen, er erinnerte sich, am Vierzehnten, Samstag, nach dem Fest bei den dämlichen Kaisers, er wusste der Mann hatte Schulden bis über die Ohren, aber auf dick gemacht. Beschwipst waren sie nach Hause gekommen, zumindest Brigitte war angesäuselt gewesen.
Entschlossener jetzt, nahm er die erste Stufe - sie hatten nicht mehr viel gesprochen in letzter Zeit - geh weiter - vielleicht kannte er ihn, von irgendeinem Grillfest, aber sie gingen ja kaum noch weg - Vorsicht, die Dritte knarzt.
Und wenn sie sich verliebt hatte? Vielleicht ging das schon Monate so, und er, ahnungsloser, gutgläubiger Vollidiot, hatte keine Augen dafür gehabt. Die Nachbarn, ihre Freundin, diese aufgeputzte Dorfschlampe Kerstin mit ihrem falschen Lächeln, alle wussten es, es mochte sein, dass manche sogar Mitleid mit ihm, dem Trottel hatten, oder die machten sich lustig über ihn. Schaut her, da rennt er jeden Tag bis spät in die Arbeit, fühlt sich wichtig, schönes Zuhauses, alles da, aber kaum ist die Katze aus dem Haus. ..
Armer Kerl, aber er hat es nicht anders verdient. Er konnte sie beinahe schon tuscheln hören Wieso hieß es eigentlich gehörnt?
Er wollte wütend sein, in Rage, um ins Zimmer zu stürzen, sie zur Rede zu stellen, aber da war immer noch nichts.
Wie vielen Menschen war so etwas schon passiert? Er musste es sehen, Gewissheit erlangen, vielleicht entsprang alles nur seiner Einbildung und es gab eine harmlose Erklärung.
Eine Überreaktion seiner angespannten Nerven. Nervenkostüm - auch so ein dämliches Wort. Ein Gehörnter in dünnem Nervenkostüm.

Ein durchdringendes Stöhnen ließ seinen überquellenden Gedankenbrei zu Stein erstarren.
Brigittes Stöhnen - unterdrückt, wie geknebelt, begleitet vom schnaubenden Grunzen eines Mannes.
All sein bisheriges Leben war ein einziges bösartiges Geschwür, ohne Narkose aus seinem Hirn geschnitten, binnen fünf Minuten. Zurück blieb nur ein klaffendes, blutiges Loch.
Brigitte hatte einen Schwanz im Mund, das rief sie ihm zu, mit kehligen Lauten, es war real, kein Gedankengeplänkel, kein Missverständnis, q.e.d.

Oben angekommen wandte er sich nach rechts, geduckt, die Augen weit aus den Höhlen, lauschend, getrieben, ein gehetztes Tier kurz vor dem finalen Schuss.
Die Schlafzimmertür stand einen Spalt offen, das Stöhnen kam so regelmäßig, dass er unwillkürlich eine geölte, gleichmäßig laufende Maschine vor Augen hatte, untermalt von fleischigen, saugenden Lauten. fup, fup, fup.
Heiner trippelte bis vor die Tür. Er blieb stehen. Schüttelfrost packte ihn, einen Moment fürchtete er, das Klappern seiner Zähne würde jedes Geräusch übertönen. Vorsichtig legte er die flache Hand auf das weiß lackierte Holz, vergrößerte langsam den Spalt, Zentimeter um Zentimeter.
Er sank auf die Knie, bis er in den großen Spiegeltüren des Kleiderschrankes einen Ausschnitt des Bettes sehen konnte.
Brigitte lag auf dem Rücken, über ihr ein Mann, den Kopf zwischen ihren Schenkeln.
Ihre Hände packten seinen Hintern, während er sein Becken dicht über ihrem Gesicht bewegte. Sie schmatzte mit vollem Mund. Er hatte schwarzbehaarte, muskulöse Beine, seine Zehen bohrten sich ins Laken, tief vergraben in ihren Schoss hatte er sein Gesicht.
Heiner versuchte seinen Blickwinkel zu verändern, reckte seinen Hals, legte ihn schief.
Nur am Rande nahm er den schmerzhaften Protest seiner Knie wahr.
Er konzentrierte sich auf die rechte Hand seiner Frau, den Ehering, am schweißnassen Hintern des Fremden, die Perlmutlackierung ihrer Fingernägel, die er früher immer so an ihr gemocht hatte. Sie griff zu, der Daumen schob sich in die Spalte, verschwand, begleitet vom katzenhaften Ausruf ihres Gespielen.
Heiner krabbelte unendlich vorsichtig rückwärts und blieb in kniender Stellung vor der Tür.
Der Schweiß lief ihm in Strömen über die Stirn, verklebte sein Hemd, tropfte auf das Ahornparkett. Er konnte sich kaum rühren, erschöpft, gelähmt, das Glitschen und Reiben und Stöhnen und Flüstern sprudelte aus dem Raum, drang mit Macht auf ihn ein, füllte ihn aus. Bilder wurden ihm ins Hirn gebrannt, mit glühenden Eisen, Hure, das war sie, eine Hure!
Er presste die Finger auf die Augenlider bis Farben erschienen.
Nein, es durfte nicht sein, aufhören, alles sollte aufhören, nur ein Irrtum, ein Versehen, falsche Tür, falsches Haus, falsches Leben. Was wäre, wenn er jetzt schreien würde, schreien wie ein gewaltiges, blutrünstiges Tier. Visionen tauchten in ihm auf - mit scharfen Krallen sich die Brust aufzureißen - sieh her, schau es dir genau an, dein Werk!
Es ging immer weiter, kam ihm wie eine Ewigkeit vor, sie mussten die Stellung gewechselt haben, denn das rhythmische Klatschen verriet ihm, dass der Mann sie nun offenbar nahm.
Er blickte wieder auf die Uhr. 19.35 Er hielt es nicht mehr aus, ohne es sich erneut anzusehen, er gierte danach.
Beim Vorwärtsrobben versuchte er die Luft anzuhalten.
Der Körper des Mannes bedeckte nun Brigitte fast vollständig. Ihre Gesichter, Münder, Lippen lagen aufeinander.
Der Leib des Fremden pumpte wiederholt kraftvoll, dann stützte er sich auf seine Arme. Brigitte hatte seine Brustwarzen zwischen den Fingern und wand sich unter ihm. Während er weiter zustieß, ließ sie eine Hand zwischen ihre Schenkel gleiten.
Wump, wump, wump, dazwischen Brigittes Seufzer, wump, wump, wump, immer weiter.
Heiner war es, als beglotzte er einen billigen Porno. Aber es war keine beschissene DVD, wer hier schrie und winselte, war mit ihm verheiratet, lebte mit ihm, ihre bescheuerten, hellblauen Zahnputzbecher standen nebeneinander und ihre Tiger - Hausschuhe. Wie oft war er in dieser weinroten Satinbettwäsche aufgewacht?

