Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5284
Themen:   87780
Momentan online:
318 Gäste und 13 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Erz├Ąhlungen
So nah am Tod vorbei
Eingestellt am 29. 12. 2001 22:38


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
Fredy Daxboeck
???
Registriert: Feb 2001

Werke: 81
Kommentare: 228
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Fredy Daxboeck eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil


hallo leute, ich hab hier mal eine story begonnen. dies ist zwar die fortsetzung davon, aber auch allein ganz nett zu lesen ... hoffe ich doch
ich w├╝nsche euch gute unterhaltung und einen sch├Ânen tag


"Komm mit, ich will schwimmen", rief Susan und lief, nackt wie Gott sie schuf mit weiten Spr├╝ngen ├╝ber die Wiese zum Wasser, verharrte kurz am Ufer, und stieg dann vorsichtig in das t├╝rkisgr├╝ne eiskalte Element. F├╝r einen langen Augenblick raubte ihr die K├Ąlte den Atem, als sie bis zur Brust in die leichte Str├Âmung rutschte und sie riss erschrocken den Mund zu einem lautlosen Schrei auf. Dann holte sie zweimal tief Luft und tauchte unter. Der Fluss nahm sie drei Schritte mit sich und als sie wieder hochkam, lie├č sie einen entsetzten Aufschrei h├Âren, der sowohl Qual als auch Lust war.
"Hey warte!" Kyle krabbelte auf allen vieren aus dem Zelt und lief ohne zu ├╝berlegen hinter ihr zum Ufer und sprang ins Wasser, schnappte nach Luft ... und ging unter. Die eisige K├Ąlte griff wie eine riesige Faust nach seinem K├Ârper, quetschte ihm die Luft aus seinen Lungen und lie├č ihn erstarren. Er war nicht vorbereitet auf dieses Gef├╝hl der unbarmherzigen K├Ąlte, die seinen erhitzten K├Ârper traf.
Instinktiv griff Susan nach seinen Haaren und riss seinen Kopf hoch. Prustend und schnaufend schlug Kyle um sich, bevor er wieder Boden unter die F├╝├če bekam.
"Oh verdammt, oh verdammt! Ist das kalt. Wow! Das rei├čt einem das Herz aus dem Leib. Ich muss raus!" schrie er mit weit aufgerissenen Augen und k├Ąmpfte sich mit rudernden Armen ans Ufer. Susan, deren Lippen in der kurzen Zeit blau angelaufen waren, lachte, w├Ąhrend ihre Z├Ąhne vor K├Ąlte klapperten wie spanische Kastagnetten. Lachte noch lauter, aus purer Erleichterung. F├╝r einen wilden Moment hatte sie um Kyles Leben gef├╝rchtet. Hatte ihn mit violett angelaufenem Gesicht und verzweifelt toten Augen im Wasser schwimmend gesehen und lachte, als er ungelenk, mit bizarren Bewegungen am Ufer hochkletterte. Sie lachte bis sie ihren K├Ârper, der sich vor K├Ąltekr├Ąmpfen sch├╝ttelte, beinahe nicht mehr unter Kontrolle hatte. Dann stieg sie so schnell es ihre tauben Muskeln zulie├čen aus dem Wasser und schrie noch einmal hell auf. Diesmal vor absoluter Begeisterung, ├╝ber diesen wahnsinnigen Morgen und den Gef├╝hlen die sie noch immer, Welle f├╝r Welle ├╝berrollten.
Sie lief zu Kyle, der zitternd vor seinem Zelt stand und sich mit einer Decke abrieb, nahm seine Hand und zerrte ihn mit sich.
"Du musst laufen. Dein Blut muss in Bewegung kommen. Du musst laufen, damit deine Muskeln sich erw├Ąrmen, sonst wirst du den ganzen Tag frieren."
Sie liefen ├╝ber die gro├če Wiese neben dem Fluss, h├╝pften und sprangen und fanden ihren ├ťbermut wieder. Schlie├člich stoppte Kyle, zog Susan eng an sich und legte seine Arme fest um sie. So standen sie eine lange Weile bewegungslos in der Sonne. Au├čer Atem. Aneinandergepresst. Mit wild klopfendem Herzen. Eine sanfte Brise umspielte sie zart und trocknete die letzten Tropfen Wasser, die auf ihrer Haut gl├Ąnzten.
"Wir sollten uns besser auf den Weg machen", fl├╝sterte Susan. "Sonst kommen wir hier nicht wieder weg." Ein leises L├Ącheln umspielte ihre Lippen und ihre Augen gl├Ąnzten im wortlosen Versprechen.
