Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5284
Themen:   87782
Momentan online:
447 Gäste und 12 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Erz├Ąhlungen
Sobeck Nr.1
Eingestellt am 26. 08. 2002 00:07


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
bosbach46
H├Ąufig gelesener Autor
Registriert: Jul 2002

Werke: 56
Kommentare: 65
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um bosbach46 eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Sobeck Nr.1

Dr. Sobeck war irgendwann in der Stadt aufgetaucht. Er galt als Experte der Flu├č- und Teichwirtschaft. Speziell im Bereich der Renatuierung fr├╝her begradigter Fl├╝sse haftete ihm der Nimbus an, unschlagbar zu sein. Jetzt sollte Sobeck die Niers im Gebiet der Stadt Goch in ihr altes Flu├čbett zur├╝ck leiten.

Als Birgit Memeler ihrem neuen Chef vorgestellt wurde, wunderte die Sekret├Ąrin sich, ├╝ber das ungew├Âhnliche Aussehen des Doktors. Er war hoch gewachsen, besa├č offensichtlich durchtrainierte Muskeln und ging lautlos umher. Seine hellgr├╝nen Augen ruhten auf einen bestimmten Punkt, wie die Augen eines Raubtieres, das von seiner Beute in den Bann gezogen wird. Aber er l├Ąchelte gewinnend.

Nach zwei Wochen Anwesenheit ihres neuen Vorgesetzten nahm Birgit Memeler das erste merkw├╝rdige Telefonat entgegen.

Wissen Sie, ├╝berschlug sich die namenlose Anruferin, ihr Dr. Sobeck sollte sich den Sitten des Niederrheins besser anpassen.

Wie meinen Sie das?

Das geht doch nicht, dass ihr Sobeck splitternackt in der Niers steht und dort regungslos die Enten beobachtet. Und das mitten im November.

Wann, meinen Sie, Herrn Doktor gesehen zu haben?

Am Mittwoch, gab die Anruferin an.

Birgit Memeler sah in den Kalender.

Ja, genau, sagte sie, am Mittwoch entnahm er in der N├Ąhe der Villarer M├╝hle aus unterschiedlichen Str├Âmungsbereichen Wasserproben.

Trotzdem, ereiferte sich die Unbekannte, der ist vielleicht meschugge.

Ich bitte Sie.

Die Frau z├Âgerte. Haben Sie, fragte sie Birgit, seinen Unterkiefer betrachtet? Langezogener Knochenbau. Ihr Sobeck k├Ânnte damit ein Schwein durchbei├čen!

Tut mir leid, antwortete Birgit, hier im Hause wird sein Fachwissen gesch├Ątzt und jetzt mu├č ich mich anderen Aufgaben widmen.

In den vergangen Jahren war Birgit Memeler h├Ąufiger von verschrobenen Biologen traktiert worden. Sobeck hingegen empfand sie als einen menschenfreundlichen Zeitgenossen. Allerdings gab es da Marotten. Sie fand es schon komisch, wenn er reglos hinter seinem Schreibtisch sa├č und mit bewegungslosen Augen das B├╝cherregal anstarrte. Gestern erst, sprang er pl├Âtzlich auf, st├╝rzte auf das Regal, auf dem ein Glas mit Wiener-W├╝rstchen stand. Wie besessen schlang er die W├╝rstchen hinunter.

Wissen sie, Frau Memeler, erkl├Ąrte er vollmundig, diese Dinger sind blo├č Beuteersatz. Die W├╝rstchen brauche ich, ich mu├č wild sein, Frau Memeler, wild bleiben.

Sie verstand ihn nicht. Ihr fiel wohl auf, dass Sobeck ├╝ber einen gr├Â├čeren Vorrat verf├╝gte. Allein auf dem Regal standen zehn Gl├Ąser.

Eines Tages bat sobeck, sie m├Âge ihm einige Wasserproben aus dem K├╝hlschrank holen. Unterhalb der Wasserproben fand sie blutige Innereien in einer Sch├╝ssel vor. Die Raumpflegerin, die gerade lustlos den Staublappen ausschlug, fragte, ob der Doktor wieder Hunger habe.

Quatsch, meinte Birgit gereizt, der i├čt W├╝rstechen.

Und ob der Innerein in sich hineinschlingt, behauptete die Putzfrau. Ich habe es geshen, fl├Âtete sie.


Kurz vor Weihnachten stand eine kleine Alabasterkatze auf Birgit Memelers Schreibtisch. Dazu ein Zettel. Ein frohes Fest w├╝nsche ich Ihnen. Unterschrieben hatte Sobeck.

Birgits Freundin stellte fest, die Katze sei ein ├Ągyptisches Mitbringsel. Kein Wunder, dacht sie, Sobeck sei mehrfach in ├ägypten gewesen. Auch die Weihnachtsferien wolle er wieder dort verbringen. Er w├╝rde seinen Urlaub in der N├Ąhe Abbu Simbels verbringen. Zeit f├╝r Freunde an den Gestaden des Nasser-Stausee, habe er gemurmelt. Fr├╝her, so Sobeck, w├Ąre er auch mit Luxor oder Assuan zufrieden gewesen. Bedauerlicherweise seien seine Freunde in den Sudan vertrieben worden. Bis auf vielleicht zwanzig Freunde, die es im Stausse bei dem Tempel aushalten w├╝rden.

Mitte Januar war Sobeck zur├╝ck. Braungebrannt. Er wirkte etwas f├╝lliger.

War das Essen gut, fragte Birgit ihn.

In ├ägypten immer, unvergelichlich k├Âstlich, schw├Ąrmte er. Es ist viel frischer als hier, fl├╝sterte er. Versonnen l├Ąchelte er ihr zu.


__________________
J. Bosbach

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Till Braven
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Aug 2002

Werke: 8
Kommentare: 30
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Hallo Bosbach,

das ist ja eine fantastische Geschichte, die du uns da bietest...
Sie ist in meinen Augen noch nicht perfekt. Aus diesem Blickwinkel ergibt sich meiner Meinung nach keine gro├če Spannung. Und bei solch einer Ausgangsidee mu├č man nat├╝rlich aufpassen, da├č es nicht zu trivial wird.
Sie wirft viele Fragen auf. Das ist sicherlich von dir gewollt.
Aber ich als Leser brauche ein paar mehr Anhaltspunkte. Erst recht, wenn ich mich gruseln soll...

Viele Gr├╝├če

Till

Bearbeiten/Löschen    


Zur├╝ck zu:  Erz├Ąhlungen Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.



Leselupe-Bücher





Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!