Er wartete. Er wollte es wissen. Er wartete, bis sie ihr erschöpftes und befriedigtes Fleisch entwirrten. Wartete, bis der Mann sich zur Seite rollte, sah sein halberigiertes, nasses Stück. Er starrte auf das nackte Knäuel, registrierte unwillig die ansteigende Faszination, die Spannung, die in ihm gegen Ekel und Abscheu ankämpfte.
Wieder kroch Heiner rückwärts. Mit dem Hemdsärmel wischte er die Schweißtropfen vom Boden. Er versuchte möglichst lautlos auf die Beine zu kommen. Was für eine abartige Vorstellung, wenn sie ihn so vorfänden. Erniedrigt, wie ein perverser Spanner, ein kleines armseliges Würstchen. Er, 68 Mitarbeiter, tatkräftig, zupackend, sie machen das schon, wir sind stolz auf sie, auf den Knien, seine untreue Ehefrau mit heraushängender Zunge begaffend.
Hastig bewegte er sich die Treppe abwärts und griff sich in der Diele sein Sakko und den Koffer. Verstört torkelte er auf die Straße.

Als er seine Frau anrief, gab er vor, in höchstens zehn Minuten bei ihr zu Hause zu sein.
Von seinem Aussichtsposten, hinter einem Baum halb verdeckt, beobachtete er, wie sein Haus kurz darauf einen schwarzhaarigen Mann mit Lederjacke ausspuckte.
Der blieb kurz stehen, zündete sich eine Zigarette an, schlenderte gelassen zu einem grauen BMW. Hohlwangig, entspannte Gesichtszüge, kein Anzeichen von Aufregung. Er war etwa in Heiners Alter, unauffällig, kein Schönling - wie lange sie sich wohl kannten? War es gleich passiert?
Heiner biss sich auf die Fingerknöchel. - sich auf ihn stürzen und zuschlagen, immer wieder zuschlagen.
Er lauschte dem abklingenden Motorengeräusch nach.

