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Leselupe.de > ErzÀhlungen
Sobeck Nr.2
Eingestellt am 27. 08. 2002 10:35


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bosbach46
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Sobeck Nr.2

Im folgenden Sommer boten die Baggerseen zwischen Asperden und Kessel ungetrĂŒbte Badefreuden. HĂ€ufig erholte sich Birgit Memeler nach den stickigen BĂŒrotagen an einem der Seen, dessen Ufer das GelĂ€nde des verfallenen Klosters Graefentahls streifte. Menschenleer war es am See und sie schwamm langsam auf die Seemitte zu. Bislang hatten die SchwĂ€ne von ihr nie Notiz genommen. Doch jetzt schien ein Schwanenpaar in ihr einen Eindringling zu sehen. Die mĂ€chtigen Vögel schwammen mit sichtbarer Kampfeslust auf Birgit zu. Mit harten Schnabelhieben und schmerzhaften FlĂŒgelschlĂ€gen drĂŒckten sie die Schwimmerin mehrfach unter Wasser.

Unverhofft stieg etwas aus dem Wasser empor und zog einen der SchwĂ€ne in die Tiefe. Panisch kraulte Birgit zum Ufer zurĂŒck. Sie sah sich kurz um. Der zweite Schwan wurde soeben von einem grĂŒnen Kopf erfasst und in die Tiefe gezogen. Alles ging zu schnell, um wie ein deutliches Bild in ihrer Erinnerung haften zu können. Erschöpft erreichte sie das Ufer.

Am nĂ€chsten Morgen fand sie einen bunten Blumenstrauß vor ihrem Computer. Auf dem dazu gehörenden KĂ€rtchen stand: Feiern Sie das Leben! Sobeck.

Seltsam, dachte sie, konnte Sobeck die lebensgefÀhrliche Situation beobachtet haben? Blödsinn, versuchte sie sich zu beruhigen, Sobeck ist in altmodischer Weise nett. Das ist alles.

Wenig spĂ€ter betrat er das BĂŒro.

Was machen Sie am Samstag, fragte er unvermittelt.

Keine Ahnung, antwortete sie knapp.

Leicht verlegen fragte Sobeck, wie es mit einem Picknick am Baggersee hinter Graefenthal wĂ€re. Mit fester Stimme fĂŒgte er hinzu, dass am Samstag mit einem azurblauen Himmel zu rechnen sei und er Vorbereitungen getroffen habe, um ihr die AtmosphĂ€re eines MĂ€rchens bieten zu können. Um zehn Uhr frĂŒh könne er sie abholen lassen. Ob ihr das passen wĂŒrde?

Birgit stimmte zu.

Am Samstag stand ein englisches Taxi vor ihrer TĂŒr. Der Fahrer bat sie, Platz zu nehmen und fuhr sie bis zum Torhaus der baufĂ€lligen Anlage. Sie können durch das GelĂ€nde laufen, erklĂ€rte er. Sobeck wĂŒrde warten.

Hinter dem Haupthaus lag das Seeufer offen vor ihr. Sie sah ein buntes Sommerzelt. Darunter standen zwei bequeme GartenstĂŒhle und ein ovaler Tisch. Sobeck schritt ihr entgegen. Er trug einen weißen Maßanzug und wirkte darin wie ein Lebemann vergangener kolonialer Zeiten.

Schön das Sie kommen konnten, begrĂŒĂŸte er sie. Er zeigte auf einen der StĂŒhle und bot ihr den Platz an.

Sie mögen Klavierkonzerte, wurde mir berichtet, stimmt das?

Birgit lĂ€chelte. Ja es stimmt. Sobeck stand auf und entfernte ein großes Tuch, das er zwischen den BĂ€umen gespannt hatte. Ein FlĂŒgel mit einem Pianisten, der sogleich spielte, stand dort.

Sie können Ihren Mund wieder schließen, flachste Sobeck.

WĂ€hrend sie das Klavierspiel genoß, servierte der wieder erschienene Taxifahrer ein köstliches FrĂŒhstĂŒck. In einem schwanenartigen BehĂ€lter wurde eine mit Pistazien abgedeckte Terrine angeboten, es gab Kaviar, Flußkrebse, Wachteleier, SĂŒĂŸgebĂ€ck und eine silberne Kaffeekanne, aus der mit einer marinierten Bewegung der Fahrer Kafffee eingoß, sobald die Tasse leer war.

Sobeck strahlte sie an und sie mußte insgeheim zugeben, mit einem schönen Mann den Vormittag auf ungewöhnliche Weise verbringen zu können.

Ich hoffe doch sehr, flĂŒsterte Sobeck, ihnen gefĂ€llt die kleiene Inzenierung.

Mehr als das, betÀtigte Birgit.

Ihr war zumute, als wĂŒrde sie von frohen Empfindungen durchdrungen. Nchdem sie beide gefrĂŒhstĂŒckt hatten, verließen der Fahrer und der Pianist das Ufer. Sobeck wirkte fĂŒr einen augenblick leicht angespannt. Er nahm zwei Decken und legte sie nebeneinander ins Gras.

Mir ist daran gelegen, Ihnen etwas zu zeigen. Wir mĂŒssen dazu das Wasser beobachten.

Beide lagen auf dem Bauch und sahen auf den See hinaus. Sobeck lĂ€chelte sie flĂŒchtig an.

Sie dĂŒrfen das hier ruhig komisch finden, meinte er, aber warten Sie, es wird werden.

Nach einer halben Stunde wurde Birgit unruhig. Was soll ich denn gleich sehen können, fragte sie.