"Hmmh", stimmte Kyle zu und k├╝sste sie mit zitternden Lippen auf den Mund.
Sanft schaukelnd zerrte das laubgr├╝ne Kanu, das tief im Wasser lag, an der Leine, die mit einem festen Knoten an der breiten Weide befestigt war. Jeder freie Platz in dem Boot war mit Ausr├╝stung vollgepackt. Nur die Paddel, die Spritzdecke, die ihre Ausr├╝stung vor N├Ąsse sch├╝tzen sollte, und ein kleiner Beutel mit Proviant lagen noch am Ufer.
"Okay, ich denke der Trip kann beginnen", erleichtert streckte sich Susan durch, beide Arme ins Kreuz gedr├╝ckt. Das Verstauen ihrer Sachen ins Boot hatte mehr Zeit und Kraft beansprucht, als sie gedacht hatte. Sie schob ein letztes Mal den Gedanken an ihren Wagen, den sie hier zur├╝cklassen w├╝rde beiseite. Sie musste sp├Ąter zur├╝ckkommen. Das sollte hei├čen, wenn sie den Weg wieder fand, und ihn holen. Bis dahin hoffte sie, dass er niemanden st├Âren oder besonders ins Auge fallen w├╝rde. Ein Zettel hinter der Windschutzscheibe besagte ohnehin, dass sie bald zur├╝ck sei. Au├čerdem verirrte sich sicher niemand so schnell in diese abgeschiedene Gegend.
Ihr Blick wanderte zum wiederholten Mal ├╝ber das aufgelassene Lager. Die Erinnerung an diesen Morgen w├╝rde sie noch lange begleiten. Streifte die gr├╝ngefleckte Spritzdecke, die sie noch ├╝ber das Kanu spannen mussten. Den Rucksack in den sie den Rest ihres Fr├╝hst├╝cks verstaut hatten. Und die Paddel. Strich ein letztes Mal ├╝ber den Platz. Neben der kalten Feuerstelle gl├Ąnzte zwischen zwei gro├čen ru├čgeschw├Ąrzten Steinen ein silbernes St├╝ck Folie. Mit langen Schritten ging sie zur├╝ck, um dieses aufzuheben. Sie wollte keinen Abfall hinterlassen.
"Alles klar Schiff", rief Kyle vom Ufer herauf, winkte mit einer Hand und l├Âste den Knoten der das Kanu an die Weide band. "Es kann losgehen."
"Ich komme!" Susan b├╝ckte sich, griff nach dem gl├Ąnzenden St├╝ck Folie in dem sich die Sonne hell widerspiegelte ... und erstarrte in der Bewegung.
Ein Paar unheimlicher Augen starrten sie an. Schwarze, stecknadelkopfgro├če Pupillen unter schl├Ąfrig wirkenden, schweren Augenlidern. Gl├Ąnzend wie zwei Tropfen getrocknetes, schwarzes Blut. Susan wich erschrocken zur├╝ck und konnte nur mit M├╝he einen Schrei unterdr├╝cken.
Eine Schlange hatte es sich unter dem silbergl├Ąnzendem St├╝ck bequem gemacht. Wahrscheinlich hatte die Morgensonne die Folie erw├Ąrmt und dadurch das Tier angelockt.
Die Schlange zuckte nerv├Âs mit dem Schwanz und lie├č ihre schmale, gespaltene Zunge vorschnellen. Den starren Blick auf die bewegungslose Susan geheftet, richtete sie sich auf.
Ihr Oberk├Ârper schwankte wie junges Schilf im leichten Septemberwind. Sie zuckte blitzschnell nach vor, ohne allerdings zuzubei├čen, stie├č ein w├╝tendes Zischen aus und nahm wieder ihre aufrechte, drohende Haltung ein.
"Kyle, eine Schlange!" fl├╝sterte Susan und alles Blut wich aus ihren Wangen. Sie wagte es nicht laut zu schreien, aus Angst das Tier noch mehr zu erz├╝rnen.
"He, Susan! Kommst du?" rief Kyle lachend. "Ich kann das Boot nicht mehr lange halten. Es will endlich los."
"Kyle bitte hilf mir, ich habe Angst." wisperte Susan wieder. Sie f├╝rchtete ihre Beine w├╝rden unter ihr nachgeben und sie w├╝rde fallen, direkt auf die Schlange, die unmerklich n├Ąher gekommen war, b├Âse fauchend, immer wieder ihre Zunge aus dem leicht ge├Âffneten Maul schnellend, um den Geruch der Angst, der von Susan ausging, aufzunehmen. Ihr Schwanz peitschte nerv├Âs. Ihr Kopf zuckte wieder nach vor.