Brigitte fand er in der Küche vor, sie trug ein überlanges T-Shirt, darunter sahen ihre nackten, gebräunten Beine hervor - ihre kurzen rotblonden Haare waren trocken, sie hatte wohl noch nicht geduscht. Heiners Blick versuchte sich alles genau einzuprägen, er observierte jede ihrer Regungen, jagdhundgleich, vor der Beute.
„Hallo,“ sagte sie und drehte sich zu ihm um, er glaubte dunkle Augenringe zu erkennen.
„Da hast du ja Glück gehabt mit dem Flieger, du hattest doch für morgen ...“
Sie ließ den Satz unvollständig.
Ja, für Morgen, dass hätte dir so gepasst, alles wäre einfacher, morgen. War sie nervös? Konnte sie seinem Blick standhalten?
Ihr Mund lächelte.
„Ja, hallo,“ krächzte er mit staubtrockenem Mund, „jetzt bin ich da.“
Ja, er war da, aber er war unsichtbar, the invisible man, war nur ein Zuschauer, ein Gehörnter, ein Abgeschobener, totes Ehefleisch.
Du hast es aber eilig nach Hause zu kommen, hatte Schneider, mit wehmütigem Blick, zu ihm gesagt, noch im Hotel. Tja, war seine kurze, vielsagende Antwort gewesen, tja.
Was scherten ihn Schneiders Probleme, alle im Betrieb wussten, dass bei ihm die Scheidung bevorstand, tja.
Sein Blick fiel kurz auf die Küchenuhr. 19.50.
Brigitte wandte sich wieder der Spüle zu, schwieg, hantierte mit einem Lappen.
Selbst ein dreckiger Lappen verdiente mehr Aufmerksamkeit. Warum fühle er sich plötzlich so nichtig, so schuldig, so schmutzig? Nicht er war es schließlich, der rumgehurt hatte, im Ehebett.
Heiner packte sein Sakko am Kragen, er war außerstande, es auf den Bügel in der Diele zu hängen, und musterte ausgiebig den Rücken seiner Frau.
„Magst du einen Kaffee?“ kam ihre Frage.
Ruhig flossen die Worte aus ihrem Mund, wie oft hatte er das schon gehört, gleichmütige Routine, das war es also.
Nach einer Woche Frankfurt, nichts weiter als, magst du einen Kaffee?
Warum nicht - ich habe gerade mit einem tollen Typen gevögelt? - Ich weiß, ich hab es im Spiegel gesehen. Hat es Spaß gemacht? Oh ja, und wie es dir Spaß gemacht hat. Mir hast du nie ...! - Verzeih mir! -Tja!
„Ja, gern.“ erwiderte er und ließ das Sakko einfach fallen.
Brigitte griff nach einer Tasse aus dem Regal über ihrem Kopf. Kurz zeigte sich ihm ihr schwarzen Slip.
Zögerlich trat er hinter sie, zog die Luft tief ein, nahm Witterung auf. Er roch nichts Außergewöhnliches, seine Augen wanderten über ihrem leicht geröteten Hals, suchten ihn nach Spuren ab.
Sie hatte empfindliche Haut, es sollte ihm nichts verborgen bleiben.
Einen Wimpernschlag lang zweifelte er an seiner Zurechnungsfähigkeit. Hatte er sie wirklich noch vor zehn Minuten vögelnd mit einem Anderen im Schlafzimmer gesehen? Oder war all das nur Einbildung, eine Illusion, ein Tagtraum gewesen? Fiebernd schüttelte er sich kurz aber der Alp klammerte sich an ihn, schlug seine Erkenntnisklauen bis tief ins Innerste, nichts war irreal, alles hatte sich genau so abgespielt.
Von hinten umfasste er sie sacht mit beiden Händen, hölzern und bedürftig kam er sich ganz plötzlich vor.
Sie ließ es zu. Er küsste ihren Nacken. Sie beugte leicht ihren Kopf und ihre Hand griff nach hinten. Er wartete auf ihre Gegenwehr, wartete, dass sie sich versteifte, ihn kalt und bestimmt abwies, als er unter dem T-Shirt nach ihrem Bauch griff.
Nein.
Sie drückte sich ihm etwas entgegen, schien ihn aufzufordern.
Seine Hand schob sich, wie einem fremden Willen unterworfen, in den Bund ihres Slips.
„Warte,“ flüsterte sie, „ich komm gleich wieder,“
Sie machte sich von ihm los, blieb aber scheinbar unschlüssig vor ihm stehen.
Warum ging sie nicht ins Bad, fragte er sich. Sie hatte sich wohl anders entschieden. Ihre Hand legte sich in die seine, er starrte ihren Daumen an, den silbernen Daumenring, auf seinem Handrücken.
Konnte nicht aufhören zu starren, wie ein totes Reh.
Schlafwandlerisch tappte er hinter ihr her, als sie ihn ins Wohnzimmer zog, und sich einfach vor ihm auf der Ledercoutch drapierte.
Er beugte sich, wie in Trance, über sie, um sie zu küssen. Sie drehte unvermittelt ihren Kopf zur Seite, so dass sein Mund ihren Hals traf.
Mit einer schnellen Bewegung streifte sie sich ihren Slip ab und warf ihn neben das Sofa.
Als sie die Augen schloss, beäugte er ihn kurz, Szenen tauchten in seinen Kopf auf, Brigitte im Bett, sich unter einem Fremden windend. Ein prickelndes Gefühl durchfuhr ihn, sein Schädel verwandelte sich in glühende Kohle.
Er schob ihr T-shirt nach oben, strich dann mit zittrigen Händen über ihre kleinen Knospen, die kindlichen Brüste, setzte seine Lippen auf ihren Bauch.
Er fühlte, wie sich ihre Hände an seinen Kopf legten um ihn zwischen ihre gespreizten Schenkel zu schieben. Ihr Atem ging schnell, abgehackt.
Sein verdammter Körper war bereit ihn zu verraten, sich zu verkaufen. Wilde, pure Erregung überfiel ihn, aber sein Verstand kapitulierte noch nicht. Sieh sie dir an, deine Ehefrau, verlogenes Miststück, gerade war noch ein Anderer in ihr und jetzt?
Was trieb ihn dazu sie gerade jetzt so unglaublich zu begehren? Sein Wiederstand verbrannte, unter Qualen, bis nichts von ihm blieb, als verkohltes Selbstmitleid.
Er konnte den Mann riechen, schmecken. In rauschhafter Gier begann seine Zunge sie zu lecken. Er unterwarf sich seinem wissenden, unbarmherzigen Körper.
Sie drückte seinen Kopf ungewohnt heftig nach unten, wie um den letzten Gedankenrest aus ihm herauszupressen, und stöhnte langanhaltend. Sirenengesänge der Geilheit.
Nur mühsam gelang es ihm Atem holen, von Brigitte hart niedergehalten, in nasse zuckende Weichheit eingetaucht.
Ihr ganzer Leib schien sich anzuspannen, jeder Muskel sich zusammen zu ziehen.
Seine Zunge drang in sie ein und ergötzte sich an der salzigen Flüssigkeit. Verzweiflungstränen liefen ihm über die Wangen, alles an ihm war in Aufruhr, sein harter Schwanz eine verräterische Fahne seines Sehnens.
Sie kam beinahe sofort und unkontrolliert schreiend, krallte sich dabei schmerzhaft in Heiners Haar .
Er unterdrückte sein aufkommendes Schluchzen, und begann damit, seine Hose zu öffnen.
Fasziniert betrachtete er ihr Gesicht. Ihre Züge, der fast schmerzliche, angestrengte Ausdruck wandelte sich zu Gelöstheit. Ihre Augen waren jetzt offen.
Sie zog abrupt ihre Beine an und drehte sich zur Seite. Sein Blick folgte ihr.
„Entschuldige, aber ich kann jetzt nicht so, bin etwas empfindlich, heute.“
Ruckartig stand sie auf auf und zog sich ihr T- Shirt nach unten.
Er glotzte auf ihren lächelnden Mund, aus dem messerscharfe Worte sprangen, um seinen Kopf zu zerschneiden.
„Sei nicht böse, ja, war schön gerade “ hörte er Brigitte gurren.
Er sah weg, wischte sich mit einer heftigen Bewegung über das Gesicht. Zögernd blickte er zu ihr auf. Sie strich sich mit den Fingern durchs Haar, immer noch lächelnd, sah ihn nicht an, drehte sich um und verließ ohne ein weiteres Wort das Zimmer.
Heiner fummelte mit fahrigen Fingern am Reißverschluss, dann erhob er sich und stakste schwerfällig nach draußen.
„Nein, bin ich nicht, wenn ich einen Kaffee krieg, „rief er seiner Frau nach, hervorgewürgtes Wörtergewöll.
So bald die Toilettentür hinter ihm ins Schloss gefallen war, sackte er in sich zusammen und schluchzte. Wieder öffnete er seine Hose, es gab nichts zu sagen, er würde schweigen.
Sei nicht böse, hatte sie gemeint, sei nicht böse.