Alles Wunderbare braucht Zeit, gönnen sie der Erkenntnis noch ein Weilchen. Sobecks Stimme klang verstÀndnisvoll.

Birgit schwieg. Die WasseroberflĂ€che krĂ€uselte sich und sie fĂŒhlte, wie in ihr eine seltsame Gelassenheit aufkam.

Auf der anderen Seite des Sees trat vorsichtig ein Reh ans Ufer. Das zierliche Tier witterte die Umgebung ab, bevor es den Kopf senkte und trank. Und dann setzte eine, nur im ersten Moment schreckliche VerĂ€nderung in Birgits Erleben ein. Fand sie das Reh eben noch anmutig, vielleicht sogar niedlich, so wĂŒnschte sie jetzt dem Tier die Kehle aufzureißen, es wild zu schĂŒtteln und sie spĂŒrte den Drang, das Reh fressen zu wollen.

Wie aus einem Tiefschlaf heraus gerissen, hörte sie Sobecks Stimme.

Sie haben nun erkannt, hauchte er. Wie erfĂŒllend es ist zu lauern, lautlos sich der Beute nĂ€hern zu können. Um im passenden Moment springen zu können und dann ein fremdes Leben mit dem eigenen Leben zu vereinigen. Sobeck stand auf.

Sehen Sie die Enten dort, fragte er.

Ja, klar.

Möchten Sie den Erpel?

Birgit wollte. Sobeck robbte, ohne ihre Antwort abzuwarten ins Wasser. Das Entenpaar schwamm zweihundert Meter entfernt, ahnungslos dahin. Und dann schoß unerwartet ein mehrere Meter langes Reptil aus dem Wasser und ergriff den Erpel.

SpÀter lagen sie schweigend nebeneinander. Die Sonne wÀrmte ihre regungslosen Körper. Sobeck reichte ihr ein Foto. Das bin ich, sagte er. Sieh hin. Das Foto zeigte ein mÀchtiges Krokodil. Prachtvoll.

Ja, sagte Birgit bedÀchtig, ich werde deine Frau.

__________________
J. Bosbach

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Rainer
???
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hallo bosbach46,

ich habe beide teile gelesen und finde deine bildersprache sehr gut.
aber, wĂ€hrend der erste teil sozusagen wohlproportioniert ist, fehlt mir beim zweiten etwas das verstĂ€ndnis. vielleicht sollte die rĂ€tselhaftigkeit lĂ€nger bestehen bleiben, das seeidyll ausfĂŒhrlicher beschrieben sein, die wendung/aufklĂ€rung kĂŒrzer und knapper werden oder so Ă€hnlich.
noch eine kleine anmerkung, die keine maschinelle rechtschreibkorrektur finden wird:
die bewegungen beim kaffee einschenken sollen bestimmt manieriert und nicht mariniert sein, ansonsten kann ich mir nichts darunter vorstellen.

gruß

rainer

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Till Braven
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Es geht also weiter...

Hallo Bosbach,

jetzt habe ich den zweiten Teil gelesen, und bin gespannt, wie es weitergeht.
Meinen Kommentar zum ersten Teil muß ich damit revidieren. Die Spannung ist jetzt da, auch wenn ich den Übergang etwas ruppig finde, der Szenenwechsel ist ziemlich rigoros. Ein wenig rĂ€tselhaft erscheint mir auch der plötzliche Sinneswandel im GemĂŒt der Frau. Sie verĂ€ndert sich doch allzu rasch von einer "zivilisierten" SekretĂ€rin in ein Raubtier. War da was im Kaffee?! Das werden wir womöglich im dritten Teil erfahren, oder.

Viele GrĂŒĂŸe von der KĂŒste

Till

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bosbach46
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Schnellschuß

hallo Rainer, hallo Til Braven,
danke fĂŒr die Kommentare! Die kleine, unreife Geschichte, entstand nach einer Ägyptenreise. Der Krokodilgott, dessen Verehrung, ĂŒbte auf mich eine starke Fazination aus und ich transportierte meine Empfindungen in die heutige Zeit. Ich befĂŒrchte, dass meine Ideewelten stĂ€rker sind, als meine handwerklichen FĂ€higkeiten. Zumindest was meine Textarbeit betrifft. Aber ich begreife mich als Lehrling und bin mir sicher, weniger ruppige ÜbergĂ€nge im zweiten Lehrjahr liefern zu können. Einstweilen bleibt die Geschichte so unausgegoren wie sie nun mal ist. Ohnehin erlebe ich manchmal den Prozeß des Schreibens als Plage, weil der jeweils verwendete Begriff, mit dem ich mein "Bild" malen möchte, oft nicht taugt und ich einen stĂ€rkeren suche, einen mit dem ich das von mir Gemeinte treffender sagen könnte. Ich bedanke mich nochmals und versichere, Eure Anmerkungen fielen bei mir auf fruchtbaren Boden. Gruß J.B.
__________________
J. Bosbach

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Till Braven
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Weiter so!

Hallo Bosbach,

Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie's weitergeht.
Vielleicht solltest du deine Inspirationsquelle "Ă€gyptischer Krokodilgott" ganz beilĂ€ufig schonmal im 1. Kapitel ins Spiel bringen. Vielleicht einfach auf die Weise, daß der Sobeck ein entsprechendes Buch auf seinem Schreibtisch liegenlĂ€ĂŸt, und die SekretĂ€rin es ihm flugs hinterhertrĂ€gt.
Ansonsten warte ich mal das Gesamtwerk ab... Es gibt doch noch einen dritten Teil, oder?!

GrĂŒĂŸe von der KĂŒste

Till

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