Susan sah ihr in die Augen und stand eine nie gekannte Todesangst aus, w├Ąhrend die Sekunden sich zu Minuten dehnen zu schienen. Das Tier war aus irgend einem Grund aggressiv und gereizt. Immer wieder und wieder lie├č es den schmalen Kopf nach vor schnellen, ├Âffnete das Maul und zeigte Susan ihre spitzen Z├Ąhne, an der winzige bernsteinfarbene Tropfen zu h├Ąngen schienen.
Susan konnte schon sp├╝ren, wie das Gift hei├č durch ihre Adern floss.
"Nicht bewegen. Um der G├Âtter willen, bewege dich nicht", fl├╝sterte Kyle, der so schnell wie es ihm m├Âglich war, das Boot noch einmal festgebunden hatte, nachdem ihm Susans seltsame Haltung aufgefallen war. Drei sichere Schritte entfernt, zur Salzs├Ąule erstarrt. "Sie ist genauso erschrocken wie du. Ich muss mir etwas einfallen lassen um sie abzulenken. Ich brauche einen Ast oder etwas ├Ąhnliches." Fieberhaft sah er sich um. Suchte nach einem Ausweg. Die Schlange war eine Sandviper, klein, gelb-braun und b├Âse, konnte sie jeden Moment zusto├čen und ihr t├Âdliches Gift in Susans K├Ârper jagen. Sie brauchte dazu keinen besonderen Grund. Diese Sandviper war wirklich mehr als nur aggressiv. Sie war b├Âse. Sehr b├Âse.
Ohne sich allzu schnell zu bewegen, glitt Kyle geschmeidig zum Ufer zur├╝ck, begleitet von den misstrauischen Augen der Schlange, die ihn aus ihren Augenwinkeln taxierte.
Er durfte sie nicht allzu sehr erschrecken. Durfte sie nur vorsichtig ablenken, von Susan weglocken. Fieberhaft jagten seine Gedanken und suchten nach einem Ausweg.
Die Paddel! Die Paddel lagen noch am Ufer. Mit ein paar Schritten m├╝sste er sich erreichen. Die Arme ausgebreitet, um ein gut sichtbares Angriffsziel abzugeben, glitt er mit weiten, fl├╝ssigen Schritten an die Stelle wo er die Paddel im hohen Gras vermutete. Wenn nur jetzt Susan nicht die Nerven verlor und eine falsche Bewegung machte.
"Halt aus Susan, bitte halt aus!" Die Worte zischten zwischen seine fest zusammengepressten Lippen hervor, ohne dass er sich dessen bewusst wurde. Jede seiner Bewegungen waren reinste Konzentration. Ein Fehler von ihm w├╝rde hier drau├čen, so weit weg von der n├Ąchsten Stadt, Susans sicheren Tod bedeuten.
Er fasste das Paddel nahe am Blatt und hastete zur├╝ck, geduckt, um das Tier nicht zu einer voreiligen Reaktion zu veranlassen.
Zornig, mit glitzernden Augen, zuckte die Schlange mit ihrem Kopf hin und her, schien sich nicht zwischen ihren beiden Zielen entscheiden zu k├Ânnen und stie├č nun doch mit aufgerissenem Maul nach vor.
In diesem Moment verlie├č Susan die Kraft und sie st├╝rzte nach hinten. Die Schlange verbiss sich sofort in dem dicken Jeansstoff von Susans Hose und jagte einen Teil des Gifts durch ihre Z├Ąhne. Blitzartig schnellte sie herum, um sich dem anderen Angreifer zu stellen, aber Kyle war schneller. Der lange Schaft des Paddels erwischte das Tier genau hinter dem Nacken und dr├╝ckte seinen Kopf zu Boden. Ohne zu ├╝berlegen stie├č er mit der anderen Hand nach und packte die Schlange, die sich sofort w├╝tend und mit erstaunlicher Kraft um seinen Unterarm wand. Erschrocken h├Ątte Kyle das Tier beinahe losgelassen. Nur Susan, die best├╝rzt aufschrie, lie├č ihn noch fester zupacken.
"Ich hab sie, ich hab sie", stammelte er, und hielt die Schlange, die sich mit weit ge├Âffnetem Maul, b├Âse fauchend wand und wild um sich starrte, weit von sich.
"Nicht!" keuchte Susan und ihr Blick hing wie festgefroren an dem kleinen feuchten Fleck, wo die Schlange ihre Z├Ąhne in die Jeans gegraben hatte. "Tu ihr nichts. Lass sie am Leben."
Ihre Mundwinkel zitterten unkontrolliert.
Mit einer schwungvollen Armbewegung schleuderte Kyle das Tier weit von sich und sah ihm nach wie es sekundenlang durch die Luft wirbelte, gelbbraun gl├Ąnzend, den unabdingbaren Tod im K├Ârper, im Gras landete und sofort verschwand.