Version vom 10. 07. 2007 22:57

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ENachtigall
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???

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Hallo nachts

quote:
Als Heiner die Wohnungstür geöffnet hatte, buhlten sämtlichen Sinne schlagartig um seine Aufmerksamkeit.

Dieser Anfangssatz steht stellvertretend für die gesammte Qualität der Story und buhlt seinerseits um die ungeteilte Aufmerkamskeit des Lesers.

Der Begriff "buhlen" verdeutlicht schon - wenn auch nur spurenhaft angerissen - worum es thematisch gehen wird: Nebenbuhler und Adrenalin.

Ebenso steckt in "schlagartig" bereits das im wahrsten Sinne niederschmetternde Geschehen, das dem Protagonisten bevorsteht.

So unterschwellig eingestimmt entlässt Du uns Leser in die Fänge dieser packenden Geschichte, die, wie das wahre Leben, mit ihren unvorhersehbaren Wendungen und Entscheidungen der "Darsteller" auf qualvolle Weise unterhaltend an die Brüchigkeit eigener Grundfeste mahnt. Denn mit jeder Sekunde fiebern wir mit dem gehörnten Gatten, dessen bisheriges Leben in wenigen Sekunden erdbebengleich aus den Fugen gerät. So meisterhaft läßt Du uns, dank der Plastizität seiner geschilderten Gedanken und Körperreaktionen, in die Haut des Bedauernswerten schlüpfen.

Zudem besticht die Geschichte mit den albtraumartig "einbrechenden Böden". Man denkt, nun sei ´s überstanden und ist doch nur in einer Fortsetzung des Entsetzens gelanget.

Kopfkino erster Güte!

Mit beglückwünschenden Grüßen

Elke

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Wer Spuren sucht, wird Wege finden.

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Sufi
???
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Hallo,

ich muss schon sagen:"Fantastisch geschrieben, weiter so!"
Ich empfinde es als eine Art besondere Kunst, Erotikgeschichten, gut zu schreiben und ich betone dabei gut.
Leider Gottes gibt es sehr wenige Geschichten mit der Qualität von diesem, Ihrem Werk.

Mir ist da eine Passage aufgefallen:
"Er, 68 Mitarbeitern,"

Er, 68 Mitarbeitern, tatkräftig, zupackend, sie machen das schon, wir sind stolz auf sie, auf den Knien, seine untreue Ehefrau mit heraushängender Zunge begaffend.

