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Leselupe.de > Erz├Ąhlungen
Sommergewitter
Eingestellt am 09. 02. 2005 15:19


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Estella
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Jan 2005

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Sommergewitter

Der Getr├Ąnkeautomat streikt wieder einmal. Roman bearbeitet ihn kr├Ąftig mit den F├Ąusten. Eine Getr├Ąnkedose landet schlie├člich mit Gepolter im Ausgabefach. Als er sich umdreht steht er, mit seinen 180 und 95 kg Lebendgewicht vor mir.
Ich mag diesen jungen Mann, dem ich seit einigen Wochen in regelm├Ą├čigen Abst├Ąnden begegne. Das Gel├Ąnde der Universit├Ąt ist weitverzweigt, die H├Ârs├Ąle auf unterschiedlichen Etagen verstreut. Es ist schon fast ein Wunder, da├č Roman nun, mit einer Dose Coca Cola vor mir steht und mich mit seinen blenden wei├čen Z├Ąhnen anlacht.

Es ist einer dieser unertr├Ąglich hei├čen Tage, an denen die Kleider am Leib kleben und man drei mal unter der kalten Dusche steht. Im H├Ârsaal d├Ąmmerten die Studenten dahin, w├Ąhrend der Dozent lustlos sein Pensum absolvierte. Ich hatte gro├če M├╝he der bleiernen M├╝digkeit Herr zu werden, die mich ohne Gnade zu ├╝berfallen drohte.
Jetzt, wo ich zuschaue, wie Roman die Dose schl├╝rfend an seinen Mund h├Ąlt, werde ich allerdings wieder munter.

"Roman, was machst du heute Nachmittag, bei der Hitze?" frage ich, bem├╝ht recht harmlos zu klingen.

Roman wischt sich die Feuchtigkeit, die an seinem Mund klebt, mit dem Handr├╝cken ab und diesen dann an seinen Bermuda Jeans.

"Hab mir dar├╝ber noch keine Gedanken gemacht." sagt er.

Dabei sehe ich diesen winzigen, klitzekleinen Funken in seinen Augen blitzen. Ich rappel meine letzten Reserven von Energie zusammen und wage den direkten Angriff.

"Schwimmen gehen, w├Ąre sch├Ân. Oder nicht ?"

Ich verstr├Âme mein s├╝├čestes L├Ącheln und hoffe, da├č er anbei├čt.

Roman erwidert nicht gleich etwas. Er scheint nachzudenken.

" Warum nicht? "

Jetzt bewegt er sich einen Schritt auf mich zu. Ja warum nicht, das frage ich mich auch.

" Du meinst wir beide?"

Mein Herz schl├Ągt etwas schneller. Nerv├Âs streiche ich eine vorwitzige Locke aus der Stirn.

"Ja, Roman, so hab ich mir das vorgestellt. Du kannst doch schwimmen?"

Jetzt lacht er.

"Nat├╝rlich nicht, Estella. So hei├čt du doch? Ich denke, du wirst mich retten."

Gemeinsam schlendern wir zum Parkplatz. Roman zu seinem Motorrad, ich zu meinem Mini.

"Also dann um drei im Waldschwimmbad !"

Die zwei Stunden die dazwischen liegen verbringe ich in einer Boutique, um mir einen Bikini zu kaufen, in einer Eisdiele und schlie├člich fahre ich noch schnell zu meiner Studentenbude, um Handt├╝cher, Getr├Ąnke und Sonnenmilch einzupacken.

Als ich, genau um f├╝nf Minuten nach drei Uhr mit meinem roten Mini auf dem Parkplatz des Waldschwimmbades ankomme, sehe ich ihn schon stehen. Roman l├Ąuft mir entgegen und zeigt mir eine freie Parknische. Er begr├╝├čt mich mit einer leichten Umarmung. In dem wei├čen T-Shirt und den nackten F├╝├čen in den Sandalen sieht er einfach zum Knuddeln aus. Der Fahrtwind hat sein Haar zerzaust. Zu gerne w├Ąre ich mit zehn Fingern hineingefahren.
Roman schultert eine gro├če Badetasche und klemmt sich die bunt karierte Wolldecke unter den Arm.

Das Geschrei der Badeg├Ąste weist uns den sicheren Weg zum Eingang. Im Schwimmbecken tummeln sich hunderte von Menschen. Aus dem Wasser steigt Chlorgeruch, der sich schnell mit dem nussigen Duft von Sonnenmilch vermischt. Wir steigen ├╝ber Decken, Beine und Kinderspielzeug, bis wir ganz hinten am Zaun, einen freien Platz unter den B├Ąumen finden.

ÔÇ×Hier ist es sch├Ân!ÔÇť erkl├Ąrt Roman und breitet die Decke aus.

Er kniet sich hin und zieht sein T-Shirt aus.

ÔÇ× Mach schnell, Estella!ÔÇť

Etwas umst├Ąndlich versuche ich unter meinem hellen Sommerkleid in den neuen wei├čen Bikini zu schl├╝pfen. Ich wei├č, da├č er mir gut steht, zu meiner braunen Haut. Als ich es endlich geschafft habe, lege ich mich b├Ąuchlings neben Roman, der meinen R├╝cken ausgiebig mit Sonnenmilch verw├Âhnt. Er hat wundervoll weiche H├Ąnde. Ich erinnere mich daran, da├č er Medizin studiert.
Lange liegen wir regungslos nebeneinander.