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Rote Socke
Guest
Registriert: Not Yet

Lieber fredy,

sch├Ân wieder von Dir zu lesen oder besser gesagt von den beiden, mir noch guten Bekannten.
Immer wieder fasziniert mich dieser lockere, seichte Schreibstil. Und langweilig wird es nie. Jeder Satz bringt Neues, und kleine Abenteuer warten auch.

Das wird ein sehr gutes Buch werden.

Beste Gr├╝├če und viel Gl├╝ck in 2002

Volkmar

Bearbeiten/Löschen    


Gagamello
Hobbydichter
Registriert: Feb 2002

Werke: 4
Kommentare: 36
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Gagamello eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
hi

zum text m├Âchte ich nur bemerken.. die Schlange "im Nacken" zu packen..d├╝rfte schwierig werden..den suchst du bei Schlangen vergeblich.. "hinter den Kiefern" k├Ąme eher hin.. und "wild um sich starren" ..naja damit w├╝rde sie auch so ihre liebe Not haben.. da die Augen "hypnotisch" stillstehen..bis auf das Blinzeln mal abgesehen...
Dann steht da zu lesen..er habe seine Paddel im Rucksack verstaut..die er dann pl├Âtzlich "fl├╝ssigen Schrittes" irgendwo im Gras sucht?.. M├Âglicherweise hatten sie sich ja aus Angst vor der Schlange versteckt?
Vielleicht ├╝berarbeitest du den text ja noch?
lg. und nix f├╝r ungut..
Gagamello
__________________
Des Menschen Verh├Ąngniss ist,
dass er vergisst

Bearbeiten/Löschen    


Zur├╝ck zu:  Erz├Ąhlungen Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.



Leselupe-Bücher





Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!