Nichts liegt mir ferner Kritik zu üben, aber ich glaube in der Hitze des Gefechtes haben Sie ein Wort vergessen.

Mit freundlichen Grüßen.
Sufi


__________________
Ich bin ein Literaner auf der Literateninsel.

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nachts
???
Registriert: Jun 2007

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Nachdem ihr diese Story in die Anthologie der besten 20 gewählt habt - Thanks to Mr and Mrs Unknown
LG Nachts

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Heute ist nicht manchmal

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Dominik Klama
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Die Unreinlichkeit des Herzens

Ein Mann kehrt vorzeitig von der Geschäftsreise zurück und muss feststellen, dass seine Frau gerade mit einem fremden Mann schläft. Er weiß nicht, wie er reagieren soll, beobachtet das Paar eine Weile, stiehlt sich dann aus dem Haus, um telefonisch seine Rückkehr anzukündigen. Der Nebenbuhler hat sich gerade davongemacht, die Frau hatte noch nicht einmal Zeit, sich zu duschen, sie schenkt ihm zur Begrüßung einen Kaffee ein, als ihn ein Impuls treibt, ihr Avancen für Sex zu machen. Er befriedigt sie mit dem Mund, kann den anderen Mann dabei schmecken, sie aber, nachdem sie einen Orgasmus hatte, entzieht sich ihm. Weinend sackt er auf der Toilette zusammen.

Die Geschichte ist nach Zahl der Aufrufe und Wertungen der Leser ungeheuer populär im Reigen der Besucher auf den Erotikseiten von der Leselupe. (So hat sich in diesem Fall noch nicht einmal einer der üblichen Krittler, es gebe da aber verschiedene Rechtschreib- und Zeichensetzungsfehler, bislang gemeldet.) Mich aber lässt sie einigermaßen unbefriedigt. Ich denke, ihren Leserappeal bekommt sie durch die vergleichsweise „unerhörte Handlung“, die sie hat. Und das in einem Zusammenhang, den die meisten wohl selbst mal erleben könnten oder erlebt haben. Das zieht natürlich an, aber erzählerisch scheint mir der Text einigermaßen dünn.

Im Grunde erfahre ich nicht, was das für Leute sind. Er, von dem dauernd die Rede ist, ist ein Herr Jedermann. Nun gut, das soll er wohl sein, das darf er auch sein. Aber sie, diese Brigitte, was ist das für eine Person? Ich hab keine Ahnung. Noch weniger zum Zug kommt der zweite Mann im Trio. Über ihn erfahren wir nur, dass ihn so sehr viel vom Erzähler Heiner gar nicht unterscheidet. Und gerade das wäre doch mal ein interessanter Ansatzpunkt gewesen. Das scheint ja ziemlich normal zu sein, wenn Leute aus einer monogamen Paarbindung ausscheren und heimlich mit jemandem fremdgehen, seltsamerweise machen sie es mit Leuten, die dem ursprünglichen Partner auf manche Art recht ähnlich sind. Dann kommt es heraus, man versucht drüber zu reden, man versucht, vernünftig und erwachsen und tolerant zu sein. Man stellt fest, man kann nicht vernünftig und erwachsen und tolerant sein. Also geht man auseinander. Der, na ja, ehebrecherische Teil tut sich mit der bisher verheimlichten Bezugsperson zusammen. Es beginnt eine ganz ähnliche Beziehung wie die vorige. Nur dass jetzt die Gewissheit auf Treue und ewige Liebe für diese neue Bindung wohl einigermaßen angekratzt sein sollte. (Wenn sie es oft auch gar nicht ist. Die Leute können naiv sein über das, wozu sie selbst in der Lage sind.) Das ist ein, im Grunde komischer Verlauf, ein grausam komischer Verlauf, über den man schon mal was sagen könnte. Robert van Ackeren hat mal einen bitterbösen Film über das gemacht, aber den will ich gar nicht loben, weil ich Robert van Ackeren nicht mag.

Nein, aber wozu es wirklich Gelegenheit böte, wäre nachzudenken über die grundsätzliche Zufälligkeit und Beliebigkeit sogenannter Liebesbeziehungen. Und damit zusammenhängend über die generelle Ersetzbarkeit und Austauschbarkeit jeglichen menschlichen Individuums. Etwas, das wir uns lieber nie so sehr klar machen. Aber wir wissen es natürlich: Papst stirbt, Papst weg, neuer Papst, alles wie immer. Minister lügt, Minister dementiert, Minister tritt ab, Minister weg, neuer Hoffnungsträgerminister, alles geht weiter wie vorher. Wirtschaft stottert, Teamchef buckelt und krampft, Teamchef erleidet Herzinfarkt, Teamchef weg, Firmenleitung verzweifelt, Know-how ist weg, neuer Besen wird eingesetzt, Überraschung, neuer Besen kehrt noch besser als der alte. Dichter triumphiert, Werke verkaufen wie blöd, Dichter trinkt zu viel und wird von junger Liebe verlassen, Dichter erschießt sich, literarische Welt in tiefer Bestürzung, neue Dichter stehen in Zeitung, alter Dichter wird langsam vergessen, Werke werden verramscht. Jeder, überall ist ersetzbar, das wissen wir. Aber nein! Für dieses eine Heiligtum unserer säkularen Welt, für die monogame Paarbeziehung, die Grundfeste unserer privaten Existenz, gehen wir von einer einzigen grandiosen Ausnahme aus. Ich erkläre dir, dass ich dich liebe, wenn du mir dasselbe erklärst. Und damit beeiden wir voreinander, dass es für uns niemanden sonst auf der Welt geben kann, der so ist, wie du mir bist. Woher wir so viel Romantik in einer sonst so unromantischen Welt nehmen, ist mir oft nicht ganz klar.