ÔÇ×Du bist s├╝├č, EstellaÔÇť

fl├╝stert er in mein Ohr. Ich drehe mich zu ihm und l├Ąchel. Sein Gesicht ist jetzt so nah, da├č ich seinen warmen Atem an meinem Hals f├╝hlen kann. Roman schaut mir tief in die Augen. Er hat gro├če braune Augen mit dichten Wimpern.
Als er meine Hand ber├╝hrt durchzuckt es mich wie ein Blitz. Er hat einen sch├Ânen, sinnlichen Mund.
Wir liegen auf der Decke, mitten unter all den Menschen und ich habe pl├Âtzlich den Wunsch, diesen Mund zu k├╝ssen. Roman betrachtet mich ernst, so als wolle er meine Geheimnisse ergr├╝nden. Bemerkt er das leise Zittern meiner Lippen?
Sachte zeichnet er mit seinem Zeigefinger die Konturen meine Mundes nach. L├Ą├čt ihn ├╝ber meinen Hals hinunter gleiten, zu dem kleinen Gr├╝bchen, in dem sein Finger Kreise zieht.

Roman fl├╝stert meinen Namen, als sei er in seinen Klang verliebt. Unsere K├Ârper dr├Ąngen sich aneinander. Wir fangen an, uns zu k├╝ssen, falls man so leicht gehauchte Ber├╝hrungen als K├╝sse bezeichnen kann.

L├Ąngst hat sich der Himmel ├╝ber uns verdunkelt, ohne da├č wir es merkten. Innerhalb weniger Minuten ver├Ąndert sich die Situation schlagartig. Eine tiefschwarze Wetterwand zieht am Horizont auf. Das Grollen eines nahenden Gewitters vertreibt die letzten Badeg├Ąste. Pl├Âtzlich sind wir ganz alleine auf der Wiese, ganz hinten am Zaun.

Als seine Hand mich ber├╝hrt, durchf├Ąhrt es meinen K├Ârper wie die Entladung der Elektrizit├Ąt am Himmel.
Ich schlie├če die Arme eng um ihn und genie├če die W├Ąrme und Festigkeit seines K├Ârpers. Ein heftiger Windsto├č f├Ąhrt ├╝ber unsere Haut. Ich sp├╝re den Funken der Wollust in mir aufsteigen. Unsere Lippen verschmelzen miteinander. Unser Atem geht schnell. Nach Luft ringend ├Âffne ich die Augen. Er schaut mich an und l├Ąchelt.

Wir raffen unsere Sachen zusammen und fangen zu rennen an. In meinem Mini finden wir Schutz vor dem heftigen Regen, der sich ├╝ber der Stadt entl├Ądt.

__________________
"Es macht die W├╝ste sch├Ân", sagte der kleine Prinz, "dass sie irgendwo einen Brunnen birgt."

(Saint-Exup├ęry)


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Nieselregen
???
Registriert: Jan 2005

Werke: 2
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ja,

Hallo Eastella,
... einfach Charmant.

Ganz am Anfang schreibst du

quote:
Als er sich umdreht steht er, mit seinen 180 und 95 kg Lebendgewicht vor mir.
da w├╝rde ich mit den "180" noch was machen. Entweder du schreibst "einsachzig" oder "1,80m" oder irgendsowas. Na ja, dir f├Ąllt schon was ein.

Liebe Gr├╝├če
Nieselregen
__________________
Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft.

Marie von Ebner-Eschenbach

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Rainer
???
Registriert: Jul 2002

Werke: 0
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hallo estella,

dein text ist formal sicher auf normalem lupenniveau (die von nieselregen angemerkte stelle hat auch mich etwas gest├Ârt), aber inhaltlich...
...erinnert er mich doch sehr an die ber├╝hmten "groschenromane". ein klischee folgt auf das andere, ein erstes zwischenhoch ist der hinweis auf sein medizin-studium ("arzt-roman" *g├Ąhn*)), das gewitter die kr├Ânung des ganzen.

ich wei├č, und es st├Ârt mich auch nicht, dass groschenheftchen ein enorme akzeptanz finden, und umsatzm├Ą├čig sicher besser als manch hochliterarisches werk dastehen - nur mir gef├Ąllt soetwas eben nicht; entschuldigung.

viele gr├╝├če

rainer
__________________
ist meine, und damit nur EINE Meinung

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Estella
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Jan 2005

Werke: 21
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Hallo !

Ich m├Âchte mich bedanken, sowohl bei Dir, Nieselregen, als auch bei Rainer, f├╝r die Aufmerksamkeit, die Ihr meiner Geschichte geschenkt habt.

Sowohl die positive, als auch die negative Kritik sind mir sehr willkommen. Besonders letztere scheint mir wichtig zu sein, da ich gerade erst mein Studium zum Schreiben aufgenommen habe. Den Hinweis auf die Groschenheftchen sollte ich ernst nehmen! Danke!

mfg

Estella


__________________
"Es macht die W├╝ste sch├Ân", sagte der kleine Prinz, "dass sie irgendwo einen Brunnen birgt."

(Saint-Exup├ęry)

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