Mindestens ein Drittel aller Ehen scheitert bekanntlich. Und die meisten davon nicht so wie in der Geschichte, nicht mit in flagranti ertapptem Ehebruch, sondern viel stiller, unauffälliger, zähflüssiger. Dort dann aber, nachdem der Partner endlich weg ist, da sind wir schnell bereit zu sagen, es sei eben ein Fehler gewesen, der Partner sei halt eine Null gewesen. Die man auch gerne ersetzen würde, wenn das nur immer so einfach ginge.

Das heißt, Geschichten wie die obige könnten etwas erzählen von der Mittelmäßigkeit des Menschen, der leider nie der Held ist, für den er sich selber so oft hält, sondern eben allzu oft nur „normales Mittelmaß, Durchschnitt“. Und von der Brüchigkeit und Endlichkeit von Liebe. Und, vielleicht, überraschend, sie könnten etwas von der vergleichsweisen Unbegrenztheit des frei schweifenden Begehrens, der Sexualität erzählen.

Tut nachts aber kaum. Er ist vielmehr dabei, eine instrumentelle Frage zu lösen. Er weiß, er hat da einen Plot, der die Leser fesseln wird. Jetzt gibt er sich Mühe, den über möglichst viele Seiten zu spreizen. Gut scheint eine Geschichte dann, wenn sie spannend ist und wenn sie diese Spannung möglichst lange hält. Wenn der Leser zahllose Absätze verschlingen muss, damit er endlich erfährt, wie das ausgeht. Tja, wenn diese Absätze dann aber wenig mitzuteilen haben, beispielsweise zu den von mir soeben angedeuteten Themen, stattdessen oft etwas aufgeblasen wirken von heißer Luft:

„Nein, es durfte nicht sein, aufhören, alles sollte aufhören, nur ein Irrtum, ein Versehen, falsche Tür, falsches Haus, falsches Leben. Was wäre, wenn er jetzt schreien würde, schreien wie ein gewaltiges, blutrünstiges Tier. Visionen tauchten in ihm auf - mit scharfen Krallen sich die Brust aufreißen - sieh her, schau es dir genau an, dein Werk!“

Der Mann erlebt einen Schock. Der Boden wankt unter seinen Füßen. Er fühlt sich geschlagen, er fühlt sich entwürdigt, er fühlt sich ent-liebt, kalt entzogen der ihm zustehenden Liebe, Anerkennung und Beachtung, wie in ein Vakuum gestoßen. Gut, das muss man irgendwie ins Hirn des Lesers kriegen. Aber gar so glaubhaft kommt mir das nicht vor, dass so einer, dem das widerfährt, in der einen Sekunde drüber nachsinnt, was ein Schrei auslösen würde, in der nächsten sich ein Tier denkt, das ihm die Brust zerkratzt. Nein, der Kerl dürfte in Wahrheit eher merkwürdig nüchtern und gelähmt sein und sich selber wundern, dass es ihm sonderbar egal ist und dass er komischerweise keine Idee hat, was er jetzt tun sollte, was von jemandem in so einer Situation normalerweise wohl erwartet wird. Ich denke, es gibt in solchen Fällen Männer, die schreien. Die schreien dann eben. Und es gibt solche, die nicht schreien, keinen Laut von sich geben. Und die überlegen sich dann vielleicht, warum sie eigentlich nicht schreien. Aber es gibt wohl nur wenige, die sich überlegen, was genau passieren würde, falls sie schreien würden.

„Die Nachbarn, ihre Freundin, diese aufgeputzte Dorfschlampe Kerstin mit ihrem falschen Lächeln, alle wussten es, es mochte sein, dass manche sogar Mitleid mit ihm, dem Trottel hatten, oder die machten sich lustig über ihn. Er konnte sie beinahe schon tuscheln hören. Wieso hieß es eigentlich gehörnt? Wie vielen Menschen war so etwas schon passiert? Er musste es sehen, Gewissheit erlangen. Nervenkostüm - auch so ein dämliches Wort. Ein Gehörnter in dünnem Nervenkostüm.“

Tja, es gibt wohl auch eher wenige Männer, die erstmals im Leben ihrer Frau beim Sex mit einem Fremden zusehen und derweil im Geiste die besten Freundinnen dieser Frau Revue passieren lassen oder sich über die Etymologie von „Nervenkostüm“ oder „Hörner aufsetzen“ den Kopf zerbrechen. Klar, der Autor will uns Lesern sagen: Er ist geschockt, er kann nicht mehr richtig denken. Aber es ginge wohl auch, dies irgendwie lebensnäher zu sagen.

Was eher schadet als nutzt, sind solche gewollt literarischen Sätze wie dieser:
„Er glotzte auf ihren lächelnden Mund, aus dem messerscharfe Worte sprangen, um seinen Kopf zu zerschneiden.“

Zwar klingen Brigittes Worte hier gar nicht so scharf, aber das gibt es natürlich: messerscharfe Worte. Bloß: Springen Messer tatsächlich? Und aus Köpfen heraus? Und um Köpfe zu zerschneiden? Also Köpfe zerschlagen mit Hämmern oder Beilen, das nehme ich hin, aber Köpfe zerschneiden, als wären es Tomaten? Das dürfte etwas schwerer gehen. Was? Aufschneiden ist gemeint? Ähnlich wie zerkratzen... Hm, hat er aber nicht so geschrieben.

„Oder war all das nur Einbildung, eine Illusion, ein Tagtraum gewesen? Fiebernd schüttelte er sich kurz, aber der Alp klammerte sich an ihn, schlug seine Erkenntnisklauen bis tief ins Innerste, nichts war irreal, alles hatte sich genau so abgespielt.“

Gut, gut. Ich hab’s kapiert. Es ist alles ganz fürchterlich für ihn. Er ist fertig. Und so hilflos. Aber jetzt Sachen wie Obiges durchstreichen und dafür etwas hinschreiben wie: „Heiner sah zu, wie der Fremde sich in Brigitte bohrte. Seltsam alltäglich sah das aus. Er merkte, dass er gespannt war, ob sie mit dem Anderen dasselbe machte wie mit ihm. Ob der Andere auf dieselbe Art Genuss an ihr hatte wie er. Oder anders. Ob es das war, warum sie diesen Mann brauchte? Weil er ihr etwas gab, was Heiner nicht geben konnte?“ Ist ungefähr genauso lang und fügt dem Ganzen vielleicht eine kleine Prise Salz hinzu.

Denn es geht ja schließlich durchaus etwas in diese Richtung. „Was trieb ihn dazu, sie gerade jetzt so unglaublich zu begehren? Sein Widerstand verbrannte, unter Qualen, bis nichts von ihm blieb als verkohltes Selbstmitleid.“ Er tut etwas, was wir Leser nicht erwartet hätten. Wie vorher, als er sich nicht bemerkbar gemacht hat. Das ist natürlich gut für eine Geschichte, das fesselt den Leser. Er tut etwas, was er selber nicht begreift. Er will der nächste Mann sein, der Mann, der mit Brigitte schläft, nachdem vorher ein anderer mit ihr geschlafen hat. Und er macht das auf eine Weise, von der er nicht nur genau weiß, weil er es gesehen hat, vorher, dass er die Spuren des Nebenbuhlers in Mund und Nase bekommen wird, sondern in der auch noch ausdrücklich dasteht, dass er den anderen Mann schmecken kann. Ein fast schon homoerotischer Zug. Auf jeden Fall aber ein Zug ins Orgiastische hinüber. Wie schon vorher, als er heimlich zugeschaut hat, sorgt auch diese Vermischung seiner mit ihrer und der Feuchtigkeit des Dritten dafür, das irgendwo hinten an der Wand des Leserhirns sich dieses Bild von dem Dreier aus Frau, Ehemann und Hausfreund abzumalen beginnt. Wir sind also wieder genau da, wo diese gesellschaftsmäßig als allgemeingültiges Ideal verordnete ewig währende monogame heterosexuelle Zweierangelegenheit leicht ins Schwanken gerät. Eine durchaus interessante Stelle, die vielleicht etwas mehr noch hergegeben hätte.

Ginge es hier halbwegs mit Wahrscheinlichkeit gemäß unserer Erfahrungswelt zu, so würden wir meinen, so eine Frau spürt genau, dass er was gemerkt hat, auch wenn sie ihm nur Kaffee anbietet und nichts weiter sagt. Sie sagt vermutlich nichts, weil es nichts zu sagen gibt, bzw. weil jedes Wort jetzt nur den falschen Funken zünden würde. Wenn aber dann er anfängt, Sex von ihr zu wollen, wo sie doch eigentlich weiß, dass er weiß, dass sie gerade vorher Sex mit dem anderen Mann hatte, wenn sie da nicht nur mitmacht, sondern in kürzester Zeit sexuell extrem erregt scheint durch diese Konstellation, dann..

Tja, dann gibt es für mich nur zwei Varianten: Entweder sie stellt ein für alle Mal klar, dass er sexuell abhängig ist von ihr, dass er ihr aber nicht ausreicht und dass er darum von nun an zu akzeptieren hat, dass sie es mit Anderen treibt und auch mit ihm, falls sie dazu dann noch Lust hat. Heißt: Sie beschämt ihn und macht ihm klar, wie ohnmächtig er und wie mächtig sie ist. Oder aber – und das ist mir die sympathischere und vielleicht darum glaubwürdigere Variante: Sie macht einfach weiter. Sozusagen als sexuelles Tier, jenseits aller bürgerlichen Normen. Sie hat es genossen mit dem Einen zu schlafen, sie wurden gestört, der Eine ist weg, jetzt ist der Andere da, macht sie eben mit ihm weiter. Wir sind wieder bei der Stelle von der Ersetzbarkeit des Menschen. Ihm scheint das auch nicht sehr widerlich zu sein, er ist ja sexuell auch erregt, er will ja kommen. Vielmehr, nachdem ihn das Schockerlebnis bei der ersten Heimkehr und der anschließende (wohl eher halb-willentliche) Entscheid, darüber zu schweigen, über konventionelles Verhalten hinauskatapultiert hat, ist auch er an dem Punkt, wo es ihm egal wird, wer mit wem schläft, wie oft und auf welche Weise. Hauptsache, es macht Spaß. In Zukunft könnten sie also beispielsweise in einen Swingerclub gehen. Wäre dann die nächste Geschichte.

Das aber will nachts nicht. Das habe nur ich ihm unter die Weste gejubelt. Er, vielmehr, schreibt:
„Sobald die Toilettentür hinter ihm ins Schloss gefallen war, sackte er in sich zusammen und schluchzte.“
Was so viel heißt wie: Dieser Mann ist fertig, mit dem ist es aus. Er will nicht, dass seine Frau mit Anderen schläft, kann aber rein gar nichts dagegen tun. Er muss sogar (nehme ich an) hinnehmen, dass sie ihm ins Gesicht sagt, dass sie es tut und er nichts dazu sagen kann, nicht einmal, dass er es weiß. Der Mann ist mehr oder weniger verloren, da er sich selbst in einer Situation einsperrt, in welcher man mit ihm beliebig spielen kann. Er hat schon Grund zu weinen. Aber ich weine nicht mit ihm. Und mag auch keine Story, die das tut.

[Noch was. „Brigitte lag auf dem Rücken, über ihr ein Mann, den Kopf zwischen ihren Schenkeln. Ihre Hände packten seinen Hintern, während er sein Becken dicht über ihrem Gesicht bewegte. Sie schmatzte mit vollem Mund. Er hatte schwarzbehaarte, muskulöse Beine, seine Zehen bohrten sich ins Laken, tief vergraben in ihren Schoss hatte er sein Gesicht. Heiner konzentrierte sich auf die rechte Hand seiner Frau, den Ehering am schweißnassen Hintern des Fremden. Sie griff zu, der Daumen schob sich in die Spalte.“

Hab ich jetzt etwas verknappt, aber das steht mehr oder weniger so dicht gepackt hintereinander, die Stellung wird, dann wörtlich zu lesen, später erst gewechselt. Offenbar bringen die das fertig, dass sie ihm gleichzeitig einen bläst, er sie leckt. Er liegt auf ihr, denn der Beobachter kann den Schweiß von seinem Hintern rinnen sehen und den Ring an der Hand, die darauf liegt. Gut, wird man sagen, das geht, sie machen 69. Ja schon. Aber wenn er von unten heraufspähend seinen Hintern und ihren Finger darin sieht, dann liegt der Nebenbuhler so, dass sein Kopf von der Türe weg, sein Hintern zur Tür hin weist. Und unter ihm liegt die Frau. Und umgekehrt, da es 69 ist. Dann liegt aber wahrscheinlich die Frau umgekehrt in ihrem eigenen Bett, mit dem Kopf beim Fußende, Füße im Kissen. Das glaub ich jetzt nicht so ganz.]

Oder, mal ganz einfach ausgedrückt: Könnte es sein, dass ihr Heterosexuellen etwas zu sehr geneigt seid, Sex mit Liebe und Liebe mit Sex zu verwechseln? Wo das doch in Wirklichkeit zwei ziemlich verschiedene Paar Stiefel sind.
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"Die uns bekannte Welt versinkt, indem sie Geschichten für passé erklärt, im Wahnsinn."
(John Ashberry)

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nachts
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"Tut nachts aber kaum. Er ist vielmehr dabei, eine instrumentelle Frage zu lösen. Er weiß, er hat da einen Plot, der die Leser fesseln wird. Jetzt gibt er sich Mühe, den über möglichst viele Seiten zu spreizen"

No Sir -- wenn ich deinen Kommentar lese ... der Reiz der Story liegt wohl wo anders - da hast du an der falschen Stelle gegraben


von dem was du generell über Beziehungen meinst und wie Menschen so sind und wie man schreiben sollte ... (der comment war mir persönlich zu üppig um ihn ganz zu lesen, sorry) ... das ist mir zu absolutistisch, das kommt mir viel zu dogmatisch daher - da wünscht ich dir a bisserl mehr fantasie (weniger Schublade - mehr Konjunktiv) - es gibt nicht nur einen Weg und eine Denkweise oder eine Art Dinge bzw. Gefühle auszudrücken/zu erleben - so festgefahren gehts eben nicht zu - da gibts kein richtig oder falsch selbst bei den Stellungen und beim Vögeln nicht (und selbst wenn jemand schluchzt, mag es verdammt viele verschiedene gründe dafür geben - und du siehst grad mal einen ...
aber letzten Endes hat die kleine Story nur den Anspruch zu unterhalten, thats all ...
liebe grüße Nachts


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